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Active Sourcing

So bekommst du ein Jobangebot ganz ohne Bewerbung

Foto: fauxels / Pexels
Foto: fauxels / pexels

Unternehmen greifen vermehrt auf Active Sourcing zurück, um freie Stellen zu besetzen. Diese Form der Personalbeschaffung hilft, besonders vielversprechende Kandidaten zu finden. Warum entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die direkte Ansprache? Hierzulande herrscht akuter Fachkräftemangel und im Krieg um die Talente wird teilweise erbittert gekämpft. Du studierst gerade und gehörst zu den Fachkräften von morgen? Hier erfährst du, welche Active Sourcing Methoden Headhunter und Recruiter nutzen, um dich zu finden. Und wir verraten dir auch, wie du deine Chancen erhöhst, gefunden zu werden.

Active Sourcing – was ist das eigentlich?

Active Sourcing ist ein Anglizismus und bedeutet so viel wie aktive Personalbeschaffung. Beim Active Sourcing – auch Effective Sourcing – handelt es sich um ein Konzept des Recruitings. Die zielgerichtete Ansprache von potenziellen Mitarbeitern steht hier im Fokus. Früher setzten Unternehmen vor allem auf Stellenanzeigen in den Printmedien. Die Stellenanzeige ging raus und die Unternehmen durften hoffen, dass sich bald ein geeigneter Kandidat meldet. Heute herrscht bei uns aber ein großer Fachkräftemangel. Die Hoffnung, dass sich bald ein geeigneter Kandidat auf die Stellenanzeige meldet, führt daher nicht immer zum Ziel.

Beim Active Sourcing suchen Personalverantwortliche den direkten Kontakt zu potentiellen Kandidaten. Hierfür verwenden sie verschiedene Active Sourcing Methoden und Active Sourcing Tools und erhöhen so die Wahrscheinlichkeit, auf Talente zu stoßen. Gleichzeitig bauen Unternehmen auf diese Weise einen eigenen Talentpool auf, auf welchen sie bei Bedarf immer wieder zurückgreifen können.

Active Sourcing – aktiv auf Kandidatensuche / Foto: william fortunato / Pexels

Active Sourcing – aktiv auf Kandidatensuche / Foto: william fortunato / Pexels

Active Sourcing Methoden – so gehen Headhunter und Recruiter vor

Beim Active Sourcing geht es nicht darum, wahllos so viele Kandidaten wie möglich anzuschreiben. Vielmehr geht es darum, durch die verschiedenen Active Sourcing Methoden den passenden Bewerber zu finden und ins Unternehmen zu holen. Zu diesen Active Sourcing Methoden greifen Personaler unter anderem:

  • Soziale Netzwerke – auch Profile Mining: Recruiter suchen nach geeigneten Kandidaten mittels Social Media.
  • Talentpool: Wer ein Netzwerk und einen Talentpool aufgebaut hat, wird hier eventuell fündig. Das können beispielsweise ehemalige Kollegen, frühere Bewerber, Praktikanten oder Studenten sein.
  • Referral Sourcing: Hier nehmen Recruiter die Kontakte der Mitarbeiter unter die Lupe. Eventuell ist ein ähnlich qualifizierter Kandidat unter den Kontakten der Mitarbeiter.
  • CV Database Search: Recruiter und Headhunter durchforsten Plattformen nach speziellen Lebensläufen und Daten (z.B. Xing, Linkedin).
  • Harvesting: Hier werden Kandidaten aus einer Quelle systematisch "abgeerntet".

Was sind die Vor- und Nachteile von Active Sourcing?

Die klassische Stellenausschreibung in den Printmedien verliert immer mehr an Bedeutung. Stattdessen spielen Recruiting-Maßnahmen wie Active Sourcing eine immer größere Rolle. Doch welche Vor- und Nachteile hat das Active Sourcing für Unternehmen eigentlich?

Vorteile

  • Für jeden zugänglich: Für das Active Sourcing sind nicht viele Utensilien notwendig. In vielen Fällen ist es ausreichend, wenn ein Computer und ein Telefon verfügbar sind. Die Suche nach geeigneten Kandidaten gestaltet sich vor allem dank Social Media oftmals unkompliziert und barrierefrei.
  • Die Stellen können schneller besetzt werden: Es gibt eine Fallstudie der Deutschen Telekom, aus welcher hervorgeht, dass mithilfe dieser Art der Personalbesetzung eine freie Stelle in durchschnittlich 31 Tagen besetzt werden konnte. Zum Vergleich: Bei der Bundesagentur für Arbeit beträgt die durchschnittliche Besetzungszeit für akademische Berufe 126 Tage.
  • Die Kosten sind niedriger: In der oben genannten Fallstudie ergab sich außerdem, dass durch das Active Sourcing eine enorme Kostenersparnis möglich ist.
  • Wertschätzung für die Kandidaten: Wer persönlich angesprochen wird, fühlt sich gesehen und wertgeschätzt.
  • Unternehmen bauen sich einen Talentpool auf: Diese aktive Art der Personalbeschaffung setzt auf Nachhaltigkeit. Im Laufe der Zeit entsteht eine Datenbank, auf die das Unternehmen bei Bedarf jederzeit zurückgreifen kann.
  • Versteckte Talente werden entdeckt: Auf offene Stellenausschreibungen melden sich immer nur die Kandidaten, die aktiv auf Jobsuche sind. Mittels direkter Ansprache können auch passive Talente entdeckt werden.

 

Nachteile

  • Eventuell großer Zeitaufwand: Einige Active Sourcing Methoden sind mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Wer im Netz nach geeigneten Kandidaten fahndet, muss Zeit investieren. Ein Unternehmen kann nicht davon ausgehen, dass diese Form der Personalbeschaffung umgehend zum Erfolg führt.
  • Die Prozesse müssen sich einspielen: Wenn Active Sourcing im Unternehmen funktionieren soll, müssen die entsprechenden Strukturen geschaffen werden. Der Bewerbungsprozess muss eventuell neu gedacht und organisiert werden. Hier kann es zu Konflikten und Produktivitätsverlusten kommen.
  • Die Effizienz ist nicht immer hoch: Manchmal lässt die Trefferquote zu wünschen übrig. Gerade für Einsteiger in diese Art der Personalbeschaffung kann der Start frustrierend sein.
  • Der Talentpool ist eingeschränkt: Wer sich bei der Suche nach geeigneten Kandidaten nur online umsieht, verpasst potenzielle Mitarbeiter, die nur offline zu finden sind. Am besten suchen Unternehmen mittels verschiedener Active Sourcing Methoden nach potenziellen Mitarbeitern.
  • Falsches Vorgehen kann Auswirkungen haben: Wer potenzielle Mitarbeiter direkt anspricht und plump und unprofessionell vorgeht, hat am Ende möglicherweise keinen neuen Mitarbeiter, sondern einen deftigen Imageschaden.
  • Der Talentpool ist zu homogen: Wird nur ein Weg der Mitarbeitersuche genutzt, besteht die Gefahr, dass sich die Kandidaten zu sehr ähneln. Haben Unternehmen beispielsweise nur über Instagram nach Kandidaten gesucht, so haben diese möglicherweise alle eine Tendenz zur Extraversion. Für Leute im Vertrieb ist das ein Vorteil. Soll eine Stelle in der Buchhaltung neu besetzt werden, kann das ein Nachteil sein.

Um die Nachteile möglichst auszumerzen, sollten immer mehrere Active Sourcing Methoden und Active Sourcing Tools parallel genutzt werden.

Active Sourcing – was ist das eigentlich? Foto: erik lucatero / unsplash

Active Sourcing – was ist das eigentlich? Foto: erik lucatero / unsplash

Welche Vorteile hat Active Sourcing für mich?

Für Unternehmen ist der größte Vorteil, dass sie sich durch Active Sourcing gezielt auf die Suche nach geeigneten Kandidaten machen können. Im Idealfall gelingt das und die freie Stelle ist schnell besetzt. Aber auch für dich hat es einige Vorteile, wenn Headhunter und Recruiter gezielt nach dir suchen. Das sind deine Vorteile durch Active Sourcing:

  • Hast du erst einmal ein Profil in den Sozialen Netzwerken angelegt, kannst du es dir gemütlich machen. Du lehnst dich zurück und wartest ab. So ersparst du dir den Stress, kurz vor deinem Abschluss noch Bewerbungen wie am Fließband schreiben zu müssen.
  • Du bist vielleicht nicht aktiv auf Jobsuche, aber wenn das Topangebot um die Ecke kommt, bist du bereit. Du knüpfst Kontakte und lässt dich in Talentpools aufnehmen.
  • Spricht dich ein Headhunter im Namen eines Unternehmens an, kannst du sicher sein, dass es nicht so einfach ist, diese Stelle zu besetzen. Mit diesem Wissen hast du eine gute Ausgangsbasis, um später im Bewerbungsprozess ein paar schöne Details zu verhandeln.

Tipp: Wenn du durch Active Sourcing gefunden werden möchtest, gib dir Mühe mit deinen Profilen auf Social Media. Nutzt du Social Media privat, kann es sinnvoll sein, zwei Accounts bei der jeweiligen Plattform anzulegen. Deine Bilder von der letzten Hausparty und der Mallorca-Reise teilst du so nur mit Freunden und nicht mit Headhuntern und Recruitern.

Fazit

Active Sourcing gewinnt durch den herrschenden Fachkräftemangel zunehmend an Bedeutung. Im Grunde ist das Ergebnis eine Win-win-Situation: Findet ein Unternehmen dich, kann die Stelle optimal besetzt werden. Wirst du gefunden, handelst du die für dich besten Konditionen aus.

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