Viren-Experte im Interview

Wie schütze ich mich am besten?

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Viren-Experte im Interview/Foto: Michael Geiger / Unsplash

Im Internet tummeln sich viele Kriminelle. Wie man sich vor Angriffen auf den eigenen Rechner schützen kann, verrät Andreas Marx – Geschäftsführer der AV-Test GmbH.

Die Vorstellung ist gruselig: ein Unbekannter liest private Emails, wählt sich mit fremden Daten in Soziale Netzwerke ein oder benutzt eine falsche Identität, um im Internet zu shoppen. Kein Szenario aus einem drittklassigen Hollywood-Film. Immer wieder melden Medien, dass Datensätze missbraucht werden. Erst Anfang April haben Unbekannte 18 Millionen Email-Adressen inklusive Passwörter gestohlen. Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt.

„Mit den nun aufgetauchten E-Mail-Adressen und den zugehörigen Passwörtern versuchen Kriminelle, sich in E-Mail-Konten einzuloggen und diese für den Versand von SPAM-Mails zu missbrauchen“, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Weiter heißt es auf der Website: „Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich bei den gefundenen Adressen und Passwörtern nicht nur um die Zugangsdaten zu E-Mail-Konten handelt, sondern auch um Zugangsdaten zu anderen Online-Diensten wie Online Shops, Internet-Foren oder Sozialen Netzwerken.“

Das Bundesamt empfiehlt daher dringend, die eigene Email-Adresse auf einer extra eingerichteten Website zu überprüfen. Wenn sie betroffen ist, haben die Experten Tipps für Sicherheitsmaßnahmen parat. Wie man sich sonst noch schützen kann, verrät Andreas Marx. Er ist Geschäftsführer der AV-Test GmbH - einem unabhängigen Anbieter für Services im Bereich IT-Sicherheit und Anti-Viren-Forschung.

bigKARRIERE: Herr Marx, Anfang April wurde bekannt, dass Unbekannte 18 Millionen Email-Adressen inklusive Passwörter gestohlen haben. Nicht der erste Fall dieser Größenordnung. Erst im Januar war ein geklautes Paket mit 16 Millionen Adressen aufgetaucht. Wie kann ich eigentlich verhindern, dass mein E-Mail-Account gehackt wird?

Andreas Marx: Der wichtigste Tipp überhaupt: verraten Sie ihr Passwort nicht. Denn das kann schneller gehen, als man denkt. So sind gerade an Urlaubsorten Internet-Cafés oder PCs im Eingangsbereichen von Hotels sehr beliebt. Wenn man seine Zugangsdaten dort eingibt, etwa um schnell Mails zu checken, hat man oft schon verloren. Für Kriminelle ist dies ein Datensammelsorium und somit eine extrem wertvolle Informationsquelle.

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Viren-Experte im Interview/Foto: Dlanor S / Unsplash

 

Was sollte man beim Surfen im Internet beachten?

Ich empfehle dringend, alle von Microsoft angebotenen Sicherheitsupdates regelmäßig einzuspielen - auch wenn es manchmal etwas dauert und immer mal wieder nervt. Gleiches gilt für häufig angegriffene Software wie Flash oder Java: entweder, man spielt hier regelmäßig Updates ein oder man deinstalliert die Software gleich ganz, wenn man sie nicht nutzt.

Ihr Unternehmen, die AV-Test GmbH, ist fokussiert auf die Ermittlung und Analyse der neuesten Schadsoftware. Nimmt die Anzahl der Viren zu?

Die Zahl der uns bekannten Viren steigt rasant an. Bisher sind uns über 200 Millionen Schadprogramme bekannt und täglich kommen 200.000 bis 250.000 neue hinzu.

Eine ungeheure Zahl. Werden die Viren immer komplexer?

Oh ja, die Schadprogramme werden immer raffinierter. Sie verstecken sich immer besser, um einer vorzeitigen Erkennung etwa durch einen Virenscanner zu entgehen. Die Schutzprogramme müssen also ständig nachgebessert werden.

Wie schütze ich mich am besten?

Virenscanner und Internet Security Suiten bieten einen guten Grundschutz an, der viele Gefahren abwehren kann. Aber man sollte sich auf keinen Fall nur auf solche Programme verlassen. Wenn ein Angebot im Internet zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das meist auch nicht: Keiner hat dort etwas zu verschenken.

Welche Programme helfen?

Für Wenig-Surfer empfehlen wir ein gutes Antivirenprogramm. Wenn man häufig Online-Banking betreibt und auch sonst viel im Internet unterwegs ist, sollte man auf eine Internet Security Suite setzen.

Wie sicher sind kostenlose Programme?

Kostenlose Sicherheitsprogramme - etwa von Avira, Avast oder AVG - bieten einen guten Basisschutz. Die Kaufversionen erweitern den Funktionsumfang und rüsten etwa eine Kindersicherung oder Online-Backup-Funktionen nach.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wie erkenne ich, dass mein Computer von Viren befallen ist?

Wenn ihr Rechner etwa durch den sogenannten "BKA-Trojaner" gesperrt wurde, merken sie das recht schnell, denn nichts geht mehr. Ansonsten halten sich Viren meist unauffällig zurück, denn gekaperte Rechner sind Kriminellen viel Wert. Und die meisten Schadprogramme werden von Kriminellen gesteuert. Ein infizierter Rechner wird so etwa zur Spam-Schleuder.

Was kann man gegen Viren auf dem Rechner unternehmen?

Wenn der Virenscanner nichts Verdächtiges meldet, der Rechner sich aber merkwürdig verhält, dann empfehlen wir, den PC über eine Rettungs-CD zu booten. Weitere Informationen und Downloads gibt es unter https://www.botfrei.de/ 

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