Gehaltspoker

Einstiegsgehälter: Was gibt man in der Bewerbung an?

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Einstiegsgehälter: Was gibt man in der Bewerbung an?
Schwierige Frage: Wie viel gibt man als Gehaltsvorstellung in den Bewerbungsunterlagen an?
Flügelfrei - photocase

Der Abschluss ist geschafft, nun soll das Berufsleben losgehen. Einige Bewerber haben allerdings ein Problem. Sie wissen nicht, welchen in der Stellenausschreibung geforderten Gehaltswunsch sie angeben sollen. Verlangen sie zu viel, könnte ihre Bewerbung schnell im Papierkorb landen. Verlangen sie zu wenig, signalisieren sie dem Personaler eventuell, dass sie sich schlecht vorbereitet haben und ihren Marktwert anscheinend nicht kennen. Und sie laufen zudem Gefahr, womöglich bald für einen Dumpinglohn zu arbeiten.

Wie Bewerber im Gehaltspoker trumpfen sollten, das weiß Alexander Sauer. Er leitet das Recruiting der ABB AG in Mannheim. Sie ist Teil eines weltweit agierenden Konzerns, der auf Energie- und Automatisierungstechnik spezialisiert ist und allein in Deutschland 10.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Herr Sauer, was ist als Einstiegsgehalt angemessen? Und was ist dreist?
Angemessen ist ein Gehalt, das Branche, Stelle und den gewünschten Anforderungen entspricht. Vakanzen bei ABB sind grundsätzlich Entgeltbandbreiten zugeordnet. Insbesondere für Berufseinsteiger ist der individuelle Verhandlungsspielraum nur dann gegeben, wenn besondere Erfahrungen oder Kenntnisse über das erwartete Maß hinaus mitgebracht werden. Dreist gibt es in diesem Zusammenhang nicht, sondern allenfalls der Stelle unangemessenen Gehaltsvorstellungen. Ein Bewerber mit überzogenen Forderungen würde im Prozess keine Berücksichtigung finden. Da bei ABB viele Stellen vergleichbar gemacht und anhand ihrer fachlichen Anforderungen bewertet wurden, muss der Gehaltswunsch des Bewerbers zum ausgeschriebenen Stellenprofil passen.

Wie schießt man sich als Bewerber im Gehaltspoker noch sofort ins Aus, wenn es um das Gehalt geht?
Schlechte Vorbereitung und unzureichende Argumente sind immer Fehler im Vorstellungsgespräch.

Wie sollte ihr Gegenüber den Gehaltswunsch begründen?
Den eigenen Gehaltswunsch sollte man zumindest glaubwürdig in den Auswahlgesprächen begründen können. Primär ausschlaggebend sind aber Ausbildungs- oder Studienhintergrund, auch praktische Erfahrungen durch Nebentätigkeiten, Praktika oder vorangegangene Berufstätigkeiten spielen eine Rolle. Wenn Spezialkenntnisse wie zum Beispiel besondere Fremdsprachen für die Aufgabe gefordert sind, kann dies ein gutes Argument für einen höheren Gehaltswunsch sein.

Im Internet kann man sich über Gehälter informieren. Allerdings gibt es auch falsche Angaben. Welche Tipps haben Sie für Berufseinsteiger, damit sie ein angemessenes Gehalt erreichen?
Bewerber haben im Allgemeinen aufgrund ihres persönlichen Umfelds und diverser öffentlich zugänglicher Informationsquellen eine sehr realistische Einschätzung ihres „Marktwertes“. Gehälter variieren aber z.B. auch nach Branche, Unternehmensgröße und Region.

Manche Kandidaten verkaufen sich unter Wert. Ist das ein Fehler, weil man dem Personaler fehlende Kenntnisse signalisiert?
Aus unserer Erfahrung verkaufen sich Bewerber meist dann unter Wert, wenn sie schon zu viele Enttäuschungen bei der Stellensuche erleben mussten und unbedingt einen „Fuß ins Arbeitsleben“ bekommen wollen. Hier hilft dem Bewerber die Eingruppierung in Gehaltsbandbreiten. Wenn dieser Bewerber am Ende des Prozesses ein Vertragsangebot erhält, liegt die Vergütung über dem eigentlichen Gehaltswunsch des Bewerbers.

Wie klug ist es, eine Gehaltsspanne anzugeben? Als Arbeitgeber wird man sich doch immer am unteren Ende orientieren, oder?
Eine Gehaltsspanne ist immer empfehlenswert. Schließlich gibt es zahlreiche Faktoren, die der Bewerber zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht unbedingt im Detail kennt und die die eigene Gehaltsvorstellung beeinflussen. Hier kann es sich z.B. um Urlaubs- oder Weihnachtsgeld handeln, oder auch eine Bonuszahlung, die das Unternehmen regelmäßig vornimmt. Immer wichtiger werden aber auch zusätzliche Sozialleistungen wie die betriebliche Altersvorsorge oder die Möglichkeit der flexiblen Arbeitszeitgestaltung.

Für wen entscheiden Sie sich: den besten Kandidaten oder den mit der niedrigsten Gehaltsforderung?
Bei ABB fällt die Entscheidung immer zugunsten des für die jeweilige Vakanz am besten geeigneten Bewerbers. Dies kann dann durchaus auch ein Bewerber mit einer höheren Gehaltsvorstellung sein.

 

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