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Absage nach dem Job-Interview?

Das sind die häufigsten Gründe!

Foto: anthony tran / unsplash
Foto: anthony tran / unsplash

Das Vorstellungsgespräch in einem Unternehmen ist vorbei und ihr haltet eine freundliche Jobabsage in den Händen? Dabei ist es unerheblich, ob es die erste oder hundertste Absage ist, die nagenden Gefühle von Unzulänglichkeit, Angst vor der Zukunft und Scham sind identisch. Obwohl ihr von der Außenwelt zu hören bekommt, dass davon die Welt nicht untergeht und ihr immer wieder eine neue Chance bekommt – wen es betrifft, für den scheint eine Welt zusammenzustürzen. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die möglichen Gründe der Absage und was sich beim nächsten Jobinterview vielleicht besser machen lässt.

Hinterfrage eine Absage, erinnere dich, wer du bist und leg los! Foto: jess bailey / unsplash

Hinterfrage eine Absage, erinnere dich, wer du bist und leg los! Foto: jess bailey / unsplash

Woran scheitert es allgemein?

Eine aktuelle Bitkom-Umfrage stellt klar, dass es längst nicht mehr das gute Abschlusszeugnis ist, das euch die Wunschstelle sichert. Tatsächlich rangiert dieses Argument erst an elfter Stelle der Umfrage. In den meisten Fällen erfüllen Bewerber nicht die Vorgaben der Stellenanzeige oder treten mit zu hohen Gehaltsansprüchen auf. Fehlende Sympathie und mangelndes Feingefühl folgen auf den Plätzen. Erst danach kommt eine Absage aufgrund ausbildungsbezogener Kriterien wie mangelnde Berufserfahrung oder unzureichende Deutschkenntnisse.

Abneigung oder Sympathie?

Diese Gründe sind nicht verwunderlich, da bekanntlich der erste Eindruck zählt. Schon beim Betreten des Raumes, in dem das Vorstellungsgespräch stattfindet, entscheidet es sich zwischen Sympathie und Abneigung. Ist eure Kleidung nicht der ausschlaggebende Faktor für einen reservierten Empfang, liegt es an eurer Ausstrahlung. Diese wiederum geht aus euren Gedanken und Gefühlen hervor, die ihr beim Jobinterview habt. Aus dieser Tatsache erklärt sich auch, warum manche Bewerber nach nur einer Absage sofort eine Stelle finden, andere jedoch nach hundert Bewerbungen immer noch nicht angenommen wurden und auch bei folgenden Vorstellungsgesprächen nicht punkten werden.

Ja, es gibt Gründe, für die ihr als Bewerber nichts könnt. Neben mangelnder Berufserfahrung, fehlenden Qualifikationen oder den falschen Voraussetzungen kann es auch passieren, dass ihr an einen autoritären Charakter in Form eines Personalers geratet. Treffen hier zwei starke Charaktere aufeinander, kann der Personalchef in eurer Gegenwart ein Unbehagen oder sogar eine leichte Bedrohung verspüren. Reflektiert er sein Problem nicht, seid ihr leider raus.

Wie viel Geld wollt ihr verdienen?

Personalchefs entstammen einer anderen Zeit als die heutige Generation. Diesen Unterschied solltet ihr berücksichtigen und in eure Gehaltsvorstellungen einfließen lassen. Wenn ihr ein Anfangsgehalt von mehreren tausend Euro netto verlangt, mag euch das vielleicht korrekt erscheinen, einem Personalchef eher nicht. Verkauft euch nicht unter Wert, aber ihr solltet realistische Zahlen anbringen. Erkundigt euch im Vorfeld nach den Gehältern im Unternehmen. Was bekommen Führungskräfte, was wird Angestellten gezahlt? Es ist einen Versuch wert, die eigenen Gehaltsvorstellungen im mittleren Bereich anzusiedeln. Das sieht nicht gierig, aber auch nicht unterwürfig aus.

Verlangt ihr von Anfang an ein überzogenes Gehalt, entsteht nicht nur ein arroganter und grenzüberschreitender Eindruck eurer Person. Euch wird sofort unterstellt, dass ihr viel Geld für wenig Arbeit haben wollt. Hinzu kommt, dass ältere Personalchefs aus ihren Erfahrungen und Erinnerungen agieren. Das heißt, dass sie sich an ihre eigene Einstellungszeit erinnern, in der es wenig gab und der Anstand überzogene Forderungen verbot. In diesem Fall treffen zwei Generationen aufeinander, allerdings sitzt der Personalchef am längeren Hebel.

Wenn es an Selbstbewusstsein fehlt

Ganz wichtig ist eure Ausstrahlung. Oder besser gesagt das Gefühl, das ihr von euch selbst habt. Natürlich ist man in dieser Situation aufgeregt und wirklich vorwegnehmen lässt sich ein Jobinterview nicht. Wenn ihr spürt, dass es schwierig ist, frei vor fremden Menschen zu sprechen, geht es um mangelndes Selbstwertgefühl. Das trifft auf die, die den Mund nicht mehr aufbekommen, ebenso zu, wie auf diejenigen, die überzogen offensiv auftreten. In beiden Fällen seid ihr euch eurer Fähigkeiten und Werte nicht bewusst, wofür ihr nichts könnt, aber ihr müsst es ändern.

Das Selbstwertgefühl wurde im Kindergarten und in der Schule unterdrückt, weil ihr euch immer vergleichen musstet. Ihr wart besser als das Nachbarskind, aber schlechter als euer Banknachbar. Ihr kennt euch nur aus dem Vergleich mit anderen Menschen. Im Vorstellungsgespräch steht ihr jedoch alleine da und das macht Angst. Wer seid ihr jetzt? Kümmert ihr euch um diese Frage, lösen sich auch alle anderen Probleme. Ihr braucht kein Vorstellungsgespräch auswendig zu lernen, denn es wird immer überraschende Fragen geben. Ihr braucht innere Ruhe, um eine Frage zu hören, diese zu verarbeiten und gelassen darauf zu antworten.

Wie viel Geld wollt ihr verdienen? Foto: benjamin davies / unsplash

Wie viel Geld wollt ihr verdienen? Foto: benjamin davies / unsplash

Ihr seid keine Bittsteller

Ganz wichtig ist es, keine Angst vor einer Absage zu haben. Das ist leicht gesagt, wenn ihr schon viele Bewerbungsscheiben verfasst und immer wieder eine Absage erhalten habt. Dann geht es um Selbstsicherheit und um das Gefühl, kein Bittsteller zu sein. Gerade am Anfang des Berufslebens ist das keine leichte Einstellung, denn euer Verstand wird euch sagen, dass ihr noch keine Erfahrungen habt und nichts vorweisen könnt.

Im Normalfall gehen Berufseinsteiger mit dem Gefühl zum Jobinterview, dass sie dankbar sein müssten, überhaupt eingeladen zu sein. Ein wenig Dankbarkeit und Freude könnte angesichts der hohen Arbeitslosenquote schon angebracht sein, aber anschließend sollte charakterliche Stärke durchschimmern. Ihr seid Jemand!

Ja, euch fehlt Berufserfahrung, aber für jeden Angestellten gab es einen Tag X, an dem er das erste Mal zur Arbeit ging. Ihr habt eure Arbeitskraft, mit der ihr einem Unternehmen Umsatz und damit Einnahmen bescheren könnt. Ohne Angestellte geht das nämlich nicht. Ihr werdet euch entwickeln und Erfindungen machen, die dem Unternehmen dienen. Ihr seid vielleicht der Teamkollege, der andere motiviert und mitreißt. Ihr habt möglicherweise den Verstand, Probleme besser zu beheben, als es alteingesessene Mitarbeiter tun. Und ihr seid die Generation, die bleibt, wenn die Älteren in den Ruhestand gehen. Das heißt - ohne euch geht es nicht.

Denkt über diese Worte nach, ohne sie in Arroganz aufzufassen. Wer nicht wirklich an sich und seine (kommenden) Fähigkeiten glaubt, sollte sich diese Dinge täglich selbst erzählen. Eine Absage auf eine Bewerbung sollte im Idealfall nur zeigen, dass ihr an der falschen Tür angeklopft habt und dass auf euch etwas anderes wartet. Seid mutig, ruft euer Selbstwertgefühl auf, lasst die Absage hinter euch und versucht es noch einmal.

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