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Heute Bildung, morgen Kohle!

Das musst du über den Mincer-Koeffizient wissen!

Foto: siora photography / unsplash
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Viele Jahre investieren wir in unsere Bildung und Weiterbildung, macht da ein Jahr mehr oder weniger den Unterschied? Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ja. Ein zusätzliches Jahr Bildung bringt dir später ein Gehaltsplus von 5 Prozent. Eine längere Ausbildung zahlt sich später gehaltstechnisch also aus. Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom Mincer-Koeffizient. Was das ist und wie du eine höhere Bildungsrendite erhältst, erfährst du hier. 

Durch ein Jahr mehr Bildung 5 Prozent mehr Gehalt

Die Mincer-Einkommensgleichung ist nach dem Erfinder Jacob Mincer benannt und stellt ein ökonomisches Modell dar, das das Lohneinkommen als Funktion der Schulbildung und Arbeitserfahrung erklärt. In einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird der Mincer-Koeffizient deutlich. Die Studien-Ergebnisse zeigen: ein zusätzliches Jahr Bildung führt zu einem Plus von fünf Prozent Gehalt.

In der Studie wurden gesamt zwölf europäische Länder miteinander verglichen. Concetta Mendolicchio und Thomas Rhein untersuchten dabei die Bildungsrenditen der verschiedenen Länder. Die Ergebnisse der Studie zeigen für die Arbeitenden in Deutschland, dass bis zu einem Berufseinstieg rund 14 Jahre Ausbildung für deutsche Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bevorstehen. Frauen investieren sogar etwas weniger Jahre in ihre Bildung in der Universität oder in eine Ausbildung.

Durch den europäischen Ländervergleich kamen die Forschenden zu dem Ergebnis, dass das Bildungsniveau eine entscheidende Determinante für das individuelle Einkommen darstellt. Das gilt für Frauen und für Männer in der Arbeitswelt gleichermaßen. Steckst du in Deutschland ein Jahr mehr in deine Ausbildung, bedeutet das für dein späteres Gehalt ein Plus von fünf Prozent. In anderen Ländern wie Spanien, Portugal, Irland und Luxemburg sind die Bildungsrenditen besonders hoch. Trotzdem sind die Werte von 5 Prozent in Deutschland beachtlich, wenn es um die Bildungsrenditen geht. 

In Deutschland wurde bei der Studie kein signifikanter geschlechtsspezifischer Unterschied festgestellt. Trotzdem liegen die Bildungsrenditen der Frauen bei 4,82 und die der Männer bei 5,32, also leicht über den Renditen der Frauen. Diese geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschiede nehmen mit steigendem Bildungsniveau jedoch ab. Die geringere Bildungsrendite lässt sich unter anderem dadurch begründen, dass Frauen häufig nach der Elternzeit in Teilzeitarbeit wechseln.

In eine neue Stadt ziehen – Tipps für Absolventen / Foto: koeffizient - windows / unsplash

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Mit dem Mincer-Koeffizient zum Millionär?

Du denkst dir jetzt vielleicht: dann studiere ich einfach 35 Jahre und werde danach Millionär mit der ersten Stelle. Ganz so einfach ist es nicht, denn der Mincer-Koeffizient hat seine Grenzen. Bleibst du in der Schule sitzen oder bummelst beim Studium, heißt das nicht, dass du im Job durch die zusätzlichen Jahre mehr verdienst als die Anderen, die die Schule oder das Studium in der Regelzeit abgeschlossen haben. Und brichst du dein Studium nach drei Jahren ab, ist das natürlich weniger profitabel als ein Studium mit Abschluss. Unendlich und ohne jede Einschränkung ist der Mincer-Koeffizient also nicht anwendbar. Trotzdem lohnt es sich, mehr Zeit in die Ausbildung zu investieren.

Umzug in neue Stadt: finde deinen eigenen beruflichen Weg / Foto: jason goodman / unsplash

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In die berufliche Zukunft investieren

Betrachten wir den Mincer-Koeffizient, stellt sich die Frage, wie und wie viel der Staat in die Bildung investieren sollte. Durch eine staatliche Unterstützung im Bereich Ausbildung, Studium und Weiterbildung können bessere Jobs ergattert werden und somit höhere Steuern gezahlt werden. Demnach würde sich eine staatliche Investition in die Bildung durchaus lohnen. Trotzdem ist es nicht sicher, dass sich die Investition später auszahlt. Zudem wird es nicht von Beginn deutlich, ob das Ganze in eine lohnenswerte Richtung verläuft oder doch eine schlechte finanzielle Entscheidung war. Aus diesem Grund ist diese finanzielle Förderung ein Abwägungsprozess des Staates und Maßnahmen wie BAföG und Meister-BAföG sind an entsprechenden Bedingungen gebunden.

Nicht nur der Staat, sondern auch du solltest dir Gedanken darüber machen, wie viel du in deine Zukunft investierst. Im Normalfall ist die Erstausbildung in Deutschland kostenlos. Ausnahmen sind beispielsweise ein paar spezielle schulische Ausbildungen und der Besuch von privaten Schulen oder Hochschulen. Für deine spätere berufliche Zukunft kann es sich trotzdem lohnen, die Studiengebühren zu zahlen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine bestimmte private Schule oder Hochschule für bestimmte Bereiche und Branchen sehr bekannt ist oder auf Themengebiete spezialisiert ist, die für deinen späteren Job entscheidend sind. Investierst du hier in deine berufliche Zukunft, kannst du unter den vielen Bewerbern und Bewerberinnen hervorstechen und dadurch deinen Traumjob ergattern. Deine Ausbildungskosten und Verdienstausfall durch eine längere Ausbildung kannst du dann mit deinem Mehrverdienst kompensieren. Es lohnt sich also zeitlich und finanziell, in deine Ausbildung zu investieren. 

Stellst du dir die Frage, ob Universität oder Fachhochschule? Du solltest hier beachten, dass durch die kürzeren Ausbildungszeiten an der FH, die Bildungsrendite hier oft deutlich höher ausfällt.

Fazit

Wie viele Jahre solltest du in deine Ausbildung stecken? Bei dieser Frage solltest du den Mincer-Koeffizient beachten, denn ein Jahr mehr Bildung führt zu einem späteren Gehaltsplus von fünf Prozent. Natürlich ist der Mincer-Koeffizient nicht unendlich und uneingeschränkt anwendbar. Aber es zeigt sich: Eine längere Ausbildung zahlt sich später aus. Investierst du mehr Zeit und unter Umständen auch Geld in deine Ausbildung, kann sich das später durch ein deutlich höheres Gehalt rentieren. Denn das Bildungsniveau ist ein entscheidender Faktor, wenn es um dein Einkommen geht. 

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