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Dir stehen 5 Tage Extraurlaub zu!

Warum nutzt du nicht dein Recht?

Foto: brooke cagle / unsplash
Foto: Brooke Cagle / Unsplash

In Deutschland haben viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Genutzt wird dieser Anspruch allerdings nur von wenigen. Oft liegt das daran, dass sie ihr Recht auf Extraurlaub nicht kennen oder beim Arbeitgeber nicht in Ungnade fallen möchten. Wir erklären dir, was Bildungsurlaub ist.

Was ist Bildungsurlaub?

Per Gesetz haben deutschlandweit rund 27 Millionen Beschäftigte Anspruch auf 5–10 Tage bezahlten Extra-Urlaub pro Jahr für anerkannte Weiterbildungen (außer in Bayern und Sachsen). Diesen Bildungsurlaub nutzen aber nur knapp 2 Prozent. Bildungsurlaub muss nicht mit dem eigentlichen Beruf zu tun haben. Außerdem kann dein Bildungsurlaub weltweit stattfinden, solange es anerkannte Seminare oder Weiterbildungen sind.

Du kannst frei zwischen Angeboten wie Yoga, Pilates, Burnout-Prävention, Stressmanagement, Führungskräftetraining, gewaltfreier Kommunikation, Sprachkursen oder Marketing wählen. Die Liste der anerkannten Bildungsseminare und -kurse ist lang. Und natürlich sind auch viele fachspezifische Angebote darunter. Die Kursgebühr wird von dir als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin selbst übernommen, während die Lohnfortzahlung für den Zeitraum vom Unternehmen übernommen wird. Dein Anspruch auf Erholungsurlaub wird durch den Bildungsurlaub nicht beeinflusst. 

Spätestens vier bzw. sechs Wochen bevor du in deinen Bildungsurlaub startest, musst du einen Antrag beim Arbeitgeber stellen. Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und du solltest dich vorab informieren, wie weit im Voraus du deinen Bildungsurlaub beantragen musst. Jedoch kann der Antrag aus betrieblichen Gründen vom Unternehmen abgelehnt werden.

Bildungsurlaub – Warum nutzt niemand sein Recht? Foto: jason goodman / unsplash

Bildungsurlaub – Warum nutzt niemand sein Recht? Foto: jason goodman / unsplash

Warum nutzen viele den Bildungsurlaub nicht?

Das Recht auf 5–10 Tage Extraurlaub für Weiterbildung ist vielen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen nicht bekannt. Oft liegt das daran, dass Arbeitgeber dieses Thema nicht an die große Glocke hängen. Sie sehen keinen Mehrwert für ihr Unternehmen in diesem Angebot. Denn in welchen Bereichen sich die Angestellten weiterbilden, legen Unternehmen lieber selbst fest und kommunizieren in vielen Fällen deshalb die Möglichkeit auf einen Bildungsurlaub nicht. 

Auch wenn Angestellte wissen, dass sie ein Recht auf Extraurlaub haben, nehmen es trotzdem nur wenige in Anspruch. Das liegt daran, dass sie nicht schlecht vor ihrem oder ihrer Vorgesetzten dastehen möchten. Die Angst, beim Chef aufgrund von geringer Akzeptanz in Ungnade zu fallen und negative Folgen zu erfahren, wenn sie Bildungsurlaub beantragen, ist oft groß.

Außerdem wollen sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen häufig nicht selbst um Weiterbildungen kümmern. Es gibt schließlich innerbetriebliche Fortbildungen. Warum also für freie Tage zur Weiterbildung kämpfen? Aber hier wird von vielen unterstützt, wie weit der Begriff Bildung gefasst wird, und, dass die Fortbildung nichts mit der eigentlichen Arbeit zu tun haben muss. Entscheidend ist nur, dass ein Seminar, ein Kurs oder eine Weiterbildung als Bildungsurlaub anerkannt ist. Es fallen auch Yoga-Kurse, Stressmanagement Seminare, Sprachkurse und viele weitere Angebote unter die Möglichkeiten.

Was ist Bildungsurlaub? Foto: dylan gillis / unsplash

Was ist Bildungsurlaub? Foto: dylan gillis / unsplash

Bildungsurlaub einfach beantragen

Auf speziellen Websites kannst du schnell und einfach prüfen, ob du Anspruch auf einen Bildungsurlaub hast. Wenn du nicht in Bayern oder Sachsen arbeitest und angestellt bist, hast du wahrscheinlich gute Chancen auf deine 5-10 Tage Bildungsurlaub. Außerdem erhältst du auf vielen Seiten eine Übersicht, welche Angebote an anerkannten Seminaren, Kursen und Workshops es gibt. Nachdem du geprüft und recherchiert hast, kannst du deinen Sonderurlaub beim Unternehmen beantragen.

Es ist vom jeweiligen Bundesland abhängig, wie lange du Bildungsurlaub nehmen kannst. In allen Ländern, außer Bayern und Sachsen, kannst du mindestens fünf Tage Bildungsurlaub nehmen. In Berlin wird in einem Zeitraum von zwei Jahren sogar zehn Tage Sonderurlaub für Weiterbildungen genehmigt. Diese Tage sollen im Normalfall zusammenhängend und nicht verteilt auf mehrere Monate genommen werden. 

Viele fragen sich "Wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber vom Bildungsurlaub?" Da du ein Recht auf Bildungsurlaub hast, musst du deinen Arbeitgeber nicht davor davon überzeugen. Jedoch haben viele Arbeitnehmer Angst, dass der Vorgesetzte auf den Antrag schlecht reagiert. Kannst du gut und plausibel erklären, warum dein Bildungsurlaub auch für deinen Job hilfreich ist, ist die Akzeptanz größer. Hier kannst du beispielsweise auch mit dem Mehrwert für deine Gesundheit argumentieren. Das Angebot, im Anschluss die Kollegen und Kolleginnen mit dem neu erworbenen Wissen weiterzubilden, kann außerdem die Akzeptanz der Vorgensetzen erhöhen. 

Fazit

Das Recht auf Bildungsurlaub nutzen nur wenige. Dabei gibt es eine große Bandbreite an anerkannten Weiterbildungen, für die du dir 5–10 Tage Extraurlaub nehmen kannst. Die Voraussetzungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, aber du hast (außer in Bayern und Sachsen) einen rechtlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Deshalb solltest du dich informieren und schon bald deinen eigenen Bildungsurlaub für deine persönliche, gesundheitliche oder fachliche Weiterbildung nutzen. 

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