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Die größten Homeschooling Fails

Was zu Hause abgeht, wenn online gar nichts geht

Foto: disruptivo / unsplash
Foto: disruptivo / unsplash

Nicht nur die Arbeit der Eltern wurde ins Home-Office verlegt, auch das Lernen der Kinder muss seit Beginn der Corona-Pandemie überwiegend zu Hause stattfinden. Es ist ein ständiges Auf und Ab zwischen Präsenzunterricht, Wechselunterricht und Homeschooling. So richtig weiß heute noch keiner was morgen Sache ist. An vielen Schulen herrscht Stille und Leere, wo sich ansonsten Schritte und Kinderstimmen zu einer konstanten Geräuschkulisse vermischen. Der Unterricht findet nur noch selten an der Schule statt. Stattdessen sollen die von der ganzen Situation und vom Home-Office überforderten Eltern die Lehrerrolle übernehmen. Das heißt, bevor man morgens den eigenen Laptop für seine Büroarbeit hochfährt, muss man erst einmal checken, welche Aufgaben die Kinder an diesem Tag zu erledigen haben. Dabei sind weder die Schulen noch die Familien auf das Lernen aus der Distanz vorbereitet. Homeschooling Fails sind vorprogrammiert.

Homeschooling Fails - Frust und Verdruss statt Lust am Lernen

Millionen von Schülern und Schülerinnen sitzen zu Hause und sollen in den eigenen vier Wänden den Schulstoff lernen, der ihnen eigentlich in der Schule beigebracht werden soll. Dank Corona und Lockdown bleiben die Klassenräume überwiegend leer. Homeschooling ist angesagt. Im Zusammenhang mit der Schule hören wir Begriffe wie "Wechselmodell", "eingeschränkter Regelbetrieb", "Hybridunterricht" oder "Präsenzbetrieb". Und dann heißt es wieder "Homeschooling", "digitales Lernen", "Fernunterricht" oder "Distanzunterricht". Und die Erfahrungen mit diesem Homeschooling sind sehr unterschiedlich. Während manche Eltern bemängeln, dass man hier wohl kaum von Unterricht sprechen könne, kommen andere ganz gut zurecht. Corona hat viele Missstände in unserer Gesellschaft ins Scheinwerferlicht gezerrt. Das ist beim Schulsystem nicht anders. Was vor Corona an den Schulen schiefgelaufen ist, läuft jetzt noch mehr schief. Allerdings werden diese Missstände jetzt für alle sichtbar. Die Schulen in Deutschland sind weder technisch noch pädagogisch auf das Unterrichten aus der Ferne vorbereitet. Die Ausstattung an den Schulen ist vielerorts veraltet und wo eigentlich modernes Equipment stehen sollte, stehen Tageslichtprojektor und Kopierer.

Top Uni 2021 – Warum die Hochschule für die spätere Jobsuche entscheidend ist / Foto: annie spratt ite / unsplash

Top Uni 2021 – Warum die Hochschule für die spätere Jobsuche entscheidend ist / Foto: annie spratt ite / unsplash

Keine einheitlichen Konzepte – jeder macht es anders

Ein großes Problem ist, dass es keine einheitlichen Konzepte an den Schulen gibt. Seit dem ersten Lockdown konnten sich die Schulen zwar besser auf digitales Lernen einstellen und so wurden mittlerweile einheitliche Lernmanagement-Systeme sowie Lernplattformen eingerichtet. Lehrer können dort Arbeitsblätter hochladen, auf Aufgaben in Schulbüchern verweisen und Videokonferenzen abhalten. Im Gegensatz zum Distanzunterricht während des ersten Lockdowns ist das schon ein Fortschritt. Zu Beginn des Homeschoolings wurden Arbeitsaufträge für die Kinder vor allem per E-Mail verschickt. Allerdings sind die Systeme fragil. Zum einen brechen ständig Verbindungen ab und Server versagen. Zum anderen sind die Konzepte nicht einheitlich. Während manch ein Lehrer seine Schüler jeden Morgen per Videokonferenz begrüßt und ihnen die Aufgaben persönlich mitteilt, bekommen andere Schüler ihren Lehrer kaum zu Gesicht. Manche Lehrer denken sich ständig interessante Aufgaben aus, um die Motivation der Schüler hochzuhalten, andere verweisen auf Aufgaben im Schulbuch und zeigen sich wenig kreativ. Den Eltern bleibt nichts anderes übrig, als die Situation hinzunehmen und neben der eigenen Videokonferenz mit den Teamkollegen die Matheaufgaben des Grundschülers zu betreuen.

Homeschooling Fails – nicht jeder Schüler hat einen Laptop

Homeschooling scheitert häufig bereits an der Hardware. Insbesondere jüngere Kinder haben selten einen eigenen Laptop oder ein Tablet zur Verfügung. Das Bundesland Bremen hat es geschafft, alle Schüler und Schülerinnen mit einem Tablet auszustatten. In vielen anderen Bundesländern hat das jedoch nicht funktioniert und dort sollten dann die Eltern für ein digitales Endgerät sorgen. Bei Familien, die auf Grundsicherung angewiesen sind, sollte das Jobcenter die Kosten für digitale Endgeräte übernehmen. Nach wie vor kann nicht davon ausgegangen werden, dass allen Schülern digitale Endgeräte zur Verfügung stehen. Wird das nicht kontrolliert, werden Schüler ohne Zugang zum Internet und Hilfe der Eltern schnell abgehängt.

Die Internet-Verbindung ist Mist

Zu den typischen Homeschooling Fails gehören auch schlechte oder nicht funktionierende Internetverbindungen. In Deutschland ist das Internet nicht überall gut ausgebaut und auch der Handyempfang schwächelt oftmals. Müssen nun Eltern und Kinder sowohl Job als auch Schule von zu Hause aus erledigen, ist die Verbindung schnell überfordert.

Die Plattformen sind instabil

Ist die Sache mit Tablet oder Laptop geklärt und ist auch die Internetverbindung stabil, dann kann es immer noch sein, dass es mit dem Homeschooling nicht funktioniert. Bei vielen Apps und Plattformen kommt es regelmäßig zu Server-Problemen. Die Server sind auf den Ansturm nicht vorbereitet und so sind viele Apps und Webseiten zuverlässig um 8 Uhr morgens down. Die Schüler sitzen vor ihren Laptops und Tablets und können nicht starten, weil sich die Seite nicht öffnet, Videokonferenzen immer wieder unterbrochen werden und sich Arbeitsblätter nicht herunterladen lassen. Bei so viel Frust sackt die Motivation der jungen Leute ganz schnell in den Keller.

Und dann gibt es ganz häufig folgende Probleme:

  • Eltern werden versehentlich aus einem E-Mail-Verteiler entfernt und erhalten die E-Mails von der Schule nicht oder verspätet. Oder es ist nur ein Elternteil im E-Mail-Verteiler gespeichert, so dass die Informationen immer hin und her geschoben werden.
  • Zugänge und Passwörter funktionieren nicht oder nicht mehr.

Kurzum es herrscht immer wieder ein großes Chaos, das sortiert werden muss, ehe klar ist, welche Aufgaben die Schüler zu machen haben.

Homeschooling – so klappt es besser

Es werden sich auch durch die beste Organisation nicht alle Homeschooling Fails verhindern lassen. Was aber möglich ist, das Lernen zu Hause kann einfacher gestaltet werden, wenn Schule und Eltern ein paar Tipps beachten. Für viele Schüler ist ein Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht angesagt. Lehrende sollten Strukturiertheit in ihre Lern- und Lehr-Angebote sowie das Feedback bringen. Den Schülern fällt es leichter, sich auf das digitale Lernen einzulassen, wenn Aufgaben und Pläne in einem festen Rhythmus übermittelt werden. Ein fester Rhythmus hilft den Schülern, sich zu orientieren und selbst zu regulieren. Eine bessere Planbarkeit der Aufgaben entlastet zudem die Eltern. Die Lehrkräfte sollten sich darum bemühen, die Abstände zwischen der Aufgabenübermittlung und dem Feedback möglichst kurz zu halten. Die Schüler brauchen ein Feedback und müssen wissen in welchen Bereichen noch Lernbedarf besteht. Für Eltern sind folgende Tipps hilfreich:

  • Ihr solltet die Lernwoche mit euren Kindern gemeinsam planen. Was soll wann und wie gelernt werden? Dürfen die Kinder mitbestimmen, so ist in der Regel auch deren Akzeptanz und Mitarbeit besser.
  • Ihr solltet den Druck rausnehmen. Lernen unter Druck funktioniert nicht und es ist normal und ganz natürlich, dass Kinder - insbesondere Teenager - gegen ihre Eltern rebellieren. Die Eltern sind nun einmal keine Lehrer.

 

Top-Universitäten – das Ranking ist ein wichtiger Entscheidungsfaktor / Foto: kajetan sumila / unsplash

Top-Universitäten – das Ranking ist ein wichtiger Entscheidungsfaktor / Foto: kajetan sumila / unsplash

Homeschooling Fails – Probleme in sozialen Brennpunkten werden verstärkt

Durch das Lernen zu Hause können insbesondere Kinder aus bildungsschwachen Familien oder Familien, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind und die Sprache noch nicht beherrschen, benachteiligt sein. Gerade in solchen Familien kann das Homeschooling schwerfallen und die Kinder fallen durch das Raster, weil sie weder von Lehrern oder Mitschülern noch von anderen Bezugspersonen außerhalb der Familie gesehen werden.

Fazit

Wahrscheinlich hat uns die Corona-Krise nur gezeigt, was auch vorher schon irgendwie klar war. Wir sind auf das digitale Lernen nicht vorbereitet. Wir haben uns mit der Digitalisierung des Unterrichts noch nicht ausreichend beschäftigt. Und wer vorher schon nicht recht mitkam im Unterricht oder sozial aus irgendeinem Grund benachteiligt war, ist es jetzt noch mehr. Auch wenn Schüler den Raum "Schule" nicht nur zum Lernen, sondern auch für den sozialen Austausch brauchen, ist es wichtig, das digitale Lernen auszubauen, um in Zukunft die verschiedenen Homeschooling Fails zu vermeiden. Denn wer weiß, ob wir in Zukunft nicht öfter auf das digitale Lernen zurückgreifen oder den Unterricht zumindest durch digitale Angebote ergänzen müssen.

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