Ratgeber > Arbeitswelt

Aus der Traum vom Wunschjob?

Wie du im Vorstellungsgespräch mit schlechten Noten umgehst

Foto: anete lusina / Pexels
Foto: anete lusina / Pexels

In der Prüfungsphase sitzt du tage- und nächtelang an deinem Schreibtisch oder in der Bibliothek, um dir den ganzen Lernstoff eines Semesters einzuprägen. Am Prüfungstag hast du dann zwei Stunden oder sogar nur 60 Minuten Zeit, die vielen schweren Fragen zu beantworten, die gestellt werden, um dein Wissen zu prüfen. Am Ende bekommst du aber nur eine mittelmäßige oder schlechte Note für deine investierte Zeit und Mühe. So geht es einigen im Studium, und viele stellen sich dann die Frage: Was bedeuten schlechte Noten in den Bewerbungsunterlagen für deine Jobchancen? Das Bewerben mit schlechten Noten ist souverän möglich, wir erklären dir, wie.

Aus der Traum? Souverän bewerben mit schlechten Noten / Foto: cottonbro / Pexels

Aus der Traum? Souverän bewerben mit schlechten Noten / Foto: cottonbro / Pexels

Schlechte Noten in der Hauptrolle?

Nach dem erfolgreichen Uniabschluss willst du direkt beruflich durchstarten und schickst fleißig Bewerbungsunterlagen an interessante Unternehmen. Du machst dir aber Sorgen, was deine schlechten Noten im Zeugnis für Auswirkungen auf deine Chancen haben, im Bewerbungsprozess einen Schritt weiterzukommen und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden? Keine Sorge, nur bei 25 Prozent der Unternehmen zählen Noten zu den wichtigsten Auswahlkriterien, wenn es um die Besetzung einer Einsteigerposition geht. Für den Großteil der Unternehmen zählen Faktoren wie soziale Kompetenzen, persönliche Eigenschaften und der Fit zwischen dem Unternehmen und dem Bewerber oder der Bewerberin viel mehr. 

Das Bewerben mit schlechten Noten im Zeugnis ist also bei den meisten Unternehmen kein K.O.-Kriterium. Trotzdem haben Zeugnisse immer noch einen Einfluss auf die Entscheidungen der Personalverantwortlichen, deshalb solltest du wissen, wie du die schlechten Noten in deinem Zeugnis souverän und plausibel erklärst. 

Bewerben mit schlechtem Zeugnis, aber souverän

Wenn du mit deinen Bewerbungsunterlagen überzeugt hast, geht es zum nächsten Schritt im Bewerbungsprozess – dem persönlichen Vorstellungsgespräch. Keine Angst, auch wenn der Personalverantwortliche hier nach deinen schlechten Noten im Zeugnis fragt, gibt es Möglichkeiten, souverän damit umzugehen. Es ist wichtig, dass du ehrlich und authentisch antwortest, auch bei unangenehmen Fragen zu deinen schlechten Noten. Nur wenige Studierende können ein Zeugnis vorweisen, das nur gute Noten beinhaltet. Mache dir bewusst, dass durch ein paar schlechte Noten nicht gleich deine ganze akademische Ausbildung schlecht war. Du hast aus dem ganzen Studium und natürlich auch aus den Kursen, in denen du nicht so gut abgeschlossen hast, viel Wissen mitgenommen. 

Vorwürfe gegenüber den Professoren sind unangebracht und solltest du lieber für dich behalten. Rechtfertigungen sind hier ebenfalls Fehl am Platz. Sprich schlechte Noten nicht von dir aus an, sondern warte, bis der Personalverantwortliche dich danach fragt. Fokussiere dich mehr auf deine Stärken, Erfolge und persönlichen sowie professionellen Erfahrungen, die du bereits gesammelt hast und dir bei dieser Stelle weiterhelfen können. Du musst nicht zusätzlich deine Schwächen hervorheben.
 

Bewerben mit schlechtem Zeugnis, aber souverän / Foto: hello i m nik / unsplash

Bewerben mit schlechtem Zeugnis, aber souverän / Foto: hello i m nik / unsplash

 

Schlechte Noten vs. Soft Skills, Erfahrung und andere Qualifikationen

Bei vielen Unternehmen sind Noten nicht mehr das zentrale Auswahlkriterium, wenn es um die Besetzung offener Stellen geht. Wichtiger sind die Soft Skills der Bewerber und Bewerberinnen wie Selbstständigkeit, Kooperationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Flexibilität, Stressresistenz und Engagement sowie Konflikt- und Kritikfähigkeit. Diese entscheidenden Aspekte werden nicht benotet oder in Prüfungen abgefragt. Am besten werden deine Soft Skills aus deinem Lebenslauf und Anschreiben für die Personalverantwortlichen ersichtlich. Es ist sehr wichtig für deine berufliche Zukunft, Soft Skills vorweisen zu können, da deine Jobchancen davon abhängen. 

Mach dir bewusst, dass du trotz ein paar mittelmäßiger oder schlechter Noten einen Schritt im Bewerbungsprozess weiter bist. Die Einladung zum Vorstellungsgespräch kam trotz der Bewerbung mit schlechten Noten. Im persönlichen Gespräch musst du weiter prüfen, ob der Fit zwischen dir und dem Unternehmen wirklich vorhanden ist – von beiden Seiten. Dafür musst du deine eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten kennen. 

Durch passende Praktika und Werkstudentenstellen kannst du schon während des Studiums deine eigenen Qualifikationen und Kompetenzen verbessern und erweitern. Außerdem kannst du so bei Bewerbungen die Aufmerksamkeit auf deine praktischen Erfahrungen lenken und musst nicht nur mit theoretischem Wissen und den dazugehörigen Noten überzeugen. Bleibe, wenn es um deine Schwächen geht und besonders bei schlechten Noten, ehrlich und authentisch. Erkläre souverän und nachvollziehbar, wie es zu diesen Noten gekommen ist, wenn du danach gefragt wirst, verfalle aber nicht in Rechtfertigungen. 

Aus den Stellenausschreibungen der Unternehmen kannst du in den meisten Fällen herauslesen, welche Anforderungen das Unternehmen stellt und ob deine Noten beim Auswahlprozess eine zentrale Rolle spielen. Werden ein herausragender Abschluss oder nur sehr gute Noten erwartet, weißt du, dass Noten hier für die Jobbesetzung entscheidend sind. Vergiss dabei aber nie, dass Noten nicht alles sind und du durch deine Stärken und Erfahrungen trotzdem für die Stelle infrage kommen könntest, denn schlechte Noten im Zeugnis sind nicht von vornherein ein Karrierehindernis.

Noten sind bei manchen Unternehmen vor allem bei Berufseinsteigerpositionen ein Auswahlkriterium. Im Laufe deiner beruflichen Karriere verlieren deine Noten an Bedeutung – nicht nur die schlechten, sondern auch die guten. Deine praktischen Erfahrungen und deine erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen werden dann immer mehr zu den zentralen Faktoren, wenn es um die Besetzung einer Stelle geht. 

Fazit

Das Bewerben mit schlechten Noten muss nicht von vornherein ein K.O.-Kriterium oder Hindernis für deine Bewerbung bei einem Unternehmen sein. Sei bei der Frage nach deinen Noten ehrlich und authentisch. Rechtfertigungen und Vorwürfe gegenüber anderen bringen dich hier nicht weiter und werfen ein schlechtes Licht auf dich. Lenke den Fokus auf deine Stärken, Erfahrungen, Soft Skills und anderen Qualifikationen für den Job. Nutze deinen Lebenslauf und dein Anschreiben dafür, deine positive Seite hervorzuheben, und verdeutliche den Mehrwert, den du dem Unternehmen liefern kannst. Hierfür musst du für jede Position deine Bewerbungsunterlagen entsprechend anpassen. Gehe souverän und selbstbewusst in den Bewerbungsprozess, indem du dir immer wieder deutlich machst, dass Noten nicht alles sind. 

Beitrag teilen