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Networking ganz nebenbei

Wie dir die Kaffeepause bei der Jobsuche hilft

Foto: william fortunato / Pexels
Foto: william fortunato / Pexels

Viele Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern auf dem sogenannten „verdeckten Stellenmarkt“ vergeben, bevor überhaupt eine Anzeige auf dem öffentlichen Stellenmarkt erscheint. Ein großer Teil aller Stellen wird mithilfe persönlicher oder beruflicher Kontakte besetzt. Für Leute mit einem großen Netzwerk sind das gute Nachrichten, denn sie haben Zugang zu diesen Informationen. Wer kein berufliches Netzwerk hat, muss sich auf den offenen Stellenmarkt konzentrieren und verschenkt dadurch wertvolles Potenzial. Du kannst mit Networking nicht so viel anfangen? Dir liegt das Netzwerken nicht besonders? Das ist nicht schlimm, Networking zu lernen ist kein Hexenwerk. Wir verraten dir, wie du dir ein berufliches Netzwerk aufbaust.

Was ist Networking?

Du fragst dich: Was bedeutet Networking? Beim Networking geht es im Grunde um das Knüpfen von Kontakten. Es ist ein Überbegriff für den Aufbau und die Pflege von beruflichen und privaten Kontakten. Zu deinem Netzwerk gehören beispielsweise Freunde, Familie, Nachbarn, Kommilitonen und Kollegen sowie Personen, die deine speziellen Interessen und deine Begeisterung für Dinge wie Technik, Sport, Mode, Kunst, Musik oder Bücher teilen. Du hast verschiedene Kontakte in deinem Netzwerk und verfolgst damit unterschiedliche Ziele. Dein Netzwerk besteht aus Menschen, die dich beim Erreichen deiner beruflichen und privaten Ziele unterstützen können. Netzwerke sind eine unerschöpfliche Informationsquelle und sie befinden sich in einem ständigen Wandel.

Wenn du beruflich vorankommen möchtest, ist es sinnvoll, Zeit und Mühe in das Netzwerken zu investieren. Du erhältst dadurch wertvolle Tipps und Informationen, bekommst Empfehlungen und kommst schneller an einen Job. Durch Networking bleibst du beruflich auf dem Laufenden. Gezieltes Netzwerken, ob du das durch den persönlichen Kontakt machst oder Social Media dafür nutzt, wird ein immer wichtigeres Tool für beruflichen Erfolg. Egal, ob du noch studierst, gerade in den Job startest, den Job oder Arbeitgeber wechseln, dich selbstständig machen oder vor dem Ruhestand noch einmal durchstarten möchtest: Gezieltes Netzwerken hilft dir dabei. Durch den Aufbau und die Pflege eines Netzwerks verschaffst du dir gegenüber anderen Jobsuchenden einen ganz klaren Wettbewerbsvorteil. Heute werden viele Stellen gar nicht mehr öffentlich ausgeschrieben, sondern du erfährst über persönliche und berufliche Kontakte, dass nach einem passenden Kandidaten gesucht wird. Erfährst du dank deines Netzwerks sehr früh von der offenen Stelle, kannst du dich vor anderen Bewerbern mit ähnlicher Qualifikation bewerben und hast dadurch einen entscheidenden Vorteil.

Allerdings ist das Netzwerken nicht für jeden selbstverständlich. Wenn du zu den Menschen gehörst, denen das Knüpfen von Kontakten nicht so leicht fällt, kommt hier die gute Nachricht: Du kannst das Networking lernen. Möchtest du netzwerken, um beruflich voranzukommen, dann musst du systematisch vorgehen.

Networking lernen & ein berufliches Netzwerk aufbauen / Foto: andrea piacquadio / Pexels

Networking lernen & ein berufliches Netzwerk aufbauen / Foto: andrea piacquadio / Pexels

Systematisches Kaffeetrinken – was hat es damit auf sich?

Beim Thema Netzwerken stellen sich dir alle Haare auf und du würdest dich am liebsten schnell ins stille Kämmerlein verdrücken? Versuchen wir es so: Du trinkst eine Tasse Kaffee und unterhältst dich dabei mit einem ehemaligen Studienkollegen über den Job. Klingt easy? Bekommst du hin? Na dann kannst du netzwerken. Das systematische Kaffeetrinken gilt als der ultimative Einsteiger-Tipp für alle, die sich mit dem Netzwerken schwertun. Lars Hahn ist der Entdecker des systematischen Kaffeetrinkens und er hilft anderen mit dieser Methode beim Aufbau von persönlichen und beruflichen Netzwerken. Beim systematischen Kaffeetrinken geht es vor allem darum, locker an die Sache zu gehen. Du sollst deine individuellen Stärken einsetzen und dich bei einer Tasse Kaffee mit deinem Gesprächspartner entspannen. Kaffeetrinken ist einfach und dabei kannst du dich gut unterhalten. Ob du Smalltalk betreibst oder mit deinem Gegenüber fachsimpelst, bleibt ganz dir überlassen.

Der große Vorteil der Methode ist, dass es sich um eine entspannte Situation handelt. Jeder hat schon einmal Erfahrungen damit gemacht, wie es ist, mit jemandem Kaffee zu trinken und sich dabei locker zu unterhalten. Die Hürde ist dann nicht so groß und Ängste lassen sich leicht in Schach halten. Dabei geht es beim systematischen Kaffeetrinken natürlich nicht nur um das leckere schwarze Gebräu, sondern auch um den beruflichen und persönlichen Austausch und den Aufbau eines Karriere-Netzwerks.

Mit folgenden Tipps nutzt du das systematische Kaffeetrinken für den Auf- und Ausbau deines Karriere-Netzwerks:

  • Schreibe alle Personen auf, denen du in deinem Leben bereits begegnet bist und die dich ein Stück weit begleitet haben. Das können Kindergartenfreunde, Lehrer, Studienkollegen, Vorgesetzte und viele mehr sein. Bringe alle zu Papier.
  • Dann gehst du die Liste durch und suchst die Personen raus, die dich bei deinen Zielen unterstützen können. Mit wem würdest du gerne ein Gespräch führen?
  • Jetzt machst du dich auf die Suche nach spannenden Gesprächspartnern. Keine Scheu vor Social Media, hier findest du viele soziale Kontakte und kannst unverbindlich Kontakt aufnehmen.
  • Nimm die Gespräche auf, ohne dabei an deinen Vorteil zu denken. Du möchtest nichts verkaufen, keine Insider-Informationen abgreifen. Du gehst neugierig und unvoreingenommen an die Sache heran.
  • Nicht nur für dich sollen diese Gespräche von Vorteil sein. Du sollst auch deinen Gesprächspartnern nutzen. Alle Gesprächspartner haben etwas vom systematischen Kaffeetrinken.
  • Ein gutes Netzwerk ist nicht an einem Tag aufgebaut. Habe Geduld und beweise Ausdauer.

Netzwerken lernen – wie gehe ich vor?

Du möchtest das Netzwerken lernen und fragst dich, wie du am besten vorgehst? Folgende vier Regeln sind die Basis beim Auf- und Ausbau eines Netzwerks:

  1. Im ersten Schritt bestimmst du dein Ziel. Was willst du erreichen? Was sollen dir deine Kontakte bieten? Ziele zu definieren hilft dir dabei, dich zu fokussieren.
  2. Achte darauf, wertvolle Mitglieder in deinem Netzwerk zu haben. Es geht nicht darum, eine möglichst hohe Zahl zu erreichen. Jedes Mitglied sollte dich deinem Ziel näherbringen, nicht irgendeiner Zahl.
  3. Erwarte nicht, dass andere dich unterstützen, bevor du deinen Teil beigetragen hast. Prüfe erst einmal, was du für andere tun kannst. Teile dein Wissen und deine Erfahrungen mit anderen, aber dräng dich nicht auf. Niemand bekommt gerne ungefragt einen Ratschlag.
  4. Halte den Kontakt. Ist der Kontakt erst einmal geknüpft, bleibst du am Ball. Triff deine Kontakte on- und offline und trinkt eine Tasse Kaffee zusammen.

Wer sollte in meinem Netzwerk sein?

Du fragst dich, wer unbedingt zu deinem Netzwerk gehören sollte? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: Welche Ziele verfolgst du? Welchen beruflichen Werdegang hast du hinter dir? Wie sollen deine nächsten Schritte aussehen? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass du in deinem Netzwerk zwei Arten von Menschen versammeln solltest. Dazu gehören:

  • Menschen mit ähnlichen Zielen, ähnlichem Werdegang und ähnlichem Background
  • Menschen, die das erreicht haben, was du erreichen möchtest.

Menschen mit ähnlichen Zielen und einem ähnlichen beruflichen Werdegang haben ähnliche Probleme wie du. In diesen Menschen findest du Verbündete, wertvolle Tippgeber. Ihr könnt Fachwissen und Ratschläge austauschen. Der Konkurrenzgedanke ist fehl am Platz, ihr müsst euch gegenseitig Unterstützung geben. Menschen, die bereits hochgesteckte Ziele erreicht haben, sind gute Vorbilder. Von ihnen lernst du, wie du dir Ziele steckst und diese erreichst. Vielleicht findest du so auch einen Mentor oder einen wichtigen Unterstützer.

Systematisches Kaffeetrinken – was hat es damit auf sich? Foto: keira burton / unsplash

Systematisches Kaffeetrinken – was hat es damit auf sich? Foto: keira burton / unsplash

Ich bin total introvertiert – kann ich überhaupt Netzwerken lernen?

Verwechsle Introvertiertheit nicht mit Schüchternheit oder Zurückhaltung. Es gibt introvertierte Menschen mit sehr viel Charisma und Selbstbewusstsein. Es gibt introvertierte Schauspieler, introvertierte Redner und introvertierte Coaches. Introvertiert zu sein bedeutet nicht, nicht netzwerken zu können. Wenn du eher introvertiert bist, kannst du wie jeder andere das Netzwerken lernen.

Introvertierte Menschen sind weder automatisch schüchtern noch unsicher. Der entscheidende Unterschied zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen ist die Art, wie sie wieder zu Energie kommen. Eine introvertierte Person sehnt sich nach zwei Stunden intensivem Austausch mit Menschen nach Ruhe. Die Netzwerk-Party war schön, aber jetzt darf es zurück in die eigene Wohnung zu einem guten Buch und einem Glas Wein gehen. Netzwerken ist für introvertierte Menschen mit einem großen Energieaufwand verbunden.

Wenn du eher introvertiert bist, kannst auch du das Netzwerken lernen. Wichtig ist, dass du gut auf dich und deine Bedürfnisse achtest. Vielleicht möchtest du eher kleine, private Veranstaltungen für dein Networking nutzen. Und vielleicht möchtest du dir dafür einen zeitlichen Rahmen setzen. Bist du erfahrungsgemäß nach zwei Stunden überlastet, verlässt du das Event exakt nach diesen zwei Stunden und gönnst dir Ruhe und Erholung bei einer Tätigkeit, die dich mit Energie auflädt.

Warum ist Networking wichtig?

Es gibt viele Gründe, die für das Netzwerken sprechen. Wir haben einige Gründe für dich zusammengetragen:

  • Kontakt zu Gleichgesinnten: Du baust dir ein Netzwerk aus Menschen mit ähnlichen Interessen oder dem gleichen beruflichen Background. In einem beruflichen Netzwerk unterstützt ihr euch gegenseitig. Ihr könnt Tipps weitergeben, Informationen austauschen und euch gegenseitig bei der Jobsuche helfen.
  • Kontakt zu Personen anderer Branchen: Dein Netzwerk soll dich bereichern. Tausche dich nicht nur mit Personen aus, die den gleichen Job haben wie du. Auch fachfremde Personen haben wertvolle Informationen für dich. Dabei profitierst du von persönlicher Weiterbildung. Du wirfst einen Blick über den Tellerrand und kannst dich inspirieren lassen. Deine Kreativität wird es dir danken.
  • Unterstützung und Hilfe bei der Jobsuche: Im Unternehmen deines besten Freundes wird eine Stelle frei und dein Profil passt perfekt dazu? Natürlich wird dein Freund an dich denken und dir davon erzählen. Dein Nachbar macht sich gerade als Handwerker selbstständig und deine Eltern renovieren gerade und bräuchten Hilfe? Natürlich stellst du hier den Kontakt her und beiden Seiten ist geholfen. Ein Netzwerk besteht aus Geben und Nehmen.
  • Dein Selbstbewusstsein wird gestärkt: Der Aufbau und die Pflege eines Netzwerks tun deinem Selbstbewusstsein gut. Das Ansprechen fremder Menschen war nie so dein Ding? Mit etwas Übung gelingt dir das immer besser und du wirst persönlich von dieser Erfahrung profitieren. Irgendwann hältst du hier und da ganz selbstverständlich ein nettes Schwätzchen.
  • Netzwerken hat einen Spaß-Faktor: Es macht Spaß, auf einem Event Menschen zu treffen, die du online oder auf einem vorherigen Event bereits kennengelernt hast. Außerdem ist es spannend, mehr über die verschiedenen Ideen und Sichtweisen anderer zu erfahren. Aus manch einem lockeren Gespräch wird ein enger Kontakt und manchmal entwickelt sich sogar eine Freundschaft daraus. Es lohnt sich also, offen für andere Menschen zu sein und andere zu unterstützen.

Fazit

Na gut, du musst nicht unbedingt ein Kaffeetrinker sein, um dir ein Netzwerk aufzubauen. Du kannst auch bei einem Bier, einer Tasse Tee oder einem Stück Kuchen netzwerken. Es muss auch nicht immer etwas gegessen oder getrunken werden. Wichtig ist, dass du mit anderen ins Gespräch kommst. Jeder kann sich systematisch ein Netzwerk aufbauen und Kontakte pflegen. Wichtig ist, dass du dir bewusst machst, warum du über deinen Schatten springst: Zahlreiche Stellen werden über persönliche und berufliche Kontakte vergeben. Gut vernetzt zu sein, ist also eine Investition in deine berufliche Zukunft. Ein Netzwerk solltest du aufbauen, bevor du es brauchst. Sorge dafür, dass du gute Kontakte hast und Unterstützung bekommst, wenn du sie brauchst. Und umgekehrt. Sei für andere mit deinem Fachwissen, deinen Tipps und Empfehlungen da, wenn sie dich brauchen.

 

Weitere Infos findet ihr in den nachfolgenden Links:

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