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Experte werden

so verläuft der Weg zum Geek

Foto: andrey zvyagintsev / unsplash
Foto: andrey zvyagintsev / unsplash

Ein Meister ist noch nie vom Himmel gefallen. Diese Einsicht gilt seit jeher. Zwar glauben viele Absolventen oder Azubis nach erfolgter Abschlussprüfung, dass ihnen nur durch das Universitäts-Diplom oder die IHK-Prüfung ein Expertenstatus zukommt, doch so leicht ist es leider nicht. Wollt ihr als Experte in einem Metier gelten, müsst ihr in der Berufswelt Theorie und Praxis beherrschen. Habt ihr studiert, seid ihr meistens nur Theorie-Könige. Habt ihr eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, mag es euch nicht an praktischer Hands-on-Mentalität mangeln, doch kann euch fehlendes Wissen in einem Bereich an ganz großen Transferleistungen im Job hindern.

Experte werden – so verläuft der Weg zum Geek / Foto: joel muniz / unsplash

Experte werden – so verläuft der Weg zum Geek / Foto: joel muniz / unsplash

Wollt ihr euch am Jobmarkt erfolgreich und unverwechselbar positionieren, ist ein Expertenstatus nahezu unerlässlich. Karrieretechnisch heißt das meistens: Senior-Level. Noch darüber nennt man einen arrivierten Experten „Head of Function“. Der ist Fachkraft durch und durch und hat im Betrieb oder Unternehmen nicht einmal Personalverantwortung. Er bietet aber dafür bei anstehenden Aufgaben und Projekten eine große Expertise, verfügt über eine hohe Problemlösungskompetenz und ist zu Transferleistungen fähig, die juniorige Kollegen niemals hinbekommen würden.

In vielen Unternehmen nennt sich das dann nüchtern Expertenlaufbahn. Ihr wollt diesen Weg auch einschlagen? Dann könnt ihr mit diesen Tipps eurer Karriere auf die Sprünge helfen. Denn prinzipiell ist es auch möglich, schon in jungen Jahren auf einem Senior-Level oder höher eurem Betrieb Mehrwert zu bieten.

Das Gegenteil vom Experten ist der Laie. Faktisch trennt aber den Experten vom Laien nicht nur das praxiserprobte Wissen, sondern vor allem – der Ehrgeiz. Wollt ihr Experte werden, benötigt ihr den notwendigen Drive. Hört sich leichter an, als es tatsächlich ist. Denn Experte werden kann eigentlich nur der werden, der um seine Stärken und Schwächen weiß. Das setzt ein klares Selbstkonzept und Selbstbewusstsein voraus. Seid ihr euch unsicher, wo eure Stärken und Talente liegen? Feedback kann immer helfen. Familie, Freunde oder Coaches liefern hier oftmals wertvolle Rückmeldungen.

Übung macht den Meister? Ja – und nein

Wir alle kennen es. In der Schule werden wiederholend Diktate zu Papier gebracht, Gedichte auswendig gelernt oder Mathe-Übungen durchgepaukt. Und es stimmt. Wer gut werden möchte, sollte sich einem freiwilligen Selbstdrill unterziehen. Glaubt man aber Studien, legt man die Voraussetzungen für einen Expertenstatus nur zu einem Bruchteil durch repetitive Übungen. Wichtig ist das Brennen für ein bestimmtes Themengebiet oder ein Aufgabenfeld. Das heißt praktisch: Ihr müsst trennen, was thematisch und praktisch zu euch passt. Wollt ihr Experte werden, entscheidet ihr euch dafür, in unzähligen anderen Bereichen Laien zu bleiben. Förderlich für den Karrierewerg nach ganz oben ist dann vor allem die Haltung: „Ich mach das und nur das!“ Experten sind also Fachkräfte vor allem aus einem Grund geworden: Sie haben sich entschieden, entschieden zu handeln, fokussiert am Ball zu bleiben und andere Dinge ihrem Ziel unterzuordnen. Ihr merkt schon: Warum gibt es relativ wenige Häuptlinge auf Fachgebieten, dafür aber so viele Indianer? Entschiedenheit macht den Unterschied!

Übung macht den Meister? Ja – und nein / Foto: rita morais / unsplash

Übung macht den Meister? Ja – und nein / Foto: rita morais / unsplash

Lesen, forschen, dranbleiben

Habt ihr ein Thema gefunden, dann müsst ihr also am Ball bleiben. Das heißt, ihr müsst lesen, Workshops besuchen oder Webinare angucken. Und ihr müsst für eine praktische Rückkopplung des angelernten Wissens sorgen. Denn was bringen euch neue Programmier-Sprachen oder Bildbearbeitungsskills, wenn ihr sie nur aus Trockenübungen kennt?

Wichtig ist hier zu wissen: Welcher Lerntyp seid ihr eigentlich? Es gibt auditive, visuelle, kommunikative oder gar motorische Lerntypen. Und: Seid ihr chaotische Prokrastinierer oder strukturierte Lerner? Gerade erstere brauchen Freiräume, und nicht Wunder nimmt es, dass viele kreativen Experten eher mies in der Schule waren. Charles Darwin zum Beispiel. Ihn brachte die kreative Aneignung von unterschiedlichen Theorien in der Freizeit zu ganz großen Transferleistungen, welche die Menschheit erschütterten.

Netzwerke bilden, sichtbar werden

Wissen und Praxiserfahrungen allein bringen euch nicht weiter. Wollt ihr eurem Vorgesetzten, eurer Abteilung und schließlich dem Unternehmen, in dem ihr arbeitet, Mehrwert bringen, müsst ihr zunächst sichtbar werden. Gesehenwerden heißt vor allem: Selbstmarketing betreiben und mit den richtigen Kollegen netzwerken. Denn was ihr draufhabt, kann nur der bewerten, der auch mit dem Metier, in dem ihr euch bewegt, entfernt schon vertraut ist. Und er muss das, was ihr könnt, bewerten können, damit es idealerweise da ankommt, wo Entscheidungen getroffen werden. Im mittleren Management oder auf Geschäftsführerebene.

Werdet ihr als Experte gesehen und für größere Projekte vorgeschlagen, kommt es zu weiteren Transferaufgaben. Neben anspruchsvolleren Operationen können dies auch das Abhalten von Workshops, die Teilnahme an Tagungen und Kongressen oder Präsentationen auf Top-Management-Ebene sein.

Für die Entwicklung zum Experten ist auch das eigene Netzwerk an Personen mit gleicher Expertise unverzichtbar. Man baut sich einen Ruf in Fachkreisen auf und erweitert kontinuierlich die Sichtbarkeit. Etwa über Beiträge in Fachzeitschriften, die aktive Teilnahme an Konferenzen als Speaker und als gefragter Berater bei Kundenprojekten. Und natürlich: Wichtig für den Expertenstatus ist der Wille, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und sich den (spielerischen) Ehrgeiz aus der Anfangsphase zu erhalten.

Fazit:

Experte zu werden hat auch viel mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Denn wollt ihr euch fachlich weiterentwickeln, müssen über kurz oder lang auch soziale Kompetenzen geschult werden. Wie erwähnt, bieten viele Unternehmen Fachlaufbahnen etwa mit dem Karrierelevel Head of Function an. Das heißt aber nicht, dass ihr im stillen Kämmerlein sitzt und vom üblichen Betrieb unberührt bleibt. Im Gegenteil: Als Experte bringt ihr dem Unternehmen wirklichen Mehrwert. Oder akademisch gesprochen: Ihr erhöht die Komplexität des Systems. Das setzt auch eine kontinuierliche Selbstentwicklung voraus. Soziale Skills wie Netzwerken, Präsentier-Techniken und rhetorische Fähigkeiten sind auf dem Weg zum Expertenolymp unerlässlich.

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