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Gefeuert – was nun?

Diese To-Do‘s stehen jetzt an

Foto: anna shvets / Pexels
Foto: anna shvets / pexels

Wenn du eine Kündigung erhältst, fühlt sich das nicht gut an. Das gilt vor allem dann, wenn du mit der Kündigung überhaupt nicht gerechnet hast. Auch wenn du vorhast, deinen Arbeitsvertrag zu kündigen, weil Job oder Arbeitgeber nicht zu dir passen, gilt es, die Zeit bis zur tatsächlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses sinnvoll zu nutzen. Gefühle wie Wut, Enttäuschung, Verzweiflung, Angst und Trauer können sich nach einer Kündigung durch den Arbeitgeber bemerkbar machen. In solch einer emotionalen Situation ist es gut, einen Plan in der Tasche zu haben und strukturiert vorzugehen. Wir geben Tipps, wie du die Kündigungsfrist sinnvoll nutzen kannst.

Kündigungsfrist – so nutzt du die Fristen sinnvoll / Foto: ron lach / Pexels

Kündigungsfrist – so nutzt du die Fristen sinnvoll / Foto: ron lach / Pexels

Kündigungsfrist richtig nutzen mit diesen To-dos

Bevor du dich mit den ganzen To-dos nach einer Kündigung beschäftigst, solltest du prüfen, ob die Kündigung korrekt ist. Es reicht beispielsweise nicht, eine Kündigung mündlich auszusprechen. Sie muss dir schriftlich vorliegen. Auch auf formale Fehler solltest du das Kündigungsschreiben überprüfen. Die Kündigung ist rechtswirksam? Dann gilt es, die Kündigungsfrist richtig zu nutzen. Wenn du nach der Kündigung noch arbeiten musst, ist es zudem wichtig, sich besonnen und professionell zu verhalten. Folgende To-dos solltest du während der Kündigungsfrist abarbeiten:

  • Im ersten Schritt verlangst du ein Zwischenzeugnis. Das Zwischenzeugnis kannst du gleich für deine Bewerbungen während der Frist einsetzen. Das Zwischenzeugnis ist ein guter Hinweis darauf, wie dein Arbeitszeugnis ausfallen könnte. Du hast etwas am Inhalt zu beanstanden? Dann kläre das umgehend, das spart später Zeit.
  • Melde dich arbeitslos und beantrage Arbeitslosengeld. Wenn dir dein Boss gekündigt hat, dann kannst du Arbeitslosengeld bekommen. Hast du deinen Job selbst gekündigt, verhängt die Bundesagentur für Arbeit häufig erst einmal eine Sperre. Damit du Arbeitslosengeld bekommst und alles möglichst reibungslos funktioniert, solltest du auf jeden Fall die Frist beachten. Du solltest dich spätestens drei Tage nach der Kündigung arbeitssuchend melden. Meldest du dich zu spät, kann es eine Sperrzeit geben, wenn dein Boss dir gekündigt hat.
  • Kläre ab, ob du noch Urlaubstage übrig hast. Du hast trotz Kündigung nach wie vor Anspruch auf deinen Urlaub. Du kannst deinen Urlaub so legen, dass dein letzter Arbeitstag im Unternehmen sogar vor Ende der Frist stattfindet. Du solltest deinen Urlaubswunsch trotz Kündigung sachlich mit deinem Boss besprechen. Ist ein Urlaub – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich, kann eine Alternative gefunden werden. Eventuell lässt sich der Resturlaub auf den neuen Arbeitgeber übertragen oder dein alter Chef zahlt dir den Urlaub aus.
  • Du hast einen Aufhebungsvertrag erhalten? Wenn dir dein Chef eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag vorlegt, solltest du erst einmal gar nichts unterschreiben. Du darfst dir Bedenkzeit nehmen und das auch so kommunizieren. Du musst nicht unterschreiben, nicht einmal den Erhalt der Kündigung bestätigen. In manchen Fällen bieten Vorgesetzte Mitarbeitern, die sie loswerden möchten, einen Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag an. Hier gilt es zu beachten, dass du dann zwölf Wochen lang kein Geld von der Bundesagentur für Arbeit bekommst. Aus juristischer Sicht hast du mit deiner Unterschrift auf dem Aufhebungsvertrag oder Abwicklungsvertrag deine Kündigung selbst verursacht und bekommst eine Sperre. Falls du selbst einen solchen Aufhebungsvertrag wünschst, achte darauf, dass bei der Höhe der Abfindung die Sperrfrist von zwölf Wochen berücksichtigt wird. Du kannst mit einer Kündigungsschutzklage drohen, wenn dein Arbeitgeber gar nicht auf deine Forderungen eingeht.
  • Besonderer Kündigungsschutz bei Schwangerschaft oder Behinderung. Schwangere und Schwerbehinderte genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Dies gilt allerdings nur, wenn der Arbeitgeber davon auch Kenntnis hat. Wenn dein Arbeitgeber dir kündigt und du schwanger bist, dann hast du zwei Wochen Zeit, ihn von deiner Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen. Wenn dir während der Schwangerschaft gekündigt wurde, dann ist die Kündigung unwirksam. Der Kündigungsschutz von jungen Müttern gilt für bis vier Monate nach der Geburt. In seltenen Fällen können Arbeitgeber mit Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörde Schwangeren dennoch kündigen. Schwerbehinderte genießen ebenfalls einen besonderen Kündigungsschutz. Hier muss ein Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderung gestellt werden. Ist die Schwerbehinderung dem Arbeitgeber nicht bekannt, muss ihm diese spätestens drei Wochen nach Erhalt der Kündigung mitgeteilt werden. Diese Mitteilung ist Pflicht. Es muss zudem eine Kündigungsschutzklage veranlasst werden, um festzustellen, dass die Kündigung unwirksam ist.
  • Nimm es nicht persönlich. Eine Kündigung durch den Arbeitgeber kann einem auf den Magen schlagen. Das Selbstwertgefühl leidet und schnell wird dieses Thema tabuisiert. Dabei ist es für den anstehenden Bewerbungsprozess besonders wichtig, dass du dein Selbstwertgefühl stärkst. Beschäftige dich mit deinen Stärken und arbeite an deiner Hin-zu-Motivation.
  • Bringe deine Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand. Aktualisiere deine Job-Profile im Internet und bereite dich auf einen Neustart vor.

 

Kündigungsfrist richtig nutzen mit diesen To-dos / Foto: adam wilson / unsplash

Kündigungsfrist richtig nutzen mit diesen To-dos / Foto: adam wilson / unsplash

Kündigungsschutzklage – diese Fristen solltest du beachten

Sobald du die Kündigung erhalten hast, beginnen Fristen abzulaufen. Für das Einreichen einer Kündigungsschutzklage hast du drei Wochen Zeit. Diese Frist startet mit dem Zeitpunkt, ab dem sich die Kündigung in deinem Machtbereich befindet. Bist du krank oder im Urlaub und die Kündigung landet in deinem Briefkasten, so gilt diese als zugestellt und die Frist von drei Wochen startet. Wenn du Kündigungsschutzklage einreichen möchtest, lässt du dich am besten von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten. Achtung: Wird die Frist von drei Wochen versäumt, dann gilt die Kündigung als wirksam.

Fazit

Eine Kündigung mag erst einmal ein Schock sein, aber trotzdem darfst du den Kopf nicht in den Sand stecken. Die Kündigungsfrist richtig zu nutzen bedeutet, Fristen beim Arbeitsamt und in Bezug auf die Kündigungsschutzklage einzuhalten. Erstelle dir eine To-do-Liste mit den Punkten, die du abarbeiten musst. Strukturiertes Vorgehen hilft dir, trotz der emotionalen Belastung auf Kurs zu bleiben. Auch wenn du selbst beschlossen hast, den Arbeitsvertrag zu kündigen, musst du wissen, welche Schritte als Nächstes zu tun sind. 

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