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Schleimen beim Chef

Eine Anleitung

Foto: boyer / unsplash
Foto: boyer / unsplash

Schnecken und manche Kollegen haben etwas gemeinsam: Sie schleimen und kommen dadurch vorwärts. Beide machen sich dadurch nicht sonderlich sympathisch. Schleimer haben es sich zur Aufgabe gemacht, bei ihrem Chef um jeden Preis gut anzukommen. Deshalb drehen sie ihr Fähnchen gerne im Wind, brechen bei jedem Vorschlag des Chefs in Begeisterungsstürme aus, lachen über jeden seiner Witze und sorgen dafür, dass alle anderen Kollegen Profis im Augenrollen werden. Denn mal ehrlich, auch wenn das Einschleimen beim Chef möglicherweise gut ankommt, alle anderen sind genervt. Wenn einer eurer Kollegen massiv Schleimproduktion betreibt und dafür in Kauf nimmt, dass er beim Mittagessen immer allein am Tisch sitzt, dann muss das einen triftigen Grund haben. Schleimen kann die Karriere vorantreiben und dabei helfen, die Karriereleiter im Eiltempo zu erklimmen. Ihr wollt anderen nicht länger beim Schleimen zuschauen, sondern mit Hilfe gekonnter Schmeicheleien selbst den Karriereturbo zünden? Wir verraten euch wie. 

Schleimen – erzürnt Kollegen und zündet den Karriereturbo / Foto: justin veenema / unsplash

Schleimen – erzürnt Kollegen und zündet den Karriereturbo / Foto: justin veenema / unsplash

Was genau macht eigentlich ein Schleimer?

Auch wenn es für den Schleimer viele Vorteile bringen kann, das Schleimen hat auch zahlreiche Nachteile. So erzeugt es nicht selten Wut und Missgunst unter den Kollegen und kann das Arbeitsklima vergiften. Zwar geht es einem Schleimer in erster Linie darum, die Aufmerksamkeit und Gunst seines Chefs zu gewinnen, aber sein Verhalten bleibt natürlich auch unter den Kollegen nicht unbemerkt. Was ihr also wissen solltet: Wenn ihr professionell ins Schneckenschleim-Business einsteigen wollt, müsst ihr mit negativen Reaktionen eurer Kollegen rechnen. Ein gelegentliches Feierabendbierchen oder ein netter Kaffeeplausch unter Kollegen wird euch in Zukunft eher nicht beschert sein. Dafür steigt ihr möglicherweise karrieretechnisch auf. Ihr solltet euch also gut überlegen, was ihr wollt.

Wenn euer Chef euch deutlich bevorzugt, dann ist das für eure Kollegen immer ein Problem. Erst recht problematisch ist es, wenn ihr euch diesen Sonderstatus durch strategisches Schleimen erarbeitet habt. Das Betriebsklima leidet unter schleimenden Mitarbeitern. Andere Mitarbeiter fühlen sich durch den Schleimer wahrscheinlich gestresst und sind nicht besonders gut auf ihn zu sprechen. Doch was macht einen Schleimer überhaupt aus? Wie zeigt sich das Schleimen im Berufsalltag? Darauf gibt es keine ganz klare Antwort, Schleimer können sich durch unterschiedliche Verhaltensweisen und Handlungen beim Chef einschleimen. Das könnte beispielsweise so aussehen:

  • Der Schleimer wird nicht müde, dem Chef zuzustimmen und ihn zu bekräftigen.
  • Jede Idee – und sei sie auch noch so dumm – wird freudig begrüßt.
  • Was? Jemand hat den Boss kritisiert? Hier wird sofort Partei für ihn ergriffen.
  • Im Meeting pflichtet der Schleimer dem Chef natürlich immer bei.
  • Schlechte Witze? Schlechte Witze hat der Schleimer vom Chef noch nie gehört. Er findet alle irre witzig.
  • Wenn der Chef einen Fehler macht, handelt es sich selbstverständlich um eine Lappalie. Nicht der Rede wert.
  • Ist der Schleimer mit dem Chef per du, darf das ruhig jeder wissen. Das "Du" wird inflationär benutzt, insbesondere in Meetings.
  • Ach petzen ist doch gar nicht so schlimm, der Chef muss doch wissen, was in seinem Unternehmen abgeht.
  • Schleimer wiederholen gerne die Worte des Chefs.
  • Der Chef ist so toll, da darf man ihn auch dauernd loben.
  • Manche Schleimer betteln regelrecht darum, vom Chef Feedback und Bestätigung zu bekommen.
  • Wo im Unternehmen könnte es schöner sein als an der Seite des Chefs? Nirgendwo, ganz genau. Wer schleimen will, sucht die Nähe seines Vorgesetzten.
  • Gerne werden Chefs von Schleimern auffallend bewundert.
  • Wenn der Schleimer einen Rat braucht, wendet es sich an seinen Chef. Dieser großartige Mensch muss einfach der beste Ratgeber sein.

Achtung: Natürlich müssen all diese Verhaltensweisen und Handlungen nicht dem Schleimen zugeordnet werden. Manche Menschen sind einfach nett oder ein Kollege bewundert den Chef ganz aufrichtig und möchte ihm nacheifern. Damit dies als Schleimen deklariert werden kann, muss Absicht dahinterstecken. Das heißt, gelobt und bewundert wird nicht aus Nettigkeit, sondern mit einem Ziel vor Augen. Nicht immer sind Schleimer dabei aufrichtig. Sie sagen einfach, was das Gegenüber vermeintlich hören will. 
 

Was macht Schleimer so erfolgreich?

Beim Schleimen geht es nicht darum, ständig ein Lob in den Raum zu werfen. Ihr müsst durchaus etwas Gespür für Situationen und Menschen haben, um euch richtig einschleimen zu können. Bei den ganzen Schmeicheleien geht es darum, die Gunst des Chefs zu erlangen. Ihr wollt dem Chef positiv auffallen und bei Entscheidungen berücksichtigt werden. Oftmals sind die Dauer der Betriebszugehörigkeit, die Fähigkeiten, die Erfahrung und die Leistung weniger entscheidend für den beruflichen Aufstieg, als wir glauben. Beruflicher Erfolg hat nur zu einem geringen Teil mit der persönlichen Fachkompetenz zu tun. Wesentlich wichtiger sind Beliebtheit und Bekanntheit. Hat der Entscheider uns im Blick und waren wir mit dem Schleimen erfolgreich, steigen wir in seiner Gunst. Die nächste Beförderung lässt nicht mehr lange auf sich warten. Wenn andere sehen, wie gut das funktioniert, werden sie ihrerseits mit den Schmeicheleien beginnen und der Chef ist umzingelt von Speichelleckern. Keine schöne Vorstellung. Wichtig zu wissen ist, dass das Schleimen vor allem dann gut funktioniert, wenn euer Chef eher schwach ist. Unsichere Menschen lassen sich durch Lob und Bewunderung leichter einlullen als ein selbstbewusster Chef, der euch auf die Schliche kommt.

Was genau macht eigentlich ein Schleimer? Foto: marcos paulo prado / unsplash

Was genau macht eigentlich ein Schleimer? Foto: marcos paulo prado / unsplash

Und so legt ihr endlich los mit dem Einschleimen

Ihr wollt euch bei eurem Chef endlich einschleimen und wissen wie das geht? Allerdings sind euch auch die anderen Kollegen wichtig und ihr wollt nicht nur beim Chef beliebt sein, sondern bei allen anderen auch? Die folgenden Schritte können euch zu echten Schleimprofis und zum Büroliebling machen:

  • Seid der Gute-Laune-Garant im Büro. Sorgt für gute Stimmung im Büro, indem ihr ganz allgemein nette Worte und Lob verteilt.
  • Haltet euch bei Klatsch und Tratsch zurück. Irgendwie gehören Lästereien im Büroalltag dazu. Wollt ihr euren Beliebtheitsgrad jedoch steigern, steigt nicht voll ins Lästern ein. 
  • Augenkontakt ist wichtig. Haltet Augenkontakt zu euren Kollegen und zum Chef. Wenn ihr eurem Gegenüber direkt in die Augen schaut, wirkt das vertrauenerweckend. Übertreibt es jedoch nicht. Anstarren kommt nicht gut an und sorgt für Unbehagen.
  • Fummeln erlaubt. Ihr solltet mit euren Kollegen natürlich nicht auf Tuchfühlung gehen, aber wohldosierte Berührungen machen euch sympathisch. Hier und da ein freundliches Schulterklopfen lässt euch besonders herzlich erscheinen.
  • Das Feierabendbier kittet jede Beziehung. Wenn ihr enthaltsam leben und auf Alkohol verzichten wollt, dann wartet damit besser bis zur Rente. Für das gemeinsame Feierabendbier oder das Gläschen Sekt gibt es gute Gründe. Geselliges Beisammensein stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl unter Kollegen. Alkohol schafft hier eine besonders gute Basis, denn er bricht das Eis.
  • Liebe geht durch den Magen. Das ist nicht gelogen. Verwöhnt eure Kollegen und Vorgesetzten mit selbst gebackenem Kuchen oder Keksen oder bringt andere Leckereien mit ins Büro. die Herzen werden euch nur so zufliegen.

Fazit

Sagen wir es mal so, wenn es euch egal ist, was eure Kollegen von euch denken und euer Chef euch gefälligst bemerken und bei der nächsten Beförderung auf dem Schirm haben soll, dann nichts wie los und ordentlich Schleimen. Ihr vergiftet damit ein bisschen das Betriebsklima, indem ihr andere Mitarbeiter gegen euch aufbringt, aber das sollte euch eure berufliche Zukunft wert sein. Schleimen kann auf jeden Fall hilfreich sein, beruflich voranzukommen und für eine gute Stellung beim Chef zu sorgen. Gegen Schmeicheleien ist im Grunde kein Kraut gewachsen. Soll heißen, euer Chef kann sich gegen eure Lobhudelei nicht wehren und lässt sich gerne einlullen. Das gilt aber nicht für alle Vorgesetzten. Legt ein bisschen Fingerspitzengefühl an den Tag und achtet darauf, ob euer Boss Bewunderung positiv aufnimmt oder euch gleich durchschaut.

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