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Depressionen im Job

Umgang mit seelischen Erkrankungen

Foto: bruno emmanuelle / unsplash
Foto: bruno emmanuelle / unsplash

Wir sind auch in unserer Freizeit dank Smartphone und Internet ständig erreichbar. Selbst am Wochenende beantworten wir zwischendurch geschäftliche E-Mails, WhatsApps oder nehmen Anrufe entgegen. Dann kommt das erste große Projekt, das mehr Zeit und Kraft beansprucht, als erwartet. Wir wollen uns engagieren, unsere Arbeit gut machen und opfern immer mehr Stunden unserer Freizeit für die Arbeit. Irgendwann finden wir keine Möglichkeit mehr, um dem dauerhaften Stress entgegenzuwirken. Der Ausgleich fällt aus. Es kann natürlich auch umgekehrt sein. Ereignisse aus unserem privaten Leben wirken sich auf unseren Job aus und wir sitzen jeden Tag grübelnd am Schreibtisch. Egal, ob Beruf oder Privatleben uns großen Stress bereiten, in beiden Fällen kann dauerhafter Stress zu psychischen Erkrankungen führen. Depressionen im Job können sich durch sozialen Rückzug, Motivationsverlust, Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit bemerkbar machen. Mit der Zeit lassen geistige und körperliche Leistungsfähigkeit nach. Worauf bei Depressionen im Job zu achten ist, verraten wir euch hier.

Depressionen im Job nehmen zu

Es kommt immer häufiger zu Depressionen im Job. Viele Unternehmen müssen sich heute fragen, wie sie mit den psychischen Erkrankungen ihrer Mitarbeiter umgehen möchten. Wie kann man Depressionen im Job vorbeugen? Wie geht man mit Betroffenen um? Und was kann man tun, um Depressionen und andere seelische Erkrankungen aus der Tabuzone zu holen? Wir Menschen sind eben keine Maschinen. Wir kommen mit unseren Fähigkeiten, Kenntnissen und eben auch Erkrankungen zur Arbeit. Depressionen gelten mittlerweile sogar als Volksleiden. Allerdings ist es noch nicht überall üblich – vor allem nicht am Arbeitsplatz – offen über seelische Erkrankungen zu sprechen. Für viele Unternehmen wäre es jedoch ein Vorteil, wenn alle Kollegen und Führungspersonen über ein gewisses Grundwissen rund um Depressionen und andere psychische Erkrankungen verfügen würden. 

Depressionen im Job – Umgang mit seelischen Erkrankungen / Foto: marco xu / unsplash

Depressionen im Job – Umgang mit seelischen Erkrankungen / Foto: marco xu / unsplash

In welchen Berufen ist das Risiko für eine Depression besonders hoch?

Grundsätzlich ist es in jedem Beruf möglich, dass man depressiv wird. Es gibt jedoch Berufe, in denen es scheinbar besonders häufig zu Depressionen kommt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es in Berufen, in denen man besonders viel Umgang mit anderen Menschen hat, häufiger zu Depressionen kommt. Die Wahrscheinlichkeit für Depressionen im Job kann erhöht sein, wenn ihr einen der folgenden Berufe ausübt:

  • Sozialarbeiter beziehungsweise Sozialarbeiterin
  • Krankenpfleger beziehungsweise Krankenpflegerin
  • Erzieher beziehungsweise Erzieherin

Die Wahrscheinlichkeit für Depressionen im Job ist also bei sozialen Berufen erhöht. Es gibt jedoch auch andere Berufe, in denen man viel Kontakt mit Kunden hat und häufig kommunizieren muss. Auch Lehrer können häufiger von Depressionen betroffen sein. In folgenden Berufen kann die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken, erhöht sein:

  • Kassierer beziehungsweise Kassiererin
  • Rezeptionist beziehungsweise Rezeptionistin
  • Lehrer beziehungsweise Lehrerin
  • Unternehmensberater beziehungsweise Unternehmensberaterin
  • Beamte oder Beamter in der öffentlichen Verwaltung
  • Mitarbeiter in Callcentern.

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass zwar in manchen Berufen das Risiko, an einer Depression zu erkranken, höher sein kann als in anderen, jedoch ist in der Arbeit selbst nicht unbedingt die Ursache zu sehen.

In welchen Berufen ist das Risiko für eine Depression besonders hoch? / Foto: marian oleksyn edv / unsplash

In welchen Berufen ist das Risiko für eine Depression besonders hoch? / Foto: marian oleksyn edv / unsplash

Depressionen im Job – was können Unternehmen tun?

Ihr gehört zu den Führungspersönlichkeiten in eurem Unternehmen und fragt euch, was ihr bei Depressionen im Beruf tun könnt? Wir haben ein paar Tipps für euch:

  • Zunächst einmal solltet ihr euch über Depressionen informieren. Es handelt sich hierbei um eine schwere Erkrankung, die mittlerweile recht häufig vorkommt. Informiert euch über die Symptome der Erkrankung und mögliche Therapien. Ihr solltet auch einige Adressen in der Hinterhand haben, an die sich Betroffene wenden können.
  • Wenn ihr Veränderungen an einem Mitarbeiter bemerkt, solltet ihr nicht schweigen. Sucht dann auf jeden Fall das Gespräch und sprecht eure Beobachtungen an. Ihr könnt beispielsweise sagen, dass euch aufgefallen ist, dass der Mitarbeiter in letzter Zeit sehr bedrückt wirkt. Vielleicht fällt es ihm auch schwer, sich zu konzentrieren. Ihr könnt vorsichtig nachfragen und eure Hilfe und Unterstützung anbieten.
  • Stellt sich heraus, dass der Mitarbeiter tatsächlich Symptome einer Depression zeigt, könnt ihr ihm empfehlen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Im ersten Schritt kann euer Mitarbeiter beispielsweise seinen Hausarzt ansprechen. Auch Psychiater, Fachärzte und Psychotherapeuten können geeignete Ansprechpartner sein.

Depressionen im Job – kann ich trotzdem arbeiten?

Betroffenen kann es gut tun, trotz ihrer Depression weiter zu arbeiten. Die Arbeit gibt dem Tag eine Struktur und der komplette soziale Rückzug wird durch den Kontakt mit Kollegen verhindert. Es gibt mittlerweile Unternehmen, die es für betroffene Mitarbeiter einrichten, dass diese trotz ihrer Erkrankung arbeiten können. Oftmals wird das Arbeitspensum deutlich reduziert. Der Arbeitsrhythmus bleibt jedoch erhalten. Einige Betroffene nehmen ein solches Angebot gerne an. Hier ist es jedoch wichtig, dass es eine Vertrauensbasis zwischen Vorgesetzten, Kollegen und Betroffenen gibt. Betroffene müssen das Gefühl haben, mit ihrer Krankheit respektiert und akzeptiert zu werden.

Weniger sinnvoll ist es, während einer Depression weitreichende berufliche Entscheidungen zu treffen. Also wer mit seiner Jobsituation unzufrieden ist, sollte dennoch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Hier sollte man sich professionelle Hilfe suchen, denn oftmals wirkt die Realität durch die Depression sehr düster. Hier lässt man sich besser Zeit und setzt sich erst einmal mit seiner Erkrankung und einer entsprechenden Therapie auseinander.

Depression im Job – wie sollte ich damit umgehen?

Wenn ihr unter einer Depression leidet, fragt ihr euch möglicherweise, wie ihr am Arbeitsplatz damit umgehen sollt. Viele Betroffene sind sich nicht sicher, ob sie mit Vorgesetzten und Kollegen über ihre Erkrankung sprechen sollen oder nicht. Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht. Es ist immer im Einzelfall zu entscheiden, ob ihr über eure Erkrankung reden möchtet oder nicht. Sicher ist jedoch, dass es auch dann zu Problemen kommen kann, wenn ihr eure Erkrankung verschweigt. Ihr setzt euch dadurch selbst unter Druck. Kollegen und Vorgesetzte merken euch möglicherweise an, dass ihr euch verändert habt und eure Leistung lässt nach. Oder ihr habt immer mehr Fehltage und werdet darauf angesprochen. Ein Gespräch mit einem vertrauenswürdigen Kollegen oder Chef kann eine Entlastung sein. 

Ihr müsst hier auch nicht in die Vollen gehen. Vielleicht weiht ihr erst einmal einen euch nahestehenden Kollegen ein. Sehr häufig zeigt der Gegenüber Verständnis und das allein kann sehr befreiend sein. Wer nicht über seine Erkrankung spricht, muss sehr viel Kraft aufwenden, um sich nichts anmerken zu lassen. Es kann natürlich auch sein, dass sich Kollegen zurückziehen. Manche Menschen fühlen sich verunsichert und wissen nicht, wie sie mit einer solchen Information umgehen sollen. Möchtet ihr eurem Chef gegenüber offen über die Erkrankung sprechen, kann das ebenfalls sinnvoll sein. Es kann jedoch auch ein Nachteil sein. Möchtet ihr beispielsweise Karriere machen, werdet ihr möglicherweise als nicht belastbar angesehen und die nächste Beförderung rauscht mit Schwung an euch vorbei. In jedem Fall solltet ihr euch professionelle Hilfe suchen. Gemeinsam mit einem Therapeuten könnt ihr auch abwägen, wie ihr mit Depressionen im Job umgehen möchtet.

Fazit

Experten sind einig, dass über seelische Erkrankungen auch am Arbeitsplatz geredet werden muss. Nach wie vor möchten sich nicht alle Unternehmen diesem Problem öffnen. Allerdings kommt es immer häufiger zu Ausfällen durch Depressionen im Job. Aus diesem Grund sollten seelische Erkrankungen auch in der Berufswelt kein Tabu mehr sein. Insbesondere große Unternehmen nehmen hier häufig eine Vorbildfunktion ein und zeigen viel Engagement beim Umgang mit seelischen Erkrankungen. Führungskräfte können sich schulen lassen, um Gespräche mit Betroffenen richtig zu führen. Da seelische Erkrankungen wie Depressionen zunehmen und dadurch Mitarbeiter ausfallen, ist es auch sinnvoll, ein Bewusstsein für diese Erkrankung und mögliche schützende Faktoren zu schaffen.

 

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