Sitzen geblieben?

Warum eine extra Runde kein Beinbruch ist

Bild Warum eine extra Runde kein Beinbruch ist

Sitzenbleiben: Viele Schüler fürchten sich davor, denn es zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. Wie ihr die Angst produktiv nutzt und was euch erwartet, falls ihr wirklich sitzen bleibt - wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist Sitzenbleiben?

Wer sitzen bleibt, wird nicht in die nächsthöhere Klasse versetzt und muss das Schuljahr wiederholen. Ob und wann das passiert, richtet sich nach den lokalen Versetzungsregeln, denn jedes Bundesland hat ein eigenes Schulgesetz und unterschiedliche Regelungen für
jede Schulform. Im Allgemeinen führen viele Fehlstunden oder mehrere Fünfen im Zeugnis zur Nichtversetzung. Manchmal lassen sich schlechte Noten durch gute Noten ausgleichen und man wird doch versetzt - ob das für euch gilt, könnt ihr den für euch geltenden Versetzungsregeln entnehmen. Einige Bundesländer haben das Sitzenbleiben weitestgehend abgeschafft, wie etwa Hamburg. In Bayern gilt das Sitzenbleiben hingegen als wichtiges bildungspädagogisches Instrument.

Pro und Kontra: Was bringt Sitzenbleiben?

Pädagogen und Politiker sind sich da nicht einig. Befürworter aus dem bayerischen Bildungsministerium argumentieren beispielsweise, dass schon die Möglichkeit sitzenzubleiben Schüler zum Lernen animiere und setzen eine Abschaffung des Sitzenbleibens mit einem Freifahrtschein gleich. Bildungsforscher von der Freien Universität in Berlin halten dagegen: Studien zeigten, dass Sitzenbleiben als Strafe empfunden wird, dadurch das Selbstwertgefühl leide und es insgesamt einen negativen Effekt hat.

Und ein weiteres Argument haben die Gegner: Ehrenrunden sind teuer. Laut Bertelsmann-Stiftung geben die Bundesländer rund eine Milliarde Euro pro Jahr fürs Sitzenbleiben aus. Bildungsforscher fordern, das Geld lieber in Förderunterricht zu stecken.

Aber jetzt mal weg vom Makro- und hin zum Mikro-Level: euch selbst. Wenn ihr das Schuljahr wiederholen müsst, ergeben sich folgende Vor- und Nachteile:

  • Es gibt kurzzeitig Stress mit den Eltern. Der legt sich, wenn ihr einen Aktionsplan präsentiert, wie ihr den zweiten Anlauf besser nutzen wollt.
  • Ihr seid raus aus eurer gewohnten Klasse und es fällt schwerer, den Kontakt zur alten Klassengemeinschaft zu halten.
  • Ihr werdet ein Jahr länger an der Schule verbringen und müsst eure Zukunftsplanung (Ausbildungsplatz, Studium, etc.) womöglich ändern.
  • Ihr bekommt neue Klassenkameraden und Lehrer - das kann zwar anfangs anstrengend sein, bietet euch aber die Chance auf neue Freunde und eine bessere Lernsituation.
  • Ihr könnt die Ehrenrunde gezielt nutzen, um euren Notenschnitt zu verbessern, und so eure Aussichten für den nächsten Bildungsabschnitt verbessern.
Sitzen geblieben? Warum eine extra Runde kein Beinbruch ist / Foto: joelvalve / unsplash

Sitzen geblieben? Warum eine extra Runde kein Beinbruch ist / Foto: joelvalve / unsplash

Was tun, wenn eine Nichtversetzung droht?

Jedes Jahr bleiben etwa 2,5 Prozent der Schüler und Schülerinnen in Deutschland sitzen und müssen eine Ehrenrunde drehen. Überraschend kommt es für sie nicht, denn Schulen und Lehrer sind laut den meisten Schulgesetzen dazu verpflichtet, frühzeitig über die Leistungsentwicklung zu informieren, damit Fördermaßnahmen eingeleitet und die Versetzung gerettet werden kann. Sobald ihr im Zwischenzeugnis schlechte Noten habt oder euch Lehrer signalisieren, dass ihr den Sprung ins nächste Schuljahr wahrscheinlich nicht schafft, solltet ihr handeln! So könnt ihr in vielen Fällen vermeiden, dass ihr sitzen bleibt:

  • Die Angst als Ansporn nutzen und mehr lernen.
  • Lehrer gezielt fragen, ob es Extraaufgaben gibt und worauf ihr euch konzentrieren solltet, um versetzt zu werden.
  • Nachhilfeunterricht organisieren. Je dringlicher die Lage, desto besser ist Einzelunterricht. Aber auch Lernsessions mit Klassenkameraden können sehr hilfreich sein. Probiert mehrere Dinge aus.
  • Terminkalender überdenken. Stellt außerschulische Aktivitäten (Hobbys, Sport, Nebenjob etc.) für ein paar Wochen oder Monate hinten an, die Schule geht jetzt vor.

Wenn ihr intensiv lernt, könnt ihr in wenigen Wochen so viel Stoff nachholen, dass sich eure Leistung merklich verbessert und die Versetzung nicht mehr gefährdet ist.

Sitzengeblieben: Tipps fürs neue Schuljahr

Sitzenbleiben bedeutet viel Neues: neue Klasse, neue Mitschüler, neue Lehrer. Eine anstrengende und spannende Zeit, in der ihr eure alten Klassenkameraden nicht komplett vergessen solltet. Eure neuen Mitschüler brauchen womöglich einige Zeit, um mit euch warm zu werden. Schließlich seid ihr ganz neu in einer eingeschworenen Klassengemeinschaft. Präsentiert euch von eurer besten Seite, wiederholt die Fehler des letzten Schuljahres nicht und versucht Anschluss zu finden.

Haltet aktiv Kontakt zu euren alten Freunden, via Social Media und IRL. Geburtstage, Filmabende und Sportevents sind immer eine gute Gelegenheit, um die alten Klassenkameraden wiederzusehen. Die Pausen solltet ihr zwischen beiden Klassen aufteilen, damit ihr zu beiden Seiten Kontakt habt. Und macht nicht den Fehler, zu denken, dass ihr den Schulstoff schon ausreichend kennt und nicht mehr lernen müsst! Jeder Lehrer unterrichtet anders, bemüht euch deshalb schon von Anfang an darum, einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Im besten Fall liegen eure Noten im zweiten Anlauf auf einem deutlich höheren Niveau, ihr gewinnt neue Freunde und behaltet die Alten.

Fazit

Die Aussicht sitzen zu bleiben ist angsteinflößend. Versucht, die Angst als Ansporn zu sehen, und strengt euch in der Schule stärker an. Wenn es dennoch nicht klappt, ist Sitzenbleiben kein Weltuntergang. Ihr könnt den zweiten Anlauf aktiv nutzen, um euren Notenschnitt zu verbessern und euer Netzwerk zu erweitern.

Weiterführende Links

Hier könnt ihr euch den zusammengefassten Beitrag anhören:

Beitrag teilen