Präsentismus:

Krank zur Arbeit gehen muss nicht sein

Foto: gustavo fring / Pexels
Foto: gustavo fring / Pexels

Wahrscheinlich sind die meisten von uns schon einmal krank zur Arbeit gegangen. Die Nase läuft, der Kopf brummt und irgendwie fühlen wir uns absolut nicht fit und trotzdem stehen wir pünktlich zu Arbeitsbeginn auf der Matte. Psychologen haben ein Wort für dieses Phänomen. Sie nennen es "Präsentismus". Doch warum gehen wir überhaupt krank zur Arbeit? Was sind die Gründe für dieses Verhalten? Klar ist, dass sich dieses Phänomen durch das Coronavirus deutlich verändern könnte. Denn wer sich trotz Krankheit zur Arbeit schleppt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch Kollegen und Vorgesetzte. Das ist zwar nicht nur in Zeiten der Coronapandemie ein Problem, aber aktuell wird dieses Phänomen des "Präsentismus" besonders aufmerksam und kritisch betrachtet. 

Krank zur Arbeit – welche Gründe gibt es dafür?

Wenn Menschen krank zur Arbeit gehen, dann kann das viele verschiedene Gründe haben. Vor allem Menschen, die Angst um ihren Job haben, neigen dazu, krank bei der Arbeit zu erscheinen. Weitere Gründe für das Phänomen für Präsentismus können Dinge wie Arbeitsrückstände und Zeitdruck sein. Auch wer das Gefühl hat, dass er seine Kollegen im Stich lässt, wenn er nicht zur Arbeit geht, neigt dazu, sich trotz psychischer oder körperlicher Beschwerden zur Arbeit zu schleppen. Einige Unternehmen belohnen ihre Mitarbeiter zudem, wenn diese innerhalb eines gewissen Zeitraums nicht fehlen. Je nach Unternehmen winken dann Bonuszahlungen oder andere Belohnungen. 

Eine wichtige Rolle spielen auch die Führungskräfte. Die Führungskräfte nehmen häufig eine Vorbildfunktion ein. Wenn diese trotz Krankheit bei der Arbeit erscheinen, trauen sich auch die Mitarbeiter weniger zu Hause zu bleiben, wenn sie sich krank fühlen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem Spill-Over-Effekt. Das bedeutet, dass die Vorgesetzten die Mitarbeiter mit ihrem Verhalten anstecken. Hier kann es hilfreich sein, wenn sich auch Führungskräfte bei einer Erkrankung zurückziehen und zu Hause bleiben. Zudem sollte in Unternehmen kommuniziert werden, dass die Mitarbeiter zu Hause bleiben und sich auskurieren sollen, wenn sie sich krank fühlen. Kommen Mitarbeiter ständig krank zur Arbeit, kann das auch für das Unternehmen negative Folgen haben.

Präsentismus: Krank zur Arbeit gehen muss nicht sein / Foto: polina tankilevitch / Pexels

Präsentismus: Krank zur Arbeit gehen muss nicht sein / Foto: polina tankilevitch / Pexels

Hat Präsentismus auch negative Folgen?

Wenn manche Unternehmen sogar einen Bonus zahlen, wenn die Mitarbeiter nicht fehlen, dann muss es doch etwas Gutes sein, auch bei einer Erkrankung zur Arbeit zu kommen, oder nicht? Kommen die Mitarbeiter auch krank zur Arbeit, kann das durchaus negative Folgen haben. Einige Experten haben beobachtet, dass Mitarbeiter, die sich auch krank zum Job schleppen, im Anschluss daran häufiger krankgeschrieben werden. Wird eine Erkrankung nicht anständig auskuriert, kann dies chronische Erkrankungen nach sich ziehen. Für ein Unternehmen ist es daher unter Umständen eine teure Angelegenheit, wenn kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz erscheinen. Viele Experten gehen zudem davon aus, dass durch diesen sogenannten Präsentismus langfristig höhere Kosten für ein Unternehmen entstehen. Kranke Mitarbeiter sind häufig weniger leistungsfähig, es kommt womöglich zu mehr Fehlern und Kollegen und Vorgesetzte können unter Umständen angesteckt werden. Hinzukommt, dass eine Erkrankung sich in vielen Fällen schneller auskurieren lässt, wenn man einfach ein paar Tage im Bett bleibt. Wer dagegen krank arbeitet, hat mit den Beschwerden häufig länger zu kämpfen. Kommen Mitarbeiter krank zur Arbeit, kann dies also auch für das Unternehmen ein großer Nachteil sein. Viele Experten gehen davon aus, dass durch krankheitsbedingte Ausfälle weniger Kosten entstehen als durch den Präsentismus. 

Wie verändert sich Präsentismus durch die Coronapandemie?

In Zeiten der Coronapandemie wird Präsentismus nicht mehr unbedingt als Zeichen von Ehrgeiz, Engagement und Loyalität gewertet. Wer im Büro ständig hustet, niest und dabei womöglich auch noch die Armbeuge verfehlt, muss nicht nur mit kritischen Blicken rechnen. Aktuell gilt: Wer krank ist, sollte unbedingt zu Hause bleiben und sich bei entsprechenden Symptomen testen lassen. Kranke Mitarbeiter begeben sich besser in häusliche Quarantäne und kommen nicht ins Büro. Möglicherweise ändert sich durch die Coronapandemie unser Blick auf das Phänomen des Präsentismus. Vielleicht erkennen wir, dass Krankheit zum einen etwas ist, was man sich nicht aussucht. Wir haben nicht immer Einfluss darauf. Zum anderen gehört es zukünftig hoffentlich zum "guten Ton" zu Hause zu bleiben, wenn man gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist.

Fazit

Ihr geht auch ab und an krank zur Arbeit? Kein Wunder, wenn Arbeitsverträge befristet sind und man sich ständig absolut leistungsbereit präsentieren möchte. Allerdings kann uns die Coronapandemie hier zu einem Umdenken bewegen. Wir erkennen hoffentlich, dass Gesundheit ein hohes Gut ist und sich zu Hause auszukurieren nichts mit Faulheit zu tun hat, sondern zeigt: Dieser Mitarbeiter achtet auf sich und seine Gesundheit und steht dem Unternehmen somit langfristig zur Verfügung.

 

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