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Passt dein Name zum Gesicht?

Das sagt der Bob-Kirk-Effekt über dich aus

Foto: cottonbro / Pexels
Foto: cottonbro / Pexels

Klamotten, Handschlag, Make-up und Frisur – sehen wir jemanden zum ersten Mal, bilden wir uns sekundenschnell aufgrund von banalen und oft oberflächlichen Dingen eine Meinung über die Person. Das passiert ganz unbewusst und meistens nehmen wir die Merkmale nicht einmal richtig wahr. Der Bob-Kirk-Effekt zeigt: Zur Meinungsbildung brauchen wir noch nicht einmal die Person zu sehen, sondern müssen nur ihren Namen hören. Wir geben dir einen kurzen Überblick, was der Bob-Kirk-Effekt ist und wie du den Effekt für dich nutzen kannst.

Bob-Kirk-Effekt: Passt mein Name zum Gesicht? Foto: chuttersnap qvt / unsplash

Bob-Kirk-Effekt: Passt mein Name zum Gesicht? Foto: chuttersnap qvt / unsplash

Bob-Kirk-Effekt – was ist das?

Sprechen Leute vom Bob-Kirk-Effekt, meinen sie damit ein psychologisches Phänomen, das besagt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Namen einer Person und der Vorstellung, die du über das Aussehen der Person hast, besteht. Die Forscher David Sidhu und Penny Pexman von der University of Calgary konnten beweisen, dass die Mehrheit Vornamen wie Bob mit einem runden und weichen Gesicht verbindet und Vornamen wie Kirk Personen mit schmalen und kantigen Gesichtszügen zuordnet. 

Dafür gibt es einen Grund. Der Klang des Namens weckt bei deinem vorschnellen Gehirn Assoziationen. Eine weiche oder harte Betonung des Namens führt bei dir unbewusst zu einer bestimmten Vorstellung über das Aussehen der Person. In unserem Kopf machen wir uns bereits ein Bild über den Namensträger – wie sieht die Person aus? Welche Gesichtszüge hat sie?

Durch diese vorläufige Meinung, die du dir schon unbewusst vorab machst, kann es dir danach so vorkommen als würde der Name nicht zum wirklichen Aussehen deines Gegenübers passen. 

Was ist mit Molly und Kate?

Der Bob-Kirk-Effekt tritt nicht nur bei männlichen Namen auf, auch wenn der Name des Effekts es erst einmal vermuten lässt. Der Bob-Kirk-Effekt ist nicht geschlechterspezifisch. Hörst du einen weiblichen Namen, passiert vor deinem inneren Auge genau dasselbe. Du machst dir unbewusst ein Bild von der zum Namen gehörigen Frau nur aufgrund des Namens.

Das kanadische Forscherteam, das dieses psychologische Phänomen untersucht hat, führte die Testreihe zusätzlich mit dem Namen Molly und Kate durch und erhielt die gleichen Ergebnisse. 75 % der Probanden ordneten den Namen Molly einem weichen und runden Gesicht zu. Der Klang des Namens Molly weckt bei uns durch die weich klingenden Buchstaben die Vorstellung ebenso weicher Gesichtszüge.

Klang und Form

Die Form der Buchstaben ist nicht die einzige Begründung für den Bob-Kirk-Effekt. Buchstaben wie t werden mit schmalen und kantigen Gesichtern verbunden. Runde Buchstaben wie o führen in unserem Kopf zur Vorstellung von ebenso runden und weichen Gesichtszügen. Teilweise stimmt diese Begründung auch, aber entscheidend ist die Aussprache und der Klang der Namen. In der Studie von Sidhu und Pexman wurde nachgewiesen, dass der Bob-Kirk-Effekt ebenfalls auftritt, wenn die Namen rein akustisch präsentiert werden. Genauer gesagt geht es hier um stimmlose und stimmhafte Laute.

Hat ein Name stimmlose Laute, klingt er kürzer und härter. Das liegt daran, dass die Stimmbänder bei der Aussprache dieser Buchstaben nicht vibrieren. Dadurch entsteht ein harter Klang. Stimmlose Laute in der deutschen Sprache sind beispielsweise f, t, p, k. Bei stimmhaften Lauten wie b, m, g und l vibrieren die Stimmbänder und die Buchstaben klingen weicher.

Der Klang eines Namens und die Aussprache wecken in uns unbewusst Assoziationen. Bei einem harten Klang entsteht ein Bild von einem ebenso harten und kantigen Gesichts in deinem Kopf. Wir assoziieren also unbewusst den Klang eines Namens mit dem für uns passenden Gesicht.

Bob-Kirk-Effekt – was ist das? Foto: ryoji iwata / unsplash

Bob-Kirk-Effekt – was ist das? Foto: ryoji iwata / unsplash

Maluma-Takete-Effekt

Der Bob-Kirk-Effekt war nicht das erste psychologische Phänomen, das diesen Zusammenhang untersucht hat. Der deutsche Psychologe Wolfgang Köhler entdeckte Ende der 1920er Jahre den Maluma-Takete-Effekt. Bei seinem Test ging der Psychologe etwas anders vor und zeigte den Befragten vermeintlich zufällige Formen statt Gesichtern.

Anschließend sollten die Teilnehmer den verschiedenen Formen – spitze, runde, kantige, eckige – die Begriffe Takete und Maluma zuordnen. Die beiden Begriffe hatten keine Bedeutung und konnten ohne bereits bestehende Assoziationen den Formen zugeordnet werden. Wie du dir wahrscheinlich denken kannst, wurden die runden Formen von 90 % der Probanden mit dem Begriff Maluma verbunden und eckige Formen mit Takete. Bestätigt wurde dieser Effekt in den 2000ern durch den Bouba-Kiki-Effekt.

Der Effekt wurde bereits in mehreren Sprachen untersucht und die Ergebnisse der verschiedenen Studien zeigen, dass der Bob-Kirk-Effekt nicht nur in einer bestimmten Sprache oder Kultur auftritt.

Namen und ihre Eigenschaften

Der Bob-Kirk-Effekt geht noch einen Schritt weiter. Neben den Gesichtszügen verbinden wir auch, ohne es zu wissen, Charaktereigenschaften mit Namen. Persönlich kennen wir die Person zwar nicht, trotzdem machen wir uns schon vorab ein konkretes Bild von ihr. Namen mit weichem Klang wie Bob oder Molly assoziieren wir mit positiven Charakterzügen wie lustig und liebevoll. Negative Eigenschaften werden hart klingenden Namen zugeordnet. Kate und Kirk werden deshalb eher als laut und aggressiv eingeschätzt, obwohl wir sie nicht kennen.

Dein neues Wissen über den Bob-Kirk-Effekt kannst du jetzt dafür nutzen, deine Einschätzungen Personen gegenüber zu hinterfragen. Dir ist es wahrscheinlich schon passiert, dass du jemanden irgendwie unsympathisch fandest, obwohl du nur kurz Hallo gesagt hast. Vielleicht war der Name oder die Unstimmigkeit zwischen Gesicht und Namen daran schuld. 

Jetzt fragst du dich bestimmt: Passt mein Name zu meinem Gesicht? Natürlich funktioniert das Ganze genauso gut andersherum und der Klang deines Namens weckt in anderen Assoziationen zu dir und deinem Aussehen. Du kannst den Effekt deshalb dafür nutzen, das Verhalten deines Gegenübers besser nachzuvollziehen. Vergiss also nicht, dass andere dich vielleicht auf eine bestimmte Weise wahrnehmen, weil sie diese Eigenschaften zum Beispiel wegen des Klangs deines Namens mit dir verbinden. Mach dir aber keine Sorgen, wenn du einen hart klingenden Namen hast. Überzeuge die Leute mit deinem Charakter, dann spielt dein Name keine Rolle mehr. 

Kleiner Tipp an alle zukünftigen Eltern – Vorsicht bei der Namenswahl!  Als alleiniges Auswahlkriterium für den Namen sollte der Bob-Kirk-Effekt natürlich nicht genutzt werden. Aber denk daran, wie Namen auf andere wirken.

Fazit

Mit dem Bob-Kirk-Effekt lässt sich das Gefühl erklären, dass das Aussehen einfach nicht zum Namen der dazugehörigen Person passt. Dieses psychologische Phänomen wurde in mehreren Studien und Sprachen untersucht und bestätigt. Der Klang und die Aussprache eines Namens wecken in uns nicht nur Assoziationen zum Aussehen einer Person, sondern auch zu den Charakterzügen. Lass dich davon aber nicht zu sehr beeinflussen und hinterfrage deine erste Meinung über Leute. Planst du also ein Blind Date mit einer Mona oder einem Jonas, sei nicht enttäuscht, wenn sich dein Gegenüber doch als schlecht gelaunter Kirk oder miesepetrige Kate entpuppt.

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