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Hör auf, Bad News zu konsumieren!

Was Doomscrolling ist und warum du ohne besser dran bist

Bild Foto: max harlynking / unsplash
Foto: max harlynking / unsplash

Hast du dich einmal dabei ertappt, wie du endlos nach negativen Nachrichten im Internet gesucht hast? Dann hast du vielleicht die Symptome eines relativ neuen psychischen Phänomens erlebt: Doomscrolling. Zwar ist es wichtig, dass du dir, deiner Umgebung und aller wichtigen Themen bewusst bist, die dein Leben und das anderer, die dir wichtig sind, beeinflussen. Lenkst du jedoch den Großteil deiner Aufmerksamkeit auf negative, schmerzliche oder deprimierende Aspekte, machst du dich selbst verrückt. Wir zeigen dir, was Doomscrolling ist und wie du es beendest.

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Hör auf mit Doomscrolling Foto: justin snyder photo / unsplash

Hör auf mit Doomscrolling – und kümmere dich um deine Mental Health

Doomscrolling ist das übermäßige Konsumieren negativer Nachrichten am Bildschirm. Ein erhöhter Konsum von überwiegend negativen Nachrichten kann zu schädlichen psychophysiologischen Reaktionen führen. In Anbetracht der großen Probleme, die sich derzeit in der Welt ereignen, ist jetzt der beste Zeitpunkt, fünf einfache Möglichkeiten kennenzulernen, wie du mit Doomscrolling aufhörst.

Denn Doomscrolling ist ein bisschen wie andere zwanghafte Verhaltensstörungen und je mehr Zeit du mit negativen Nachrichten verbringst, desto größer wird deine Besessenheit, noch mehr unangenehme Inhalte zu finden. Ertappst du dich regelmäßig beim Schwarzsehen, kannst du das Verhalten in den Griff bekommen, bevor es sich weiter auf dein emotionales Wohlbefinden auswirkt.

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Hör auf mit Doomscrolling – und kümmere dich um deine Mental Health / Foto: roman kraft / unsplash

Die negativen Auswirkungen des Doomscrollings

Es steht außer Frage, dass das Internet die Art und Weise, wie wir Menschen, Orte und Dinge um uns herum betrachten, verändert hat. Mit all seinen erstaunlichen Anwendungen und dem sofortigen Zugang zu Informationen hat es aber gleichzeitig eine Fülle an gesellschaftlichen Problemen hervorgerufen – eines davon ist Doomscrolling. Es gibt Menschen, die sich von Menschen, Orten und Dingen angezogen fühlen, die Ängste auslösen oder deprimierend sind.

Das heißt nicht zwangsläufig, dass diese Menschen psychisch krank sind, allerdings kann die ständige Schwarzmalerei die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie am Ende (leichte oder schwere) Symptome einer psychischen Erkrankung erleiden. Eine kürzlich von der Universität Florida durchgeführte Studie zeigt, dass Personen, die angaben, längere Zeit mit Doomscrolling zu verbringen, deutlich häufiger Symptome von Angstzuständen und Depressionen aufwiesen als diejenigen, die die gleiche Zeit mit dem Scrollen durch positivere Inhalte verbrachten.

1. Begrenze deine Online-Zeit

Bei vielen von uns kommt es zu einer Vermischung von beruflicher und privater Online-Zeit. Übernimm selbst Verantwortung für deine Online-Zeit. Versuche, die Zeit, die du online verbringst, realistisch zu begrenzen, v. a., wenn du nicht online sein musst. Und obwohl viele das Internet und damit verbundene Apps und Anwendungen jeden Tag unzählige Male nutzen und obwohl das Surfen im Internet eine bereichernde, unterhaltsame und aufschlussreiche Erfahrung sein kann – davon abgesehen, dass es zum Leben in einer modernen technologischen Welt dazugehört –, solltest du verantwortungsvoll mit deiner Zeit umgehen.

Beginne damit, deine Zeit aufzuteilen und sinnvoll zu nutzen. Kümmere dich um deine wichtigsten Aufgaben, v. a. die, die mit der Arbeit zu tun haben. Verspürst du den Drang, online zu surfen, versuche, positivere und produktivere Inhalte im Internet anzusehen. Ähnlich wie jemand, der mit einer zwanghaften Verhaltensstörung zu kämpfen hat, kannst du vielleicht nicht ganz mit dem Doomscrolling aufhören. Es ist aber wahrscheinlich, dass du den Drang zukünftig verringern kannst.

2. Blockiere Websites mit grafischen Inhalten

Es gibt keine Möglichkeit, wie du düstere, unheilverkündende Online-Inhalte gänzlich vermeiden kannst. Was du aber machen kannst, ist, einen Blick auf den Feed deines bevorzugten Nachrichtendiensts oder deiner Suchmaschine zu werfen. Neben Sportereignissen machen häufig die schlechtesten News die Schlagzeilen aus. Stellst du selbst fest, dass du dich zu solchen hingezogen fühlst, kannst du versuchen, diese zu regulieren. Manche Websites lassen sich einschränken bzw. du schränkst ein, welche Inhalte du von der Seite empfangen darfst. 

Abgesehen davon empfiehlt es sich, ein gesundes Maß an Selbstkontrolle zu entwickeln und dich selbst davon abzuhalten, auf derlei schlechte Nachrichten zu reagieren. Damit stellst du sicher, dich nicht in den endlosen Tiefen des Doomscrollings zu verlieren.

3. Sprich mit einem Therapeuten

Ob Spielsucht, Glücksspielsucht, Social-Media-Sucht oder Doomscrolling – die meisten Zwangsstörungen sind mittels professioneller Beratung bzw. kognitiver Verhaltenstherapie wirksam behandelbar. Die kognitive Verhaltenstherapie konzentriert sich darauf, ungesunde, irrationale und negative Gedanken und Überzeugungen zu erkennen und sie durch gesündere, positive zu ersetzen. Dafür muss der Patient den echten Wunsch haben, sich zu ändern, andernfalls hilft die Therapie wenig.

Für einen Doomscroller ist es, als versuche er unbewusst, mit jeder tragischen oder unangenehmen Geschichte, die er aufdeckt, ein noch intensiveres "High" zu erreichen. Nach wiederholter Betrachtung negativer und deprimierender Inhalte kann der Doomscroller gegenüber dem wirklichen emotionalen Schmerz, der Verzweiflung und den Ängsten derjenigen, die tatsächlich von einer bestimmten Geschichte betroffen sind, desensibilisiert werden. Ein Doomscroller empfindet nämlich möglicherweise wenig oder gar kein Mitgefühl für die Menschen, die von der Situation negativ betroffen sind, weil sich die meisten schlechten Nachrichten nicht direkt auf ihn auswirken. Eine Therapie kann helfen, die zugrunde liegenden Probleme zu lösen, die einen Doomscroller dazu bringen, nach negativen und deprimierenden Online-Inhalten zu suchen.

4. Schließ dich einer Selbsthilfegruppe an

Vielleicht gibt es keine Selbsthilfegruppe für Doomscroller in deiner Nähe, ganz bestimmt aber welche für Menschen mit Depressionen, Angstzuständen, Sucht oder anderen zwanghaften Online-Verhaltensweisen. Eine gut organisierte Selbsthilfegruppe bietet Menschen zusätzlich zur Therapie ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen, die eine ähnliche Situation durchmachen. Die Gemeinschaft spendet Trost und Kraft.

5. Starte mit einer neuen, gesunden Gewohnheit

Um eine schlechte Angewohnheit loszuwerden, empfiehlt es sich, eine gesunde Gewohnheit einzuführen, die die negative ersetzt. Neben dem Festlegen von Zeitlimits für die Online-Nutzung oder einem – zumindest temporären – Disconnect vom Internet, kann es sinnvoll sein, aktiv an konstruktiven Offline-Aktivitäten teilzunehmen. Selbst wenn du ein zwanghafter Mensch bist, musst du dich nicht auf ungesunde Online-Verhaltensweisen wie das Doomscrolling einlassen.

Körperliche Aktivitäten wie Spazieren, Schwimmen, Wandern oder Fitnesstraining können helfen, effektiv mit dem zurechtzukommen, was dich zum Doomscrolling antreibt. Denn treibst du Sport, gibt dein Herz mehr Blut, Nährstoffe und Sauerstoff ans Gehirn ab. Gleichzeitig setzt der Körper Dopamin und Endorphine frei, die die Stimmung heben.

Fazit

Das Internet wird nicht verschwinden, Technologie entwickelt sich nicht rückwärts. Das Informationszeitalter findet direkt vor unseren Augen statt, jeden Tag und überall. Infolgedessen erfahren wir immer mehr über uns selbst und alle Menschen um uns herum – Gutes, Schlechtes und Unangenehmes. Umso wichtiger ist es, effektiv mit Veränderungen umzugehen, konstruktiv alle Arten von Informationen zu verarbeiten und sich emotional nicht in Untergangsstimmung zu verstricken. Beim Doomscrolling ist es zwar unmöglich, einfach "Nein" zu sagen, wenn du im Internet von schlechten Nachrichten erfährst, aber es gibt Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um nicht zwanghaft danach zu suchen. Langfristig wird sich das positiv auf deine mentale Gesundheit auswirken und du wirst weniger Schwarzmalerei betreiben. Bist du selbst von Doomscrolling betroffen?

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