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Angry Bird?

Wie du eine wütende Kündigung zurückziehen kannst

Foto: chris blonk / unsplash

Aus Wut überreagiert und gekündigt? Die Einsicht kommt oft spät - hoffentlich nicht zu spät! Wir zeigen dir, wie du eine Kündigung zurückziehen kannst.

Kurzschluss-Kündigung zurücknehmen

Manche haben mal einen schweren Tag, andere schwere Wochen oder Monate. Wenn alles zu viel wird und man vor Wut oder Frustration nicht mehr klar denken kann, sind die Folgen oft verheerend. Neben beendeten Beziehungen oder Funkstille mit guten Freunden kann auch das Arbeitsverhältnis unter einer wütenden Überreaktion leiden.

Bei einer Kündigung aus Wut ist Ernsthaftigkeit und zügiges Handeln geboten. Denn neben dem Risiko der Arbeitslosigkeit drohen Sperrzeiten von bis zu zwölf Wochen vom Arbeitsamt und selbst dann ein bitterer Nachgeschmack, wenn der Arbeitgeber sich einsichtig zeigt.

Schnelles Reagieren und eine gute Strategie können nun den Arbeitsplatz retten. Über den eigenen Schatten springen, sich Entschuldigen und das Gespräch suchen sind nun eine Grundvoraussetzung, um eventuelle Probleme im sozialen Verhältnis mit Kollegen oder dem Chef zu überwinden.

 

Angry Bird? Wie du eine wütende Kündigung zurückziehen kannst / Foto: tofan silviu beniamin / unsplash

Angry Bird? Wie du eine wütende Kündigung zurückziehen kannst / Foto: tofan silviu beniamin / unsplash

Wann ist eine Kündigung wirksam?

Eine wirksame Kündigung ist eine einseitige Willenserklärung. Sie ist also selbst dann gültig, wenn der Gegenüber nicht damit übereinstimmt. Eine Kündigung per Mail, SMS, Facebook, Fax oder mündlich zu erklären ist nicht rechtskräftig.

Wann ist eine Kündigung gültig?

  • Schriftform ist erforderlich (gedruckt auf Papier)
  • Formulierung ist deutlich: z. B. "Hiermit kündige ich den Arbeitsvertrag"
  • Name und Unterschrift sind auf dem Dokument

Das Arbeitsverhältnis endet nach Erhalt einer gültigen Kündigung nach Ablauf der Kündigungsfrist. Gültig ist der Zeitraum ab Eingang der Erklärung.

Nicht erforderlich für eine Kündigung:

  • Datum
  • Beendigungszeitpunkt
  • Kündigungsgrund

Auch wenn einige Punkte für eine bindende Kündigung fehlen sollten: Einen Nachgeschmack hat sie dennoch und das Gespräch sollte auf jeden Fall gesucht werden. Die Ausrede, man habe nicht selbst gekündigt, ist z. B. mit dem Verweis auf eine fehlende Unterschrift zwar rechtlich korrekt, spricht aber nicht für die eigene Person.

Kündigung zurückziehen: Gibt es einen rechtskräftigen Weg?

Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Nein. Eine Möglichkeit, die Kündigung für ungültig zu erklären, wäre der Umstand, dass man zum Zeitpunkt oder dauerhaft nicht geschäftsfähig gewesen ist. Als nicht geschäftsfähig gelten Personen dann, wenn sie unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stehen oder eine psychische Erkrankung haben. Um die Kündigung zurückziehen zu können, müsste dies allerdings bewiesen und mit den Konsequenzen gelebt werden.

Ob das Arbeitsverhältnis nach der Erklärung der eigenen Unmündigkeit unter einem guten Stern steht? Die einzige Möglichkeit, die Kündigung zurückziehen zu können, ohne das Gesicht komplett zu verlieren, besteht darin, bestehende Streitigkeiten beizulegen und das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen.

Kündigung zurückziehen: Tief durchatmen und Gespräch suchen

Die Kündigung wurde in den Post-Briefkasten eingeworfen? Nun musst du auf die Kulanz der Vorgesetzten hoffen. Denn die Kündigung zurückziehen ist nur dann möglich, wenn sich dieser einsichtig zeigt und das Schreiben verschwinden lässt. Bevor du das Gespräch suchst, musst du dich zunächst entspannen, dir deiner Fehler bewusstwerden und die folgenden Tipps beachten.

 

Angry Bird? Wie du eine wütende Kündigung zurückziehen kannst / Foto: daniel monteiro / unsplash

Angry Bird? Wie du eine wütende Kündigung zurückziehen kannst / Foto: daniel monteiro / unsplash

Kündigung zurückziehen: 5 No-Gos für das Gespräch mit dem Chef

#1 Wütende Ausbrüche

Jetzt die Nerven zu verlieren ist ein Zeichen dafür, dass du dich selbst nicht unter Kontrolle hast oder die Gründe für den Ausbruch noch immer nicht überwunden sind. Schwächen zeigen ist zwar menschlich, aus den Fehlern zu lernen aber eine Grundvoraussetzung für dieses wichtige Gespräch.

#2 Schuld auf andere schieben

Aus deiner Perspektive trifft dich keine Schuld am wütenden Ausbruch, du siehst die Gründe dafür nur bei deinen Kollegen oder darin, dass du grade eine schwere Phase hast - nicht das Problem deines Chefs. An sich selbst arbeiten zu wollen ist ein wichtiges Signal, welches dabei hilft, eine Einigung zu finden. Natürlich spielen andere Menschen eine Rolle, doch diese sind nicht allein dafür verantwortlich.

#3 sich uneinsichtig zeigen

Die Kündigung zurückziehen wollen aber Probleme leugnen? Diese Uneinsichtigkeit wird meistens bestraft. Denke über die Situation nach und suche nach Gründen und Fehlern. Erst wenn du zur Einsicht kommst, solltest du das Gespräch suchen.

#4 keine Perspektiven in Aussicht stellen können

Wenn häufige cholerische Ausbrüche und Wutanfälle den Arbeitsalltag prägen, ist die Kündigung aus Wut der Tiefpunkt. Eine Schilderung, wie du die Wutanfälle in den Griff bekommen und wo du Hilfe suchen möchtest, zeigt positive Absichten und einen starken Willen.

#5 sich vor der Entschuldigung zu drücken

Das Gespräch mit dem Vorgesetzten sollte mit einer ehrlichen Entschuldigung beginnen. Selbst wenn du die Kündigung nur zurücknehmen möchtest, um in Ruhe nach einem neuen Arbeitsplatz zu suchen - Kurzschlusshandlungen sind unprofessionell und die Entschuldigung ein wichtiges Signal.

Positive Fakten und gute Aussichten

Du möchtest die Kündigung zurückziehen, da du eigentlich gern im Unternehmen arbeitest? Wichtige Inhalte für das Gespräch sind:

  • die Bitte, die Kündigung zurücknehmen zu dürfen
  • Gründe für den wütenden Kurzschluss
  • Methoden, wie die Gründe und Probleme überwunden werden
  • Fakten dazu, wie das Unternehmen in Vergangenheit von dir profitiert hat, Projekte und Aufgaben schildern, auf die du dich in Zukunft freust

Es kann sein, dass die Vorgesetzten deine Geduld testen. Die Ruhe zu bewahren ist während des gesamten Gesprächs eine Basis für weitere Verhandlungen. Sollte ein Grund für die Kündigung ein Streit mit Kollegen oder dem Vorgesetzten selbst gewesen sein, müssen diese vor oder während des Gesprächs beigelegt werden.

Fazit: Weg aus der Wut suchen

Bei Sport, Brettspielen oder am Computer als "Rage Quit" - wütender Abbruch - bekannt, sorgen emotionale Überreaktionen oft für Gelächter. Doch eine wütende Kündigung oder ein Ausraster am Arbeitsplatz können die Atmosphäre auch auf lange Zeit vergiften. Mit allen Beteiligten das Gespräch zu suchen und sich zu entschuldigen ist nicht einfach und ein Grund dafür, besser die Ruhe zu bewahren.

Sollte eine kurze Zündschnur und ein hoher Puls für dich zum wuterfüllten Alltag gehören, ist es auch aus gesundheitlichen Gründen ratsam, sich Hilfe zu suchen. Fehltritte können passieren, sind menschlich und werden von den Anderen verziehen. Oft hilft es, sich vor Augen zu halten, wie nichtig Alltagsprobleme langfristig sind.

Erfolgreich wieder aufzustehen formt den Charakter und ist mehr wert, als nie auf Komplikationen zu stoßen. Die Kündigung zurückziehen wird auch bei Erfolg Konsequenzen haben und es wird die nächsten Tage und Wochen nicht einfach, dem Chef über den Weg zu laufen. Mit der Zeit und einigen Erfolgen verblasst der bittere Beigeschmack.

Um zu signalisieren, dass du keine Wildcard und eher ein Early-, als ein Angry-bird bist, gilt es nun, Initiative zu zeigen und gute Arbeit zu leisten. Stellst du auch nach dem Gespräch fest, dass dir die Arbeit nicht guttut, hast du jetzt immerhin genug Zeit, dir etwas Neues zu suchen.

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