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Gewaltfreie Kommunikation

So haltet ihr den Ball in Konflikten flach

Foto: priscilla du preez / unsplash
Foto: Priscilla du Preez / Unsplash

Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg eignet sich nicht nur zur Verbesserung der Kommunikation in Partnerschaft und Familie, sondern auch zur Lösung von Konflikten in der Politik oder im Job. Die gewaltfreie Kommunikation hat sich vielfach bewährt und wird noch heute häufig angewandt. Durch eine gewaltfreie Art zu kommunizieren lassen sich Konflikte im Vorfeld vermeiden und bereits bestehende Konflikte können entschärft werden. Wir verraten euch, worauf es bei der gewaltfreien Kommunikation ankommt.

Gewaltfreie Kommunikation – So haltet ihr den Ball in Konflikten flach / Foto: alexis fauvet / unsplash

Gewaltfreie Kommunikation – So haltet ihr den Ball in Konflikten flach / Foto: alexis fauvet / unsplash

Gewaltfreie Kommunikation – welche Ziele werden dabei verfolgt?

Bei der gewaltfreien Kommunikation geht es darum, das zwischenmenschliche Miteinander angenehmer zu gestalten. Laut Marshall B. Rosenberg kann Kommunikation auf Dauer nur gelingen, wenn sich beide Gesprächspartner auf Augenhöhe begegnen, partnerschaftlich kommunizieren, sich Wertschätzung entgegenbringen und in der Lage sind, sich in das Gegenüber einzufühlen. Durch diese Art zu kommunizieren soll ein friedlicher Austausch möglich werden. Die Gesprächspartner gelten als gleichwertig und die Bedürfnisse beider Seiten werden berücksichtigt. Das Ziel der gewaltfreien Kommunikation ist auch, dass alte Muster reduziert oder aufgelöst werden. Das heißt, wir können lernen Situationen, in denen wir normalerweise auf Angriff, Rückzug oder Verteidigung umschalten, anders zu begegnen. Das Einfühlungsvermögen wird gestärkt und wir lernen, Konflikte fair, konstruktiv und langfristig zu lösen. Ein Streit sollte fair und faktenbasiert geführt werden. Ist das Problem gelöst, kommt man idealerweise zu einer Win-Win-Situation.

Gewaltfreie Kommunikation im Job - was bringt das?

Auf den ersten Blick mag die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg etwas kompliziert erscheinen. Allerdings lohnt es sich, diese Art der Kommunikation zu trainieren und in den Alltag einzubauen. Nicht nur die Beziehungen zu Partner, Kinder, Freunden und Familie profitieren von einer gewaltfreien Kommunikation, auch im Job spielt die gewaltfreie Kommunikation eine wichtige Rolle. Zum einen hilft eine positive, angenehme und einfühlsame Gesprächsführung, wenn es darum geht Kunden und Geschäftspartner zu gewinnen. Zum anderen lässt sich das Betriebsklima in einem Unternehmen durch eine gute Kommunikation verbessern. Sind die Mitarbeiter zufrieden, motiviert und fühlen sie sich geschätzt, dann ist das eine gute Basis für den Unternehmenserfolg. So verwundert es auch kaum, dass Unternehmen häufig Workshops, Seminare sowie Weiter- und Fortbildungen zum Thema gewaltfreie Kommunikation anbieten.

Für Unternehmen bietet sich ein Kurs zu gewaltfreier Kommunikation beispielsweise an, wenn der richtige Umgang mit Beschwerden oder der Neukundengewinnung trainiert werden soll. Geeignet sind solche Kurse auch bei Konflikten im Unternehmen. Sie eignen sich für Menschen aller Altersstufen und spezielle Vorkenntnisse sind in der Regel nicht notwendig. Es gibt natürlich auch Bücher und Youtube-Videos, die eine Inspiration für mehr gewaltfreie Kommunikation im Job sein können. Grundsätzlich dient die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg mit dem Vier-Schritte-Modell einer ehrlicheren, authentischeren und mit mehr Wertschätzung für sich und andere verbundenen Kommunikation. Die Vorteile dieser Art zu kommunizieren sind:

  • Einfühlungsvermögen wird geschult
  • Mehr Klarheit in Beziehungen
  • Kooperationsbereitschaft wird gefördert
  • Win-Win-Lösungen werden ermöglicht
  • Es wird leichter, einander zu verstehen und zu akzeptieren
  • Emotionale Kompetenz wird gestärkt
  • Man kommuniziert auf Augenhöhe miteinander
  • Konstruktive Konfliktlösungen
  • Innere Klarheit erlangen auch in schwierigen Situationen

Der zentrale Punkt der gewaltfreien Kommunikation ist ein Vier-Schritte-Modell, das dabei hilft, sich ehrlich und wertschätzend auszudrücken und das gegenseitige Verstehen fördert.

Gewaltfreie Kommunikation – so geht ihr vor / Foto: tim douglas / Pexels

Gewaltfreie Kommunikation – so geht ihr vor / Foto: tim douglas / Pexels

Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf einem Vier-Schritte-Modell

Wer die gewaltfreie Kommunikation anwenden will, muss bereit sein, sich mit anderen und sich selbst zu verbinden. Sich mit sich selbst zu verbinden bedeutet, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und ausdrücken zu können. Sich mit anderen verbinden zu können bedeutet, zu erkennen und zu verstehen, welche Bedürfnisse das Gegenüber, mit dem was er tut und sagt, ausdrückt. Sich mit sich selbst und anderen zu verbinden, kann man trainieren. Folgende vier Schritte helfen dabei:

1. Beobachten – ihr beschreibt eine konkrete Handlung, die ihr beobachtet habt, und die dazu geführt hat, dass ihr euch unwohl fühlt
2. Gefühle benennen – ihr nehmt eure Gefühle wahr, die durch die Situation ausgelöst wurden und benennt diese
3. Ihr erkennt das zugrundeliegende Bedürfnis – ihr formuliert, welche Bedürfnisse sich hinter den Gefühlen verbergen
4. Ihr bittet um die Erfüllung eurer Bedürfnisse – ihr formuliert euren Wunsch als Bitte, das Gegenüber hat die Möglichkeit, diese Bitte zu erfüllen oder nicht zu erfüllen

Beobachten

Im ersten Schritt der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg beobachtet ihr euch selbst und die Situation. Was ist geschehen? Was habt ihr gehört und gesehen? Was fühlt ihr? Ihr nehmt einfach wahr, was ist. Wichtig hierbei ist, dass ihr nur beobachtet und nicht urteilt. Wenn ihr das Wahrgenommene gleich bewertet, kann es zu einem Gefühlschaos kommen und ihr erkennt die darunterliegenden Gefühle nicht mehr. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, sich die Situation so vorzustellen, als würde man sie durch eine Kameralinse beobachten.

Gefühle benennen

Habt ihr die Situation beobachtet, dann geht es zum nächsten Schritt. Welche Gefühle kommen in euch hoch? Was löst die Situation in euch aus? In der gewaltfreien Kommunikation spielen Gefühle eine wichtige Rolle, denn sie können ein Hinweis darauf sein, was wir brauchen. Sie dienen der Orientierung. Wenn ihr eure Gefühle erkennen und benennen könnt, kommt ihr den zugrundeliegenden Bedürfnissen auf die Spur. Grundsätzlich lässt sich sagen: Werden Bedürfnisse erfüllt, kommen angenehme Gefühle hoch. Werden Bedürfnisse nicht erfüllt, fühlen wir unangenehme Gefühle. Zu den Grundemotionen werden Trauer, Angst, Wut, Überraschung, Ekel, Verachtung und Freude gezählt. Als positiv gilt nur die Freude. Die negativen Emotionen überwiegen also, weshalb diesen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Gefühle haben ihren Ursprung in unseren Bedürfnissen. Nicht andere machen diese Gefühle in uns, sie werden vielleicht durch andere ausgelöst, aber ihren Ursprung haben sie in uns selbst. Die Verantwortung liegt daher bei jedem selbst. Am besten gebt ihr in Ich-Botschaften weiter wie ihr euch fühlt und versucht, Vorwürfe zu vermeiden. Beispielsweise so: Statt "Ich fühle mich übergangen" sagt ihr "Ich wünsche mir, mehr in die Planung in diesem Bereich einbezogen zu werden". So greift ihr niemanden an, steht aber gleichzeitig für eure Gefühle ein.

Bedürfnisse erkennen

Im dritten Schritt fragt ihr euch, was brauche ich eigentlich? Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Sie gehören zum Menschsein und zum Leben dazu. Sie sind unser Antrieb. Alles was wir tun, dient letztendlich der Erfüllung unserer Bedürfnisse. Wenn man Hunger hat, isst man. Wer müde ist, geht schlafen. Neben Essen, Trinken und Sexualität geht man von folgenden Grundbedürfnissen aus:

  • Liebe (oder auch Wertschätzung, Kontakt, Vertrauen, Nähe, Zuwendung)
  • Aufrichtigkeit (Authentizität, Offenheit)
  • Kreativität (Ruhe, Spiel, Muße)
  • Verständnis (Rücksichtnahme, Empathie)
  • Freiheit (Mitbestimmung, Selbstbestimmung)
  • Selbsterhaltung (Verlässlichkeit, Sicherheit, Schutz)
  • Sinnhaftigkeit (Selbstverwirklichung, Identität
  • Feiern (Trauern, Anteilnahme)
  • Zugehörigkeit (Miteinander, Beteiligung)

Bittet um die Erfüllung eurer Bedürfnisse

Im letzten Schritt der gewaltfreien Kommunikation geht es darum, um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zu bitten. Ihr möchtet, dass euer Gegenüber euer Bedürfnis erfüllt. Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg sieht vor, dass ihr eure Bitten ganz konkret und in positiver Weise formuliert. Ihr könnt eure Bitten an euch selbst richten oder an euer Gegenüber.

Gewaltfreie Kommunikation – so geht ihr vor

Ihr könnt euch bei der gewaltfreien Kommunikation an folgenden Sätzen orientieren:

  • Wenn ich beobachte/höre/sehe/denke ich, dass…
  • Dann fühle ich mich…
  • Weil ich ... brauche
  • Bitte...

Wenn ihr gerade erst mit der gewaltfreien Kommunikation startet, kann es sich seltsam anfühlen, Gefühle und Bedürfnisse zu benennen. Wir sind es nicht gewohnt, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Aber es lohnt sich, hier am Ball zu bleiben. Wenn ihr euch in diesem Bereich weiterbildet, habt ihr gute Chancen, dass eure Bedürfnisse in Zukunft erfüllt werden. Durch erfüllte Bedürfnisse steigt die Zufriedenheit. Mit etwas Übung klingt es weniger steif und förmlich, wenn ihr euren Gefühlen und Bedürfnissen Ausdruck verleiht. Es ist nicht immer notwendig, alle vier Schritte auszuführen. In manchen Fällen kann es ausreichend sein, nur über die eigenen Gefühle oder Bedürfnisse zu sprechen oder eine konkrete Bitte zu formulieren.

Fazit

In der gewaltfreien Kommunikation geht es darum, sich bewusst für eine friedliche, faktenbasierte und faire Kommunikation zu entscheiden. Man vermeidet ganz bewusst alles, was das Gegenüber herabwürdigen, verletzen oder beleidigen könnte. Mithilfe der gewaltfreien Kommunikation lernt man seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken und man lernt auch bei seinem Gegenüber die zugrundeliegenden Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und diese entsprechend zu beantworten. Die gewaltfreie Kommunikation kann man jeden Tag, in jeder Beziehung trainieren und dadurch ein tieferes Verständnis erreichen. Probiert einfach aus, ob die gewaltfreie Kommunikation etwas für euch ist und in eurem Job und Alltag zu mehr Zufriedenheit beiträgt.

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