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Mundaufmachen oder Schweigen?

Streitkultur im Unternehmen

Foto: max bender / unsplash
Foto: max bender / unsplash

Brown-Nosing, konstruktive Streitkultur oder lieber den Mund halten und nicht einmischen? Im beruflichen Umfeld ist es oft schwer, den richtigen Weg zu finden. Schmierst du deinem Chef Honig ums Maul oder sagst offen deine Meinung? Und was bringt dich letztlich weiter nach oben auf der Karriereleiter? Du hattest bestimmt auch schon viele Situationen in deinem Job, in denen du dir exakt diese Frage gestellt hast. Was ist erlaubt und wie viel Klartext gegenüber Kolleg:innen und besonders Führungskräften kann deine Karriere vertragen?

Mundaufmachen oder Schweigen? Streitkultur Unternehmen / Foto: yasmina h / unsplash

Mundaufmachen oder Schweigen? Streitkultur Unternehmen / Foto: yasmina h / unsplash

Streitkultur, was ist das?

Im Arbeitsumfeld gibt es unterschiedliche Meinungen zu allen Themen. Du möchtest in die eine, der andere in die entgegengesetzte Richtung. Stell dir die Frage: Wie wird bei deinem Arbeitgeber mit Meinungsverschiedenheiten und Kritikmanagement umgegangen. In einer guten und konstruktiven Streitkultur sagst du fair und offen deine Meinung, ohne andere zu verletzen.

Mund auf machen

Viele Arbeitnehmer wollen ihre Karriere nicht mit unbequemen Wahrheiten zerstören. Von Angestellten korrigiert oder beurteilt zu werden, sehen Arbeitgeber nicht gerne. Kritik funktioniert nur auf die klassische Weise, der Chef darf bewerten und kritisieren, der Mitarbeiter nicht. Das ist die falsche Vorgehensweise. Unbequeme Wahrheiten, die angesprochen werden müssen, um ein gutes Ergebnis und eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu haben, fallen so unter den Tisch.

An der Lösung eines Problems kannst du, deine Kolleg:innen und dein Arbeitgeber nur arbeiten, wenn ihr das Problem ansprecht. Die Arbeitsqualität kann durch eine gute Streitkultur gesteigert werden. Deshalb sind die unangenehmsten Streitthemen meist die wichtigsten, um voranzukommen. Möchtest du es in deiner Karriere weit bringen, musst du besonders ungemütliche Themen ansprechen. Denke daran: Du trägst dazu bei, dein Unternehmen voranzubringen. 

Warum doch nicht?

Das klingt erst einmal gut umsetzbar. Wieso machen es dann nur wenige? Aus Angst. Der Arbeitgeber hat Macht über dein Gehalt, deine Beförderung (oder eben keine) und darüber, ob du wieder auf Jobsuche gehen musst. Alle haben Angst vor negativen Konsequenzen und welche Auswirkungen unsere Handlungen haben. Der Chef hat Macht und kann über deine Zukunft im Unternehmen bestimmen. Leider werden viele Unternehmen von solchen Chefs geführt und es ist kritisch, unangenehme Wahrheiten anzusprechen. 

Den Finger in die Wunde legen

Du brauchst also viel Mut, genau das zu tun und heikle Themen anzusprechen. Es ist unangenehm und oft nicht ohne Risiken, aber es lohnt sich. Erfolg hängt davon ab, wie sich ein Unternehmen entwickelt und wie das Arbeitsergebnis ist. Deshalb müssen die Themen angegangen und gelöst werden. Die Zukunft deines Unternehmens hängt auch von dir ab. Wie möchtest du, dass die Arbeitsatmosphäre sich entwickelt und wie mit Problemen und miteinander umgegangen wird? Auch wenn jemand dir gegenüber ein Problem anspricht, nimm es nicht persönlich und gehe damit sachlich und konstruktiv um.  

Streitkultur, aber bitte konstruktiv

Das heißt nicht, dass du jede Kleinigkeit breittreten sollst. Finde die Balance zwischen "alles akzeptieren" und "alles Störende ansprechen". Spare deine Energie für die wirklich wichtigen Themen und Probleme, die du lösen möchtest. Unterscheide zwischen Essenziellem und Nebensächlichem.

Streitkultur, aber bitte konstruktiv / Foto: jessica da rosa / unsplash

Streitkultur, aber bitte konstruktiv / Foto: jessica da rosa / unsplash

Tipps für eine gute Streitkultur

1. Nie auf persönlicher Ebene, bleibe sachlich

Bleibe sachlich und beschränke die Diskussion auf das Thema, das dir schwer im Magen liegt. Den Kollegen beispielsweise als sturen Einzelkämpfer zu bezeichnen, bringt niemanden weiter und die Arbeitsatmosphäre leidet darunter. Ein gutes Team braucht Reibungspunkte und nicht jeder hat immer die gleiche Meinung, aber bitte immer sachlich und konstruktiv bleiben.

2. Richtig planen

Überlege dir vorab, was dich stört und wie dein Gegenüber sich besser verhalten kann. Unvorbereitet in eine Diskussion zu gehen, hilft meist niemanden. Beachte auch, den richtigen Zeitpunkt für ein Streitgespräch zu finden. Ist dein Kollege oder deine Kollegin im Stress, solltest du nicht kurz mal in der Kaffeeküche versuchen, das Problem zu lösen. 

3. Zuhören statt unterbrechen

Viele Streitigkeiten entstehen durch Missverständnisse. Lasse den anderen ausreden und höre richtig zu. Es ist wichtig, sich für ein Streitgespräch Zeit zu nehmen.

4. Keine Vorwürfe, lieber die Ich-Form

Gegenseitige Anschuldigungen sind bei Streit keine Seltenheit. Das führt höchstens zu einer Eskalation des Konflikts und nicht zur Lösung. Dein Gegenüber solltest du nicht mit Vorwürfen und Pauschalisierungen bombardieren. Gehe lieber von deiner persönlichen Sicht aus und benutze die Ich-Form "Meiner Meinung nach...", Ich denke, dass...". Niemand wird angegriffen und du vertrittst deine Meinung ohne Vorwürfe.

5. Keine Vorschläge und Meinungen ausschließen

Oft werden Vorschläge kategorisch von Anfang an abgelehnt. Du vermittelst auf diese Weise allerdings, dass der Vorschlag oder die Meinung einer Person nicht wichtig genug oder weniger wichtig ist als andere. Natürlich ist nicht jede Idee bahnbrechend, du solltest dich aber immer fragen, was du daraus zur Problemlösung nutzen kannst.

6. Ego, nein danke

Deine Idee wird sich nicht immer durchsetzen. In einer Streitkultur geht es aber nicht darum, wer gewonnen und welche Idee verloren hat. Das Ziel ist immer das bestmögliche Ergebnis zu erreichen, das eigene Ego hat hier keinen Platz. Sind Kolleg:innen nicht deiner Meinung, darfst du das nicht persönlich nehmen

7. Nicht immer, nicht jedes Mal

Verallgemeinerungen wie "jedes Mal", "dauernd" und "immer" sind bei einer guten Streitkultur fehl am Platz. Beziehe dich lieber auf bestimmte und aktuelle Situationen und Beispiele. Dein Diskussionspartner hat so die Möglichkeit, wirklich etwas zu ändern und sich nächstes Mal besser zu verhalten.

8. Choose your Battles

Nicht alles, was dir auf der Seele brennt und jede unbequeme Wahrheit sind es wert, deine Energie in ein Streitgespräch zu investieren. Überlege dir, welche Themen die wirklich brennenden sind. 

Fazit

Im Arbeitsumfeld gibt es viele unterschiedliche Meinungen, da ist eine gute Streitkultur unerlässlich. Es gilt, konstruktiv über Meinungsverschiedenheiten zu sprechen und ein paar grundlegende Tipps bei einer guten Streitkultur zu beachten. Nicht alle Kleinigkeiten müssen angesprochen werden. Sprichst du aber essenzielle Themen an, auch wenn es unangenehm ist, an, nutzt du deinem Unternehmen und trägst zur Entwicklung bei.

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