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Frauen können Führungspositionen!

Gegen welche Klischees sie trotzdem noch ankämpfen müssen

Foto: brooke lark / unsplash
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Vielfalt, Diversität und Gleichberechtigung gewinnen in der heutigen Zeit an Bedeutung, nur bei vielen Familienunternehmen ist dieser Trend noch nicht angekommen. In den letzten Jahren sind kaum Topmanagerinnen in die Geschäftsführung aufgestiegen.

Frauen in Führungspositionen in Familienunternehmen? Foto: thisisengineering / Pexels

Frauen in Führungspositionen in Familienunternehmen? Foto: thisisengineering / Pexels

Anteil Frauen in Führungspositionen

Wirfst du einen Blick auf die großen deutschen Unternehmen in Familienbesitz, wird deutlich, dass Gleichberechtigung und Vielfalt nicht zu den Prioritäten dieser Konzerne gehören. Die Studie der Allbright Stiftung zeigt, dass nur 8,3 Prozent Frauenanteil in den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen vorhanden sind. Bei den großen börsennotierten Konzernen sind es hingegen fast doppelt so viele Frauen im Management. Ein Frauenanteil von 14,3 Prozent ist in den 160 Unternehmen im Dax, SDax und MDax vorhanden. Auch im Vergleich zu internationalen Unternehmen ist diese Quote sehr gering. 

Die Modernisierung der Führungsstrukturen passiert kaum oder ist vereinzelt sogar rückläufig. Zum März 2022 wurden bei den 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen 408 Männer und nur 37 Frauen in der Geschäftsführung gezählt. Somit ist der Anteil der Frauen gerade einmal bei 8,3 Prozent, in den letzten zwei Jahren ist der Anteil nur um 1,3 Prozent gestiegen. Keine Frau in der Geschäftsführung haben 68 Unternehmen, das sind mehr als zwei Drittel dieser Unternehmen. Fünf Unternehmen sind sogar zu rein männlichen Führungsteams zurückgekehrt und haben die Frauen in Führungspositionen wieder durch Männer ersetzt. Bei 14 Familienunternehmen bestehen die großen Managementteams von sechs bis zehn Führungskräften nur aus Männern. Auf einen Frauenanteil von 4,8 Prozent kommen 70 der 100 umsatzstärksten Unternehmen im Familienbesitz. 

Der massive gesetzliche und öffentliche Druck von außen hat zumindest in den börsennotierten Unternehmen seit 2020 Veränderung bewirkt. Hier wurden deutlich mehr Frauen im Management eingestellt als noch zuvor. Das ist in vielen Familienunternehmen aber immer noch nicht der Fall, hier sind es nur 1,3 Prozent mehr Frauen im Topmanagement als noch in 2020. 

Ein paar Unternehmen in Familienbesitz gehen mit gutem Beispiel voran und beschäftigen zum März 2022 mindestens eine Frau in der Geschäftsführung. Hierzu gehören unter anderem bekannte Unternehmen wie Axel Springer, DM-Drogerie Markt, Knorr-Bremse, BOSCH, BMW, Volkswagen und Otto. Aber nicht nur hier, sondern auch bei kleineren Unternehmen, Start-ups, im Mittelstand und Handwerk muss das bestehende Ungleichgewicht behoben werden.

Die Allbright Stiftung setzt sich für eine höhere Frauenquote in Führungspositionen in der Wirtschaft ein. Hierfür zählen sie die Männer und Frauen, die im Management arbeiten. Anschließend machen sie die Ergebnis-Listen namentlich publik. Gleiche Karrierechancen und bessere Unternehmensresultate durch gemischte Teams in der Führungsriege sind das Ziel der gemeinnützigen Stiftung.

Der Weg zu gleichberechtigten Führungsstrukturen? Foto: los muertos crew / Pexels

Der Weg zu gleichberechtigten Führungsstrukturen? Foto: los muertos crew / Pexels

Der Weg zu gleichberechtigten Führungsstrukturen?

Heutzutage sind wir sensibilisiert für Themen wie gleichberechtigte Führungsstrukturen. Auch Investor:innen, Mitarbeiter:innen, Kund:innen und Bewerber:innen achten immer mehr auf Gleichberechtigung in Unternehmen. Der öffentliche und gesetzliche Druck zeigte zuerst bei den börsennotierten Unternehmen Wirkung. Familienunternehmen haben sich bislang eher weniger darum gekümmert. Wir dürfen hier aber nicht vergessen, dass sehr bekannte Unternehmen im Familienbesitz sind, beispielsweise BOSCH, Aldi, Deichmann, Miele und BMW sowie Otto und Rossmann. Diese starken Marken haben nicht nur zehntausende Mitarbeiter in der Beschäftigung, sondern machen einen Milliarden-Umsatz mit ihren Produkten und Dienstleistungen. 

Viele bekannte Familienunternehmen haben auch zum März 2022 keine Frau in der Geschäftsführung. Hierzu zählen unter anderem die Aldi Gruppe (Nord & Süd), Bertelsmann, Bauhaus, die Fressnapf-Gruppe, Kärcher und die Liebherr-Group sowie Miele und Vorwerk. 

Oft wird angemerkt, dass eine große Stärke von Familienunternehmen das Denken in Generationen und nicht in Quartalen ist. Aus diesem Grund sollten diese Unternehmen das Thema Diversität und Chancengleichheit nicht unterschätzen. Talentierte Bewerber und Bewerberinnen werden nämlich genau von solchen Werten in ein Unternehmen gezogen. Veraltete Führungsverständnisse und keine gleichberechtigten Führungsstrukturen schrecken hingegen viele potenzielle Kandidaten und Kandidatinnen ab. Durch den Fachkräftemangel sollte den Unternehmen bewusst werden, dass sie dadurch den Konkurrenzkampf um die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verlieren und nicht ganz oben auf der Arbeitgeber-Wunschliste stehen. 

Fazit

Gleiche Karrierechancen und gleichberechtigte Führungsstrukturen sollten keine Ausnahme mehr sein. Leider ist besonders in deutschen Familienunternehmen dieser Trend noch nicht angekommen. Die 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen im Familienbesitz haben nur 8,3 Prozent Frauenanteil in der Geschäftsführung. Viele Unternehmen haben trotz großer Führungsteams keine einzige Frau im Management beschäftigt. Durch den öffentlichen und gesetzlichen Druck von außen und die Sensibilisierung der Investor:innen, Mitarbeiter:innen, Kund:innen und Bewerber:innen ist es auch für Familienunternehmen sehr wichtig, für Gleichberechtigung zu sorgen. Sonst verlieren sie am Ende den Konkurrenzkampf um die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

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