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Bin ich unterbezahlt?

6 Alarmsignale, die du nicht ignorieren solltest

Foto: alex alvarez / unsplash
Foto: alex alvarez / unsplash

Gute Arbeit sollte gut bezahlt werden. Viele Menschen fühlen sich unterbezahlt, was zu mangelnder Motivation führt. Bist du unterbezahlt? Hier sind Anzeichen dafür, dass du möglicherweise unterbezahlt bist.

Unterbezahlt? Das sind Anzeichen dafür

Chronisch unterbezahlt zu sein, ist ein großes Problem. Deine Karriere könnte leiden, wenn du weniger als deinen Marktwert bezahlt bekommst. Wir zeigen dir, wie du es erkennen kannst.

1. Gehaltsvergleich

Laut Online-Gehaltsdaten sollst du mehr Geld verdienen? Verschiedene Online-Portale bieten die Möglichkeit, Gehälter nach Standort, Unternehmen oder Berufsbezeichnung zu vergleichen. Anhand dieser Informationen kannst du feststellen, ob du fair entlohnt wirst. Wenn dein Gehalt unter dem geschätzten Betrag liegt, besteht die Möglichkeit, dass du unterbezahlt bist.

Wichtig ist, dass du deine Berufserfahrung und (Aus-)Bildung mit einbeziehst, da das ebenfalls Auswirkungen auf den Schnitt haben kann. 

2. Die letzte Gehaltserhöhung war vor Jahren

In Unternehmen ist es üblich, sich regelmäßig über die Leistungen und Erfolge von Arbeitnehmern auszutauschen. Du hast kein gesetzliches Recht, dein Gehalt auszuhandeln, aber du solltest basierend auf deinen Beiträgen zum Unternehmen fair bezahlt werden. Wenn du über längere Zeit unterbezahlt warst, solltest du eine Anpassung beantragen.

Mitarbeiter haben keinen Rechtsanspruch auf regelmäßige Gehaltserhöhungen. Aber wenn sie gut abschneiden, haben sie möglicherweise Anspruch auf eine Gehaltserhöhung. Auch eine Beförderung kann zu einer Gehaltserhöhung führen. 

Prüfe, wann und warum du das letzte Mal eine Gehaltserhöhung bekommen hast und was sich seitdem getan hat. Hast du zusätzliche Aufgaben übertragen bekommen? Wurdest du befördert und hast einen neuen Titel bekommen? Wurdest du von einer befristeten Anstellung in eine unbefristete übernommen?

Dann hast du gute Argumente dafür, nach einem höheren Gehalt zu fragen. Hattest du erst ein Gehaltsgespräch, solltest du mindestens 12 bis 18 Monate mit dem nächsten warten.

Generell gilt: Du solltest niemals darauf warten, dass dein Arbeitgeber mit einem Angebot für eine Gehaltserhöhung auf dich zukommt. Stattdessen solltest du proaktiv sein und deinen Fall selbst vertreten.

Als Faustregel gilt: Wenn du länger als drei Jahre für dasselbe Unternehmen arbeitest, solltest du um eine Gehaltserhöhung bitten.

Bist du unterbezahlt? So findest du es heraus / Foto: andre hunter / unsplash

Bist du unterbezahlt? So findest du es heraus / Foto: andre hunter / unsplash

3. Deine Kollegen verdienen mehr

Über Geld spricht in Deutschland keiner gern. Vielleicht hast du dich aber schon mit Kollegen zu dem Thema ausgetauscht und festgestellt: Andere verdienen mehr als du.

Wirst du weniger bezahlt als deine Kollegen? Obwohl du dieselbe Tätigkeit ausübst und dieselbe Position innehast? Dann liegt möglicherweise eine Unterbezahlung vor. Bevor du mit der Beschwerde darüber zum Chef rennst, solltest du prüfen, woran der Lohnunterschied liegen könnte.

Es kann zwar Diskriminierung sein, muss es aber nicht. Hat dein Kollege beispielsweise eine längere/einschlägigere Berufserfahrung, kann der Gehaltsunterschied gerechtfertigt sein.

Du solltest außerdem nicht nur das Bruttogehalt berücksichtigen, sondern auch andere Gesamtvergütungen wie Vergünstigungen, mehr Urlaubstage, kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio, ein Firmenhandy und einen Laptop oder kostenlose Kinderbetreuung. Gehe auf Nummer sicher, dass du alle entscheidenden Faktoren berücksichtigt hast, bevor du vorgibst, zu wenig bezahlt zu werden.

4. Der Unternehmenserfolg kommt nicht bei den Mitarbeitern an

Erfolgreiche Unternehmen zahlen gut und bieten ihren Mitarbeitern Vorteile. Unternehmen, die in Konkurs gehen, zahlen nicht gut und kürzen Sozialleistungen. Daher solltest du prüfen: Liegt die Unterbezahlung an dir und deiner Person oder an äußeren Umständen?

Steht dein Unternehmen kurz vor dem Bankrott, stellt sich für dich vielleicht ohnehin die Frage, ob du den Job wechseln solltest. Dann bietet es sich an, einen Gehaltsvergleich zu machen und beim Einstellungsgespräch dein Gehalt angemessen anzusetzen.

5. Deine Fachexpertise wird nicht bezahlt

Unternehmen wollen Mitarbeiter mit Fähigkeiten, die von ihrem Unternehmen benötigt werden. Wenn ein Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen muss, suchen Arbeitgeber nach Fachkräften mit herausragender Expertise und erworbenen Fähigkeiten. Das Problem: Bezahlen wollen sie diese oft nicht. Bist du Opfer dieser Masche geworden? Auch hier hilft es, sich mit anderen auszutauschen und online einen Gehaltscheck zu machen.

6. Du bekommst mehr Verantwortung

Dein Vorgesetzter gibt dir zusätzliche Arbeit – zum Beispiel bist du jetzt für einen Bereich verantwortlich, der zuvor von jemand anderem bearbeitet wurde. Dies bedeutet, dass du neue Fähigkeiten erlernen musst. Wenn damit mehr Verantwortung einhergeht, ist das ein Argument für eine Gehaltserhöhung.

Tipps und Tricks fürs Gehalt

1. Verkaufe dich nicht unter Wert

Du solltest dir bewusst sein, was du wert bist. Stelle sicher, dass du so bezahlt wirst, was du verdienst und bringe in Erfahrung, wie viel andere für ähnliche Jobs bezahlen. Verkaufe dich nicht unter Wert!

Wenn ein Mitarbeiter denkt, dass er/sie unfair bezahlt wird, sollte er/sie versuchen, einen besseren Deal auszuhandeln. Verhandlungen sind unbequem. Viele Menschen reden nicht gern über Geld. Aber: Scheue dich nicht davor, nach mehr Geld zu fragen.

2. Gehaltsgespräch: Mach einen Termin aus

Gehaltsgespräche gehören nicht zwischen Tür und Angel. Wenn du denkst, du bist unterbezahlt, vereinbare einen Termin mit deinem Chef, um dein Gehalt neu zu verhandeln.

Du solltest bedenken, dass du bessere Chancen auf mehr Gehalt hast, wenn seit der letzten Gehaltsvereinbarung einige Zeit vergangen ist oder sich deine Arbeitsbedingungen bzw. Aufgaben wesentlich geändert haben.

Zeige selbstbewusst, welchen Mehrwert und Nutzen das Unternehmen durch dich gewinnt, von welchen Leistungen der Arbeitgeber profitiert und wie viel diese am Markt wert sind.

3. Vereinbare Ziele mit dem Chef

Du solltest immer darauf achten, dass du das bezahlt bekommst, was du verdienst. Möchtest du eine Gehaltserhöhung bekommen, musst du beweisen, wie wertvoll du für deinen Arbeitgeber bist. Um in Zukunft mehr Geld auszuhandeln, können persönliche Zielvereinbarungen der Schlüssel zum Erfolg sein. Diese sind in vielen Unternehmen für Bonuszahlungen gang und gäbe.

Ziele müssen präzise formuliert werden. Du musst dir konkrete Ziele setzen bzw. setzen lassen und diese schriftlich festhalten. So kann abschließend beurteilt werden, ob du die gesetzten Ziele erreicht hast oder nicht.

Erreichst du diese Ziele bzw. übertriffst sie, hast du ein zusätzliches Argument für ein höheres Gehalt. Dein Chef sollte deine Bemühungen anerkennen und dir ggf. eine Gehaltserhöhung geben. Wenn nicht, solltest du über einen Jobwechsel nachdenken.

Unterbezahlt? Das sind Anzeichen dafür / Foto: sharon mccutcheon / unsplash

Unterbezahlt? Das sind Anzeichen dafür / Foto: sharon mccutcheon / unsplash

Fazit

Wer zu wenig verdient, gerät schnell in die Frustfalle. Du solltest dir dieses Problems bewusst sein und versuchen, es zu vermeiden. Du solltest auch wissen, dass die meisten Arbeitgeber nicht von selbst mit mehr Geld um die Ecke kommen. Als Arbeitnehmer solltest du dich jedoch nicht über niedrige Löhne beklagen.

Stattdessen solltest du dich darauf konzentrieren, dein Bestes zu geben. Außerdem solltest du immer nach Gehaltserhöhungen fragen. Ein Rechtsanspruch auf Gehaltserhöhungen besteht nicht. Mitarbeiter können bei konstant guter Leistung mit einer regelmäßigen Gehaltserhöhung rechnen, aber nicht unbedingt jedes Jahr. Wenn auf deiner Gehaltsabrechnung jahrelang nichts passiert, bist du wahrscheinlich unterbezahlt. 

Und dann ist es Zeit, dringend nachzuverhandeln – ohne deine Kollegen zu erwähnen. Sprich über deinen Marktwert und mach klar, warum das Unternehmen froh sein kann, dich zu haben. Wenn du gute Argumente lieferst, ist eine Gehaltserhöhung mit Sicherheit drin.

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