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Fünfsatztechnik:

So verliert ihr nicht mehr den argumentativen Faden

Foto: josh sorenson / Pexels
Foto: josh sorenson / Pexels

Lange Rede, kurzer Sinn? Ihr kennt dieses Sprichwort und habt bestimmt selbst bereits erlebt, wie ihr beim Gesprächspartner euer Anliegen nicht erfolgreich vermitteln konntet. Gerade berufliche Meetings stellen viele vor eine enorme Herausforderung: Es gilt, in kurzer Zeit das eigene Anliegen auf den Punkt zu bringen und andere für sich zu gewinnen. Dass das mit langen, endlos wirkenden Ausführungen nicht funktioniert, dürfte aus Lebenserfahrung allen klar sein. Niemand muss ein großer Redner sein, um andere zu überzeugen. Ohne roten Faden und argumentative Logik dürfte es aber schwer werden, den eigenen Standpunkt klar zum Ausdruck zu bringen.

Lasst euch hier mit der Fünfsatztechnik auf ein spannendes Experiment ein...

Stellt euch vor, ihr hättet nur fünf kurze Sätze zur Verfügung, um im Gespräch zu überzeugen. Was nach einer unlösbaren Herausforderung klingt, lässt sich mit der Fünfsatztechnik in eine logische Form bringen. Hier könnt ihr euch mit einer rhetorischen Technik befassen, die euch in der Schule, im Studium und im Berufsleben erfolgreicher kommunizieren lassen kann. Manchmal wisst ihr, was ihr sagen wollt. Nur in welcher Form das geschehen soll, ist oftmals nicht klar. Ohne überzeugende argumentative Anordnung ist es schwer, auch noch so gute Argumente auf den Punkt zu bringen.

Der vielbesagte rote Faden geht mit der Fünfsatztechnik nicht mehr verloren

Ja, die Rede ist von Rhetorik, der Kunst der Rede. Euch Digital Natives wird dieses Thema an sich nicht sonderlich interessieren, da der Begriff etwas verstaubt wirkt. Aber es lohnt sich, die Fünfsatztechnik zu nutzen. Mit ein wenig Übung werdet ihr argumentativ in bislang nicht gekannter Weise brillieren können. Ihr kennt sie bestimmt auch: Die Angst vor dem, was beim Sprechen alles schief gehen könnte. Plötzlich verliert ihr den roten Faden und wisst nicht mehr, was ihr in welcher Form sagen wolltet. Und ehe ihr euch verseht, haben die Zuhörenden längst abgeschaltet.

 

Faden verloren? So verkauft ihr Botschaften überzeugender! Foto: nikita kachanovsky / unsplash

Faden verloren? So verkauft ihr Botschaften überzeugender! Foto: nikita kachanovsky / unsplash

Worum geht es bei der Fünfsatztechnik?

All das Geschilderte lässt sich mit der Fünfsatztechnik gezielt vermeiden. Diese Technik beinhaltet einen gedanklichen Bauplan, um das eigene Vorgehen strukturiert und möglichst überzeugend vortragen zu können. Diese rhetorische Technik ist hilfreich, um kurz und pointiert mit einem klaren Ziel zu kommunizieren. Richtig angewendet, entsteht ein klarer Strukturplan für eine wirkungsvolle Argumentation. Da die Aufnahmebereitschaft von Zuhörern begrenzt ist, setzt diese Technik mit 5 Sätzen bewusst auf Kürze. Das sollte euch klar sein!

Grundgesetz der Kommunikation: Der erste Eindruck zählt!

Gerade in der Kommunikation ist es wichtig, sein Anliegen sofort mit Nachdruck zu präsentieren. Ihr kennt das vielleicht von Gesprächen mit eurem Chef. Wenn ihr mit einem Thema nicht zu ihm durchgedrungen seid, wird es beim zweiten Mal fast unmöglich, erfolgreich zu sein. Daher sollte der erste Anlauf so strukturiert sein, dass nichts dem Zufall überlassen bleibt. Ein anderes gutes Praxisbeispiel sind Reden: Gelingt es dem Redner nicht, das Publikum von Anfang an für sich zu gewinnen, wird es im weiteren Verlauf zunehmend schwer, Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese ist bei geschäftlichen Gesprächen unabdingbar, um seine eigenen Ziele zu forcieren.

In der Kürze liegt die argumentative Würze!

Das ist die Grundformel für die Fünfsatztechnik. Die Verknappung auf wenige Sätze zwingt euch dazu, euch auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles unwichtige konsequent außen vor zu lassen. Wer sich zu viel mit Nebenaspekten beschäftigt, verwässert die eigentliche Kernbotschaft. Wenn ihr gute Argumente hervorbringt und auf die Position des Gesprächspartners eingeht, sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation gegeben. Seit Jahrtausenden ist die Rhetorik, die Kunst (!) der Rede, der Beweis dafür, dass Struktur und Logik Argumente kraftvoller erscheinen lassen. Der klare Fokus macht es Zuhörern viel einfacher, Argumenten zu folgen und am Ende zu einer Entscheidung zu kommen.

So klappt das Argumentieren: Anleitung für die Fünfsatztechnik

Grundsätzlich solltet ihr die Fünfsatztechnik umgekehrt angehen. Denkt vom Ende her. Beginnt mit dem, was ihr zum Ausdruck bringen wollt. Das findet sich bei dieser Methode mit dem so genannten Zwecksatz ganz am Ende. Was wollt ihr erreichen? Wozu soll der Gesprächspartner sein Einverständnis geben? Erst wenn klar ist, was am Ende fokussiert werden soll, können ein passender Einstieg und gute Argumente gefunden werden. Wer nicht sofort vom Ziel her denkt, riskiert, von diesem abzuweichen.

Generell besteht die Fünfsatztechnik aus diesen drei Elementen:

1. Situativer Einstieg (kommunikativer Türöffner)

2. Drei Argumente mit aufsteigender Wertigkeit

3. Schluss (Zwecksatz mit aufforderndem Charakter)

So meistert ihr den situativen Einstieg (Was ist?)

Der erste Eindruck bzw. der erste Satz entscheidet darüber, wie euer Gesprächspartner reagiert. Überlegt euch, wie das Thema wirkungsvoll angesprochen werden kann. Idealerweise ist der Einstieg so gut, dass er Neugierde entfacht. Damit das gelingt, sollte das Thema im Kontext eine Bedeutung haben.

Nur Argumente überzeugen (Wie müsste/könnte es sein?)

Die nächsten drei Sätze bestehen aus Argumenten, die euer Anliegen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Auch Pro und Contra sind möglich. Rhetorikexperten empfehlen, das stärkste Argument im Sinne einer Spannungskurve ganz am Ende zu platzieren. Grund hierfür ist das menschliche Kurzzeitgedächtnis. Was zuletzt gesagt wurde, bleibt uns am längsten im Gedächtnis.

Der Abschluss: DAS möchte ich erreichen!

Die Aufmerksamkeit ist geweckt, die Argumente liegen auf dem Tisch. Nun müsst ihr mit dem letzten, prägnanten Satz unmissverständlich klar machen, welche Konsequenz ihr daraus ableitet bzw. was ihr machen wollt. Es ist DIE Kernbotschaft, die bewusst ganz am Ende platziert wird. Für eine größere sprachliche Wirkung hat es sich als funktional erwiesen, eine Aufforderung zu formulieren. Das kann z. B. ein Imperativ sein (Lassen Sie uns das jetzt anpacken!).

Tipps: So verwendet ihr die Fünfsatztechnik mit größter Effizienz

Auch wenn fünf Sätze als Rahmen knapp bemessen sind, so sollten diese recht kurz sein. Satz ist in diesem Kontext eher als Sinneinheit zu verstehen. Auch gegen zwei kurze, aneinandergereihte Hauptsätze ist nichts einzuwenden. Generell solltet ihr eine einfache Sprache wählen, die jeder versteht und die keine Nachfragen erfordert. Nur so stellt ihr sicher, dass die knackige kommunikative Struktur auch zu einer finalen Entscheidung führen kann. Um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, bringen Rhetorikexperten die stärksten Argumente immer am Ende. Bei fünf Sätzen macht es keinen Sinn, sofort beim ersten Satz das gesamte inhaltliche Pulver zu verschießen. Was soll dann noch folgen? Warum sollte der Gesprächspartner dann überhaupt noch zuhören?

 

Fünfsatztechnik: So verliert ihr nicht mehr den argumentativen Faden / Foto: judit peter / Pexels

Fünfsatztechnik: So verliert ihr nicht mehr den argumentativen Faden / Foto: judit peter / Pexels

Kleines Beispiel für die Fünfsatztechnik gefällig?

Stellt euch vor, ihr müsst euch auf der Arbeit mit einem alten Laptop rumschlagen. Das Thema wollt ihr kurz (!) mit eurem Chef besprechen. Der wird sicher nicht erfreut sein, wenn ihr einen neuen Laptop wollt. Die Fünfsatztechnik bietet eine argumentative Lösung, um eurem Ziel näher zu kommen.

Situativer Einstieg:

"Gerne würde ich morgens direkt mit der Arbeit starten, aber die veraltete Technik lässt das leider nicht zu".

Argumentativer Teil:

1. "Es ist doch eine pure Verschwendung von Arbeitszeit, wenn ich die ersten 15 Minuten warten muss, bis alles hochgefahren ist".

2. "Über den ganzen Tag verteilt verliere ich weitere wertvolle Zeit, da die Programme immer wieder haken oder der Rechner abstürzt".

3. "Mittlerweile kriegen das leider auch meine Kunden zu spüren, da ich bei Telefonaten nicht immer sofort auf alle notwendigen Daten zugreifen kann".

Abschluss/Zwecksatz:

"Ich möchte endlich uneingeschränkt für meine Kunden sofort einsatzbereit sein - dafür brauche ich einen neuen Laptop!"
 

Fazit: Was bringt die Fünfsatztechnik?

Falls ihr euch nun diese Frage stellt, so ist die Antwort ganz einfach: Probiert es aus und macht eure eigenen Erfahrungen. Übung macht den Meister, das gilt in der Rhetorik ebenso wie für viele andere Themen im Leben. Zu Beginn könnt ihr euch gezielt auf Gespräche wie das obige Beispiel mit dem Chef vorbereiten. Irgendwann werdet ihr die Struktur so verinnerlicht haben, dass ihr die Fünfsatztechnik frei anwenden könnt. Ihr werdet damit neue rhetorische Stärken und Souveränität hinzugewinnen, was euch im Berufs-, aber auch im Privatleben voranbringen kann!

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