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Borderline Chef

Wenn der Chef ein Schwarz-Weiß-Denker ist

Foto: chef_- pawel / unsplash
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Euer Chef scheint unberechenbar zu sein? Seine Mitarbeiter stellt er entweder auf ein Podest oder sie sind allesamt komplett nichtsnutzige Idioten? Möglicherweise habt ihr einen Borderline-Chef vor euch. Wir verraten, welche Symptome sich bei Vorgesetzten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen können und wie ihr damit umgehen könnt.

Borderline Chef – Wenn der Chef ein Schwarz-Weiß-Denker ist / Foto: chef_- pawel / unsplash

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Borderline Chef – wenn der Chef eine psychische Erkrankung hat

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine psychische Erkrankung. Wer betroffen ist, hat Schwierigkeiten damit, seine Emotionen zu beherrschen. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigt sich vor allem in Beziehungen. Es kann sein, dass nur eine Beziehung dadurch beeinträchtigt wird, zumeist sind es jedoch mehrere. Stimmungsschwankungen treten häufig auf. Habt ihr einen Chef mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, kann es sein, dass er in vielen Bereichen gute Arbeit leistet, aber im zwischenmenschlichen Bereich unberechenbar bleibt.

Je nach Situation können die Symptome der Erkrankung variieren. Die Erkrankung kann es Betroffenen schwer machen, sich in ihr Arbeitsumfeld und ihre Tätigkeit einzufinden. Die Stimmungsschwankungen eines Borderline-Chefs können unter anderem durch Folgendes ausgelöst werden:

  • Kritik durch einen Mitarbeiter oder Vorgesetzten
  • Beruflicher Misserfolg
  • Eigene Launenhaftigkeit

Bei eurem Boss kann es durch unterschiedlichste Situationen und Gegebenheiten zu einem Gefühl der Ablehnung und der Verlassenheit kommen. Diese Gefühle können bei einem Borderline-Chef folgende Reaktionen auslösen:

  • Impulsives Verhalten
  • Heftige Wut und Wutausbrüche
  • Intensive Emotionen
  • Akte der Selbstverletzung

Oftmals kommt es durch die emotionale Impulsivität von Betroffenen zu erhöhter Unruhe am Arbeitsplatz. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung neigen dazu, alles schwarz oder weiß zu sehen. Das heißt, ihr Gegenüber ist entweder total gut oder total schlecht. Dazwischen bleibt nicht viel Spielraum. Dieses Schwarz-Weiß-Denken ist eine Art Schutzstrategie, um eine etwaige Ablehnung von sich fernzuhalten. Das Konzept des Schwarz-Weiß-Denkens wird auch Spaltung genannt. Menschen mit einer Border-Persönlichkeitsstörung können für Chaos und Instabilität am Arbeitsplatz sorgen, indem sie:

Häufig ist es Vorgesetzten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung gar nicht bewusst, welche Auswirkungen ihre Handlungen am Arbeitsplatz haben können. Die Folgen solcher Verhaltensweisen sind instabile Beziehungen sowie Spaltungen am Arbeitsplatz. Dann besteht ein Teil der Belegschaft aus Champions und Genies, die andere Hälfte aus Trotteln und Versagern.

In der Regel wechseln Borderliner ihren Arbeitsplatz häufig. Sie sind überempfindlich gegenüber ihrer Umgebung und haben schon bei der kleinsten Kritik das Gefühl, abgelehnt zu werden. Ihr Wunsch nach Anerkennung ist groß, weshalb sie bei Teamprojekten häufig den Wettbewerbsgedanken auch mal sehr unsportlich ausleben.

Wie könnt ihr mit einem Borderline-Chef umgehen? / Foto: chef_- pawel / unsplash

Wie könnt ihr mit einem Borderline-Chef umgehen? / Foto: chef_- pawel / unsplash

Wie kann sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung am Arbeitsplatz zeigen?

Ihr fragt euch, ob euer Chef eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hat? Diagnostizieren kann das natürlich nur ein Mediziner oder Psychotherapeut, aber folgende Anzeichen können auf eine solche Erkrankung hinweisen:

  • Euer Boss hat intensive beziehungsweise instabile persönliche Beziehungen. Da Borderliner zum Schwarz-Weiß-Denken neigen, halten sie ihr Gegenüber oftmals für komplett gut oder komplett schlecht. Am Anfang der Geschäftsbeziehung wird das Gegenüber oftmals idealisiert.
  • Neue Mitarbeiter sind Heilige, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen sind großartig und sie machen keine Fehler. Mit der Zeit werden die Gedanken immer düsterer. Die negativen, kritischen Gedanken nehmen zu und nun kann der Mitarbeiter, der zu Beginn noch in den höchsten Tönen gelobt wurde, überhaupt nichts richtig machen.
  • Dieser Wandel kann abrupt ablaufen oder schleichend. Vielleicht wurde der Borderline-Chef von seinem Mitarbeiter kritisiert oder ihm ist ein Fehler unterlaufen und nun wackelt das idealisierte Bild.
  • Dieser Spaltungsmechanismus ist ein zentrales Anzeichen dafür, dass euer Boss eine Borderline-Persönlichkeitsstörung haben könnte. Die Dynamik der Spaltung steckt hinter dem Konzept des Schwarz-Weiß-Denkens. Zuerst werden neue Mitarbeiter vergöttert und auf ein Podest gestellt und dann fallen sie plötzlich ins Bodenlose. Das heißt, alle guten Gedanken bezüglich des Mitarbeiters verwandeln sich in schlechte. Euer Boss ist nicht mehr in der Lage, sich an das Gute, das er zu Beginn der Geschäftsbeziehung oder der Einstellung im Partner oder Mitarbeiter gesehen hat, zu erinnern.
  • Euer Boss zeigt sich gegenüber Kritik und Ablehnung überempfindlich. Hat ein Borderliner das Gefühl, dass er kritisiert oder abgelehnt wird, dann triggert ihn das. Das heißt, er denkt, dass ihn niemand leiden kann, alle ihn am Boden sehen und an seinem Ast sägen wollen.
  • Die Spirale dreht sich weiter nach unten und häufig folgt dann ein Wechsel des Arbeitsplatzes. Möglicherweise hatte euer Chef schon mehrere Jobs oder wurde mehrfach versetzt, weil immer wieder der Punkt kommt, an dem sein Verhalten für die Mitarbeiter untragbar wurde.

Jeder Mensch neigt hin und wieder zum Schwarz-Weiß-Denken. Ob euer Verhalten in bestimmten Situationen Spaltungsmechanismen unterworfen ist, könnt ihr beispielsweise daran erkennen, dass ihr Wörter wie mega, genial, göttlich oder ruiniert, katastrophal und schrecklich in Bezug auf eigentlich banale Sachverhalte verwendet.

Wie könnt ihr mit einem Borderline-Chef umgehen?

Ihr vermutet, dass euer Boss eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hat und wollt wissen, wie ihr damit umgehen könnt? Wenn ihr den Job nicht aufgeben könnt oder wollt, und wenn ihr euch auch nicht versetzen lassen könnt oder wollt, dann müsst ihr einen Weg finden, um mit der Situation umzugehen. Gibt es jemanden, der über eurem Borderline-Chef steht, könntet ihr es auch hier mit einem Gespräch versuchen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass das gründlich in die Hose gehen kann. Eventuell sehen die Vorgesetzten eures Chefs das Problem nicht und euer Boss bekommt mit, dass ihr das Gespräch gesucht habt. Dann kann es richtig übel werden. Wahrscheinlich fühlt er sich hintergangen und wird euch das spüren lassen. Wir haben trotzdem einige Tipps für euch:

  • Steht für euch selbst ein. Bleibt auch in schwierigen Situationen ruhig und bleibt auf eurem Standpunkt.
  • Setzt klare Grenzen. Ihr müsst euch nicht anschreien und beleidigen lassen. Ihr dürft gesunde Grenzen setzen und diese auch kommunizieren.
  • Seid gut in dem was ihr tut. Ihr bietet eurem Borderline-Chef weniger Angriffsfläche, wenn ihr fachlich sehr gut seid und wenige Fehler macht.
  • Geht Streit und Attacken aus dem Weg. Lasst euch nicht auf Diskussionen ein und versucht auch nicht, eurem Boss im Gespräch den Spiegel vorzuhalten oder ihn für sein Verhalten zu kritisieren. Gebt eurem Boss keine Chance, euch zu attackieren.
  • Werdet eurem Borderline-Chef gegenüber nicht zu persönlich. Soll heißen, gebt nicht zu viel Persönliches über euch preis, schützt euer Privatleben.
  • Manchmal müsst ihr einfach nachgeben. Seid hier gnädig zu euch selbst, es ist kein fairer Wettkampf. Gegen einen Borderline-Chef könnt ihr nicht gewinnen.
  • Reagiert nicht immer gleich sofort. Sagt, dass ihr Zeit braucht, um nachzudenken. Bedenkzeit ist nicht sonderlich beliebt beim Borderline-Chef. Ihm ist es lieber, wenn er sofort eine Reaktion bekommt. Eventuell sucht er sich mit der Zeit einen anderen, den er beschuldigen und für eigene Fehler verantwortlich machen kann. Blöd für euren Kollegen, gut für euch.
  • Stehlt euch aus der Affäre. Vielleicht könnt ihr unbemerkt verschwinden, wenn die Situation brenzlig wird. Mit der Zeit könnt ihr euren Chef möglicherweise ganz gut einschätzen und wisst, wann es Zeit für einen Abflug ist.
  • Sorgt für einen Ausgleich zu eurem unberechenbaren Chef. Achtet auf eure psychische Gesundheit, sprecht euch bei Freunden außerhalb der Arbeit aus, treibt Sport und unternehmt Spaziergänge im Wald.
  • Nehmt etwaige Attacken eures Chefs nicht persönlich. Macht euch klar, dass er nicht euch persönlich meint, sondern ihr Mittel zum Zweck seid, um krasse innere Spannungszustände auszuagieren.
  • Es ist kaum aushaltbar mit eurem Chef? Vielleicht findet ihr einen Weg, der euren Boss dazu bringt, euch zu kündigen. Am besten kassiert ihr dann auch noch eine fette Abfindung.

Die gute Nachricht ist: Wenn ihr ein einigermaßen dickes Fell und stabiles Nervenkostüm habt und euch von einem unberechenbaren Chef nicht unterkriegen lasst, dann könnt ihr Strategien entwickeln, um mit den verschiedenen Szenarien, die in Zusammenarbeit mit einem Borderline-Chef entstehen, umzugehen. Die schlechte Nachricht ist: Ihr könnt in diesem System nicht gewinnen. Ihr habt hier kein Problem vor euch, das ihr durch logische Argumente lösen oder durch ein klärendes Gespräch aus der Welt schaffen könnt. Wichtig ist, dass ihr euch den Respekt für euch selbst bewahren und eure Integrität schützen müsst.

Fazit

Die Zusammenarbeit mit einem Borderline-Chef ist nichts für schwache Nerven. Ob eure Arbeitssituation untragbar ist, hängt natürlich mit der Ausprägung der Persönlichkeitsstörung eures Chefs ab. Bei manchen Borderlinern kommt es nur in extrem emotionalen Situationen zu den oben genannten Verhaltensweisen. Ihr müsst selbst entscheiden, ob ihr auch längerfristig unter einem unberechenbaren Boss arbeiten möchtet oder nicht. Sollte euch euer Job zu sehr an der Substanz nagen, solltet ihr über einen Jobwechsel nachdenken.

Weitere Infos findet ihr in den nachfolgenden Links:

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