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Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

– warum alle davon profitieren

Foto: andrea piacquadio / Pexels
Foto: andrea piacquadio / Pexels

Arbeitgeber sind an gesunden, leistungsstarken und motivierten Mitarbeitern interessiert. Daher müssen sie in den umkämpften Branchen mehr als nur das Gehalt bieten. Berufseinsteiger und junge Mitarbeiter achten mehr auf ihre Gesundheit, ernähren sich zunehmend vegetarisch und setzen auf eine ausgeglichene Balance zwischen Arbeit und privatem Leben. Das betriebliche Gesundheitsmanagement (kurz: BGM) kann im Wettbewerb um talentierte Kräfte eine wesentliche Rolle spielen.

Was ist BGM einfach erklärt?

Die Unfallkasse des Bundes definiert betriebliches Gesundheitsmanagement wie folgt:

"Betriebliches Gesundheitsmanagement ist die systematische, zielorientierte und kontinuierliche Steuerung aller betrieblichen Prozesse – mit dem Ziel, Gesundheit, Leistung und Erfolg für den Betrieb und alle seine Beschäftigten zu erhalten und zu fördern."

Die Arbeitgeber schaffen damit gute Bedingungen für die Gesundheit der Mitarbeiter. Diese sollen es ihnen erleichtern, sich so zu verhalten, dass ihre Gesundheit erhalten bleibt. Grundlage hierfür ist die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Das BGM geht jedoch darüber hinaus. Konkrete Maßnahmen wie ein gesundes Angebot an Mahlzeiten gehört ebenso zum Gesundheitsmanagement wie ein ergonomisch korrekt eingerichteter Arbeitsplatz und Angebote zu Fitness und Sport. Weitere Bestandteile sind Arbeits- und Gesundheitsschutz, Personalmanagement und betriebliches Eingliederungsmanagement.

Vom BGM profitieren alle – nicht nur Unternehmen / Foto: andrea piacquadio / Pexels

Vom BGM profitieren alle – nicht nur Unternehmen / Foto: andrea piacquadio / Pexels

Was macht man im betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Pflichtteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements sind der betriebliche Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie das betriebliche Eingliederungsmanagement. Damit sollen Unfälle an der Arbeit und Berufskrankheiten gleichermaßen vermieden werden. Das betriebliche Eingliederungsmanagement kümmert sich um die Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach einer langen Krankheitsphase oder von chronisch kranken Beschäftigten. Für die Pflichtbereiche gibt es eine ganze Reihe an Regelungen und Vorschriften. Zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zählt weit mehr: In der Gesundheitsförderung bezuschusst der Arbeitgeber Kurse in Fitness- oder Yogastudios bzw. bietet eigene Trainings inhouse an. Auch Massagen können im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements vom Arbeitgeber bezuschusst oder ganz finanziert werden. Zusätzlich zu den Bewegungsangeboten sind gesundes Essen und ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz ebenfalls Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Was umfasst das BGM?

Grundsätzlich verfolgt ein Unternehmen mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement zwei Strategien:

  • Zum einen wird durch die Gestaltung der Arbeitsplätze und der gesamten Organisation die Gesundheit präventiv erhalten.
  • Zum anderen werden die Beschäftigten selbst dazu animiert, sich gesundheitsförderlich zu verhalten, sich beispielsweise mehr zu bewegen und gesünder zu essen.

Es geht um mehr, als nur Erkrankungen und Belastungen zu erkennen und zu reduzieren. Das betriebliche Gesundheitsmanagement nimmt das gesamte Unternehmen in den Blick und damit die Bedingungen, zu denen die Arbeit geleistet wird. Die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Attraktivität des Arbeitgebers steigen, während die Ausfallzeiten durch Krankheiten geringer werden. Jedes Unternehmen muss selbst nach Lösungen und Wegen suchen, die für die Gesundheit der dort Beschäftigten einen förderlichen Effekt ausüben. Die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter bilden die Grundlage für eine spezifische Lösung.

Ist BGM verpflichtend?

Nein, Unternehmen sind nicht gesetzlich zu einem BGM verpflichtet. Es gibt zwar ein Arbeitsschutzgesetz und Verordnungen, zu denen die Gefahrstoffverordnung oder die Arbeitsstättenverordnung zählen, aber keine Pflicht zum BGM. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt lediglich, dass sämtliche Maßnahmen und Abläufe im Unternehmen stetig verbessert werden. Der Trend in den Unternehmen selbst geht in Richtung BGM. Warum ein betriebliches Gesundheitsmanagement?

Damit lassen sich Erkrankungen der Mitarbeiter vorbeugen und die Gesundheit erhalten. Das BGM kümmert sich immer mehr um die Vorbeugung psychischer Erkrankungen. Da sich die Arbeit in den vergangenen Jahren dramatisch verändert hat, erkranken mehr Arbeitnehmer psychisch. Gründe sind oft flexible Arbeitszeiten, die permanente Erreichbarkeit und eine zunehmende Verdichtung der Arbeit. Kann das BGM hier gegensteuern, gibt es deutlich weniger Fehlzeiten durch psychische Krankheiten.

Betriebliches Gesundheitsmanagement auf den Weg bringen

Entschließt sich ein Unternehmen, das betriebliche Gesundheitsmanagement in der Firma zu etablieren, müssen alle daran Beteiligten mitziehen. Zunächst wird eine Steuerungsgruppe etabliert. Dieser gehören Mitarbeiter aus dem Betriebsrat und der Personalabteilung an sowie ein eventuell vorhandener Betriebsarzt und der Beauftragte für Arbeitssicherheit. Diese vier Prinzipien sind dabei wesentlich:

  • Ganzheitlichkeit: Das betriebliche Gesundheitsmanagement nimmt die Arbeitsbedingungen unter die Lupe und will das Verhalten der Mitarbeiter positiv beeinflussen.
  • Individualität: Die im BGM beschlossenen Maßnahmen richten sich nach den konkreten Bedürfnissen der Mitarbeiter im Unternehmen. Sie werden in einem laufenden Prozess evaluiert und hinterfragt.
  • Partizipation: Sollen alle Mitarbeiter profitieren und sich engagieren, müssen alle daran beteiligt werden.
  • Integration: Bei jeder Entscheidung im Unternehmen wird der gesundheitliche Aspekt berücksichtigt.

Was bringt betriebliches Gesundheitsmanagement?

BGM ist nicht einfach ein Trend, sondern eine schlichte Notwendigkeit in Zeiten, in denen nicht genügend Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Will ein Unternehmen seine wirtschaftlichen Ziele erreichen, braucht es dafür gesunde Mitarbeiter. Standen früher genügend Arbeitskräfte zur Verfügung, sind sie heute in einigen Branchen knapp. Entscheidet der Mensch als Ressource darüber, ob das Unternehmen im Wettbewerb bestehen kann, muss dessen Gesundheit aktiv erhalten bleiben. Grund für die Knappheit sind neben dem demografischen Wandel die immer höheren Anforderungen an die Qualifikationen. Daher ist die Investition in betriebliches Gesundheitsmanagement gleichzeitig eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Gerade junge Arbeitnehmer sind nur dann bereit, überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen, wenn sie in einem für sie begeisternden Umfeld arbeiten. Dies beinhaltet eine entsprechende Führungsqualität.

Was macht man im betrieblichen Gesundheitsmanagement? Foto: prudence earl / unsplash

Was macht man im betrieblichen Gesundheitsmanagement? Foto: prudence earl / unsplash

Gesundheitsorientiert arbeiten und führen

Sollen die Mitarbeiter und die Führungskräfte ihre Gesundheit erhalten, sind präventive Angebote zur Fitness unabdingbar. Wird BGM im Unternehmen implementiert und gelebt, geht es weit über die reine Gesundheitsvorsorge hinaus. Die Arbeitskräfte spüren, dass sie vom Arbeitgeber Wertschätzung erfahren. Das fördert die Zufriedenheit der Mitarbeiter und ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sie leistungsorientiert arbeiten.

Sind die Mitarbeiter zufriedener mit ihrer Arbeit, leiden sie weniger unter Stress und entnehmen ihrer Tätigkeit einen Sinn. Die Loyalität zum Arbeitgeber und eine bessere Bindung und Identifizierung des Mitarbeiters mit dem Unternehmen wirken sich auf die Gesundheit aus. Voraussetzung ist, dass die Führungsebene vom betrieblichen Gesundheitsmanagement überzeugt ist. Achtet diese in ihren Entscheidungen darauf, dass die Aspekte des BGM berücksichtigt werden, ist damit eine gesundheitsorientierte Führung verbunden.

Gewohnte Denk- und Verhaltensmuster hinterfragen

Wird betriebliche Gesundheitsförderung im Unternehmen ernst genommen, müssen bisherige Denk- und Verhaltensmuster hinterfragt werden. Die Mitarbeiter sind schließlich nicht allein für ihre Gesundheit zuständig. Je mehr sich die Angebote an dem orientieren, was die Mitarbeiter wünschen und brauchen, desto besser identifizieren sie sich mit dem Unternehmen. Das gilt für die Pausenangebote, für Obst und Gemüse in der Firmenkantine sowie für die angebotene Bewegung, Massagen oder Entspannung. Wird das BGM nur pro forma eingeführt, obwohl die Führungskräfte nicht überzeugt sind, stellt sich der gewünschte Erfolg nicht ein. Damit sinken die Attraktivität des Arbeitgebers und die Produktivität der Mitarbeiter. Will das Unternehmen vom BGM profitieren, muss die Führungsebene zeigen, dass sie gewohnte Denk- und Verhaltensmuster hinterfragt.

Fazit

Hat sich ein Unternehmen für betriebliches Gesundheitsmanagement entschieden, verbessern sich die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, und ihre Gesundheit bleibt erhalten. Untersuchungen zeigten, dass sich die Krankheitsquote um bis zu 40 Prozent verringern lässt. Das liegt vor allem daran, dass die psychischen Belastungen für die Mitarbeiter geringer sind und sie mehr Wertschätzung erfahren. Damit lohnt sich eine Investition in betriebliches Gesundheitsmanagement auch finanziell. Obwohl die Argumente positiv für das BGM sprechen, setzt bisher nur gut ein Drittel aller Unternehmen auf das betriebliche Gesundheitsmanagement. Klein- und mittelständische Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern haben hier noch Nachholbedarf.

Mehr Infos findet ihr hier:

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