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Posttraumatische Belastungsstörung im Beruf?

Gewalt lauert überall

Foto: joshua rawson harris / unsplash
Foto: joshua rawson harris / unsplash

Gewalt kann viele Gesichter haben. Sie kann körperlicher Natur sein, aber auch die psychische Ebene betreffen. Sowohl körperliche als auch psychische Verletzungen können Traumata nach sich ziehen. Eine posttraumatische Belastungsstörung kann nicht nur Menschen treffen, die in Kriegsgebieten leben oder Kriegszeiten erlebt haben, sondern auch Menschen, in deren Alltag etwas Traumatisches passiert. Dabei können sie die traumatischen Ereignisse selbst erleben oder bei anderen sehen. So können auch ein plötzlicher Jobverlust sowie anhaltendes Mobbing am Arbeitsplatz dazu führen, dass Betroffene Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigen. Hinzukommt, dass eine posttraumatische Belastungsstörung bei einigen Berufsgruppen besonders häufig vorkommt. Eine schwere Kränkung im Beruf oder Privatleben kann ebenfalls zu psychischen Störungen führen und beispielsweise eine posttraumatische Verbitterungsstörung zur Folge haben. 

Posttraumatische Belastungsstörung – was ist das überhaupt?

Grundsätzlich geht man aus medizinischer Sicht davon aus, dass eine posttraumatische Belastungsstörung durch ein traumatisches Erlebnis entsteht. Bei solch einem traumatischen Erlebnis kann es sich um einen schweren Unfall, Krieg, Naturkatastrophen, Folter, eine Vergewaltigung oder andere Gewalterfahrungen handeln. Im Alltag werden Betroffene häufig von der Erinnerung an das Ereignis verfolgt. 

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann zu Symptomen wie Angst, Gereiztheit sowie einer generellen Angespanntheit führen. Hinzukommt, dass Betroffene häufig unter quälenden Erinnerungen leiden oder das Trauma in Gedanken erneut erleben. Oftmals werden die Erinnerungen auch verdrängt und Betroffene meiden Situationen und Faktoren, die sie an das Ereignis erinnern könnten. Dadurch werden die Ängste oftmals noch verschlimmert. Bleibt eine posttraumatische Belastungsstörung unbehandelt, haben Betroffene oftmals jahrelang damit zu kämpfen. Es ist daher empfehlenswert, eine posttraumatische Belastungsstörung frühzeitig zu erkennen und Hilfe bei einem entsprechend ausgebildeten Psychotherapeuten zu suchen. 

 

Posttraumatische Belastungsstörung – was ist das überhaupt? Foto: alex block / unsplash

Posttraumatische Belastungsstörung – was ist das überhaupt? Foto: alex block / unsplash

Posttraumatische Belastungsstörung – welche Berufsgruppen sind besonders betroffen?

Eine posttraumatische Belastungsstörung trifft besonders häufig Personen, die zu Berufsgruppen gehören, die regelmäßig traumatischen Ereignissen ausgesetzt sind. Dazu gehören beispielsweise Soldaten, aber auch Polizisten, Kriminalbeamte, medizinisches Personal und Menschen, die in Hilfeberufen oder sozialen Berufen arbeiten. Auch Überlebende von Gefangenschaft, Genozid, Militäreinsätzen und Vergewaltigungen sind häufig betroffen. Als besonders gefährdet gelten Personen mit gewissen Voraussetzungen. So können emotionale Probleme in der frühen Kindheit, bereits bestehende psychische Probleme, niedriger Intelligenzquotient, niedriger Bildungsgrad, niedriger sozioökonomischer Status, ein geringes Lebensalter sowie die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung begünstigen. Eine posttraumatische Belastungsstörung durch eine Kündigung oder andere schwere Kränkung im Beruf wird so von Medizinern möglicherweise noch nicht anerkannt. Auch wenn laut einigen Experten auch hier die Anzeichen für eine posttraumatische Belastungsstörung sprechen können. Es gibt jedoch die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz ICD) und diese gibt Richtlinien für die Diagnose einer Erkrankung vor. Auch wer eine posttraumatische Belastungsstörung durch eine Kündigung bei sich vermutet und ähnliche Symptome hat, bekommt daher möglicherweise eine andere Diagnose. Hier sollten Betroffene mit ihrem Arzt oder Psychotherapeuten sprechen. Eventuell handelt es sich um eine posttraumatische Verbitterungsstörung. 

Posttraumatische Verbitterungsstörung – was ist das eigentlich?

Verbitterungsreaktionen können auftreten, wenn Menschen eine Ungerechtigkeit, einen Vertrauensbruch oder eine Herabwürdigung erlebt haben. Zu Verbitterungsreaktionen kann es sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld kommen. Auch andere einschneidende Erlebnisse wie eine schwere Erkrankung können zu Verbitterungsreaktionen führen. Die posttraumatische Verbitterungsstörung ist eine Sonderform der Verbitterungsreaktion. 

Eine posttraumatische Verbitterungsstörung kann die Reaktion auf eine große Belastung sein. Eine solche Belastung kann beispielsweise Kränkungen am Arbeitsplatz, plötzlicher Jobverlust, Eheprobleme und Trennungen sein. Auch Lebensereignisse, die zu einschneidenden Veränderungen führen, können eine posttraumatische Verbitterungsstörung zur Folge haben. So kann auch der Tod eines nahestehenden Menschen, ein Schulwechsel, die Pensionierung, Emigration, Arbeitslosigkeit oder Heirat dazu führen, dass man mit der neuen Situation nicht klarkommt. Unfälle, Operationen, Flucht, Raub und Migration können ähnliche Auswirkungen haben. Auch bei der posttraumatischen Verbitterungsstörung spielen begünstigende Faktoren eine wichtige Rolle. Zu schweren Verbitterungsreaktionen kann es kommen, wenn durch das Erlebnis wichtige Grundannahmen eines Menschen verletzt werden. Glaubt jemand beispielsweise fest daran, dass der Beruf das Wichtigste im Leben eines Menschen ist und kommt es zu einer plötzlichen Kündigung oder anderen Kränkungen am Arbeitsplatz, kann diese Grundannahme erschüttert werden. Das Weltbild wird zerstört und daraus kann sich zuweilen bei entsprechender Prädisposition eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. 

 

Posttraumatische Belastungsstörung im Beruf? Gewalt lauert überall / Foto: cody board / unsplash

Posttraumatische Belastungsstörung im Beruf? Gewalt lauert überall / Foto: cody board / unsplash

Was können Arbeitgeber tun?

Arbeitgeber können viel tun, um einer posttraumatischen Belastungsstörung oder eine posttraumatischen Verbitterungsstörung am Arbeitsplatz vorzubeugen. Müssen in einem Unternehmen Mitarbeiter aus verschiedenen Gründen gekündigt werden, dann sollte dieser Schritt mit viel Sensibilität und Verständnis für die Gefühle der Mitarbeiter durchgeführt werden. Eine posttraumatische Belastungsstörung durch eine Kündigung lässt sich möglicherweise verhindern, wenn der Mitarbeiter mit Respekt behandelt wird. Wer Jahrzehnte seines Lebens in einem Unternehmen verbringt, stets ein geschätzter Mitarbeiter war und nun aus betrieblichen Gründen gekündigt werden muss, sollte beispielsweise nicht nur ein formelles Kündigungsschreiben bekommen. In einem persönlichen Gespräch lassen sich die Gefühle und Reaktionen des gekündigten Mitarbeiters besser auffangen. In Berufen, in denen es häufig zu traumatischen Erlebnissen kommt, müssen Arbeitgeber dafür sorgen, dass betroffene Mitarbeiter danach schnell Hilfe bekommen. Eine schnelle Hilfe kann verhindern, dass sich durch traumatische Erlebnisse eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Unternehmen Strategien für die erste Hilfe nach belastenden Ereignissen entwickeln. In einigen Unternehmen gibt es bereits heute Mitarbeiter, die sich speziell um die Seelsorge von Kollegen kümmern. 

Fazit

Belastende Lebensereignisse treffen viele Menschen im Laufe ihres Lebens. Trauer, Wut, Angst, Verzweiflung und Verbitterung gehören zu den normalen Reaktionen, die einschneidende Ereignisse bei einem Menschen auslösen können. Um eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine posttraumatische Verbitterungsstörung handelt es sich erst dann, wenn dieser Zustand nicht mehr aufhört. Wenn ihr nach einigen Wochen das Gefühl habt, dass ihr durch ein schwerwiegendes Ereignis nicht mehr in der Lage seid, euren Alltag zu bewältigen und die negativen Gefühle werden nicht weniger, dann solltet ihr euch an einen Arzt oder Psychotherapeuten wenden.

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