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Design Thinking

So sieht Kreativität 4.0 aus!

Foto: vadim artyukhin / unsplash
Foto: vadim artyukhin / unsplash

Technische Neuerungen und die Globalisierung beschleunigen unsere Welt und die Anforderungen werden immer komplexer. Auch Unternehmen müssen sich immer schneller anpassen und spüren einen großen Veränderungsdruck. Immer neue Probleme müssen gelöst und Innovationen entwickelt werden. Design Thinking ist eine Möglichkeit, um mit der zunehmenden Komplexität und den immer höheren Ansprüchen umzugehen. Beim Konzept des Design Thinkings werden Probleme aus der Sicht des Menschen betrachtet. Probleme aus den unterschiedlichsten Bereichen können hier zur zentralen Fragestellung gemacht werden. Anders als bei vielen anderen Verfahren geht man das Problem nicht zuerst von der technischen Seite aus an. Vielmehr steht bei diesem Verfahren der Mensch im Mittelpunkt. Veraltete, traditionelle Denkmodelle sollen überwunden werden, um Platz für kreative Lösungen zu machen. In der Regel arbeiten beim Design Thinking daher auch Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen.

Was ist Design Thinking eigentlich?

Beim Design Thinking handelt es sich um ein Konzept, das zur kreativen Problemlösung eingesetzt wird. Bekannt gemacht wurde das Konzept von Terry Winogard, Larry Leifer und David Kelley. Grundsätzlich geht es hier darum, ein interdisziplinäres Team zusammenzustellen. Dieses Team soll aufgrund unterschiedlicher Perspektiven, Meinungen und Erfahrungen in der Lage sein, echte Innovationen zu erschaffen. Die Bedürfnisse des Menschen stehen dabei im Mittelpunkt.

Design Thinking – So sieht Kreativität 4.0 aus! Foto: ux indonesia / unsplash

Design Thinking – So sieht Kreativität 4.0 aus! Foto: ux indonesia / unsplash

Design Thinking – das sind die Grundlagen

Grundsätzlich geht man beim Design Thinking davon aus, dass Probleme sich besser lösen lassen, wenn Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten. Das Umfeld soll so gestaltet sein, dass es die Kreativität fördert. Es soll eine Fragestellung entwickelt werden und es sollen die Motivationen und Bedürfnisse von Menschen berücksichtigt werden. Im Rahmen des Prozesses sollen Konzepte entwickelt und anschließend mehrfach geprüft werden. Beim Design Thinking dient die Arbeit von Designern als Vorbild. Die Arbeit von Designern setzt sich aus verschiedenen Schritten wie dem Verstehen, Beobachten, der Standpunktbestimmung, der Ideenfindung sowie der Entwicklung von Prototypen und dem Testen zusammen. Allerdings, so lässt sich das auch am Wort "Thinking" ablesen, sollen alle neu entwickelten Ideen und Innovationen auf Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit überprüft werden. Es soll also ein Problem gelöst werden und diese Innovation soll sowohl technologisch umsetzbar sein als auch durch ihre Marktfähigkeit überzeugen. Nutzen (Mensch), Umsetzbarkeit (Technologie) und Marktfähigkeit (Wirtschaft) sind die drei grundlegenden Aspekte, auf die es bei diesem Konzept ankommt.

Wie ist der Design Thinking Prozess aufgebaut?

Wie andere Verfahren zur Förderung der Kreativität soll auch das Design Thinking den kreativen Prozess strukturieren und Orientierung bieten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man den Prozess angehen kann. Wir stellen eine Möglichkeit des Verfahrens vor. Hier ist zu beachten, dass die einzelnen Schritte nicht unbedingt nacheinander vorgenommen werden müssen. Man kann auch die einzelnen Phasen tauschen beziehungsweise im Prozess vor- und zurückspringen. Das für dieses Verfahren zusammengestellte Team entwickelt möglicherweise frühzeitig Lösungen oder erarbeitet bereits zu Beginn einfache Prototypen. Es ist jedoch empfehlenswert alle Schritte durchzugehen. Folgende sechs Schritte sind häufig Teil des Prozesses:

  • Im ersten Schritt geht es um das Verstehen. Welche Probleme haben die Kunden? Wie werden Probleme bis jetzt gelöst? Welche Möglichkeiten gibt es, diese Probleme zu lösen? Bei diesem Schritt müssen alle Teammitglieder die Problemstellung verstehen und es ist eine intensive Recherche notwendig.
  • Im zweiten Schritt geht es um das Beobachten. Die Teammitglieder sollen sich vorurteilsfrei mit der Zielgruppe auseinandersetzen. Es können Interviews und Interaktionen mit der Zielgruppe stattfinden. Im Idealfall werden Nutzer im Alltag begleitet und die Bedürfnisse vor Ort erfasst. Es kann zudem sinnvoll sein, Menschen außerhalb der Zielgruppe in diesen Schritt einzubeziehen. Die Büroräume sollen gezielt verlassen werden, um zu beobachten und Einsichten zu sammeln. Ziel soll sein, dass sich die Teammitglieder in die Lage der Nutzer versetzen können.
  • Jetzt geht es darum den Standpunkt zu definieren. Die einzelnen Teammitglieder berichten von ihren Erfahrungen und Beobachtungen. Die gesammelten Informationen und Beobachtungen werden von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet. Auf diese Weise entsteht ein Rundum-Blick auf die Zielgruppe. Muster können erkannt werden und es zeichnen sich möglicherweise bereits Lösungen ab.
  • Im nächsten Schritt geht es um die Generierung von Ideen. Hier können verschiedene Techniken wie das Brainstorming zum Einsatz kommen. Auf die Qualität der Ideen kommt es erst einmal nicht an. In dieser Phase gilt: Quantität ist besser als Qualität. Je mehr Ideen gesammelt werden, desto besser. Kritik an den einzelnen Ideen ist in dieser Phase nicht erwünscht. Allerdings können die Ideen strukturiert und Ähnliches kann zusammengefasst werden. Beim Design Thinking werden Ideen erst dann auf deren Qualität überprüft, wenn es um deren Umsetzung geht. Da man sich bei diesem Konzept am Menschen und dessen Bedürfnissen orientiert, wird die Attraktivität einer Idee häufig besonders hoch gewertet.
  • In der nächsten Phase werden die gesammelten Ideen anhand von Prototypen getestet. Im Rahmen eines Workshops können die Ideen getestet und visualisiert werden. Prototypen zu erstellen hilft dabei, eine Ahnung vom späteren Produkt zu bekommen, Fragen zu klären und Wege zu finden, um die jeweilige Idee weiterzuentwickeln. Die Erschaffung der Prototypen kann mehrfach wiederholt werden.
  • In der letzten Phase geht es um das Testen der Idee mittels der Prototypen. Die Zielgruppe darf die Prototypen testen und gibt ihr Feedback dazu ab. Der offene Dialog mit der Zielgruppe spielt hier eine wichtige Rolle. Auf der Basis des Feedbacks der Nutzer werden Produkt oder Dienstleistung weiter optimiert. Prototypen beziehungsweise Ideen können in dieser Phase auch verworfen werden, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.
     
    Was ist Design Thinking eigentlich? / Foto: toa heftiba / unsplash

    Was ist Design Thinking eigentlich? / Foto: toa heftiba / unsplash

Wie kann man Design Thinking erfolgreich gestalten?

Es gibt einige Tipps für erfolgreiches Design Thinking. Folgende Anstöße gibt Tim Brown in der Harvard Business Review (Juni 2008):

  • Startet mit diesem Verfahren direkt am Anfang. Bevor ihr den Innovationsprozess startet und eine Richtung einschlagt, sollte dieses Verfahren eingesetzt werden. So können mehr Ideen innerhalb kürzerer Zeit geprüft werden.
  • Orientiert euch am Menschen. Am Menschen orientiertes Design bietet oftmals unerwartete Einsichten und ebnet den Weg für Innovationen, die noch besser zu den Kundenbedürfnissen passen. Grundsätzlich sollen technische und wirtschaftliche Überlegungen aber folgen und ähnlich gewichtet werden.
  • Externe Hilfe liefert mehr Input. Haltet Ausschau nach Menschen, mit denen ihr zusammenarbeiten könnt. Kunden, Konsumenten, Social Media und andere Netzwerke können wertvolle Ressourcen für Austausch und Feedback sein.
  • Nehmt verschiedene Projekte in Angriff. Eure Projekte können klein oder groß, lang- oder kurzfristig angelegt sein. Seid bereit, auch revolutionäre Ideen zu verfolgen.
  • Bleibt bei eurer Budgetierung flexibel. Design Thinking liefert oftmals schnelle Ergebnisse. Das heißt, es kann unvorhersehbar schnell zu einem Markteintritt kommen. Sehr starre Budgetzyklen können hier hinderlich sein. Eventuell müsst ihr euren Finanzierungsplan anpassen.
  • Sucht nach Talenten auf den unterschiedlichsten Wegen. Wenn ihr euer interdisziplinäres Team zusammenstellt, seid offen für unterschiedliche Menschen. Im eigenen Unternehmen könnt ihr durch gezielte Mitarbeiterauswahl und Schulungen die Fähigkeit für diesen kreativen Prozess unterstützen.
  • Achtet darauf, dass der gesamte Design-Zyklus durchlaufen wird, auch wenn das zuweilen etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Wo kann Design Thinking eingesetzt werden?

Die Frage sollte wohl eher lauten, wo dieses Konzept nicht eingesetzt werden kann. Design Thinking findet in den unterschiedlichsten Bereichen Anwendung. Es handelt sich um eine offene, kreative und dennoch systematische und strukturierte Methode, um Antworten auf bestimmte Fragen oder Lösungen für bestimmte Probleme zu finden. Die Fragen und Probleme können sich beispielsweise darum drehen, warum Patienten ihre Medikamente nicht zuverlässig einnehmen. Oder es werden neue Dienstleistungen entwickelt, Organisationen umgebaut oder digitale Produkte entworfen. Dieses Verfahren ist vielseitig einsetzbar.

Fazit

Design Thinking ist ein Konzept, das ihr einsetzen könnt, um Innovationen zu entwickeln. Ihr habt kleine oder große Projekte vor euch? Ihr wollt neue Ideen in euer Unternehmen bringen? Ihr möchtet die Bedürfnisse eurer Zielgruppe noch besser kennen und eure Produkte oder Dienstleistungen entsprechend schärfen? Mit diesem Konzept treibt ihr die Ideenfindung voran und erschafft möglicherweise eine revolutionäre Innovation.

Weitere Infos zum Thema:

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