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Macht Urlaub dumm?

Was du gegen den Ferien-Effekt tun kannst

Bild Foto: pixabay / Pexels
Foto: pixabay / Pexels

Egal ob du noch Schüler:in oder schon längst aus der Schule bist – bestimmt erinnerst du dich daran, wie es war, nach den Ferien wieder in die Schule zu kommen. Die Hälfte hast du eh wieder vergessen, alles war anstrengend und Lust auf Lernen hatte dein Gehirn auch nicht wirklich. Daher stellt sich die Frage: Machen Ferien dumm? Und was kannst du gegen den Ferien-Effekt tun? Wir verraten es dir.

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Urlaub macht dumm? Foto: link hoang uoqar2poxmo / unsplash

Verringert ein Urlaub die Gehirnleistung?

Studien deuten zumindest darauf hin. Die Sommerferien wirken sich laut einer Studie (Harris Cooper, Uni Missouri in Columbia, 1996) negativ auf die Fähigkeiten von Schülern aus – insbesondere im Bereich Mathematik und Rechtschreibung. Erschreckend: Der Effekt verstärke sich mit zunehmendem Alter der Schüler. Und auch sozialmilieuspezifische Unterschiede lassen sich nachweisen (Forschungsprojekt der Uni Siegen: "Schichtspezifisches Lernen außerhalb vom Unterricht"). Zwar gibt es auch Kritiker des Ferien-Effekts, die belegen wollen, dass der Effekt nicht nachweisbar ist (z. B. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, 2004), die meisten Studien weisen ihn jedoch eindeutig nach. So scheint es auch, dass Urlaube – vor allem welche an schwülen Orten – die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.

Darüber hinaus tragen ein paar Faktoren, die (leider) zum Urlaub dazugehören, dazu bei. Ein langwieriger E-Mail-Austausch bei der Urlaubsplanung kann den IQ um bis zu 10 Punkte senken (Studie des Psychologen Glenn Wilson, 2005). Das ist mehr als doppelt so viel wie das Rauchen von viel Cannabis. Dieser Zustand der "Infomanie" beeinträchtigt die Konzentration, weil das Gehirn ständig in Bereitschaft ist, auf eingehende E-Mails zu reagieren, statt sich auf anstehende Aufgaben zu konzentrieren. Für Multitasking ist unser Hirn eh nicht zu begeistern, viele E-Mails geben ihm aber eindeutig den Rest. 

Der nächste Stressfaktor: Das Reisen zum Urlaubsort. Sorgen um Flughafenstreiks oder die richtige Warteschlange beim Boarding erhöhen den Cortisolspiegel und damit den Stress. Das kann Zellen im Hippocampus schädigen, was sich negativ auf das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentration auswirkt. 

Und es wird nicht besser – Untersuchungen legen nahe, dass Sonnenbaden und Entspannung die Frontallappen buchstäblich schrumpfen lassen (Prof. Siegfried Lehrl, Uni Erlangen, Spezialist für geistige Leistungsfähigkeit). Durch Inaktivität wird das Gehirn mit weniger Sauerstoff versorgt, sodass Teile der Nervenzellen, die elektrische Impulse weiterleiten, abgebaut werden. Kommen dazu Dehydrierung (durch Hitze und/oder Alkohol), kann das Volumen der Gehirnzellen bis zu 15 Prozent abnehmen. So könnten 14 Tage völlige Ruhe ausreichen, um den IQ um 20 Punkte zu senken. Das ist mehr als der Unterschied zwischen einem begabten und einem durchschnittlichen Schüler.

Und es wird noch kurioser: Laut einer Studie für das Journal of Consumer Research (2008) sind das Urteilsvermögen und die Selbstkritik von Männern beeinträchtigt, wenn sie Frauen in Strandkleidung sehen. Im schlimmsten Fall machen sie der ersten Dame, die ihnen zuzwinkert, also sofort einen Heiratsantrag. Und auch das kalte Bier am Pool ist nicht zu empfehlen bzw. kalte Getränke im Allgemeinen. Diese können die Gehirnleistung bis zu zehn IQ-Punkte verringern (Forscher der Uni Bristol). Der Grund: Die Energie und das Blut werden vom Gehirn in den Magen umgeleitet, um den Temperaturabfall auszugleichen.

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Effektive Maßnahmen gegen den Ferien-Effekt / Foto: yuris alhumaydy / unsplash

Effektive Maßnahmen gegen den Ferien-Effekt

Egal, ob Sommer- oder Winterurlaub: Damit dein Gehirn dir im Urlaub nicht davonschmilzt, verraten wir dir hier die ultimativen Tipps, wie du dein Hirn auf Trab hältst und dich vor dem Ferien-Effekt schützt. Ein Tipp ist, dein Gehirn im Urlaub mindestens zehn Minuten pro Tag zu trainieren. Gut dafür ist beispielsweise ein intellektuell anregendes Spiel wie Schach oder Scrabble. Auch Bücherlesen kann helfen. Den Bewegungsmangel gleichst du am besten durch regelmäßige und lange Spaziergänge aus. Denke außerdem daran, viel Wasser zu trinken, und gönne dir ab und zu einen Kaugummi. Das Kauen stimuliert den Hirnstamm, der uns wach hält, was die Aufmerksamkeit steigert und die Durchblutung des Gehirns fördert.

Darüber hinaus kannst du die freie Zeit im Urlaub schon einmal dafür nutzen, dir Aufgaben für die Zeit nach deinem Urlaub zu planen und eine To-do-Liste anzulegen. Damit schaffst du den mentalen Sprung ins Büro nach dem Urlaub leichter. Falls möglichst, kannst du Termine und deinen Abwesenheitsassistenten auf zwei bis drei Tage nach deiner Rückkehr terminieren. Damit verschaffst du dir ein kleines Zeitfenster, in dem du dich ans Büro wieder akklimatisieren kannst.

Ist der Ferien-Effekt für immer?

Nein! Die gute Nachricht ist, dass sich der IQ nach dem Urlaub in der Regel wieder normalisiert. Das kann zwar bis zu vier Tage dauern, du brauchst dir aber über bleibende Schäden keine Gedanken zu machen. 

Fazit

Vermutlich hat es jeder von uns schon einmal erlebt und den Ferien-Effekt bei sich selbst zu spüren bekommen. Gott sei Dank ist er zwar nicht für immer, jedoch gibt es ein paar Maßnahmen, wie du dein Gehirn auch im Urlaub auf Trab hältst und dem Ferien-Effekt zumindest ein wenig vorbeugen kannst.

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