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Abmahnung und Ermahnung

Bedeutet euch euer Job etwas?

Foto: christopher campbell / unsplash
Foto: christopher campbell / unsplash

Im Fußball gibt es die gelbe Karte, im Job bekommt ihr die Abmahnung. Bei beiden Varianten handelt es sich um eine ernstzunehmende Warnung, dass ihr kurz vor dem Verweis auf die Bank oder dem Rauswurf steht. Auf eine Abmahnung kann eine Kündigung folgen. Euer Job steht damit auf dem Spiel. Bedeutet euch euer aktueller Job etwas und möchtet ihr Teil des Unternehmens bleiben, solltet ihr spätestens jetzt etwas an eurem Verhalten ändern. Was euer Chef abmahnen darf und wie ihr euch verhalten solltet, erfahrt ihr hier. 

Was versteht man eigentlich unter einer Abmahnung?

Wenn ihr als Arbeitnehmer in einem Unternehmen angestellt seid, dann müsst ihr euch so verhalten, dass ihr weder den Frieden noch den Ablauf im Betrieb stört. Es kann jedoch nicht jedes Fehlverhalten gleich abgemahnt werden. Verhaltet ihr euch einmal falsch, ist das in der Regel noch kein Grund, dass euch euer Chef abmahnt. Hier kann der Chef eine Ermahnung aussprechen. Das heißt, euer Chef ist nicht zufrieden mit eurem Verhalten oder eurer Leistung und teilt euch dies mit. Auch eine Ermahnung müsst ihr ernst nehmen, schließlich kann darauf auch eine Abmahnung folgen, wenn ihr das Fehlverhalten nicht abstellt. Bei einer Abmahnung handelt es sich im Gegensatz zu einer Ermahnung um einen offiziellen Hinweis, dass ihr bei eurem Job euren Pflichten nicht vertragsgemäß nachgekommen seid. Das Ziel hierbei ist, euch darauf hinzuweisen und mitzuteilen, dass ihr euer Fehlverhalten korrigieren müsst. 

Wenn ihr abgemahnt werdet, sollte euch euer Chef folgende Informationen liefern können:

  • Das Fehlverhalten muss konkret benannt und am besten mit Uhrzeit und Datum angegeben werden.
  • Es sollte klar hervorgehen, dass eine Änderung des Fehlverhaltens gefordert wird. 
  • Ihr müsst über die möglichen Konsequenzen informiert werden. Eine Abmahnung kann eine Kündigung zur Folge haben. Es muss auch keine bestimmte Anzahl an Abmahnungen erfolgen. Ihr könnt schon nach der ersten Abmahnung eine Kündigung erhalten, wenn ihr der Aufforderung zur Verhaltensänderung nicht nachkommt. 
     
Alles über Abmahnungen und Abmahnungsgründe / Foto: scott graham / unsplash

Alles über Abmahnungen und Abmahnungsgründe / Foto: scott graham / unsplash

Welche Abmahnungsgründe gibt es?

Ihr fragt euch vielleicht, welche Gründe es für einen Chef gibt, Mitarbeiter abzumahnen. Es gibt bestimmte Verhaltensweise, die euer Chef abmahnen darf. Einige Abmahnungsgründe haben wir hier für euch zusammengestellt:

  • Wenn ihr ständig unpünktlich seid.
  • Wenn ihr euren Urlaub einfach so verlängert oder ohne Entschuldigung der Arbeit fernbleibt.
  • Wenn ihr statt zu arbeiten, andauernd Pausen macht und beispielsweise eher beim gemütlichen Schwätzchen im Pausenraum statt an eurem Arbeitsplatz anzutreffen seid. 
  • Wenn ihr betrunken seid oder am Arbeitsplatz Alkohol trinkt.
  • Wenn ihr Betriebsgeheimnisse ausplaudert oder ohne entsprechende Genehmigung für ein Konkurrenzunternehmen tätig werdet. 
  • Wenn das Rauchen verboten ist und ihr es trotzdem tut.
  • Wenn ihr euch gegenüber Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten nicht korrekt verhaltet. 
  • Wenn eure Arbeitsleistung nicht ausreicht.
  • Wenn ihr Telefon oder Internet am Arbeitsplatz für private Zwecke nutzt, obwohl das verboten ist. 
  • Wenn ihr Arbeitsgeräte nicht sorgfältig behandelt und diese sogar mehrfach beschädigt. 
  • Wenn ihr euch nicht an Sicherheitsvorschriften haltet. 
  • Wenn ihr Mobbing am Arbeitsplatz betreibt oder handgreiflich werdet.

Eine Abmahnung ist jedoch nicht zulässig, wenn nicht ihr euch falsch verhalten habt, sondern ein Kollege dafür verantwortlich ist. Ihr habt die vorgeworfene Handlung oder das Versäumnis gar nicht zu verantworten beziehungsweise nicht begangen? Auch dann ist das kein Abmahngrund. Vielleicht wird euch ein Pflichtversäumnis vorgeworfen, das eigentlich gar nicht Teil eures Arbeitsvertrages ist. Die Abmahnung muss außerdem konkrete Informationen zu Datum und Art der Pflichtverletzung enthalten. 

 

Was versteht man eigentlich unter einer Abmahnung? Foto: tim gouw / unsplash

Was versteht man eigentlich unter einer Abmahnung? Foto: tim gouw / unsplash

Wie sollte ich mich bei einer Abmahnung verhalten?

Wenn ihr eine Abmahnung erhalten habt und euch keiner Schuld bewusst seid, kann das erst einmal ein Schock sein. Ihr fühlt euch möglicherweise ungerecht behandelt und möchtet am liebsten umgehend mit eurem Chef eine Diskussion starten. Keine Frage, die Emotionen können in solch einer Situation durchaus hochkochen. Egal, ob ihr am liebsten schreien oder heulen würdet, jetzt gilt es, Ruhe zu bewahren. Versucht ruhig und gefasst zu bleiben und lasst euren Emotionen erst zu Hause freien Lauf. Auch wenn euer Chef euch bittet, euch dazu zu äußern, solltet ihr euch etwas Bedenkzeit erbitten und erst mit etwas Abstand auf die Abmahnung reagieren. Ihr könnt den Erhalt der Abmahnung schriftlich bestätigen, etwas anderes solltet ihr jedoch nicht unterschreiben.

Natürlich könnt ihr es auch nicht einfach ignorieren, wenn ihr abgemahnt werdet. Nehmt zur Kenntnis, wofür ihr abgemahnt wurdet, und sollte euer Verhalten der Abmahngrund gewesen sein, dann müsst ihr das ändern. Haltet ihr den Inhalt jedoch für nicht gerechtfertigt, dann solltet ihr euch einen Anwalt suchen, der sich mit den Themen Abmahnung und für Arbeitsrechtauskennt. Ein entsprechender Anwalt kann euch rund um die Abmahnung und das Arbeitsrecht beraten. 

 

Es kann natürlich sein, dass ihr der Meinung seid, dass die Abmahnung völlig ungerechtfertigt ist und ihr möchtet unbedingt dagegen vorgehen. Dann habt ihr folgende Möglichkeiten:

  • Ihr könnt eine Gegendarstellung verfassen. Ihr seid der Absicht, dass eure Pflichtverletzung nicht so gravierend war wie von eurem Vorgesetzten dargestellt? Dann schreibt eine Gegendarstellung. 
  • Ihr könnt euch beim Betriebsrat beschweren. Grundsätzlich müsst ihr den Betriebsrat nicht informieren, wenn ihr abgemahnt wurdet. Wenn ihr das Vorgehen eures Chefs jedoch für ungerechtfertigt haltet, dann könnte eine solche Beschwerde sinnvoll sein.
  • Führen weder die Gegendarstellung noch die Betriebsrats-Klage dazu, dass euer Chef die Abmahnung zurücknimmt und aus eurer Personalakte entfernt, könnt ihr eine Klage einreichen. Hier solltet ihr euch auf jeden Fall den Beistand eines Anwalts holen. Zu bedenken ist, dass sich das Verhältnis zu eurem Chef durch eine Klage nicht unbedingt bessert. Hier gilt es abzuwägen, welcher Weg der richtige für euch ist. 

Fazit

Ihr müsst euch auch im Job nicht alles gefallen lassen und eine Abmahnung einfach so hinnehmen, wenn ihr diese für ungerechtfertigt haltet. Ist euer Verhalten zu Recht abgemahnt worden? Dann solltet ihr Einsicht und damit Größe zeigen. Ist euch der Job wichtig, werdet ihr euer Verhalten ändern und nach einiger Zeit könnt ihr euren Chef darum bitten, die Abmahnung aus eurer Personalakte zu nehmen. Ihr solltet dann natürlich aufzeigen können, dass ihr euer Verhalten geändert habt. Haltet ihr das Vorgehen eures Chefs dagegen für unfair, dürft ihr euch auch wehren. Auf eine Abmahnung kann dem Arbeitsrecht entsprechend auch umgehend eine Kündigung folgen, weshalb ihr diese keinesfalls ignorieren oder auf die leichte Schulter nehmen solltet.

 

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