Fachkräftemangel

Zahlen und Fakten

Fachkräftemangel – Zahlen und Fakten

Die Medien sind sich einig: In Deutschland besteht ein akuter Mangel an Fachkräften. Und das soll in Zukunft nicht besser werden. Stimmt das? Einige Wirtschaftsforscher sagen ganz klar: Nein. Doch wer hat Recht?

Um das herauszufinden, gibt die IHK Baden-Württemberg jedes Jahr eine Studie in Auftrag. Der „IHK-Fachkräftemonitor“ stellt die voraussichtliche Entwicklung von Angebot und Nachfrage auf dem Fachkräftearbeitsmarkt bis zum Jahr 2030 im Internet dar. www.fachkraeftemonitor-bw.de Die Anwendung lässt sich für die Analyse des Fachkräftemangels in 105 Berufsgruppen und 18 Branchen bzw. 12 Regionen Baden-Württembergs nutzen.

bigKARRIERE hat die Ergebnisse zusammengefasst:

+ Fangen wir mal mit den guten Dingen an:
Der Ausbau der Universitäten trägt Früchte. „Zwischen 2005 und 2012 ist das Angebot an Akademikern um gut zehn Prozent gestiegen und wird bis 2021 erneut um fünf Prozent zulegen“, heißt es von Seiten der IHK.

- Das war es dann auch schon mit den guten Nachrichten. Denn „danach wird es stetig abnehmen. Trotzdem reicht das Akademikerangebot nicht aus, um die Nachfrage befriedigen zu können.“

- Im Schnitt fehlen von 2013-2015 23.000 Akademiker, 76.000 betrieblich weitergebildete Fachleute und 57.000 in Betrieben ausgebildete Fachkräfte.

- Zwischen 2013 und 2030 werden der Wirtschaft durchschnittlich 220.000 Fachkräfte pro Jahr fehlen.

- Insbesondere das Angebot an nichtakademisch ausgebildeten Fachkräften mit hoher
Qualifikation wird deutlich hinter der Nachfrage zurückbleiben. Der Mangel an
Meistern, Fachwirten, Technikern, Betriebswirten und Fachkaufleuten wird zum Teil
höher ausfallen als bei den Akademikern.

Obwohl der Fachkräftemonitor speziell auf Baden-Württemberg ausgelegt ist, lassen sich Querschlüsse zu anderen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz ziehen.

Berufsgruppen-Rankig
Die meisten Fachkräfte fehlen in diesem Jahr in der Hotellerie. 5.460 Stellen sind besetzt. 7.080 wären zu besetzen. Das macht ein Defizit von 22,9 Prozent.
Platz zwei und drei belegen Elektroingenieure mit einem Defizit von 18,7 Prozent und Mechatroniker mit 17,8 Prozent. Doch wohingegen sich die Hotellerie laut Prognose der Studie bis 2030 stetig vom Fachkräftemangel erholt haben soll, wird der Mangel an gut ausgebildeten Mechatronikern bis dahin auf über 50 Prozent angestiegen sein.

Wie gegensteuern?
Die Rahmenbedingungen sind schlecht. Die IHK Baden-Württemberg ruft deshalb die Politik zur Verantwortung und fordert die Verbesserung der schulischen Bildung, einen bedarfsgerechten Ausbau universitärer Kapazitäten, die Erhöhung des tatsächlichen Renteneintrittsalters, den bedarfsgerechten Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und auch den Wechsel in der Einwanderungspolitik hin zu einer Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte. Die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit fordert ähnliche Lösungen. „Im Mittelpunkt der Anstrengung zur Steigerung des Fachkräfteangebots stehen 10 Handlungsfelder“, heißt es in einem öffentlichen Bericht der Arbeitsagentur. Diese Felder umfassen unter anderem Schulabgänger ohne Abschluss und Ausbildungsabbrecher zu reduzieren.

Gegenstimmen
Wenn die Lage so klar zu sein scheint – warum sprechen sich einige Wirtschaftsforscher dann gegen einen existierenden Fachkräftemangel aus? Eine der Begründungen: Niemand weiß genau, wie viele offene Stellen es auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich gibt. Denn nur jedes zweite bis siebte Unternehmen meldet der Bundesagentur für Arbeit seine freien Stellen. Das liegt daran, dass Jobs oft intern oder über Empfehlungen vergeben werden. Die Zahlen der Arbeitsagentur sind also nur ein ungefährer Wert.

Und wer hat nun Recht?
Wie man die Zahlen auch dreht und wendet: Der demografische Wandel ist nicht von der Hand zu weisen. Im Kurzbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit von 12/2010 heißt es: „Bis 2025 verringert sich das Erwerbspersonenpotenzial demografisch bedingt um rund 7 Millionen Personen, d.
h. im Durchschnitt um 390.000 pro Jahr.“ Wenn diese Situation eintritt, wird der Fachkräftemangel nicht mehr diskutabel sondern eine Tatsache sein.

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