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Female Empowerment

Wie ihr veraltete Rollenbilder im Job sprengt

Foto: joel muniz / unsplash
Foto: joel muniz / unsplash

Immer noch werden "typisch männliche" und "typisch weibliche" Verhaltensmuster definiert, unterstellt oder mitgetragen, die junge Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung einengen. Für die Chancengleichheit im Berufsleben sind die Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der Ausbildung eine wesentliche Voraussetzung. Schülerinnen sollen sich dabei an ihren Fähigkeiten sowie Interessen und nicht an Stereotypen orientieren. Mit verschiedenen Programmen fördert die Bundesregierung die geschlechtergerechte Berufsorientierung. Hierzu zählt die "Initiative Klischeefrei", die eine Berufsberatung jenseits der Rollenklischees zum Gegenstand hat. Auch der jährliche Girls' Day bringt die geschlechtergerechte Berufsorientierung voran. Denn dieses Programm ermöglicht es Schülerinnen, das gesamte Spektrum an Ausbildungsberufen kennen zu lernen. Die geschlechtergerechte Berufsorientierung wird außerdem durch das Programm "YouCodeGirls" gefördert. Female Empowerment heißt das Konzept, mit dem Mädchen und junge Frauen unterstützt werden sollen, sich souverän für ihre individuell passende Ausbildung zu entscheiden. In diesem Beitrag erfahrt ihr, warum eine geschlechtergerechte Berufsorientierung wichtig ist und wie diese umgesetzt wird.

Female Empowerment – Wie ihr veraltete Rollenbilder im Job sprengt / Foto: joel muniz / unsplash

Female Empowerment – Wie ihr veraltete Rollenbilder im Job sprengt / Foto: joel muniz / unsplash

Geringe Repräsentanz von Frauen in den MINT-Berufen

In vielen Branchen und Berufen sind Frauen bislang deutlich unterrepräsentiert. Dies gilt vor allem für technisch und naturwissenschaftliche Berufe, das Handwerk und die Informationstechnologie. Diese Berufe werden als "MINT-Berufe" zusammengefasst. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Daher sind die Unterschiede in der Berufswahl nicht auf biologische, sondern auf soziale Faktoren zurückzuführen. Die MINT-Berufe werden in der Zukunft sehr gefragt sein. Dies ist ein weiterer Grund, bei den Mädchen Interesse für diese Berufe zu wecken.

Rollenklischees beeinflussen immer noch die Berufswahl

In der dualen Ausbildung entscheiden sich bislang mehr als 70 Prozent der Schülerinnen für nur 20 der insgesamt etwa 350 Ausbildungsgänge. Diese Daten belegen deutlich, dass sich Mädchen immer noch an geschlechterspezifischen Stereotypen orientieren. Sie entscheiden sich weit überproportional für Berufe wie Erzieherin, Krankenpflegerin, Arzthelferin, Verkäuferin und Friseurin. Dadurch werden viele andere interessante Berufe gar nicht erst in die engere Wahl aufgenommen. Sobald sich die gewählten Ausbildungswege zwischen jungen Frauen und Männern annähern, werden Schülerinnen mehr Vorbilder haben und leichter an Informationen gelangen, die für ihre Entscheidung wichtig sind. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Fast alle Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen, interessieren sich für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und für Technik.

Female Empowerment und Geschlechtergerechtigkeit / Foto: rafal szczawinski / unsplash

Female Empowerment und Geschlechtergerechtigkeit / Foto: rafal szczawinski / unsplash

Geschlechtergerechte Berufsorientierung hilft Frauen und Männern

Die geschlechtergerechte Berufsorientierung betrifft sowohl Frauen als auch Männer. Denn auch männliche Jugendliche werden in ihrer Berufswahl oft durch Stereotype beeinflusst. Wer sich als junger Mann zum Beispiel für soziale Berufe interessiert, sollte darin unterstützt und entsprechend gefördert werden. Lässt sich ein Jugendlicher bewusst oder unbewusst von Rollenklischees leiten, besteht die Gefahr, dass er die für sich falsche Wahl trifft. Es geht also darum, junge Menschen zu befähigen, eine souveräne Entscheidung über ihren beruflichen Weg zu treffen. Je breiter das Spektrum an Berufsfeldern und Tätigkeiten ist, das Jugendliche kennen lernen, desto eher werden sie herausfinden, welche Ausbildung oder welcher Studiengang wirklich zu ihnen passt. Die geschlechtergerechte Berufsorientierung soll sowohl Frauen als auch Männer befähigen, ihre eigenen Ziele, Erwartungen und Stärken zu reflektieren.

Girls' Day – Der Zukunftstag für alle Schülerinnen

Jedes Jahr gehört der Girls' Day für Mädchen ab der fünften Klasse an allen Schulen in ganz Deutschland zu den fixen Terminen. In der Regel wird dieses Event auf den vierten Donnerstag im April terminiert. Dieser Aktionstag ermöglicht es Mädchen, Berufsfelder zu entdecken, bei denen Frauen bislang unterrepräsentiert sind. Durch den Girls' Day können die Schülerinnen das Denken in Stereotypen überwinden. Damit ist es in zahlreichen Fällen gelungen, bei den Mädchen die Neugier auf handwerkliche und technische Berufe zu wecken. Beispielsweise verbringen die Schülerinnen beim Girl's Day einen Tag in der Werkstatt eines Handwerks- oder Industriebetriebs und erleben die Produktionsabläufe vor Ort. Beim Fräsen, Bohren und Drehen entdecken viele von ihnen ihr handwerkliches Geschick und ihr Interesse an Technik. Manche stellen nun fest, dass ein solcher Beruf zu ihren Talenten und Neigungen passt und ihnen gute Perspektiven bietet. Nicht wenige bewerben sich gleich im Anschluss an den Girls' Day um ein Praktikum in diesem Betrieb.

Die "Initiative Klischeefrei"

Die 2016 gestartete "Initiative Klischeefrei" zielt darauf ab, die geschlechtergerechte Berufsorientierung durch eine bessere Vernetzung der Akteure zu fördern. Dabei werden alle Personen und Institutionen entlang der gesamten Bildungskette berücksichtigt, die Einfluss auf die Berufswahl von Schülerinnen haben. Die Initiative stellt all diesen Akteuren Informationen und interaktive Materialien, wie zum Beispiel ein "Klischeefrei-Quiz", zur Verfügung. Auf ihrer Homepage informiert die Initiative über Beispiele für eine gelungene Berufsorientierung. Diese Porträts zeigen ganz konkret, wie junge Frauen sich erfolgreich für einen Beruf im MINT-Bereich qualifizieren können. Auch werden junge Männer vorgestellt, die sich für einen sozialen Beruf entschieden haben.

Gender Coding in Stellenanzeigen

Untersuchungen zeigen, dass spezifische Schlüsselwörter (=Gender Codes) in Stellenausschreibungen vornehmlich mit Männern beziehungsweise mit Frauen in Verbindung gebracht werden. Auf diese Weise trägt die typische Formulierung von Stellenanzeigen dazu bei, dass die Unterscheide zwischen Männern und Frauen zementiert werden. Anzeigen, die viele männlich besetzte Attribute enthalten, führen dazu, dass sich überproportional viele Männer um den Job bewerben. Frauen dagegen können sich mit dem Stellenprofil weniger identifizieren und legen die Ausschreibung beiseite. Zum Weltfrauentag 2017 hat die Metajobsuchmaschine "Joblift" die rund 15 Millionen Stellenanzeigen der vergangenen Jahre untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass Frauen nur in rund zwei Prozent der Stellenausschreibungen ausdrücklich dazu aufgefordert wurden, sich zu bewerben. In Ingenieurberufen war die alleinige Ansprache männlicher Bewerber überproportional häufig der Fall. Mit dieser Art der Stellenanzeige werden Frauen systematisch von einer Bewerbung abhalten. Seitdem ist aber eine zunehmende Sensibilität für die Geschlechtergerechtigkeit in Stellenausschreibungen zu beobachten.

Initiative "YouCodeGirls"

Die Initiative "YouCodeGirls" hat eine Online-Plattform entwickelt, auf der sich Mädchen und junge Frauen untereinander austauschen können. Über diese Plattform werden Inhalte rund um das Thema Coding gebündelt. Während sie sich mit dem Gender Coding vertraut machen, werden die Nutzerinnen auf die Ursachen einer systematischen Benachteiligung aufmerksam. Durch diese Plattform wird die geschlechtergerechte Berufsorientierung gefördert, die sich eben nicht an Klischees anlehnt, sondern die individuellen Interessen fokussiert. Mädchen und jungen Frauen werden außerdem eingeladen, die Plattform aktiv mitzugestalten.

Das Konzept "Female Empowerment"

Wörtlich übersetzt, heißt "Empowerment" Handlungsfähigkeit oder Ermächtigung. Gemeint ist damit die Befähigung, Entscheidungen souverän zu treffen und selbstbestimmt zu leben. Der Begriff stammt aus der Profession der Sozialen Arbeit. Mittlerweile wurde das spezifische Konzept der "Female Empowerment" (oder "Woman Empowerment") entwickelt. Diese Bewegung wurde von selbstbewussten, erfolgreichen Frauen gegründet, die Mädchen und jüngere Frauen ermutigen wollen, sich für Chancengleichheit einzusetzen. Dieses Konzept zielt darauf ab, eine umfassende Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu erreichen. Vor allem geht es darum, die in den Köpfen vieler Menschen verankerten Stereotype und Klischees zu überwinden. Frauen sollen dabei unterstützt werden, ihren Ausbildungsweg selbstbewusst zu wählen. Nicht zuletzt dringt Female Empowerment darauf, sämtliche Arten von offener und verdeckter Diskriminierung im täglichen Arbeitsleben zu beseitigen. Es sind daher sowohl Gesetze als auch gesellschaftliche Übereinkünfte, die im Sinne des Female Empowerment hinterfragt und kritisch überprüft werden müssen. Die Vision besteht darin, dass die Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Männern und Frauen fair verteilt werden. Jeder soll die Chance haben, sich nach den individuellen Vorstellungen zu qualifizieren und beruflich zu verwirklichen.

Fazit

Letzten Endes gibt es in einigen Branchen immer noch einen großen Nachholbedarf, was die Einbeziehung von beiden Geschlechtern betrifft. Daher ist es umso wichtiger, so früh wie möglich solche veralteten Rollenbilder zu sprengen und jedem die gleiche Chance zu ermöglichen. Egal ob ihr Schüler, Student oder schon Arbeitnehmer seid, setzt euch für Gleichberechtigung in allen Bereichen ein. Sprecht solche Themen an und weist auf Innovationen oder hilfreiche Webseiten hin.

Mehr Infos findet ihr hier:

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