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Elterngeld Plus:

Mit dieser Unterstützung könnt ihr 'rechnen'

Foto: jessica rockowitz / unsplash
Foto: jessica rockowitz / unsplash

Spätestens, wenn es an die Familienplanung geht, rückt das Thema Vereinbarkeit von Familie und Job in den Fokus. Letztlich handelt es sich vor allem um eine finanzielle Frage, denn während der Elternzeit wollt ihr ja weiterhin mit einem gewissen Einkommen rechnen können. Hier genau kommt das neue Elterngeld Plus ins Spiel, das 2015 eingeführt wurde.

In aller Kürze: Darum geht es!

Seine grundsätzliche Funktion und somit Neuheit ist es, Mama und Papa die schnellere Rückkehr an den Arbeitsplatz in Teilzeit zu ermöglichen. Durch individuelle Nutzungsmöglichkeiten bietet das Elterngeld Plus wesentlich mehr Optionen im Vergleich zum Basiselterngeld.

Diese Faktoren solltet ihr auf der Rechnung haben

Wir zeigen euch in diesem Beitrag, was das Elterngeld Plus auszeichnet und welche Möglichkeiten ihr nutzen könnt, um als Mutter/Vater in der Elternzeit ein Einkommen vom Staat beziehen zu können. Wer die Betreuung entsprechend organisieren kann, findet mit dem Elterngeld Plus eine Möglichkeit, um in Teilzeit wieder (früher als geplant) dem Job nachgehen zu können.

 

Was ist neu am Elterngeld Plus? Foto: jude beck / unsplash

Was ist neu am Elterngeld Plus? Foto: jude beck / unsplash

Grundlegendes: Was ist neu am Elterngeld Plus?

Das bereits länger etablierte Basiselterngeld ist auf einen Zeitraum vom maximal 14 Monaten begrenzt. Der Maximalsatz ist auf 1.800 Euro festgesetzt, mindestens sind 300 Euro pro Monat vorgesehen. Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Verdienst aus den letzten Monaten. Mit ungefähr 65 % des letzten Durchschnittsgehaltes könnt ihr rechnen, wobei es für Geschwisterkinder Bonuszahlungen gibt. In diesem Kontext werdet ihr im Antrag auf den Begriff 'pauschaliertes Nettogehalt' stoßen.

Das neue Elterngeld Plus bewegt sich in einem Rahmen zwischen 150 und 900 Euro. Im Gegensatz zum Basiselterngeld erhaltet ihr diese Zahlung aber über den doppelten Zeitraum und es bestehen flexiblere Möglichkeiten, schneller wieder in Teilzeit in den Job zurückzukehren. Dadurch entstehen euch nicht mehr, wie es vor dieser Neuerung der Fall war, unmittelbare finanzielle Nachteile. Denn wer mit dem Basiselterngeld nebenbei arbeitet, muss sich dies anrechnen lassen. Wenn ihr plant, nach der Geburt länger als 1 Jahr in Elternzeit zu gehen, dann ist die neue Variante prüfenswert.

Auf einen Blick: Welche Vorteile bietet das Elterngeld Plus?

+ Längere Bezugsdauer bis 24 Monate (doppelt so lange als beim Basiselterngeld)

+ Partnerschaftsbonus von 4 zusätzlichen Monaten nutzbar

+ Bessere Chancen, früher wieder in den Job zurückzukehren

+ Flexiblere Nutzung von Elternzeitmonaten bis zum achten Lebensjahr des Kindes

Wie sieht das rechtlich mit dem Arbeitgeber aus?

Während der Elternzeit ruht der Arbeitsvertrag. Ihr seid zur Betreuung des Nachwuchses freigestellt und erhaltet in dieser Zeit keinen Lohn, sondern die Ersatzleistung Elterngeld vom Staat. Vor der Elternzeit besprecht ihr mit eurem Arbeitgeber, wann ihr wieder verbindlich zurückkommen wollt. Falls sich vorher schon Optionen ergeben bzw. es euch nach 6 Monaten in den Fingern juckt, stehen mit dem Elterngeld Plus neue Handlungsmöglichkeiten bereit. Generell hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf 36 Monate unbezahlte Elternzeit. In Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern besteht der Anspruch auf eine Teilzeitstelle.

Mit dem Elterngeld Plus schneller wieder in den Job zurückkehren

Durch die Kombination von Basiselterngeld und Elterngeld Plus lassen sich Vorteile in der Elternzeit gezielt kombinieren. Beim Basiselterngeld war es so, dass sich Eltern den Verdienst anrechnen lassen müssten, wenn sie früher wieder die Arbeit aufgenommen haben. Nun bedeutet die frühere Rückkehr an den Arbeitsplatz in Teilzeit nicht mehr unbedingt, auf Teile des Elterngeld verzichten zu müssen.

 

Wie sich die Pandemie auswirkt / Foto: isaac quesada / unsplash

Wie sich die Pandemie auswirkt / Foto: isaac quesada / unsplash

Ein konkretes Beispiel zum besseren Verständnis

Entschließt sich eine Mutter z. B. bereits nach 6 Monaten wieder in den Beruf zurückzukehren, kann sie vom Basiselterngeld in das Elterngeld Plus wechseln. Danach hat sie noch für 12 Monate Anspruch auf das neue Elterngeld Plus. Nach der alten Regelung hätte sie nur für 6 weitere Monate Zahlungen bekommen. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass die Arbeit in der Elternzeit nicht mehr als 30 Stunden in der Woche einnimmt. An dieser Stelle seht ihr, warum Experten in diesem Zusammenhang von einer Förderung der Teilzeitarbeit reden. Aber solche vertraglichen Details könnt ihr individuell mit dem Arbeitgeber klären. Vereinbart werden kann z. B. ein konkreter Termin, an dem wieder der Wechsel in Vollzeit erfolgt. Das kann insbesondere der Fall sein, wenn ihr zu einem bestimmten Termin einen festen Platz in einer Kindertageseinrichtung bekommt.

Gibt es Elterngeld Plus auch für Selbstständige?

Ihr plant vielleicht, euch als Blogger in der Kreativwirtschaft selbstständig zu machen. Auch in diesem Fall könnt ihr das neue Elterngeld beantragen, wenn ihr in dieser Zeit die Kinderbetreuung übernehmt. Die Höhe richtet sich nach den Einnahmen, die ihr im Vorjahr der Geburt des Kindes erzielt habt. Die Möglichkeit, nebenbei selbstständig zu arbeiten, ist auch in diesem Szenario gegeben. Allerdings dürfen es hier auch nicht mehr als 30 Stunden pro Woche sein, was im Einzelfall durchaus nachzuweisen sein kann.

Was hat es mit dem Partnerschaftsbonus auf sich?

Eine weitere Neuerung für Paare ist der Partnerschaftsbonus, der die gemeinsame Erziehung in den Fokus rückt. Falls beide Partner in der Elternzeit einer Tätigkeit zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche nachgehen, so kann sich der Anspruch auf das Elterngeld Plus um 4 Monate verlängern. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass ein Paar den Nachwuchs für mindestens 4 Monate tatsächlich gemeinsam betreut.

Ein 'Plus' für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Insgesamt wird die Elternzeit mit dem neuen Elterngeld flexibler. Sie kann deutlich länger ausfallen und es bieten sich bessere Möglichkeiten, bereits nach wenigen Monaten an den Schreibtisch zurückzukehren. Ein klarer Hinzugewinn beim neuen Elterngeld ist, dass bis zu 24 Monate zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes zur Verfügung stehen. Der Arbeitgeber muss dieser 'Auszeit' nicht formal zustimmen, aber eine Anmeldung mindestens 13 Wochen vorher ist zwingend erforderlich. Es besteht also die Chance, die Elternzeit auf mehrere Zeitabschnitte aufzuteilen. Eine individuellen Familien- und Berufsplanung stehen somit weniger Hürden gegenüber. Denn niemand kann sagen, wohin ihr euch beruflich oder auch privat in den kommenden Jahren entwickeln wollt.

Herausforderung Kinderbetreuung: Was gilt für Alleinerziehende?

Alleine aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit sollen auch Alleinerziehende von den neuen Regelungen profitieren können. Für sie soll die Nutzung im gleichen Umfang (d.h. bis zu 28 Monate im Einzelfall) möglich sein. Eine wichtige Bedingung ist allerdings, dass die Voraussetzungen in puncto steuerlicher Entlastungsbeitrag erfüllt sind.

Tipp: Ihr habt noch Fragen rund um das Kindergeld?

Nutzt das Beratungsangebot der Elterngeldstellen. Die für euch zuständige Stelle findet ihr bei einer Internetrecherche sehr schnell. Schließlich möchtet ihr für die Elternzeit ein hohes Maß an Planungssicherheit nutzen, vor allem in finanzieller Hinsicht.

Zusammenfassung auf einen Blick: Das solltet ihr über das neue Elterngeld Plus wissen

  • Es ersetzt während der Elternzeit ca. 65 % des vorherigen Einkommens (mindestens 150, höchstens 900 Euro pro Monat).
  • Im Gegensatz zum Basiselterngeld kann es doppelt so lange (= 24 Monate) bezogen werden.
  • Für Paare sind weitere 4 Monate als Bonus vorgesehen.
  • Mit der neuen Regelung ist eine frühere Rückkehr an den Arbeitsplatz in Teilzeit möglich.
  • Bis zum 8. Lebensjahr des Kindes lässt sich der Anspruch flexibel nutzen.

Auch Selbstständige und Alleinerziehende haben die Möglichkeit, Elterngeld (Basis oder Plus) zu beziehen.

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