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Gender Pay Gap

Ungleicher Lohn bei gleicher Arbeit

Foto: tima miroshnichenko / Pexels
Foto: tima miroshnichenko / Pexels

Sind Frauen und Männer tatsächlich gleichberechtigt? Wenn man einen Blick auf den Gender Pay Gap wirft, muss man diese Frage leider verneinen. Beim Gender Pay Gap handelt es sich um eine Lohnlücke zwischen dem Gehalt von Männern und dem Gehalt von Frauen. Die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau liegen durchschnittlich bei 20 Prozent. Auch wenn Ausbildung, Tätigkeit und Qualifikation vergleichbar sind, ergibt sich häufig ein Gehaltsunterschied von 6 Prozent. Bis 2030 sollen die nachhaltigen Entwicklungsziele, zu denen sich auch Deutschland als Mitglied der UN verpflichtet hat, erreicht werden. Zu diesen Zielen gehört auch, dass die gleiche Arbeit unabhängig vom Geschlecht gleich entlohnt werden muss. Bislang wurde dieses Ziel allerdings noch nicht erreicht. Wir wollen uns den Gender Pay Gap und dessen Bedeutung etwas näher anschauen und die Gründe für die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau beleuchten.

Gender Pay Gap – was ist das genau?

Als Gender Pay Gap werden die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau bezeichnet. Statistische Berechnungen liefern Hinweise darauf, dass Frauen für ihre Arbeit eine schlechtere Bezahlung erhalten. In Deutschland kennt man den unbereinigten Gender Pay Gap und den bereinigten Gender Pay Gap. Die unbereinigte Lohnlücke beschreibt den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und Männern. Im Jahr 2019 lag dieser Unterschied bei 20 Prozent. Hier hat der Gender Pay Gap die Bedeutung, dass Frauen 2019 im Schnitt also 20 Prozent weniger verdient haben als Männer. Bei der bereinigten Variante wird der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen beschrieben, die in vergleichbaren Berufen tätig sind. Das heißt, es werden die Gehälter von Männern und Frauen mit ähnlicher Tätigkeit, ähnlicher Qualifikation und ähnlicher Erwerbsbiografie verglichen. Hier zeigte sich laut der Berechnung des Statistischen Bundesamtes, dass Frauen im Durchschnitt für die gleiche Arbeit 6 Prozent weniger Gehalt bekommen als Männer. Bei der Berechnung des Gehaltsunterschieds zwischen Männern und Frauen werden keine Sonderzahlungen berücksichtigt. Ebenfalls nicht berücksichtigt werden Beschäftigte in der Fischerei, in Betrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern, in der öffentlichen Verwaltung sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen ist ein Hinweis auf die mangelnde Gleichbehandlung der Geschlechter. Allerdings gibt es verschiedene Ursachen für die Lohnlücke. So weisen Männer und Frauen beispielsweise häufig unterschiedliche Erwerbsbiografien auf und sie unterscheiden sich häufig bei der Wahl des Berufsfeldes. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Karriereverläufe und es kommt unter anderem zu Unterschieden beim Gehalt.

Gender Pay Gap - Ursachen für die Verdienstunterschiede / Foto: keira burton / Pexels

Gender Pay Gap - Ursachen für die Verdienstunterschiede / Foto: keira burton / Pexels

Welche Gründe gibt es für die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen?

Für die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es verschiedene Gründe. So sind Frauen und Männer beispielsweise in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig. Auch Dienstalter und Beschäftigungsumfang spielen eine Rolle. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, bei den Männern hingegen arbeiten nur sehr wenige in Teilzeit. Zudem besetzen Frauen seltener Führungspositionen. Diese Art von Gender Pay Gap wird als unbereinigte Lohnlücke bezeichnet. Allerdings kann der Zusatz "unbereinigt" in die Irre führen, denn auch das bereinigte geschlechtsspezifische Lohngefälle enthält noch einige bedeutsame, jedoch nicht erfasste Faktoren. Oftmals wird daher vorgeschlagen, die bereinigte Lohnlücke als angepasste Lohnlücke zu bezeichnen. Der angepasste Gender Pay Gap kann als der Anteil der Verdienstlücke gesehen werden, der durch die im jeweiligen Modell berücksichtigten Faktoren nicht erklärt werden kann.

Die aktuellsten Zahlen des statistischen Bundesamts zu diesem Thema zeigen eine Verdienstlücke von 6 Prozent für das Jahr 2014. Berücksichtigt wurden hierbei Faktoren wie Branche, Beruf, Berufserfahrung, Bildung, Führungspositionen und sonstige Faktoren. Das Ergebnis von 6 Prozent kann aber auch über- oder unterschätzt sein. Eine Überschätzung kann sich ergeben, weil es auch unbeobachtete, individuelle Einflussfaktoren gibt. So können sich beispielsweise an den Job geknüpfte Erwartungen unterscheiden. Solche Einflussfaktoren werden in den Schätzmodellen in der Regel nicht berücksichtigt, da die Informationen nicht verfügbar sind. Eine Unterschätzung kann sich beispielsweise dadurch ergeben, dass nicht berücksichtigt wird, inwiefern Frauen aufgrund struktureller Benachteiligungen schlechtere Zugangschancen zu Führungspositionen haben können. Dieser Effekt macht sich in der Gesamtgröße des Gender Pay Gaps bemerkbar.

Es gibt einige Faktoren, die sich nur schwer mithilfe von Zahlen erfassen lassen. Diese haben unter anderem mit Geschlechterklischees, gesellschaftlichen Strukturen und Zuschreibungen zu tun. Das Betreuungsangebot für Kinder ist beispielsweise oftmals unzureichend. Dies gilt ganz besonders für das Angebot einer Ganztagsbetreuung. Gleichzeitig gibt es die gesellschaftliche Erwartung, dass sich Mütter mehr in die Kindererziehung einbringen als Väter. Dies hat zur Folge, dass Frauen häufiger nur in Teilzeit arbeiten. Das wiederum führt zu geringeren Aufstiegs- und Karrierechancen. Auch dieser Effekt geht nur in die Gesamtgröße der Verdienstlücke zwischen Mann und Frau ein. In den neuen Bundesländern fallen die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau deutlich geringer aus. Hier gibt es seltener die klassische Rollenverteilung und das Angebot an ganztäglicher Betreuung ist besser ausgebaut.

Gender Pay Gap – was ist das genau? Foto: rodnae productions / Pexels

Gender Pay Gap – was ist das genau? Foto: rodnae productions / Pexels

Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau – wo ist das Problem?

Dass es in Deutschland nach wie vor Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau gibt, zeigt uns, dass Männer und Frauen noch immer nicht die gleichen Chancen haben. Es gibt also auch hier Nachholbedarf bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter. Es halten sich beispielsweise gewisse Stereotype über vermeintliche Frauen- oder Männerberufe recht hartnäckig. Durch längst überholte Sichtweisen wie "Frauen sind Verkäuferinnen" und "Männer sind Führungskräfte" werden Rollenklischees weiter zementiert. Häufig sind Frauen in Dienstleistungs-, Service- und Pflegeberufen tätig. Diese Berufe werden unbedingt gebraucht, werden jedoch nicht angemessen wertgeschätzt und bezahlt. Die geringere Entlohnung in diesen Berufen trägt zum Gender Pay Gap bei. Soziale Berufe, Berufe in der Alten- und Krankenpflege sowie im Einzelhandel müssen daher nicht nur gesellschaftlich besser angesehen werden, eine bessere Bezahlung ist unbedingt notwendig, um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen.

Zudem sind gesellschaftliche Normen ursächlich an der Entstehung des Gender Pay Gap beteiligt. Frauen wird meist die Aufgabe der Kinderbetreuung zugewiesen. Sie sind häufig  für die Familie verantwortlich und leisten einen Großteil der Care-Arbeit. Männer sollen laut gesellschaftlichen Normen dagegen eher die finanzielle Versorgung der Familie übernehmen. Heute sind zwar viele Frauen berufstätig, allerdings fällt ihnen die Last der Kinderbetreuung zusätzlich zu. Frauen arbeiten daher häufiger in Teilzeit oder in Minijobs. Hinzukommt, dass Frauen häufiger ihre Berufstätigkeit unterbrechen, um die Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger übernehmen zu können. Fast die Hälfte aller berufstätigen Frauen arbeitet nicht Vollzeit. Bei Männern sind es knapp unter zehn Prozent.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die strukturelle Benachteiligung von Frauen. In Unternehmen werden Frauen häufig benachteiligt und sie können nicht so leicht aufsteigen wie Männer. In den besser bezahlten Positionen und Chefetagen sind immer noch vorwiegend Männer zu finden. Frauen kommen dagegen nur selten über das mittlere Management hinaus. Grund für dieses Vorgehen sind häufig Vorbehalte gegenüber weiblichen Mitarbeitern. Bei gleicher Qualifikation werden meist Männer bevorzugt.

Der Gender Pay Gap und seine Bedeutung

Der Gender Pay Gap hat Folgen für das Einkommen von Frauen und beeinflusst auch unsere Gesellschaft. Er zeigt uns, dass Frauen durchschnittlich ein geringeres Einkommen haben als Männer. Dadurch steht ihnen und ihren Familien weniger Geld zur Verfügung. So kann der Gender Pay Gap zur Folge haben, dass Frauen wesentlich häufiger auf die finanzielle Unterstützung durch andere beziehungsweise auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau können sogar dazu führen, dass Frauen der Anreiz fehlt, in bestimmten Berufen zu arbeiten oder mehr zu arbeiten. Das wiederum bedeutet aber auch, dass hier Arbeitspotenzial verloren geht und potentielles Wachstum nicht ausgeschöpft werden kann. Langfristig hat der Gender Pay Gap auch eine Bedeutung, wenn es um die Rente geht. Hier spricht man dann vom Gender Pension Gap. Denn die Höhe der Rente hängt vom ehemaligen Verdienst ab. Der Gender Pension Gap liegt in Deutschland bei über 45 Prozent und damit bilden wir im Vergleich mit anderen EU-Ländern das Schlusslicht. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen aber deutlich gestiegen und man weiß um die wichtige Bedeutung einer gleichen Bezahlung beider Geschlechter. In vielen Ländern engagieren sich Menschen auf dem Equal Pay Day für eine faire Bezahlung. Auch für die EU-Kommission ist die faire Bezahlung unabhängig vom Geschlecht ein zentrales Ziel.

Fazit

Der Gender Pay Gap zeigt uns als Gesellschaft, dass wir noch nicht ganz bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen angekommen sind und es hier auf jeden Fall Nachholbedarf gibt. Wer sich der Bedeutung der Gender Pay Gap bewusst ist und sich für eine faire Bezahlung einsetzen möchte, kann sich beim Equal Pay Day engagieren.

 

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