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Arbeiten in Teilzeit?

Weniger Geld, mehr Zeit für schöne Dinge!

Foto: icons8 team / unsplash
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Wer 40 Stunden die Woche arbeiten geht, hat nicht viel von seiner Freizeit. Dabei muss das Arbeiten in Teilzeit nicht bedeuten, dass große finanzielle Einbußen entstehen. Es gibt mittlerweile verschiedene Teilzeitmodelle, die sich an die Bedürfnisse des Arbeitnehmers anpassen lassen.

Wer eine Lehrstelle gefunden hat oder mitten in der Ausbildung steckt, kann von diesen Möglichkeiten noch keinen Gebrauch machen. Mit Beginn des anschließenden Arbeitslebens steht einem Arbeitnehmer, der in einem Betrieb mit mehr als 15 Mitarbeitern beschäftigt ist, die Möglichkeit zu, sich für das Arbeiten in Teilzeit zu entscheiden.

Warum sollte diese Möglichkeit für euch interessant sein? Foto: nathan dumlao / unsplash

Warum sollte diese Möglichkeit für euch interessant sein? Foto: nathan dumlao / unsplash

Warum sollte diese Möglichkeit für euch interessant sein?

Die Praxis zeigt, dass viele Menschen einen Beruf, den sie im Alter von ca. 20 Jahren gewählt haben, nach mehreren Jahren nicht mehr ausüben wollen und sich gerne verändern würden. Die Berufslandschaft hat sich geändert und der Weg einer klassischen Ausbildung mit anschließenden 40 Arbeitsjahren wird von vielen jungen Menschen nicht mehr als erstrebenswert angesehen. Schaut man sich in der Ü-40-Generation um, lässt sich nachvollziehen, warum Menschen auf der Suche nach anderen Arbeitsmodellen sind. 

Als Jugendliche wissen wir noch nicht, wer wir sind. Das Verständnis dafür wächst erst mit den Lebensjahren. Trotzdem soll sich der Mensch mit 18 auf eine berufliche Laufbahn festlegen. Doch er wird nach einigen Jahren feststellen, dass er sich zu ganz anderen Dingen hingezogen fühlt. Wie lässt sich das verhindern?

Zuerst – ihr müsst arbeiten, um euren Lebensunterhalt zu verdienen. Das lässt sich nicht ändern, aber ihr könnt mit dieser Situation anders umgehen als in früheren Zeiten. Das Arbeiten in Teilzeit macht es möglich, durch einen individuell vereinbarten Arbeitsvertrag weniger als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. Das ist für euch die perfekte Möglichkeit, um einerseits Geld zu verdienen und gleichzeitig noch andere Dinge zu tun:

  • Ihr könnt durch ein Fernstudium Qualifikationen und Zertifikate erhalten, um für bestimmte Tätigkeiten eine bessere Ausgangsbasis zu haben.
  • Wer Kinder hat, kann mehr Zeit mit ihnen verbringen, statt sie ganztags in fremde Hände zu geben.
  • Vielleicht habt ihr einen Hund, der Fürsorge und regelmäßigen Auslauf braucht und auf eure Anwesenheit angewiesen ist.
  • Habt ihr ein Hobby, das gemeinnütziger Natur ist und zeitlichen Einsatz braucht?
  • Lernt ihr gerade ein Instrument zu spielen und nehmt dazu nachmittags Unterricht?
  • Baut ihr euch nebenbei einen YouTube-Kanal auf und erstellt täglich Videos?
  • Oder schreibt ihr einen Blog und wollt damit erfolgreich werden?

Für all diese Dinge braucht es Zeit, die bei einer 40-Stunden-Woche nur begrenzt zur Verfügung steht. Ihr müsst zur Arbeit hin- und zurückfahren und euch um den eigenen Haushalt und die Familie kümmern. Bei einem Teilzeitmodell habt ihr die Möglichkeit, alles unter einen Hut zu bekommen und trotzdem Geld zu verdienen. Wollt ihr neben eurem Beruf im Internet Fuß fassen, lässt euch das Arbeiten in Teilzeit genug Zeit, dort kreativ zu werden. Wer beispielsweise leidenschaftlich gerne bloggt, braucht das nicht auf das Wochenende zu verschieben, wenn durch das Arbeiten in Teilzeit täglich ein bis zwei Stunden mehr für dieses Hobby zur Verfügung stehen. 

Eine 40-Stunden-Woche oder doch lieber Arbeiten in Teilzeit? Foto: catherina schurmann / unsplash

Eine 40-Stunden-Woche oder doch lieber Arbeiten in Teilzeit? Foto: catherina schurmann / unsplash

Was bedeutet es konkret, in Teilzeit zu arbeiten?

Es gibt mehrere Teilzeitmodelle und gleich vorweg sei gesagt, dass ihr keine Angst haben müsst, für immer in der Teilzeitarbeit zu bleiben, wenn ihr euch einmal dafür entschieden habt. Früher war es möglich, die Arbeitszeit zu verringern. Die Rückkehr zur Vollzeitstelle war dagegen unsicher. Seit Januar 2019 gibt es für diese Situation die sogenannte Brückenteilzeit, die eine Rückkehr zur vorherigen Arbeitszeit gesetzlich zusichert. Dabei ist es egal, ob es um Pflegezeiten für die Eltern, Kinderbetreuung, Weiterbildung oder ein Hobby geht – die Regelung, in Teilzeit zu arbeiten, gilt für 1-5 Jahre. Dafür müssen nur zwei Bedingungen erfüllt sein:

1. Ihr seid in einem Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern beschäftigt.
2. Ihr arbeitet bereits länger als sechs Monate bei diesem Unternehmen. 

Die Stundenzahl, die ihr arbeiten wollt, wird im Arbeitsvertrag festgelegt. Dabei gibt es keine Mindeststundenanzahl, die ihr arbeiten müsst. 

Verschiedene Teilzeitmodelle

Die einzelnen Varianten unterscheiden sich durch kürzere Arbeitszeiten, freie Tage sowie eine Kombination aus beiden Möglichkeiten.

Modell Classic

Beim klassischen Teilzeitmodell geht ihr an fünf Tagen in der Woche arbeiten, wobei sich die Arbeitszeit von täglichen 8 Stunden auf die von euch gewünschte Stundenzahl verkürzt. So bleibt euch am Nachmittag mehr Zeit für die Dinge eurer Wahl.

Modell Classic Vario

Die wöchentliche Arbeitszeit wird auf weniger als fünf Arbeitstage verteilt, sodass ihr zusätzliche freie Tage in der Woche habt. Bei einem 30-Stunden-Modell könntet ihr beispielsweise 3 Tage Vollzeit arbeiten und am nächsten Tag nach 6 Arbeitsstunden Feierabend machen. Der nächste Tag wäre frei und ihr hättet ein langes Wochenende. Bei 20 Arbeitsstunden könnte das Arbeiten in Teilzeit auf 2 Tage Vollzeitarbeiten sowie 4 Stunden Arbeitszeit am folgenden Tag aufgeteilt werden. Hierbei wären 2 Wochentage frei.

Modell Teilzeit Jobsharing

Bei diesem Modell teilen sich zwei Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle und arbeiten jeweils die Hälfte der Zeit. Dieses Modell ist sehr beliebt und ermöglicht beiden Arbeitnehmern beispielsweise, an Projekten mitzuarbeiten. Es braucht lediglich eine korrekte Absprache, damit jeder von allen Schritten und Arbeitsabläufen unterrichtet ist. Dann gehen beide Mitarbeiter halbtags arbeiten und nutzen die zusätzliche freie Zeit für die Dinge, die ihnen wichtig sind. Bei Jobsharing wird an jedem Wochentag eine verkürzte Zeit gearbeitet oder es greift das Modell Classic Vario, bei dem der Mitarbeiter nur an bestimmten Tagen im Unternehmen erscheint.

Modell Teilzeit Home

Das Arbeiten findet im Homeoffice statt, wenn sich die Arbeit von dort erledigen lässt oder äußere Umstände das Arbeiten vor Ort nicht zulassen. Damit entfallen die Wege zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz, was enorme Zeitersparnis bringt. Um den Bezug zu den anderen Mitarbeitern nicht zu verlieren, können einzelne Tage in Voll- oder Teilzeit vereinbart werden. Auch das wird mit dem Arbeitgeber abgesprochen und in den Arbeitsvertrag aufgenommen.
 

Weniger Arbeitszeit – weniger Geld?

Natürlich sollte klar sein, dass das Arbeiten in Teilzeit auch weniger Einkommen bedeutet. Hier müsst ihr von eurer individuellen Situation ausgehen. Als Paar mit doppeltem Einkommen ist es möglich, durch das Arbeiten in Teilzeit mehr Freizeit miteinander zu verbringen. Aber auch als Einzelperson könnt ihr in Teilzeit arbeiten, solange eure Verbindlichkeiten das Gehalt nicht übersteigen. 

Die meisten Menschen steigen aus dem Vollzeitmodell aus, um sich eine Auszeit zu gönnen oder Kinder zu betreuen. Wenn ihr jedoch ein Buch schreiben oder einen Blog aufbauen wollt, um eines Tages davon leben zu können, solltet ihr Teilzeit arbeiten, um aus diesem Hobby ein hauptberufliches Einkommen zu machen. Euer Teilzeitjob bietet euch für diese Zeit Schutz und Sicherheit. Ihr habt ein Einkommen und die Sozialversicherungen sind während des Angestelltenverhältnisses abgedeckt. Wer nicht dreimal im Jahr in den Urlaub fahren muss, kann wenige hundert Euro Einbußen verkraften, wenn er dafür mehr Freizeit für wichtige Dinge erhält. Außerdem verringert sich in diesem Fall eher das Brutto- statt Nettoeinkommen. Die Steuern auf das Bruttogehalt werden weniger, ebenso die Kosten für die Sozialabgaben. Zusätzlich schlagen die Fahrtkosten zu Buche, wenn ihr den Arbeitsweg mit dem eigenen Pkw zurückgelegt und statt 5 nur noch 3 oder 4 Tage zur Arbeit fahrt.
 

Warum sollte diese Möglichkeit für euch interessant sein? Foto:pablo merchan / unsplash

Warum sollte diese Möglichkeit für euch interessant sein? Foto:pablo merchan / unsplash

Wie sieht es mit dem Urlaubsanspruch beim Arbeiten in Teilzeit aus?

Grundsätzlich besteht auch beim Arbeiten in Teilzeit Anspruch auf Urlaub. Das Gesetz unterscheidet nicht aufgrund von reduzierten Arbeitsstunden, sondern bezüglich der Arbeitstage pro Woche. Wenn ihr also das klassische Modell nutzt und die tägliche Arbeitszeit verkürzt, steht euch die gleiche Menge an Urlaubstagen zu, die ihr bei einer Vollzeitbeschäftigung zur Verfügung hättet. 

Arbeitet ihr pro Woche an weniger als 5 Tagen, ändert sich der Urlaubsanspruch. Ihr könnt die zur Verfügung stehenden Urlaubstage mit einer einfachen Formel berechnen: Urlaubstage pro Tag (bei einer Vollzeitbeschäftigung) / Wochenarbeitstage x die tatsächlichen Arbeitstage. Würden euch bei einer Vollzeitarbeit 25 Urlaubstage zustehen und ihr habt euch für das Arbeiten in Teilzeit an 4 Tagen pro Woche entschieden, würde die Rechnung lauten:

25 Urlaubstage / 5 Arbeitstage pro Woche x 4 reale Arbeitstage pro Woche. Damit würden euch 20 Urlaubstage zustehen. Zusätzlich zu den freien Tagen, die durch das Arbeiten in Teilzeit entstehen. Urlaub müsste nur für die Tage genommen werden, an denen ihr arbeitet. 

Es kann also ganz einfach sein, ein zweites Standbein aufzubauen, einem Hobby nachzugehen oder mehr Zeit für die Familie zu haben, indem man Teilzeit arbeiten geht. Traditionen sind gut, um nicht zu vergessen, wo die eigenen Wurzeln liegen und woher man kommt. Was das Arbeiten angeht, setzen sich immer mehr Veränderungen durch. Arbeiten in Teilzeit bringt euch in der Jugend Vorteile und Möglichkeiten, die viele Senioren im Alter nicht mehr umsetzen können. Es lohnt sich also, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und das eigene Leben zu leben.

 

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