Stellenanzeigen in Zeitungen -

Out oder einen zweiten Blick wert?

Bild Out oder einen zweiten Blick wert?

"Print ist tot - es lebe Print!" - lautet ein Schlachtruf des digitalen Medienzeitalters. Doch die Wahrheit ist: Praktisch alle Zeitungen verzeichnen Auflagenrückgänge. Und wenn Printmedien nicht mehr die primäre Informationsquelle sind, welchen Stellenwert haben dann gedruckte Stellenanzeigen in Zeitungen? Wir beleuchten, auf welche Kanäle Unternehmen beim Recruiting setzen.

Onlineanzeigen und Stellenanzeigen in Zeitungen im direkten Vergleich

Wenn es um die Besetzung von Vakanzen geht, war die Zeitung viele Jahrzehnte das Maß aller Dinge - weil es kaum Alternativen gab. Inzwischen hat sich das Internet fest etabliert, nahezu 100 Prozent der 14- bis 49-Jährigen in Deutschland surfen täglich im Netz. Der nächste Job ist potenziell einen Klick entfernt. Doch welche Vorteile bieten Onlineanzeigen und Stellenanzeigen in Zeitungen?

#1: Onlineanzeigen können passgenau auf Zielgruppen zugeschnitten werden und lassen sich dort veröffentlichen, wo die Zielgruppe im Netz zu finden ist. Das können Stellenbörsen, Business-Netzwerke oder etwa Social Media sein. Bei Annoncen in der Zeitung ist dies nicht möglich, höchstens bei Fach- und Branchenzeitschriften.

#2: Onlineanzeigen sind reichweitenstärker. Da viele Seiten und Portale im Internet weder regional noch zeitlich beschränkt sind, können über Wochen hinweg immer neue Bewerber das Jobangebot finden. Zeitungen erscheinen hingegen meist in einer bestimmten Region und zu einem bestimmten Zeitpunkt (täglich, wöchentlich) - spätestens mit dem Erscheinen einer neuen Ausgabe sind die Stellenanzeigen "veraltet", und in einer alten Zeitung sucht wohl niemand nach einem neuen Job.

#3: Onlineanzeigen sind flexibler, sie können jederzeit geschaltet werden. Bei Stellenanzeigen in Zeitungen gibt es einen festen Veröffentlichungstermin.

#4: Bei den Kosten können Stellenangebote im Internet Annoncen in Printmedien überlegen sein. Vor allem größere Anzeigen in überregionalen Zeitungen wie der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) oder SZ (Süddeutsche Zeitung) sind kostspielig. Das Schalten einer Stellenanzeige in einer überregionalen Zeitung lohnt sich folglich nur für gut dotierte Jobs (Führungskräfte, Professoren etc.)

#5: Gedruckte Stellenanzeigen in Zeitungen haben eine Werbewirkung über den direkten Bewerberkreis hinaus. Vor allem Annoncen in renommierten überregionalen Zeitungen stärken die Unternehmensmarke und stellen das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber dar.

#6: Nicht jede Zielgruppe lässt sich online erreichen. Baby-Boomer und Bewerber aus der Generation X können etwa weniger internetaffin sein und stärker in den Printmedien nach Anzeigen suchen. Auch bei Teilzeittätigkeiten, Nebenjobs und Aushilfstätigkeiten können dank Stellenanzeigen in Zeitungen (vor allem in kostenlosen regionalen Anzeigen- und Wochenblättern) Zielgruppen wie Rentner, Hausfrauen und Schüler leichter erreicht werden.

 

Stellenanzeigen in Zeitungen - Out oder einen zweiten Blick wert? Foto: irina-vinichenko tnhbnjeen / unsplash

Stellenanzeigen in Zeitungen - Out oder einen zweiten Blick wert? Foto: irina-vinichenko tnhbnjeen / unsplash

Anzeigeverhalten der Unternehmen

Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) hat untersucht, ob Stellenanzeigen in Zeitungen noch zeitgemäß sind und im Dezember 2017 über 850.000 Anzeigen von fast 110.000 unterschiedlichen Unternehmen ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig:

  • Lediglich fünf Prozent aller Stellenanzeigen sind in Zeitungen platziert worden. 95 Prozent der Annoncen wurden über andere Kanäle publiziert.
  • Bei Jobs für Berufseinsteiger ist die Quote sogar noch niedriger: Nur drei Prozent der Stellenanzeigen wurden in Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlicht.
  • Zwei Branchen setzen besonders stark auf Printmedien: Die Bergbau-Branche (25 Prozent der Anzeigen werden in gedruckten Zeitungen geschaltet) und die öffentlichen Verwaltungen (28 Prozent).

Die Unternehmen nutzen stattdessen folgende Kanäle:

  • Onlinestellenbörsen wie StepStone oder Monster (insgesamt 35 Prozent aller Stellenangebote)
  • Plattformen der Bundesagentur für Arbeit
  • eigene Firmenwebsite
  • Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn

Fazit

Wer einen Job sucht, wird heute nicht sehr viele interessante Stellenanzeigen in Zeitungen finden. Zumindest legt das die Untersuchung des BAP nahe. Über Onlinestellenbörsen, Business-Netzwerke oder Social Media habt ihr einen größeren Pool an interessanten Jobs, einen komfortableren Zugriff und direkteren Draht zu den Unternehmen. Stellenangebote in den Printmedien eignen sich höchstens als zusätzliche Option, etwa im Fall von Fach- und Branchenzeitschriften, wenn ihr einen Aushilfs-, Neben- oder Teilzeitjob sucht oder wenn ihr zur hoch qualifizierten Klientel gehört, um die in überregionalen Zeitungen geworben wird.

Weiterführende Links

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