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Wie ihr eine familienfreundliche Company sofort erkennt

Foto: sai de silva / unsplash
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Familienfreundlichkeit wird für viele Arbeitnehmer und damit auch Unternehmen immer wichtiger. Sich zwischen Karriere und Kind entscheiden zu müssen, ist für viele Arbeitnehmer nicht mehr zeitgemäß. Heute muss beides möglich sein. Wer sich als attraktiven Arbeitgeber empfehlen möchte, achtet daher auf Familienfreundlichkeit.

Welche Vorteile hat Familienfreundlichkeit für Unternehmen? / Foto: charles deluvio / unsplash

Welche Vorteile hat Familienfreundlichkeit für Unternehmen? / Foto: charles deluvio / unsplash

Tipps für mehr Familienfreundlichkeit im Unternehmen

Ihr wollt mehr Familienfreundlichkeit in euer Unternehmen bringen? Wir haben einige Tipps für euch, wie ihr als Arbeitgeber familienfreundlicher und damit für viele Arbeitnehmer attraktiver werdet. Diese Maßnahmen tragen zu mehr Familienfreundlichkeit bei:

  • Schafft flexible Arbeitszeiten. Verabschieden wir uns doch von den 40-Stunden-Modellen, den festen Arbeitszeiten, wenn Flexibilität doch vieles so viel einfacher macht. Mütter und Väter haben bessere Chancen, Beruf und Familie zu vereinbaren, wenn sie ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können. Solche flexiblen Arbeitszeitregelungen können Teilzeit, Gleitzeit, Lebensarbeits- oder Jahreszeitkonten sowie Sabbaticals oder vollzeitnahe Teilzeitbeschäftigungen umfassen.
  • Ermöglicht euren Mitarbeitern im Home-Office zu arbeiten. Ihr müsst eure Mitarbeiter nicht dauerhaft ins Home-Office schicken. Lasst sie - sofern möglich - einige Tage in der Woche oder einige Wochen im Jahr von zu Hause aus arbeiten. Dadurch sparen sich eure Mitarbeiter den Weg von und zur Arbeit. Die so gewonnene Zeit kann in die Arbeit oder die Familie investiert werden.
  • Jeder darf individuelle Wünsche ansprechen. Ihr solltet eure Mitarbeiter ermutigen, über Wünsche offen zu sprechen. Beruf und Familienleben passen an der einen oder anderen Stelle nicht zusammen? Solche Dinge dürfen Mitarbeiter offen ansprechen und es wird gemeinsam nach individuellen Lösungen gesucht.
  • Ihr geht als Vorbild voran. Wenn ihr Kinder habt und trotzdem jedes Wochenende und jeden Tag bis in die Abendstunden arbeitet, dann trauen sich auch eure Mitarbeiter kaum, Zeit für die Familie einzuplanen. Geht hier als gutes Beispiel voran und nehmt euch auch als Vorgesetzter mal einen Nachmittag für die Kinderbetreuung frei. Habt ihr keine Kinder und müsst ihr auch keine Angehörigen pflegen, dann signalisiert euren Mitarbeitern zumindest offen, dass es in Ordnung ist, sich Zeit für die Familie zu nehmen.
  • Eure Mitarbeiter wetteifern miteinander wer am Wochenende oder nach Feierabend noch länger arbeitet? Das solltet ihr unterbinden. Ihr wollt in einem familienfreundlichen Unternehmen keine Präsenzkultur. Ihr wollt für die Vereinbarkeit von Job und Familie sorgen und damit ist es euch ernst.
  • Legt Meetings lieber auf den Vormittag. Viele Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten, sind nur morgens anwesend und könnten sonst nicht am Meeting teilnehmen.

Unterstützt eure Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung. In kleinen und mittelständischen Unternehmen ist es oftmals nicht möglich, eigene Kindertagesstätten zu eröffnen. Aber ihr könntet es mit folgenden Ideen versuchen:

  • In Gewerbegebieten gibt es mehrere Unternehmen, die eventuell Interesse an einer Kindertagesstätte für die Kinder von Mitarbeitern hätten. Ihr könntet mit anderen Unternehmen zusammen eine Betreuungsmöglichkeit schaffen.
  • Ihr könntet Tagesmütter engagieren oder Betreuungsplätze bei Kindertagesstätten in der Nähe für Mitarbeiterkinder reservieren.
  • Ihr könnten einen Tagesvater oder eine Tagesmutter für euer Unternehmen engagieren und im Unternehmen selbst entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.
  • Wenn Veranstaltungen der Firma am Abend oder am Wochenende anstehen, könntet ihr euch um professionelle Babysitter kümmern und euch an den Kosten beteiligen.
  • Ihr könntet anbieten, euch an den Kosten für die Kinderbetreuung in Kindertagesstätten zu beteiligen oder diese ganz übernehmen.
  • Sollte die Kinderbetreuung einmal ausfallen, könnt ihr euch um eine Notbetreuung kümmern.
  • Eure Mitarbeiter bringen die Kinder mit ins Büro. Auch das muss nicht für die gesamte Arbeitszeit gelten. Aber vielleicht müssen kurze Zeiten, in denen das Kind nicht anderweitig betreut werden kann, überbrückt werden. In vielen Büros ist es möglich, dass Kinder zumindest für einige Zeit ebenfalls anwesend sind. Richtet eine Spielecke ein oder ein Kinderzimmer mit Schreibtisch für die Eltern.
  • Gestaltet ein Ferienprogramm für Mitarbeiterkinder. Sechs Wochen Sommerferien sind lang und viele Eltern stoßen hier an ihre Grenzen. Sie wollen und sollen arbeiten, aber die Kinder sind nun einmal während der Sommerferien zu Hause. Hier können Arbeitgeber Familienfreundlichkeit demonstrieren und eine Ferienbetreuung oder ein Ferienprogramm organisieren.
  • Macht Veranstaltungen familienfreundlicher. Zeigt euch offen und freundlich gegenüber Familien und ladet Partner und Kinder zu gemeinsamen Veranstaltungen ein. Vielleicht macht ihr ein Sommerfest mit Hüpfburg oder feiert gemeinsam den ersten Advent. Möglichkeiten gibt es hier viele.
  • Berücksichtigt besondere Familienereignisse. Die Geburt eines Kindes steht an? Das Kind wird eingeschult? Euer Mitarbeiter bekommt selbstverständlich einen Tag frei. Für wichtige Familienereignisse gibt es bezahlten Sonderurlaub.
  • Bei euch gibt es mehr Kinderkrankentage. Wenn das Kind krank ist, müssen Eltern für dessen Betreuung und Pflege zu Hause bleiben. Die Krankenkasse bezahlt das Gehalt für zehn Kinderkrankentage pro Jahr. Das Gilt pro Kind und pro Elternteil. Ihr könnt hier selbst aufstocken und noch mehr Kinderkrankentage aus eigener Tasche bezahlen.
  • Sorgt dafür, dass jeder von eurer Familienfreundlichkeit weiß. Bescheidenheit ist hier nicht angebracht. Eure Mitarbeiter und auch eure zukünftigen Mitarbeiter müssen wissen, welch familienfreundliches Angebot es bei euch gibt. Kommuniziert das offen.
     
    Family Zone – Wie ihr eine familienfreundliche Company sofort erkennt / Foto: sandy millar / unsplash

    Family Zone – Wie ihr eine familienfreundliche Company sofort erkennt / Foto: sandy millar / unsplash

Welche Vorteile hat Familienfreundlichkeit für Unternehmen?

Umfragen weisen darauf hin, dass Familienfreundlichkeit für viele Arbeitnehmer eine immer größere Rolle spielt. Besonders attraktiv ist ein Arbeitgeber, wenn er ein gutes Betriebsklima bietet. Gleich nach dem Betriebsklima kommt die Familienfreundlichkeit. Das gibt Unternehmen bereits eine Idee davon, was Arbeitnehmer heute und in Zukunft von ihrem Arbeitgeber erwarten. Unternehmen müssen familienfreundlicher werden und eine lebensphasenorientierte Personalpolitik betreiben. Allerdings ist es nicht nur für Arbeitnehmer von Vorteil, wenn ein Unternehmen familienfreundlich ist. Familienfreundlichkeit führt zu einer Win-Win-Situation. Und so profitieren Unternehmen von mehr Familienfreundlichkeit:

  • Fach- und Führungskräfte lassen sich leichter rekrutieren. Und warum ist das so? Für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer im Alter von 35 bis 39 ist es besonders wichtig, dass ihr Arbeitgeber familienfreundlich ist. Wer auf Stellensuche ist, schaut sich eher nach einem Unternehmen um, das eine gewisse Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten kann. Hinzukommt, dass familienfreundliche Unternehmen von ihren Mitarbeitern häufiger weiterempfohlen werden. Unternehmen, in denen keine Vereinbarkeit von Job und Familie ermöglicht wird, werden von den eigenen Mitarbeitern weniger häufig weiterempfohlen. Familienfreundlichkeit wirkt sich auf den Ruf eines Unternehmens aus. Es gewinnt an Attraktivität und zieht automatisch mehr Fach- und Führungskräfte an.
  • Die Mitarbeiterfluktuation lässt sich durch mehr Familienfreundlichkeit im Unternehmen verringern. Immer wieder kommt es vor, dass Väter und Mütter den Arbeitgeber wechseln, um Familie und Job besser in Einklang bringen zu können. Viele Arbeitnehmer können sich vorstellen, in Zukunft den Arbeitgeber zu wechseln, sollten Familie und Beruf beim aktuellen Arbeitgeber nicht vereinbar sein. Wer seinen Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Job bietet, kann daher eine hohe Mitarbeiterfluktuation verhindern. Für Unternehmen ist es nicht nur wichtig, gute Mitarbeiter zu finden und diese einzustellen, sondern auch diese langfristig zu halten.
  • Familienfreundlichkeit wirkt sich auch auf die Fehlzeiten der Mitarbeiter aus. Wenn Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können, sind sie weniger gestresst. Weniger Stress wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Wer weniger Stress hat, wird seltener krank. Ermöglichen Unternehmen ihren Mitarbeitern zudem zu Hause arbeiten zu können, wenn das Kind einmal krank ist, dann sinken die Fehlzeiten noch einmal.
  • Familienfreundliche Unternehmen erleichtern ihren Mitarbeiten den Einstieg nach der Elternzeit. Kommen Mütter nach der Babypause ins Unternehmen zurück, so gelingt das leichter, wenn in einem Unternehmen familienfreundliche Strukturen gegeben sind. Ist der Wiedereinstieg nach der Babypause einfacher, kann dies auch zu einer verkürzten Elternzeit führen. Für Unternehmen ist das ein Vorteil, denn so kommen erfahrene, gut eingearbeitete Mitarbeiter schneller wieder ins Unternehmen zurück. Für die Suche, das Einarbeiten und Ausbilden neuer Mitarbeiter entstehen Kosten, die man auf diese Weise etwas reduzieren kann.
  • Zufriedenheit und Motivation im Unternehmen steigen, wenn Mitarbeiter Job und Familie vereinbaren können. Motivierte, zufriedene Mitarbeiter sind ihrem Arbeitgeber gegenüber loyaler und sie sind bereit viel zu leisten. Wer sich gut aufgehoben fühlt und sich mit dem Unternehmen identifiziert, meldet sich zudem seltener krank.
  • Wenn sich Mitarbeiter in einem Unternehmen wohl fühlen, entstehen zudem weniger Kosten. Entscheiden sich gut eingearbeitete, gut ausgebildete Mitarbeiter dafür, den Arbeitgeber zu wechseln, so ist das teuer. Eine hohe Mitarbeiterfluktuation sowie die ständige Einarbeitung neuer Mitarbeiter verursacht Kosten. Durch familienfreundliche Maßnahmen können diese Kosten deutlich gesenkt werden. Unternehmen sollten dabei aber nicht nur an Mütter denken, sondern auch Väter und pflegende Angehörige im Blick haben.

Fazit

Mehr Familienfreundlichkeit lohnt sich für alle Beteiligten. Und wenn erst einmal neue Strukturen wie flexible Arbeitszeiten geschaffen wurden, ist eine große Hürde bereits genommen. Wichtig ist, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Gespräch bleiben und ihre Erwartungen offen kommunizieren.

Mehr Infos findet ihr hier:

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