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Bewerben nach der Elternzeit?

Diese Optionen habt ihr!

Foto: andy art / unsplash
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Die Geburt des eigenen Kindes und die anschließende Elternzeit werden die meisten von euch als sehr intensiv erleben. Besonders das erste Lebensjahr vergeht wie im Flug, der Nachwuchs entwickelt sich rasant. Bald schon steht er auf den eigenen, kleinen Füßen. Schnell gewöhnt ihr euch an das Windelwechseln und an sich auftürmende Wäscheberge.

Irgendwann, spätestens in Richtung Ende der beruflichen Auszeit als Elternteil, stellt sich für euch die Frage: Wie geht es beruflich weiter? Was kann/will ich erreichen? Ist das noch bei meinem alten Arbeitgeber möglich oder soll ich mich auf eine neue Stelle bewerben? Wie gebe ich die berufliche Auszeit in Lebenslauf und Motivationsschreiben an?

Hier könnt ihr euch einen Überblick verschaffen und beispielorientiert nachlesen, wie ihr euch nach der intensiven Auszeit als Mama oder Papa richtig bewerben könnt.

Das sollte vorab klar sein...

Egal, ob ihr beim alten Arbeitgeber bleibt oder euch neu bewerben wollt: Die genommene Elternzeit ist in keiner Form zu rechtfertigen. Sie muss auch nicht verschwiegen werden, da sie ansonsten als Lücke im Lebenslauf angesehen würde. Übrigens betrifft die Herausforderung des beruflichen Wiedereinstiegs nicht nur Mütter. Laut offiziellen Zahlen entscheiden sich immer mehr Papas für die Elternzeit. Insofern kann die berufliche Neuorientierung für beide Elternteile eine Option sein. Um Planungssicherheit zu erlangen, solltet ihr euch frühestmöglich um die Zeit nach der intensiven Kinderbetreuung kümmern.

 

Mit diesen Tipps gelingt die Bewerbung nach der Elternzeit / Foto: jude beck / unsplash

Mit diesen Tipps gelingt die Bewerbung nach der Elternzeit / Foto: jude beck / unsplash

Müsst/möchtet ihr euch überhaupt bewerben?

Grundsätzlich könnt ihr an den alten Arbeitsplatz zurückkehren, wenn ihr entsprechende Vereinbarungen mit eurem Chef getroffen habt. Rein rechtlich ruht das Arbeitsverhältnis nur. Ihr habt also einen Anspruch darauf, wieder in den Betrieb zurückzukehren. Nach zwei oder drei Jahren gibt es aber keine Garantie, dass ihr exakt dieselbe Tätigkeit ausübt. Vielleicht wollt ihr das auch gar nicht? Wer an den alten Arbeitsplatz zurückkehren möchte, sollte den Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten nie abbrechen lassen. Das ist ein wichtiger sozialer Faktor, um den Wiedereinstieg ohne größere Probleme meistern zu können.

Nicht selten verspüren Eltern während dieser beruflichen Auszeit den Wunsch nach einer (kompletten) Neuausrichtung: Sie wollen nach der Elternzeit richtig durchstarten. Daher ist es empfehlenswert, diese 'Auszeit' zu nutzen, um sich gezielt zu qualifizieren. Das erfordert natürlich klare Ziele. Geht in euch und fragt euch, was euch wirklich reizen würde.

Bewerben ist keine Pflicht, es geht auch selbstständig...

Viele internetaffine Eltern merken aber auch, dass sie mit ihrer Leidenschaft als Blogger durchaus gutes Geld verdienen können. Nicht selten reift der Wunsch, sich selbstständig zu machen und im Internet Geld zu verdienen. Durch das hohe Maß an Flexibilität ließen sich Arbeit und Familienleben bestmöglich vereinbaren und ihr könnt eurer Leidenschaft nachgehen. Falls dieser Weg euch reizt, solltet ihr während der Elternzeit bereits ein Geschäftsmodell aufbauen.

Übersicht: Aus diesen Gründen kann eine berufliche Neuausrichtung in Frage kommen

+ Kürzer Arbeitsweg durch Umzug und Kitaplatz erwünscht

+ Mehr Freizeit mit der Familie genießen

+ Bessere Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten nutzen

+ Die bisherige Branche hat sich als sehr krisenanfällig entpuppt

+ Das Elterndasein hat zu neuen Prioritäten/Perspektiven geführt

Wie sich bereits die Elternzeit für den Neustart nutzen lässt

Falls es euch irgendwann nach einigen Monaten in den Fingern juckt und ihr euch bewerben wollt, solltet ihr eure Hausaufgaben bereits gemacht haben. Wer in einem neuen Berufsumfeld arbeiten möchte, sollte die notwendigen Qualifikationen mitbringen. Gerade während einer längeren Auszeit als Elternteil (3 Jahre) besteht die Chance, ein Fernstudium oder eine Weiterbildung abzuschließen. Rein formal beweist ihr auf dem Papier in der Bewerbung, dass ihr nicht untätig gewesen seid. Dass wart ihr ohnehin nicht, schließlich wird der Nachwuchs viel Aufmerksamkeit erfordern. Wer die berufliche Auszeit im Lebenslauf mit Weiterbildungsmaßnahmen füllen kann, wird alles andere als eine Lücke vorzuweisen haben!

Richtig bewerben nach der Elternzeit: Daran solltet ihr denken

Gerade mit Blick auf dieses sensible und sehr persönliche Thema hat eine Abwägung zwischen Privatsphäre und zu vermeidenden Lücken im Lebenslauf zu erfolgen. Wer sich bewerben möchte, sollte die notwendige Planungssicherheit mitbringen können. Ein vorhandener Kinderbetreuungsplatz kann spätestens im Bewerbungsgespräch ein wichtiges Argument sein, um den neuen Chef zu überzeugen. Bewerben ohne eine gesicherte Kinderbetreuung dürfte schwierig werden. Ihr solltet in dieser Hinsicht offen kommunizieren, um mögliche Vorbehalte von Personalern sofort zu entkräften. Ehrlichkeit und Transparenz sind zwei zentrale Werte, wenn ihr euch erfolgsorientiert bewerben möchtet. Nur mit gegenseitigem Vertrauen kann eine fruchtbare Basis für die zukünftige Zusammenarbeit entstehen.

 

Richtig bewerben nach der Elternzeit: Daran solltet ihr denken / Foto: william iven / unsplash

Richtig bewerben nach der Elternzeit: Daran solltet ihr denken / Foto: william iven / unsplash

Nicht richtig weg aus dem Berufsleben: Ihr habt während der Elternzeit in Teilzeit gearbeitet?

Das solltet ihr auf jeden Fall aufgreifen, wenn ihr euch bewerben wollt. Denn damit zeigt ihr, dass ihr belastbar seid und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie organisieren könnt. Es handelt sich hierbei um eine gewisse 'Workaholic-Mentalität', die der eine oder andere Chef sicher gerne vernimmt. Wer schnell wieder in die Arbeitswelt zurückkehrt, ist nie wirklich komplett raus gewesen. Dieses Argument könnte den entscheidenden Unterschied ausmachen, wenn ihr euch auf eine sehr begehrte Stelle mit vielen Konkurrenten bewerbt.

Szenario 1: Bewerben mit laufendem Arbeitsvertrag

In diesem Fall kommt die Elternzeit unter Berufserfahrungen im Lebenslauf zum aktuellen Arbeitgeber. Wenn ihr noch mitten in der Auszeit seid, sollte die Dauer mit Zeitangaben präzisiert werden. Um gar nicht erst den Eindruck einer Lücke entstehen zu lassen, könnt ihr hinzufügen, was ihr in der Zwischenzeit gemacht habt (Kurse, Fernstudium etc.). Dieser Aspekt ist vor allem für Eltern wichtig, die vorher nicht in einem Arbeitsverhältnis waren. Personalentscheider erkennen so, wer sich gezielt auf den beruflichen Wiedereinstieg vorbereitet hat.

Szenario 2: Bewerben ohne laufenden Arbeitsvertrag

Falls der Arbeitsvertrag in der Elternzeit ausgelaufen ist oder vorher keiner vorhanden war, kann es einen eigenen Punkt hierfür im Lebenslauf geben. Personaler erkennen so, wofür die letzten Jahre genutzt wurden und dass Bewerber nicht arbeitslos waren. Durch das Hinzufügen von relevanten Fortbildungen verstärkt ihr den Eindruck, motiviert und zielfokussiert an das weitere Berufsleben mit neuen Herausforderungen gedacht zu haben.

Bewerben nach der beruflichen Auszeit als Elternteil: Tipps für das Motivationsschreiben

Auch für das wichtige Motivationsschreiben gilt: Die genommene Auszeit als Elternteil sollte eine Randnotiz sein und nicht den Fokus ausmachen. Für euch und auch euren Arbeitgeber ist ohnehin klar, dass sich die Prioritäten verschoben haben. Ihr müsst mit dem Motivationsschreiben eure Stärken in Bezug auf die Stelle auf den Punkt bringen und idealerweise relevante Erfahrungen/Erfolge vorweisen können. Daher werden nur die wenigsten Personaler lesen wollen, was ihr während der Elternzeit erlebt habt. Eure Erfahrungen, Stärken und Erfolge gehören in den Mittelpunkt des Motivationsschreibens.

Ihr solltet das Anschreiben in keiner Form dazu nutzen, euch in irgendeiner Weise für die Auszeit zu rechtfertigen. Jetzt zählt, wohin ihr wollt und wie gut ihr zum Unternehmen passt. Gefragt sind aktive und selbstbewusste Formulierungen, die eure Qualifikationen und Führungskompetenz in den Fokus rücken. Ihr könnt allenfalls erwähnen, dass ihr voller neuer Energie zurückkommt und eine neue Sichtweise auf viele Dinge erlangt habt. Da die Betreuung eures Nachwuchses in den nächsten Jahren geregelt (!) sichergestellt ist, könnt und wollt ihr euch neuen Herausforderungen stellen!

Tipps für die Bewerbung nach der Elternzeit: Mit diesen Argumenten könnt ihr punkten!

  • Lücken machen sich beim Bewerben nie gut: Die berufliche Auszeit kann erwähnt werden, sie darf aber nicht die Hauptrolle spielen. Wer sich schon in der Bewerbung als Helikopter-Eltern präsentiert, wird auf große Vorbehalte beim neuen Arbeitgeber stoßen.
  • Da Nachwuchs vorhanden ist, wird sich der neue Arbeitgeber für dessen Betreuung interessieren: Hier solltet ihr offen und ehrlich kommunizieren. Vielleicht ergibt sich sogar im Betrieb eine Betreuungsmöglichkeit?
  • Neben Erfahrungen und Qualifikationen rücken Soft Skills in der Bewerbung in den Fokus: In dieser Hinsicht kann das Elternsein zu einer Bereicherung in den letzten Monaten geworden sein.

Fazit: Ist der berufliche Wiedereinstieg nur ein 'Kinderspiel'?

Ohne Zweifel ist es eine Herausforderung, den beruflichen Wiedereinstieg zu meistern. Eine frühe Planung deutlich vor Ablauf der Auszeit sowie Klarheit über die eigenen Ziele und Wünsche sind wichtige Grundvoraussetzungen, um sich neu zu orientieren. Es gibt in der Bewerbung keinen Grund, die Elternzeit zu verschweigen. Allerdings sollte sie in der notwendigen beruflichen Perspektive nicht die Hauptrolle spielen. Vielmehr müsst ihr zeigen, wo eure Stärken sind und was ihr als verantwortungsvoller Elternteil in dieser neuen Lebensphase erreichen wollt. Mit den hier vorgestellten Tipps und Anregungen habt ihr nun eine Vorstellung davon, dass es nach der Geburt des eigenen Kindes nicht nur einen Weg zum (neuen) beruflichen Glück gibt.

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