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Resilienz?

Wir zeigen euch, wie ihr robust durch das Leben geht

Foto: disruptivo / unsplash

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, warum manche Menschen nach einem Schicksalsschlag daran zerbrechen, andere sich wiederum in genau der gleichen Situation aufrappeln und nicht unterkriegen lassen? Das Geheimnis dieser Menschen ist ihre Resilienz. Was das ist und wie auch ihr Resilienz lernen könnt, verraten wir euch in diesem Ratgeber.

Resilienz? Noch nie gehört!

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Physik. Wissenschaftler bezeichnen damit die Fähigkeit eines Materials, nach jeder Verformung wieder seine ursprüngliche Form anzunehmen. Seit Anfang der 1990er nutzen Verhaltensforscher den Begriff auch für Menschen mit einer enormen seelisch-emotionalen Widerstandskraft gegen negative Folgen von 

  • Stress
  • Rückschläge
  • Verluste
  • und anderen Lebenskrisen.

Das Gegenteil von Resilienz ist in der Psychologie Vulnerabilität. Hiermit werden jene beschrieben, die deutlich leichter durch negative Erlebnisse und Ereignisse aus der Bahn geworfen werden. Bei diesen Menschen ist die Gefahr größer, dass sie nach einem Schicksalsschlag psychische Krankheiten bekommen. 

Übrigens: Auch die leidige Pubertät gilt als eine vulnerable Phase. Der Übergang vom Teenager- ins Erwachsenenalter geht mit vielen inneren und äußeren Konflikten einher. Sicher erinnert ihr euch auch noch an die zahllosen Streitigkeiten mit euren Eltern, Lehrern, der ersten Liebe usw. All das sind Bewährungsproben, auf die ihr mehr oder weniger mit Resilienz reagiert habt.

 

Resilienz? Wir zeigen euch, wie ihr robust durch das Leben geht / Foto: louis smit / unsplash

Resilienz? Wir zeigen euch, wie ihr robust durch das Leben geht / Foto: louis smit / unsplash

Resilienz lernen – so werdet auch ihr zum Felsen in der Brandung

Falls ihr gerade denkt "Puh, das will ich auch können!", hier die gute Nachricht: Resilienz kann man lernen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es unzählige Ansätze hierfür in der Verhaltensforschung gibt. Daher beschränken wir uns im Folgenden auf die zwei verbreitetsten Konzepte. 

Die 7 Säulen der Resilienz

Laut Prof. Dr. Jutta Heller solltet ihr euch drei Fähigkeiten und vier Verhaltensweisen aneignen, um besser mit Problemen und Lebenskrisen umgehen zu können. Zu den 7 Säulen der Resilienz gehören:

1. Optimismus: Zugegeben, das klingt banal, hilft aber ungemein. Macht euch immer bewusst, dass negative Ereignisse nicht ewig anhalten. Wenn ihr fest daran glaubt, dass ihr euch wieder aufrappelt und alles gut wird, ist der Grundstein für das Überwinden eines Tiefs bzw. die Stärkung eurer Resilienz gelegt.

2. Akzeptanz: Damit ihr eine schlimme Situation meistern könnt, ist es wichtig, sie anzunehmen. Eure große Liebe hat euch beispielsweise verlassen oder ihr bekommt euren heiß ersehnten Ausbildungs- oder Studienplatz nicht? Das ist schlimm - ohne Frage. Aber indem ihr der schmerzhaften Realität ins Auge seht und die Situation akzeptiert, wie sie ist, konzentriert ihr euch auf die Dinge, die ihr beeinflussen könnt.

3. Lösungsorientierung: Kennt ihr Menschen, die ewig immer wieder das gleiche Problem diskutieren, ohne dass sich irgendwann etwas ändert? Dies nennt man Problemorientierung. Die Krux daran: Dadurch wird es nie besser - ganz im Gegenteil. Es ist daher wichtig, immer zu hinterfragen "Wie kann ich das Problem lösen?" oder auch "Wie gehe ich mit der Situation um?".

4. Verantwortung übernehmen: Auch wenn ihr für eine Hürde oder Krise nichts könnt, ist es wichtig, sich nicht als Opfer zu sehen. Dadurch gebt ihr Menschen oder Umständen die Macht, über euch zu bestimmen - was zu einem leidigen Ohnmachtsgefühl führt. Indem ihr euch bewusst macht, inwieweit ihr die Situation beeinflussen könnt, euer Verhalten reflektiert und die Opferrolle verlasst, holt ihr euch Stück für Stück die Kontrolle zurück und übernehmt Verantwortung für euch und euer Handeln.

5. Netzwerkorientierung: Das Gefühl, ganz allein mit einem Problem zu sein, verstärkt die Auswirkung von Schicksalsschlägen noch mehr. Doch seid euch gewiss: Ihr seid nie allein damit. In eurem familiären Umfeld, eurem Bekannten- und Freundeskreis oder den Weiten des Internets gibt es Menschen, die diese Situation kennen, euch verstehen und unterstützen. Hierfür ist es allerdings wichtig, Kontakt zu anderen aufzubauen und zu halten. Igelt euch nicht ein, sondern sucht aktiv nach Gleichgesinnten, die Freud und Leid mit euch teilen.

6. Selbstwirksamkeit: Dies ist etwas, das wir alle bereits mehr oder weniger als Babys und Kleinkinder gelernt haben: das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten. Leider schreiben wir Erfolge oft dem Glück zu, statt unserem eigenen Können - daran lässt sich aber arbeiten. Hinterfragt eure Aussagen in Zukunft ruhig öfter mal. War das wirklich Zufall/ Glück oder nicht viel eher euer Verdienst? Übrigens: Diese Fähigkeit wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft mit Selbstbewusstsein gleichgestellt. Selbstwirksamkeit ist allerdings eher ein Baustein dessen. 

7. Zukunftsorientierung: Sicher kennt ihr auch Menschen, die in der Vergangenheit leben und sich immer wieder fragen "Was wäre wenn...?". Auf diese Frage wird es allerdings nie eine Antwort geben. Daher ist es wichtig, den Blick nach vorne zu richten. Klare Ziele und Visionen helfen dabei ungemein. Dazu zählt allerdings auch, sich auf mögliche Schwierigkeiten in der Zukunft vorzubereiten - sei es beispielsweise in Form von Aus- und Weiterbildung als Schutz vor einem Arbeitsplatzverlust. Wenn ihr einen Plan B habt, können euch viele Probleme nicht kalt erwischen. 

Die 7 Säulen der Resilienz / Foto: joanna nix walkup

Die 7 Säulen der Resilienz / Foto: joanna nix walkup

Die 7 Faktoren der Resilienz

Wie Dr. Denis Mourlane in seinem Buch "Resilienz: Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen" beschreibt, gibt es sieben Resilienzfaktoren, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

  • Emotionssteuerung und Impulskontrolle: Ihr nehmt eure Gefühle wahr und entscheidet bewusst, wie sie euch beeinflussen. Selbst wenn euch diese Emotionen zu einem bestimmten Verhalten drängen, behaltet ihr die Kontrolle darüber.
  • Kausalanalyse: Ihr untersucht die Ursachen einer Situation bzw. eures Zustandes und bewertet diese ehrlich.
  • Realistischer Optimismus, Selbstwirksamkeitsüberzeugung und Zielorientierung: Wie auch im Konzept von Prof. Dr. Jutta Heller, sind diese Aspekte Grundbausteine von Resilienz.
  • Empathie: Ihr könnt euch in andere Menschen hineinversetzen, um ihre Ansichten, Absichten und Motive zu verstehen.

Fazit

Der amerikanische Philosoph Reinhold Niebuhr brachte diese Weisheit mit dem sogenannten "Serenity Prayer" (bzw. zu Deutsch "Gelassenheitsgebet") um 1940 auf den Punkt:

"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, 

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, 

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Es ist unmöglich Andere zu verändern oder zu beeinflussen. Wenn ihr euch allerdings auf die Dinge fokussiert, die in eurer Macht liegen und euer Handeln reflektiert, werdet ihr nicht zum Spielball eures Umfelds, sondern gestaltet euer Leben aktiv. Leider gibt es Ereignisse, wie den Todesfall eines geliebten Menschen, die Zeit brauchen, bis man damit leben lernt. Auch dafür ist es eben wichtig, Resilienz zu trainieren.

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