Smartphone, Laptop und Tablet

Warum ihr trotzdem mit Stift und Papier in der Vorlesung mitschreiben solltet

Bild Warum ihr trotzdem mit Stift und Papier in der Vorlesung mitschreiben solltet

Analog in der Vorlesung mitschreiben, obwohl es digitale Tools dafür gibt? Einigen mag das im Jahr 2019 antiquiert erscheinen, doch es gibt gute Gründe dafür! Wir zeigen euch, warum die Schreibtools eurer Vorfahren auch heute noch zur Grundausstattung aller Studierenden gehören sollten.

Der Stift ist mächtiger als das Schwert - und die Tastatur

"The pen is mightier than the sword" (zu Deutsch: Der Stift ist mächtiger als das Schwert) ist ein vom englischen Autor Edward Bulwer-Lytton geprägtes Sprichwort aus dem Jahr 1839. Hätte Bulwer-Lytton eine Ahnung davon gehabt, dass Tastaturen an die Stelle von Stiften rücken würden, hätte er sicher dazu etwas zu sagen gehabt. Denn die besondere Kraft, die Bulwer-Lytton dem Schreibwerkzeug zusprach, wurde inzwischen wissenschaftlich belegt - wenn auch in einem anderen Kontext.

Forscher der Universität von Kalifornien und der Princeton-Universität haben nämlich herausgefunden: Wer schreibt, der lernt. Wer tippt, behält weniger. Um zu dem Schluss zu gelangen, führten die Lernwissenschaftler drei Studien durch, bei denen Studierende eine Vorlesung mitschreiben mussten, entweder handschriftlich oder per Laptop, und anschließend Leistungstests zu absolvieren hatten. Die Gruppen, die den Lernstoff per Hand notierten, schnitten im Test messbar besser ab, als diejenigen, die digital mitschrieben.

Per Hand in der Vorlesung mitschreiben: Das Gehirn ist aktiver

Der Grund: Wer auf dem Smartphone, Laptop oder Tablet mit tippt, schreibt tendenziell alles wörtlich mit. Das wurde auch in den Experimenten sichtbar. Probanden mit Laptops schrieben mehr Wörter mit, als ihre Konkurrenten mit Stift und Papier. Und wer schon einmal in einem Hörsaal gesessen hat, kennt den Anblick von Studierenden, die ganze Vorlesungen protokollartig mittippen.

Doch das Gehirn ist beim bloßen Tippen weniger aktiv. Werden hingegen handschriftliche Notizen gemacht, kommt man mit dem Verschriftlichen kaum hinterher. Man ist gezwungen das Gehörte zu filtern und nur das Wichtigste zu notieren - oder gar noch besser, es in eigene Worte zu kleiden. Beim Filtern und Umformulieren ist das Gehirn aktiver und der Lernstoff bleibt direkt hängen. Dass man sich den Vorlesungsstoff dann tatsächlich besser merken kann, konnten die Wissenschaftler in ihren Experimenten klar nachweisen.
 

Warum ihr lieber mit dem Stift in der Vorlesung mitschreiben solltet / Foto: emil widlund / unsplash

Warum ihr lieber mit dem Stift in der Vorlesung mitschreiben solltet / Foto: emil widlund / unsplash

Stift und Papier: Vorteile und Nachteile

Dass man in der Vorlesung mitschreiben sollte, empfehlen alle Experten. Denn so nehmt ihr den Lernstoff gleichzeitig durch Hören und Schreiben auf und habt im Anschluss Aufzeichnungen, die euch bei der Prüfungsvorbereitung helfen. Damit Notizen später brauchbar sind, müssen sie lesbar, übersichtlich, vollständig, sachlich korrekt und jederzeit griffbereit sein. Ob sich das am besten analog oder digital umsetzen lässt, darüber herrscht Uneinigkeit. Hier sind das Pro und Kontra.

Pro mitschreiben mit Stift und Papier:

  • Wer per Hand mitschreibt, nimmt das Gehörte intensiver wahr und lernt schneller. Dadurch können sich positive Effekte beim Nacharbeiten, der Prüfungsvorbereitung und den Noten ergeben.
  • Handschriftliche Notizen sind für jede Vorlesung individuell und sehen im Vergleich zu getippten Notizen deutlich weniger einheitlich aus. Dieser Individualitätsaspekt kann beim Memorieren helfen.
  • Tabellen und Zeichnungen können per Hand einfacher zu Papier gebracht werden als in vielen digitalen Tools.
  • Zusammenhänge können durch Pfeile etc. leichter visualisiert werden und im Handumdrehen können Mindmaps entstehen.
  • Der Akku von Stift und Papier ist nie leer und es gibt keine technischen Probleme.

Kontra mitschreiben mit Stift und Papier:

  • Geschriebenes lässt sich nicht entfernen oder berichtigen. Was einmal notiert wurde, kann höchsten durchgestrichen werden. Das macht die Seite womöglich unansehnlich.
  • Wer jede Vorlesung mitschreiben will, braucht immer neue Notizblöcke/Papier (Stichwort: Ressourcenverbrauch).
  • Bei losen Blättern kann es unübersichtlich werden oder sie können gar verloren gehen.

Fazit

Studieren ohne Smartphone und Laptop? Undenkbar, dafür hat das Digitale zu viele Vorteile. Doch gänzlich sollten Stift und Papier nicht verbannt werden, denn sie lösen etwas aus, das kein digitales Tool vermag. Eine Vorlesung mitschreiben, bedeutet auch direkt zu lernen. Wer nur abtippt, tut das meist auf eine passivere Art und Weise.

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