Benching im Einstellungsprozess

Wie euch Arbeitgeber hinhalten wollen und was ihr tun könnt

Bild Wie euch Arbeitgeber hinhalten wollen und was ihr tun könnt

Bekommt ihr gemischte Signale im Bewerbungsprozess und fragt euch, was da los ist? Ihr wurdet wahrscheinlich gebencht! Wir erklären, was Benching ist, wie ihr das Phänomen erkennt und damit umgeht.

Definition: Was ist Benching?

Als Benching wird eine Praxis bezeichnet, bei der eine Person unnötig lange hingehalten wird. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bezieht sich ursprünglich darauf, dass Sportler auf die Ersatzbank geschickt werden. Sie müssen auf Abruf in dieser Warteposition verharren und es bleibt längere Zeit unklar, in welche Richtung die Entscheidung geht. Außerhalb der Sportarena wird die Metapher verwendet, wenn Personen zappeln gelassen oder warm gehalten werden. Besonders oft fällt der Begriff im Bereich Dating, aber auch im Berufsleben wird immer öfter gebencht. Zu Benching im Einstellungsprozess kommt es, wenn Arbeitgeber einem Kandidaten nicht absagen wollen, insgeheim aber hoffen, dass sich noch ein besserer Bewerber meldet. Wer das bei der Jobsuche erlebt, bleibt oft ratlos zurück.

Dafür ist eure Zeit zu schade: Was Bewerber bei Benching tun können

Wenn ihr im Bewerbungsprozess hingehalten werdet, Antworten ewig auf sich warten lassen, zwischendurch kleine Hoffnungsschimmer kommen und dann wieder das Einstellungsverfahren stockt, steckt wahrscheinlich Benching dahinter. Der Arbeitgeber findet euch gut genug, hofft aber auf einen noch besseren Kandidaten und tut alles, um euch noch ein bisschen länger in der Bewerbungs-Warteschleife zu halten. Es gibt weder eine Absage noch eine Zusage und der Frust steigt. Höchste Zeit, von der Wartebank runterzukommen. So geht ihr es an:

#1: Am Besten solltet ihr euch schon kurze Zeit nach dem Bewerbungsgespräch bedanken, um in positiver Erinnerung zu bleiben. Einige Wochen Zeit solltet ihr dem Unternehmen auch immer geben. Wenn es dann immer noch keine neue Antwort gibt, gilt es vorsichtig, aber freundlich und besonnen nachzufragen. Ruft an und erkundigt euch, ob es Neuigkeiten gibt. Wichtig: In großen Unternehmen und bei Jobs im öffentlichen Dienst dauert der gesamte Einstellungsprozess grundsätzlich länger, in solchen Fällen muss es sich nicht um Benching handeln, wenn ihr lange warten müsst.

#2: Nochmal Nachfragen. Wieder zwei oder drei Wochen vergangen und der Arbeitgeber meldet sich nicht? Fragt per E-Mail oder Telefon, ob es neue Informationen gibt, wie der weitere Ablauf sein wird und bis wann ihr mit einer Entscheidung rechnen könnt. Falls ihr kurz vor der Kündigungsfrist steht, solltet ihr darauf hinweisen. Betont, dass ihr euch gut vorstellen könnt, in dem Unternehmen zu arbeiten, und wie positiv das Bewerbungsgespräch verlaufen ist. So zeigt ihr, dass euch etwas an der Stelle liegt. Doch Vorsicht, nicht übertreiben. Es sollte nicht so klingen, als ob euer Leben von dem Job abhängt.

#3: Anderweitige Bewerbungsbemühungen nicht einstellen! Ja, vielleicht kommt doch noch die Zusage in ein paar Wochen oder Monaten, aber so lange untätig zu warten ist Zeitverschwendung! Sucht weiter nach passenden Jobs und sendet Bewerbungen raus, auch wenn ihr bei der Stelle eigentlich ein gutes Gefühl hattet. Mit dieser Strategie eröffnet ihr euch neue Chancen.
 

Benching im Einstellungsprozess: Wie euch Arbeitgeber hinhalten wollen / Foto: val vesa / unsplash

Benching im Einstellungsprozess: Wie euch Arbeitgeber hinhalten wollen / Foto: val vesa / unsplash

Ihr wurdet gebencht? Bitte fair bleiben!

Benching im Einstellungsprozess ist nicht fair, dennoch solltet ihr euch an die Spielregeln halten und bei eurer Reaktion unbedingt ein paar Dinge vermeiden:

Vorwürfe machen: Beißt euch auf die Zunge, wenn euch Sätze wie "das sollte doch schon letzte Woche geklärt sein" oder "Sie wollten mich eigentlich letzte Woche anrufen" durch den Kopf gehen. Schließlich wollt ihr nicht als Nörgler gelten.

Druck aufbauen: Auf die lange Wartebank geschoben zu werden ist frustrierend, mit Druck geht es aber auch nicht schneller. Vielleicht stecken echte Gründe hinter der Wartezeit (mehrere Entscheider, Budget noch nicht freigegeben etc.) und Druck aufzubauen würde nur ein schlechtes Licht auf euch werfen. Bleibt cool.

Drohen: Mit einem fiktiven Angebot eines anderen Arbeitgebers zu drohen ist die schlechteste aller Taktiken, denn hat das Unternehmen Zweifel an euch als Bewerber, ist das die Steilvorlage, um euch abzuschießen.

Fazit

Wenn sich ein Arbeitgeber im Einstellungsprozess nicht zu einer Entscheidung durchringen kann, kommt es zu Benching und ihr werdet unnötig lange hingehalten. Das ist verwirrend, frustrierend und unbefriedigend. Strategisches Vorgehen hilft, um von der Ersatzbank runterzukommen. Und ansonsten gilt: Wenn es dieser Arbeitgeber nicht wird, findet ihr ganz bestimmt beim nächsten den passenden Job für euch.

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