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Militärtechnik im Alltag

Innovationen aus den Weltkriegen

Foto: andrew neel / unsplash
Foto: andrew neel / unsplash

Innovationen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass diese wirklich benötigt werden. Es muss eine gewisse Not vorhanden sein, damit Neues entstehen kann. Vermutlich haben Kriege aus diesem Grund viele Entwicklungen massiv beschleunigt. Zwar ist Krieg kein besonders erfreuliches Thema, aber es haben sich dadurch auch Dinge entwickelt, von denen wir heute noch Gebrauch machen und die ganz selbstverständlich zu unserem Alltag gehören. Technologie hat in Kriegen immer eine Rolle gespielt. Die richtige Technologie kann darüber entscheiden, wer am Ende als Gewinner dasteht. Kein Wunder also, dass Länder schon immer bereit waren viel Geld und Zeit in die Entwicklung bestimmter Technologien zu investieren. Welche Militärtechnik im Alltag auch heute noch präsent ist, erfahrt ihr hier.

Militärtechnik im Alltag – Innovationen aus den Weltkriegen / Foto: johannes plenio / unsplash

Militärtechnik im Alltag – Innovationen aus den Weltkriegen / Foto: johannes plenio / unsplash

Militärtechnik im Alltag – der Reißverschluss

Heute ist er für uns keine Besonderheit mehr: Der Reißverschluss. Ob Hose, Jacke, Rucksack oder Sporttasche, überall finden wir einen Reißverschluss. Im frühen 20. Jahrhundert wurden Jacken und andere Kleidungsstücke allerdings vornehmlich durch Schnüre, Knöpfe oder Ösen geschlossen. Den Reißverschluss gab es zwar bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts, allerdings fand er zunächst kaum Anwendung. Im Ersten Weltkrieg sollte sich das ändern. Das US-Militär stattete seine Soldaten mit Kampfanzügen aus, die über einen Zipper verfügten. Der Reißverschluss hatte den Vorteil, dass vor allem Marinesoldaten vor Wind und Regen gut geschützt waren. Später wurde der Reißverschluss auch für normale Alltagskleidung übernommen.

Sekundenkleber – durch Zufall entdeckt

Sekundenkleber gehört ebenfalls zur Militärtechnik im Alltag. Entdeckt wurde der Superglue eher durch Zufall. So sollten Wissenschaftler während des Zweiten Weltkriegs ein Material entwickeln, mit welchem man für Waffen klare Visiere aus Kunststoff herstellen kann. Im Laufe dieser Arbeit entdeckten die Wissenschaftler eine Substanz, die bei jedem Kontakt mit anderen Materialien haftete. Der Sekundenkleber war also eine eher zufällige Entdeckung. Für den militärischen Einsatz wurde der Klebstoff dann auch nicht eingesetzt. Erst 1958 kam er in den Handel und konnte seine Stärke beweisen.

Konserven - Essen aus der Dose

Wären die Feldzüge des Napoleon Bonaparte nicht gewesen, könnten wir heute vielleicht keine Ravioli aus der Dose essen. Soldaten mussten früher von der Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgt werden oder sie gingen auf Plündertour. Beides eher ungünstig. Soldaten müssen aber sowohl mit Munition und Medikamenten als auch mit Essen versorgt werden. Hungrige Soldaten sind nicht unbedingt die besten Soldaten. Die Heere von Napoleon waren jedoch derart groß gewesen, dass das Plündern zur Versorgung allein nicht ausreichte. Wenn er mit seinen Truppen weiterhin in den Krieg ziehen und sich nicht auf die Versorgung verlassen wollte, musste er einen anderen Weg finden. Er setzte einen Preis aus, den derjenige bekommen sollte, der es schaffte, Lebensmittel länger haltbar zu machen. Ein Franzose bekam 1810 das Preisgeld, da er es schaffte, Lebensmittel in Glasflaschen zu konservieren. Der Brite Peter Durand entwickelte das Verfahren weiter und nutzte Dosen aus Weißblech zur Konservierung. Die in Dosen konservierten Lebensmittel wurden dann vor allem an die britische Armee und die Marine verkauft. Die Konservendose ist daher ein gutes Beispiel für Militärtechnik im Alltag.

Militärtechnik im Alltag – Damenbinden

Im Ersten Weltkrieg kam es durch die neuen Waffen zu einer Vielzahl an Verwundeten und Toten. Der Erste Weltkrieg stellte damit auch eine Herausforderung für die Medizin dar, denn es mussten auf einen Schlag sehr viele Menschen medizinisch versorgt werden. Für die Versorgung von Wunden erwies sich damals ein Produkt der Firma Kimberly-Clark als besonders hilfreich. Das Unternehmen hatte ein Produkt namens "Zellwatte" entwickelt, welches fünfmal mehr Flüssigkeit aufnehmen konnte als die bislang eingesetzten Verbände aus Baumwolle. Gleichzeitig verursachte die Zellwatte geringere Produktionskosten. Die Krankenschwestern wussten die Eigenschaften der Zellwatte ebenfalls zu schätzen und nutzten diese als hygienische Einlage während der Menstruation. Nach dem Krieg brachte Kimberly-Clark Damenbinden unter der Bezeichnung "Kotex" auf den Markt. Einige Jahre später wurden Papiertaschentücher unter dem Namen "Kleenex" verkauft. Diese Militärtechnik ist im Alltag vermutlich für uns alle kaum mehr wegzudenken.

Sekundenkleber – durch Zufall entdeckt / Foto: israel palacio / unsplash

Sekundenkleber – durch Zufall entdeckt / Foto: israel palacio / unsplash

Funkverkehr - entwickelt für das Militär

Im Ersten Weltkrieg gab es besonders viele militärische Innovationen. Giftgas, Panzer und Schützengräben kamen auf. Mit diesem Krieg fanden aber auch die ersten großen Angriffe aus der Luft statt. Bomber und Zeppeline flogen Angriffe auf große Städte. Ein großer Nachteil der Luftangriffe: Die Piloten hatten keinen Kontakt zu den Truppen am Boden. Um effektiv vorzugehen, musste allerdings Kontakt hergestellt werden. Es musste also eine Lösung gefunden werden. Man musste Kommunikation ohne störende Kabel entwickeln. Vor dem ersten Weltkrieg war diese Technologie noch nicht wirklich ausgereift. Aber am Ende des Jahres 1916 gab es den ersten Helm mit Mikrofon und Kopfhörer. Wenn der Funkverkehr nicht erfunden worden wäre, hätten wir heute möglicherweise weder Smartphone noch Funkgerät. Für uns ist es heute normal diese Militärtechnik im Alltag zu nutzen.

Militärtechnik im Alltag – Teebeutel

Heute nutzen wir Teebeutel im Alltag ganz selbstverständlich. Allerdings wurden Teebeutel erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts erfunden. Und das war auch mehr ein Versehen. Thomas Sullivan, ein US-amerikanischer Teehändler, wollte die Kosten für den Transport des Tees reduzieren und er verpackte seinen Tee in kleine Seidenbeutel anstatt diese in Blechdosen zu füllen. Die Kunden fanden das praktisch, denn sie konnten sich das Umfüllen und Abseihen des Tees sparen. Während des Ersten Weltkriegs fanden Teebeutel auch in Deutschland Verwendung. Das Unternehmen Teekanne griff die Idee des US-amerikanischen Teehändlers auf und füllte den Tee für die Soldaten in kleine Mullbeutel. Diese Beutel wurden von den Soldaten "Teebombe" genannt. Mitte des 20. Jahrhunderts kamen dann die Teebeutel mit der Heftklammer auf den Markt.

Dokumentarfilm – Entwicklung des Militärs

Auch der Dokumentarfilm gehört zu den Dingen, die wir als Militärtechnik im Alltag nutzen. Im Ersten Weltkrieg handelte es sich beim Film um ein noch junges Medium, das seinen Aufschwung erst zur damaligen Zeit erlebte. Es wurde vor allem als wirkungsvolles Propagandamittel eingesetzt. Im Ersten Weltkrieg kam es zu Flächenbombardements, Angriffen mit Giftgas und Grabenkämpfen. Die zivile Bevölkerung wollte diese neuartige Weise der Kriegsführung sehen und konnte von den Dokumentarfilmen von der Front nicht genug bekommen. Oftmals wurden die Szenen allerdings nur nachgestellt. Dennoch konnte sich kaum jemand der Wirkung des Films entziehen.

Sonnenbank und Blutbank – Militärtechnik für den medizinischen Einsatz

Im Krieg kam es auch bei Nahrungsmitteln zu Engpässen. Viele Kinder waren von Mangelernährung und deren gesundheitlichen Folgen betroffen. Häufig litten diese Kinder an Rachitis. Diese Art der Mangelernährung führt dazu, dass das Knochenwachstum beeinträchtigt wird. Ein Berliner Arzt namens Kurt Huldschinsky nutzte Quecksilber-Quartz-Lampen um Betroffene zu bestrahlen. Das Licht half dabei, das Knochenwachstum der Kinder zu verbessern. Später fand man heraus, dass das ultraviolette Licht bei der Verarbeitung von Vitamin D mitwirkt und dadurch das Knochenwachstum günstig beeinflussen kann. Neben der Sonnenbank ist auch die Entwicklung der Blutbank auf das Militär zurückzuführen. Viele von uns nutzen diese Militärtechnik im Alltag zwar nicht unbedingt, aber wenn es notwendig sein sollte, ist jeder dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt. Zur damaligen Zeit wurden große Blutvorräte für die Versorgung verwundeter Soldaten angelegt. Forscher hatten 1914 herausgefunden, dass das Blut durch Zugabe von Natriumcitrat länger haltbar gemacht werden kann. Daraus entwickelte sich die Blutbank.

Fazit

Viel häufiger nutzen wir Militärtechnik im Alltag als uns möglicherweise bewusst ist. Die oben genannten Erfindungen sind nicht erschöpfend. Es gibt noch viel mehr Militärtechnik für den Alltag, die wir nicht erwähnt haben. Kriegerische Auseinandersetzungen beschleunigen technologische Entwicklungen und oftmals wird damit der Grundstein für bahnbrechende Innovationen gelegt.

Weitere Infos findet ihr in den nachfolgenden Links:

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