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Gründen aus der Arbeitslosigkeit

Endlich sein eigenes Ding machen!

Foto: judeus samson / unsplash
Foto: judeus samson / unsplash

Arbeitslosigkeit ist grundsätzlich etwas, das jeden von uns treffen kann. Innerhalb kürzester Zeit kann unsere komplette Welt auf den Kopf gestellt werden und wir müssen uns neu orientieren. Insbesondere in Zeiten der Corona-Krise mussten viele Arbeitnehmer die Erfahrung machen, dass kein Arbeitsplatz wirklich sicher ist. Auch wenn die Umstände gerade besonders widrig erscheinen, den Kopf sollte man nicht in den Sand stecken. Wenn ihr von Arbeitslosigkeit betroffen seid, ist es wichtig, dass ihr euch nach neuen Perspektiven und Möglichkeiten umseht. Eine Möglichkeit kann das Gründen aus der Arbeitslosigkeit sein. Auf was ihr achten solltet und wie das Gründen aus der Arbeitslosigkeit gelingen kann, verraten wir euch hier.

Gründen aus der Arbeitslosigkeit – die eigene Geschäftsidee realisieren

Der Weg in die Selbstständigkeit ist keine triviale Angelegenheit, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Aber ein eigenes Unternehmen zu gründen oder sich mit einer besonderen Idee selbstständig zu machen, ist auch nicht völlig abwegig. Viele Menschen träumen davon, ihr berufliches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das Gründen aus der Arbeitslosigkeit ist eine ganz besondere Herausforderung und wer sich selbstständig machen möchte, sollte sich selbst vorab gut informieren.

Das Gründen aus der Arbeitslosigkeit bietet natürlich auch zahlreiche Vorteile. Vielleicht möchtet ihr euch unabhängig von einem Chef beruflich weiterentwickeln? Vielleicht träumt ihr schon immer davon euer eigenes Ding zu machen? Oder die aktuellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt sagen euch nicht zu? Vielleicht findet ihr auch keine Stelle, die euren Qualifikationen entspricht? Vor allem für Fachkräfte, die mit der aktuellen Arbeitsmarktsituation unzufrieden sind, kann das Gründen aus der Arbeitslosigkeit eine sinnvolle Alternative sein. Grundsätzlich ist die Existenzgründung unabhängig von der jeweiligen Branche möglich. Es gibt jedoch Unterschiede von Region zu Region und man braucht immer die passende Geschäftsidee sowie ausreichend Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Eine Existenzgründung ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Dennoch kann es sich lohnen, dieses Risiko einzugehen. Der Existenzgründerzuschuss durch die Bundesagentur für Arbeit kann zumindest die ersten Monate der Selbstständigkeit etwas erleichtern.

Gründen aus der Arbeitslosigkeit – Endlich sein eigenes Ding machen! Foto: jon tyson / unsplash

Gründen aus der Arbeitslosigkeit – Endlich sein eigenes Ding machen! Foto: jon tyson / unsplash

Gründen aus der Arbeitslosigkeit mit Hilfe des Existenzgründerzuschusses

Wenn ihr euch aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen möchtet, könnt ihr euch bei der Bundesagentur für Arbeiter für einen Existenzgründerzuschuss bewerben. Wichtigste Voraussetzung für den Existenzgründungszuschuss ist, dass ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld I habt und dieser Anspruch noch für mindestens 150 Tage besteht. Die Bundesagentur für Arbeit verlangt für die Beantragung des Existenzgründungszuschusses folgende Unterlagen:

  • Ihr braucht einen Businessplan. Den Businessplan müsst ihr so gestalten, dass beispielsweise auch eine Bank bereit wäre, euch finanziell bei eurem Vorhaben zu unterstützen.
  • Ihr müsst außerdem eine Tragfähigkeitsprüfung vorlegen. Das heißt, eine Unternehmensberatung, eine Bank, die Handwerkskammer oder die Industrie- und Handelskammer müssen bestätigen, dass eure Geschäftsidee eine gewisse Tragfähigkeit hat.
  • Ihr müsst nachweisen, dass ihr in der Lage seid, die angestrebte Selbstständigkeit auszufüllen. Ihr könnt beispielsweise an einem Existenzgründungsseminar teilnehmen und damit den Nachweis erbringen. Angeboten werden solche Seminare beispielsweise von der Industrie- und Handelskammer sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Dann legt ihr noch eine Anmeldebescheinigung vom Gewerbeamt vor. Dort müsst ihr eure selbstständige Tätigkeit als Gewerbe anmelden und eintragen lassen.

Wenn ihr diese Voraussetzungen erfüllt, kann euch der Existenzgründerzuschuss gewährt werden. Ihr bekommt dann für sechs Monate lang 300 Euro zusätzlich zu eurem Arbeitslosengeld. Mit Hilfe des Arbeitslosengeldes und den 300 Euro Zuschuss habt ihr ein gutes Polster, um eure Selbstständigkeit aufzubauen. Sind die sechs Monate vorbei und könnt ihr nachweisen, dass ihr mit eurer Selbstständigkeit auf einem guten Weg seid, könnt ihr den Existenzgründerzuschuss für weitere neun Monate erhalten. Das Arbeitslosengeld wird dann jedoch nicht weiter gezahlt.

Wichtig zu wissen: Ob ihr tatsächlich den Existenzgründerzuschuss erhaltet, entscheidet euer zuständige Vermittler bei der Bundesagentur für Arbeit. Er muss der Bewilligung zustimmen und eure Geschäftsidee für förderungswürdig halten. Ihr habt also nicht automatisch Anspruch auf den Existenzgründerzuschuss. Es kann sein, dass euch der Vermittler bei der Bundesagentur für Arbeit lieber in eine Festanstellung vermitteln möchte. Darin besteht auch die vorrangige Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit. Ihr könnt eure Selbstständigkeit auch während der Arbeitslosigkeit aufbauen. Dann dürft ihr jedoch nur bis zu 165 Euro zusätzlich mit eurer selbstständigen Tätigkeit verdienen. Verdient ihr mehr, wird euch das vom Arbeitslosengeld abgezogen. Eine Möglichkeit, um das zu umgehen, ist die Gründung einer Kapitalgesellschaft. Hier lasst ihr euch am besten von professionellen Existenzgründungs- oder Unternehmensberatern beraten.

 

Gründen aus der Arbeitslosigkeit – die eigene Geschäftsidee realisieren / Foto: freestocks / unsplash

Gründen aus der Arbeitslosigkeit – die eigene Geschäftsidee realisieren / Foto: freestocks / unsplash

Gründen aus der Arbeitslosigkeit – welche Voraussetzungen solltet ihr mitbringen?

Bevor ihr euch mit dem Gründen aus der Arbeitslosigkeit beschäftigt, solltet ihr für euch klären, ob ihr die notwendigen Voraussetzungen mitbringt. Das Gründen aus der Arbeitslosigkeit ist keine triviale Sache, die man mal eben so macht. Bevor ihr den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, sollte ihr folgende Punkte prüfen:

  • Geschäftsidee: Ihr braucht natürlich eine Idee, wenn ihr ein eigenes Unternehmen gründen möchtet. Was wollt ihr anbieten? Was könnte für Kunden und Geschäftspartner interessant sein? Ihr braucht einen Plan für eure Geschäftsidee.
  • Bin ich überhaupt geeignet? Wenn ihr das Gründen aus der Arbeitslosigkeit ernsthaft in Erwägung zieht, müsst ihr nicht nur fachliche Kompetenzen mitbringen. Ihr müsst auch an euren unternehmerischen Fähigkeiten arbeiten, wenn ihr diese noch nicht habt. Hinzukommt, dass ihr als Selbstständige weitere Pflichten habt und beispielsweise auch Tätigkeiten wie die Buchhaltung selbst übernehmen müsst.
  • Wie ist die aktuelle Situation auf dem Markt? Ihr müsst das Rad nicht neu erfinden oder immer eine noch nie zuvor dagewesene Idee haben, aber ihr solltet schon prüfen, wie stark die Konkurrenz ist, und ob es noch Platz für euch gibt. Je nach Region kann sich die aktuelle Marktsituation sehr unterschiedlich darstellen.

Welche Wege in die Selbstständigkeit gibt es?

Wenn ihr euch für das Gründen aus der Arbeitslosigkeit entscheidet, gibt es mehrere Wege, auf denen ihr eure Selbstständigkeit aufbauen könnt. Die verschiedenen Wege solltet ihr hinsichtlich Erfolgswahrscheinlichkeit und Durchführbarkeit prüfen. Der Weg in die Selbstständigkeit kann je nach Ausgangslage für jeden Existenzgründer ganz unterschiedlich aussehen. Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Ihr könnt euer Hobby zum Beruf machen. Vielleicht nehmt ihr eure Hobbys einmal genau unter die Lupe. In welchem Bereich habt ihr über die Jahre hinweg viel Erfahrung gesammelt? Was könnt ihr so richtig gut? Und könnten andere von eurer Erfahrung und eurem Know-how profitieren? Vielleicht lässt sich eine eurer liebsten Freizeitbeschäftigungen in ein lohnendes Geschäftsmodell umwandeln.
  • Ihr könnt euch mit eurem erlernten Beruf selbstständig machen. Ihr fühlt euch in eurem Beruf, eurer Branche grundsätzlich wohl, das Angestelltendasein sagt euch jedoch nicht mehr so zu? Oder ihr findet einfach nicht die passende Anstellung? Dann könnt ihr darüber nachdenken, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Vorteil hierbei ist, dass ihr bereits Berufserfahrung gesammelt habt und ein entsprechender Abschluss kann euch einen Vertrauensvorschuss durch potenzielle Kunden und Geschäftspartner bringen.
  • Mit der Selbstständigkeit in eine fremde Branche einsteigen. Ihr müsst natürlich weder euer Hobby zum Beruf machen noch in eurem erlernten Beruf bleiben. Wenn ihr eine erfolgversprechende Idee habt, die Marktsituation dafür günstig ist und ihr bereit seid, an euch und euren Fähigkeiten zu arbeiten, könnt ihr auch branchenfremd einsteigen. Besorgt euch vorab so viele Informationen rund um die fremde Branche und sucht den Austausch mit Personen, die sich im jeweiligen Bereich auskennen.

Fazit

Das Gründen aus der Arbeitslosigkeit kann sich in jedem Fall lohnen, wenn ihr die Fähigkeiten und die notwendige Motivation mitbringt. Außerdem müsst ihr für den Weg in die Selbstständigkeit bereit sein, eure Fähigkeiten weiter auszubauen. Ihr wart bislang Experte auf eurem Fachgebiet, jetzt müsst ihr euren Kompetenzbereich erweitern. Prüft euch selbst, ob ihr die notwendigen Voraussetzungen für das Gründen aus der Arbeitslosigkeit mitbringt. Seid ihr davon überzeugt, kann die Beantragung des Existenzgründungszuschusses in den ersten Monaten eurer Selbstständigkeit eine echte Hilfe sein.

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