Sexismus im Job

Wie ihr euch dagegen wehren könnt

Bild Wie ihr euch dagegen wehren könnt

Trotz weltweiter Debatte zum Thema Sexismus ist das Thema längst nicht passé. Sexismus im Job ist vielleicht nicht ganz so plump wie früher, aber es gibt ihn weiterhin. Bleibt nur die Frage, was sich dagegen tun lässt. Wir zeigen, was eigentlich Sexismus am Arbeitsplatz ist, wie ihr problematische Verhaltensweisen erkennt und wie sich darauf souverän reagieren lässt.

Wie äußert sich Sexismus im Job?

Sexismus im Arbeitsalltag hat viele Facetten. Er kann recht plump sein: anstarren, nachpfeifen, sexuelle Anspielungen, körperliche Berührungen (auch solche, die zufällig wirken sollen). Oft ist Sexismus aber subtiler. Etwa indem Frauen von männlichen Kollegen das Wort abgeschnitten wird, "nett" gemeinte Bemerkungen zum Aussehen, Alter oder Zivilstand von Frauen gemacht werden, männliche und weibliche Angestellte nicht gleich bezahlt werden, ehrgeiziges Verhalten von Frauen abschätzig bewertet wird (beispielsweise mit den Adjektiven aggressiv, aufdringlich oder dominant), oder männliche Kollegen Aufgaben mit der Begründung, dass "Männer das doch besser können" freiwillig übernehmen, und so Frauen als inkompetent dargestellt werden. Besonders häufig findet sexistisches Verhalten in Teams statt, in denen Männer deutlich in der Überzahl sind. In gemischten Teams ist Sexismus tendenziell seltener. Statistiken zeigen auch, dass Sexismus meist auf der gleichen Hierarchieebene vorkommt.

Generell gilt: Wenn ihr bei einem Verhalten ein komisches Gefühl habt, aber nicht sicher seid, ob es sich um Sexismus im Job handelt, hilft ein Gedankenexperiment. Kehrt die Rollen um: Wie würde das Verhalten gegenüber männlichen Kollegen wirken? Total okay oder völlig unangebracht?
 

Betrifft Sexismus ausschließlich Frauen?

Typischerweise geht Sexismus im Job von Männern aus. Aber auch Frauen können sich sexistisch verhalten. Repräsentative Umfragen legen nahe, dass etwa 10 Prozent der berufstätigen Männer und bis zu 50 Prozent der berufstätigen Frauen bereits mit Sexismus im Arbeitsalltag zu kämpfen hatten. Damit ist der Männeranteil unter den Betroffenen deutlich geringer. Die Verursacher sind meistens andere Männer. Das liegt daran, dass Sexismus nicht viel mit sexuellen Aspekten zu tun hat, sondern es in der Regel um Macht geht.

 

Sexismus im Job - Wie ihr euch dagegen wehren könnt / Foto: fabian moller / unsplash

Sexismus im Job - Wie ihr euch dagegen wehren könnt / Foto: fabian moller / unsplash

Sexismus im Job: So wehrt ihr euch

Wer Sexismus im Job selbst erlebt, wehrt sich oft nicht, weil die Kosten als zu hoch eingeschätzt werden. Betroffene fürchten sich davor, ihre Karriere zu gefährden oder sich Feinde zu machen, wenn sie gegen sexistisches Verhalten vorgehen. Dabei ist es die falsche Strategie, den Sexismus zu ignorieren und weiterhin freundlich und professionell zu bleiben. Was ihr stattdessen tun könnt:

Option #1: intellektuelle Reflexion

Eine Option, mit der man dezent auf sexistisches Verhalten reagieren kann, ist das Verhalten zu hinterfragen. Etwa: "Was wollen Sie mit Ihrem Kommentar sagen?" oder "Finden Sie Ihren Kommentar angemessen?" oder "Finden Sie es wirklich in Ordnung, sich Frauen gegenüber so zu verhalten?"

Option #2: offensiv werden

Krassen Sexismus sollte man auf keinen Fall weglächeln. Lasst euch durch sexistisches Verhalten nicht kleinmachen und geht in die Offensive. Mit starker Körpersprache und simpler, klarer Kommunikation könnt ihr den Verursacher in seine Schranken weisen. Denn wer Widerstand leistet, bekommt Achtung und Respekt, sagen Experten. Ein guter Trick ist betont langsam zu agieren. Setzt ein Pokerface auf, sprecht langsam und in einfachen Worten, macht Pausen. Das wirkt auf euer Gegenüber souverän. Empfehlenswert sind Sätze wie: "Nicht relevant" oder "Als XY in der Firma geht Sie das nichts an."

Option #3: Hilfe holen

Kolleginnen und Kollegen können zu Verbündeten werden, wenn der Täter nicht nachlässt. Wendet euch dann unbedingt auch an die höhere Ebene (HR, Chef etc.), die Antidiskriminierungsstelle oder bei Bedarf sogar an die Polizei.

Tipp: Wenn ihr häufiger mit Sexismus im Job zu tun habt, ist es hilfreich, ein Tagebuch zu führen und die Vorfälle mit Datum, Uhrzeit und Details zu notieren. Dadurch könnt ihr später das Ausmaß des Problems genau beweisen.

Fazit

Sexismus im Job ist keine Bagatelle und muss als echtes Problem wahrgenommen werden, dass durch strukturelle Anpassungen bekämpft wird. Auch wenn es euch nicht leichtfällt, solltet ihr auf sexistisches Verhalten reagieren und Konsequenzen ziehen.

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