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Die Druckkündigung

Wenn andere euren Rausschmiss verlangen

Foto: fabrizio verrecchia / unsplash
Foto: fabrizio verrecchia / unsplash

Zu einer Druckkündigung kann es kommen, wenn der Arbeitgeber von außen unter Druck gesetzt wird. Er selbst sieht keine Notwendigkeit, dem in die Kritik geratenen Mitarbeiter zu kündigen. Aber Mitarbeiter, Betriebsrat, Kunden oder Geschäftspartner verlangen dessen Kündigung. Sie drohen dem Arbeitgeber mit harten wirtschaftlichen Konsequenzen, wenn dieser ihren Forderungen nicht nachgibt. Er muss dem Mitarbeiter kündigen, sonst hat er große Nachteile. Druckkündigungen sind jedoch nicht so leicht durchzuführen. Es gibt strenge Auflagen und Voraussetzungen.

Druckkündigung - was ist das eigentlich?

Bei einer Druckkündigung wird die Kündigung vom Arbeitgeber ausgesprochen, weil dies von Dritten so verlangt wird. Anders als bei der klassischen Kündigung hängt diese nicht mit betrieblichen Gründen oder einem Fehlverhalten des Mitarbeiters zusammen. Der Arbeitgeber erfährt einen starken Druck von außen. Dabei kann es sich um andere Mitarbeiter, den Betriebsrat, eine Aufsichtsbehörde oder Kunden handeln. Mitarbeiter könnten damit drohen, nicht mehr weiter zu arbeiten, wenn der entsprechende Mitarbeiter nicht gekündigt wird. Kunden könnten sich für eine Zusammenarbeit mit der Konkurrenz entscheiden, falls ihrem Verlangen nicht nachgegeben wird. Dem Arbeitgeber drohen Stornierungen, Arbeitsniederlegung, Kündigungen anderer Mitarbeiter oder ein Abbruch der geschäftlichen Beziehungen. In jedem Fall drohen dem Arbeitgeber Nachteile, wenn er dem Druck von außen nicht nachgibt und dem Mitarbeiter kündigt.

Die Druckkündigung - Wenn andere euren Rausschmiss verlangen / Foto: ivan-aleksic hko / unsplash

Die Druckkündigung - Wenn andere euren Rausschmiss verlangen / Foto: ivan-aleksic hko / unsplash

Druckkündigung – wenn der nicht geht, gehen wir

Es gibt Kollegen, die sind einfach unerträglich und das Arbeitsklima leidet darunter. Ständig kommen blöde Sprüche und irgendwie fühlt man sich in der Gegenwart mancher Kollegen unwohl. Wenn es darum geht die Arbeit zu verteilen, dann haben manche Kollegen recht kluge Strategien, um stets übersehen zu werden. Mit diesen Arbeitsvermeidungstaktiken sichert sich der eine oder andere seinen pünktlichen Feierabend, während sich bei anderen die Arbeit auf dem Schreibtisch stapelt. Wenn das Betriebsklima unter dem Verhalten eines anderen Mitarbeiters leidet, ist es durchaus sinnvoll, diesen Umstand beim Chef anzusprechen. Schwierig wird es, wenn der Mitarbeiter bei seinem unangenehmen Verhalten bleibt, dieses aber nicht so gravierend ist, dass eine Abmahnung oder Versetzung möglich ist. Ist ein Großteil der Mitarbeiter von einem Kollegen so richtig genervt, könnten sie zum Chef gehen und die Kündigung des nervigen Kollegen einfordern. Sie machen Druck, drohen dem Boss mit einem Streik oder Kündigung, wenn der unzumutbare Kollege nicht endlich gehen muss. Wenn der Chef nun gar keinen anderen Ausweg sind und alles bereits versucht hat, um die Wogen zu glätten, dann kann er sich für eine vergleichsweise seltene Druckkündigung entscheiden. Sie ist oftmals das letzte Mittel, wenn keine anderen Maßnahmen gegriffen haben. Der Druck muss nicht immer von Mitarbeitern ausgehen, auch Kunden, Geschäftspartner oder Betriebsrat können den Arbeitgeber unter Druck setzen. Allerdings ist es nicht so einfach eine solche Kündigung auszusprechen. Der Arbeitgeber hat die Aufgabe, sich um andere Lösungen zu bemühen und sich schützend vor den jeweiligen Mitarbeiter zu stellen.

Welche Voraussetzungen müssen bei einer Druckkündigung erfüllt sein?

Druckkündigungen kommen zwar selten vor, sie sind aber grundsätzlich möglich und auch gesetzlich zulässig. Das Arbeitsrecht unterscheidet zwischen der echten und der unechten Druckkündigung. Bei unechten Druckkündigungen gibt es einen Grund, der auch aus objektiver Sicht gerechtfertigt ist. Ein Mitarbeiter verlangt zwar die Kündigung eines Kollegen und der Arbeitgeber gibt diesem Verlangen nach, aber es handelt sich eben nicht um eine Druckkündigung, sondern zumeist um eine verhaltensbedingte Kündigung. Hier spielen im Hintergrund häufig Dinge wie Mobbing, sexuelle Belästigung, Diebstahl und Tätlichkeiten eine Rolle. Bei der echten Druckkündigung liegt kein objektiv gerechtfertigter Grund vor. Das heißt, der Mitarbeiter hat sich nicht nachweislich falsch verhalten. Auch betriebsbedingte Gründe legen nicht vor. Allerdings drohen dem Arbeitgeber massive Nachteile, wenn er dem Mitarbeiter nicht kündigt. Die echte Druckkündigung soll nicht missbraucht werden, um Mitarbeiter einfach so zu kündigen, weil man diese vielleicht nicht besonders gut leiden kann. Missbräuchlicher Verwendung dieser Kündigungsart soll durch hohe Auflagen entgegengewirkt werden. Folgendes muss erfüllt sein:

  • Es darf keine Selbstverschuldung vorliegen. Das heißt, der Arbeitgeber darf die Drucksituation nicht selbst herbeiführen und dann als Kündigungsgrund nutzen.
  • Der Arbeitgeber muss seine Fürsorgepflicht erfüllen. Das heißt, er muss sich erst einmal schützend vor den Mitarbeiter stellen und versuchen die Druckkündigung abzuwehren. Er sollte ermitteln, ob es objektive Gründe für eine Kündigung gibt, oder ob der Mitarbeiter entlastet werden kann.
  • Für den Arbeitgeber muss ein massiver Schaden entstehen, wenn er die Druckkündigung nicht durchführt. Das heißt, die wirtschaftlichen Folgen zum Beispiel durch Stornierung, Abbruch der Geschäftsbeziehung, Streik oder Ähnliches müssen gravierend sein. Erst wenn ein großer Schaden zu erwarten ist, kann die Kündigung aufgrund der Druckausübung Dritter sozial gerechtfertigt sein.
     
    Druckkündigung - was ist das eigentlich? Foto: victoria heath / unsplash

    Druckkündigung - was ist das eigentlich? Foto: victoria heath / unsplash

Wie laufen Druckkündigungen ab?

So einfach lassen sich Druckkündigungen nicht durchführen. Der Arbeitnehmer soll grundsätzlich vor einem ungerechtfertigten Rauswurf geschützt werden. Vor der Kündigung muss der Arbeitgeber Versuche unternehmen, den Mitarbeiter zu schützen und die Konflikte zu bereinigen. Die Kündigung gilt als das letzte Mittel. Der Arbeitgeber hat seinen Mitarbeitern gegenüber eine gewisse Fürsorgepflicht. Er muss daher einen bestimmten Ablauf einhalten, ehe er einem Mitarbeiter aufgrund des Drucks durch Dritte kündigen darf. Von daher gilt folgender Ablauf:

  • Im ersten Schritt muss der Arbeitgeber den Sachverhalt prüfen. Er muss das Gespräch mit Mitarbeiter beziehungsweise Kunden oder Geschäftspartnern suchen. Der Arbeitgeber muss seinem Gegenüber in diesen Gesprächen verdeutlichen, dass es keinen objektiv gerechtfertigten Grund für eine Kündigung gibt. Und er muss seinen Mitarbeitern deutlich machen, dass eine Arbeitsverweigerung aus arbeitsrechtlicher Sicht nicht ohne weiteres zulässig ist. Den Mitarbeitern können ihrerseits arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen.
  • Der Arbeitgeber muss das Gespräch mit dem kritisierten Mitarbeiter suchen. Er muss bei dieser sogenannten Anhörung die Gelegenheit haben seine Sicht der Dinge zu schildern. Bevor es zu einer Druckkündigung kommt, muss immer eine Anhörung stattfinden.
  • Im Rahmen einer Mediation sollte der Arbeitgeber versuchen zwischen den Parteien zu vermitteln.
  • Der Arbeitgeber muss sich nach milderen Mitteln umsehen. Haben Anhörung, Mediation und Mitarbeitergespräche nicht zum gewünschten Ergebnis geführt, können mildere Mittel eingesetzt werden. Der betroffene Mitarbeiter kann beispielsweise abgemahnt oder ermahnt werden. Auch interne Umstrukturierungen und Versetzungen wären denkbar.

Wie wehrt man sich gegen Druckkündigungen?

Gegen eine Druckkündigung kann man sich natürlich auch wehren. Man sollte sich allerdings fragen, ob das sinnvoll ist, da das Arbeitsklima häufig bereits schwer beschädigt ist und man sich in diesem Unternehmen möglicherweise nie mehr ganz wohl fühlt. Wer sich dennoch wehren möchte, kann Folgendes tun:

  • Ihr könnt die Unterschrift verweigern. In manchen Unternehmen müsst ihr die Kündigung und deren Erhalt mit eurer Unterschrift bestätigen. Hier solltet ihr euch nicht drängen lassen. Bittet um eine Bedenkzeit von mindestens drei Tagen und lasst das Kündigungsschreiben in dieser Zeit auf Fehler prüfen.
  • Ihr könnt eine Kündigungsschutzklage einreichen. Hier ist es wichtig die Frist von drei Wochen einzuhalten. Im Idealfall holt ihr euch hier Unterstützung von einem Anwalt für Arbeitsrecht.
  • Ich müsst euch bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitsuchend melden. Das heißt, sobald ihr Kenntnis von eurer Kündigung habt, wendet ihr euch an das Arbeitsamt. So stellt ihr sicher, dass ihr euren Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend macht.

Fazit

Keine Frage, eine Druckkündigung ist für alle Beteiligten eine unangenehme Sache. Wenn ihr jemandem auf Druck von außen kündigen sollt, prüft, ob es auch mildere Maßnahmen zur Abwehr der Kündigung gibt. Sollten andere eure Kündigung fordern, schaltet einen Anwalt für Arbeitsrecht ein und lasst euch in dieser schwierigen Situation unterstützen.

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