Kriminalpsychologe oder Profiler werden?

Wie geht denn das?

Foto: bill oxford / unsplash
Foto: bill oxford / unsplash

Ihr seid echt geübt im Binge Watching von Netflix-Serien wie „Mindhunter“ und seid nun der Überzeugung, dass ihr unbedingt Profiler werden müsst? Als Profiler rennt ihr von Tatort zu Tatort und könnt euch auf unheimliche Weise in die Köpfe von Serienkillern einklinken und deren Persönlichkeit sezieren. Natürlich kommt ihr den Tätern mit eurem untrüglichen Gespür und eurem messerscharfen Verstand auf die Spur. Ihr legt eurem Boss einen gelösten Fall nach dem anderen auf den Tisch und keine Frage, in eurem Revier seid ihr der Superstar. Dabei habt ihr die eine oder andere sympathische Macke wie der geniale Holden Ford oder die coole Wendy. Aber das könnt ihr euch auch erlauben, denn schließlich liefert ihr Ergebnisse. Ganz so einfach ist das Leben eines Profilers nicht, auch wenn euch Serien und Filme vielleicht etwas anderes suggerieren.

 

Profiler – in Deutschland sind Fallanalytiker am Werk

Zugegeben Profiler klingt viel cooler als Fallanalytiker. Während Fallanalytiker nach einem verkopften Job am Schreibtisch klingt und man sich schon Akten wälzen und Daten analysieren sieht, verspricht die andere Bezeichnung Abenteuer und Ruhm. Der Begriff „Profiler“ stammt aus dem Englischen und ist zwar auch hierzulande recht verbreitet, allerdings ist die Bezeichnung „Fallanalytiker“ wesentlich zutreffender. Ihr könnt kein Täterprofil erstellen, ohne den Fall zu analysieren.

Als Fallanalytiker durchlauft ihr einen analytischen Prozess und rekonstruiert den Fall. Ihr müsst den ganzen Fall unter die Lupe nehmen und dürft euch nicht nur über die Persönlichkeitsmerkmale des Täters den Kopf zerbrechen. Bei der deutschen Polizei werden „polizeiliche Fallanalytiker“ seit 1999 ausgebildet. Die Polizei wählt für diese Ausbildung Mitarbeiter aus den eigenen Reihen aus. Es werden wissenschaftliche Mitarbeiter der OFA-Dienststellen oder besonders geeignete Kriminalbeamte zu Fallanalytikern ausgebildet. Die Ausbildung findet praxisbegleitend statt. In der Regel werden für diese Laufbahn Kollegen ausgewählt, die bereits einige Jahre Berufserfahrung und damit Erfahrung mit verschiedenen Fällen und der Polizeiarbeit haben. Das heißt, ihr könnt euch nicht einfach so entscheiden, ab morgen zu den superkompetenten Profilern zu gehören. Aber ihr könnt eure berufliche Laufbahn in diese Richtung lenken.

Kriminalpsychologe oder Profiler werden? Wie geht denn das? Foto: david von diemar / unsplash

Kriminalpsychologe oder Profiler werden? Wie geht denn das? Foto: david von diemar / unsplash

Kriminalpsychologie-Studium - wie werde ich Kriminalpsychologe?

Wenn ihr später einmal als Fallanalytiker arbeiten möchtet, ist ein Kriminalpsychologie Studium ein guter Anfang. Als Kriminalpsychologen beschäftigt ihr euch damit, welche Gründe ein Täter für seine Tat gehabt haben könnte. Ihr geht verschiedenen Fragen nach. Zum Beispiel untersucht ihr, ob bestimmte biografische Ereignisse dazu führen können, dass ein Mensch eine Straftat begeht. Ihr beschäftigt euch mit genetischen Faktoren, die die Entwicklung zum Straftäter begünstigen können. Dies ist zumindest ein Teil des Kriminalpsychologie-Studiums. Als Kriminalpsychologen müsst ihr vielleicht auch einmal der Frage nachgehen, ob ein Straftäter zurechnungsfähig war zum Zeitpunkt der Tat. Möglicherweise ist er schuldunfähig. Es kann beispielsweise Notwehr gewesen sein oder der Täter hat eine schwerwiegende psychische Störung. Auch Kriminalpsychologen beschäftigen sich mit Täterprofilen, dem Erstellen von Persönlichkeitsmerkmalen sowie der Analyse des Tathergangs.

Wie an einer Stelle von „Mindhunter“ erwähnt wird, liegen bei komplexen und schweren Verbrechen massive Selbstwertstörungen vor. Wendy nennt in der Serie hierbei die zentrale Problematik der untersuchten Serien-Killer: einen gestörten Narzissmus. Im Grunde illustriert „Mindhunter“ die Vorgehensweise als Grundlagenarbeit für das Profiling: Die Detektive hören sich das an, was die bereits inhaftierten Verbrecher vor, während und nach der Tat dachten, taten und auch unterließen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können analogisierend Schlussfolgerungen auf aktuelle Fälle gezogen werden. Oder wie es der österreichische Fallanalytiker Thomas Müller ausdrückte: „Wir können nicht wie Schwerverbrecher denken, sondern nur versuchen, in ihren Schuhen zu laufen.“
 

Wie werde ich Kriminalpsychologe?

Ihr wollt Kriminalpsychologie studieren? Dann braucht ihr erst einmal einen berufsqualifizierenden Bachelor Abschluss. Kriminalpsychologie könnt ihr nur als Masterstudiengang studieren. Dem Masterstudiengang Kriminalpsychologie muss daher ein Bachelorstudium in einem entsprechenden Studienfach vorausgehen. Die wichtigste Grundlage zur Zulassung in diesem Masterstudiengang ist ein Bachelorstudiengang wie Psychologie, Rechtwissenschaften oder Sozialwissenschaften. Einige Hochschulen wollen sehen, dass ihr bereits Berufserfahrung mitbringt. Ihr müsst je nach Hochschule Erfahrung bei der Polizei, in der Sozialarbeit oder der Justiz gesammelt haben. Manchmal werdet ihr nur mit einem bestimmten Notendurchschnitt zum Masterstudiengang Kriminalpsychologie zugelassen. Ob es einen Numerus clausus gibt, hängt von der Hochschule beziehungsweise der Anzahl an Bewerbern ab. Es gibt auch die Möglichkeit Kriminalpsychologie oder ähnliche Studiengänge im Ausland zu studieren. Ein Kriminalpsychologie-Studium im Ausland kann jedoch mit Kosten, einem strengen Auswahlverfahren und anderen Hürden verbunden sein.

 

Kriminalpsychologie im Fernstudium

Wenn ihr bereits berufstätig seid und euch in Kriminalpsychologie weiterbilden möchtet, könnt ihr euch auch von zu Hause aus bei einem Fernstudium oder einem Kongress digital weiterbilden. Bei einigen Studiengängen rund um die Kriminologie gilt Berufserfahrung ja als Voraussetzung. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass dieser Studiengang berufsbegleitend durchgeführt wird. Ein Fernstudium bietet euch außerdem den Vorteil, dass ihr weder umziehen noch euren Beruf aufgeben müsst.

 

Fazit

Der Weg zum Fallanalytiker ist nicht immer klar vorgegeben. Wenn ihr irgendwann zu den Profilern gehören wollt, ist das ein langer Weg, den ihr nicht immer planen könnt. Allerdings könnt ihr mit einem Kriminalpsychologie-Studium auch in anderen Bereichen tätig werden und eure Fähigkeiten voll ausnutzen.

 

Weiterführende Links:

Beitrag teilen