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Sich abgrenzen im Beruf

Wir zeigen wie!

Foto: allef vinicius / unsplash
Foto: allef vinicius / unsplash

Manchmal reichen wir einem Kollegen den kleinen Finger und er nimmt prompt die ganze Hand. Egal, was wir tun, es ist einfach nie genug. Ihr werdet andauernd um Hilfe gebeten, springt ein, weil der Kollege etwas verbockt hat, tauscht Dienste und Schichten oder übernehmt immer den unangenehmen Kunden, obwohl ihr das selbst nicht wollt. Sich abgrenzen im Beruf – das fällt vielen Menschen schwer. Wenn ihr merkt, dass euer Finger immer nach oben wandert, wenn zusätzliche Aufgaben anstehen und ihr damit überfordert seid, dann solltet ihr gegensteuern. Sich abgrenzen zu können, ist mindestens so wichtig, wie hin und wieder etwas für andere zu tun.

 

Sich abgrenzen im Beruf – so gelingt es euch / Foto: rupert britton / unsplash

Sich abgrenzen im Beruf – so gelingt es euch / Foto: rupert britton / unsplash

Sich abgrenzen im Beruf – warum fällt es uns oftmals so schwer?

Sich abgrenzen im Beruf – das fällt vielen Menschen schwer. Doch warum ist das so? Warum sagen wir manchmal "Ja", obwohl wir eigentlich "Nein" meinen? Wir haben nicht unbegrenzt Zeit und Energie, um alle Dinge, um die andere uns bitten, erledigen zu können. Oftmals übernehmen wir sogar ungefragt mehr Aufgaben und versuchen dadurch die Probleme anderer zu lösen. Folgende Gründe tragen dazu bei, dass Menschen sich nicht abgrenzen können:
 

  • Sich nicht abzugrenzen hat oftmals damit zu tun, dass wir uns wünschen, den sozialen Anschluss nicht zu verpassen. Wir möchten dazu gehören und ja nicht riskieren, jemanden vor den Kopf zu stoßen. Wenn der Chef noch eine weitere Aufgabe für uns hat, sagen wir zu. Bitten Kollegen um einen Gefallen, dann springen wir ein. Es ist verständlich, dass wir uns wünschen, ein Teil des Ganzen zu sein. Es ist verständlich, dass es uns schwerfällt, nein zu sagen. Aber nicht immer führt dieses Verhalten auch zu dem, was wir uns wünschen. Vielleicht bekommt ihr gar nicht die gewünschte Anerkennung und Achtung für euer Verhalten. Vielleicht fühlt ihr euch trotz eurer Bemühungen nicht zugehörig. Hier gilt es, genau auf euer Verhalten und dessen Wirkung zu achten.
     
  • Wer sich abgrenzen möchte im Beruf, hat oftmals mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Reagiert das Gegenüber negativ, fühlen wir uns für dessen Gefühle verantwortlich. Natürlich haben wir Einfluss auf die Gefühle anderer. In erster Linie ist jedoch jeder Mensch selbst für seine Gefühle verantwortlich. Das heißt, euer Gegenüber kann selbst wählen, wie er mit eurer Entscheidung umgeht. Zudem gilt, dass ihr auch auf eure Gefühle achten müsst. Immer Aufgaben zu übernehmen, um andere vor schlechten Gefühlen zu schützen, und dabei stets die eigenen Grenzen zu überschreiten, kann nicht Sinn der Sache sein.
  • Ein weiterer Grund, warum wir uns nicht so gut abgrenzen können, ist, dass wir Angst haben, durch die Abgrenzung den Kontakt zu anderen zu verlieren. Das heißt, wir befürchten, dadurch die Beziehung zu gefährden. In vielen Fällen ist es jedoch so, dass Kollegen und Vorgesetzte es zu schätzen wissen, wenn man sich klar abgrenzen kann. Wer sich klar abgrenzt, kennt seine Ressourcen und das Gegenüber weiß, dass man sich nicht überlastet, wenn man doch einmal auf eine Bitte eingeht.
     
  • Wer sich nicht so einfach abgrenzen kann, hat oftmals ein hohes Einfühlungsvermögen. Wenn man sich leicht in andere einfühlen kann, fühlt man sich schnell verantwortlich, für die Bedürfnisse des Gegenübers einzustehen. Dieses hohe Maß an Einfühlungsvermögen darf man auch nutzen, um sich selbst besser zu verstehen und sich zu erlauben, sich abzugrenzen. Es ist menschlich, nicht unendlich viel Zeit und Energie für andere aufwenden zu können.

 

Warum sollte ich mich eigentlich abgrenzen?

Sich abgrenzen im Beruf – das ist dann sinnvoll, wenn ihr merkt, dass ihr euch immer übernehmt und eure Grenzen überschreitet. Folgende Vorteile habt ihr, wenn ihr euch besser abgrenzen könnt:

  • Wenn ihr euch rechtzeitig abgrenzt, beugt ihr dadurch Ärger vor.
  • Sich abgrenzen zu können im Beruf, wirkt sich auf euer Selbstbewusstsein und euren Gefühlszustand aus. Ihr habt weniger mit Gefühlen wie Scham zu kämpfen.
  • Grenzen zu setzen, kann sich positiv auf eure Beziehungen auswirken. Euer Gegenüber weiß dann immer genau, mit wem er es zu tun hat und was er erwarten kann. Viele Menschen wissen klare Aussagen zu schätzen.
  • Es ist zudem ein gutes Gefühl, wenn euer Gegenüber weiß, dass ihr eure Grenzen kennt und gut für euch sorgt. Sich abzugrenzen, kann damit auch förderlich sein für die Beziehung zu eurem Chef und zu Kollegen. Hinzukommt, dass Abgrenzung die Achtung fördert. Ihr stärkt dadurch euer Image und eure Position im Unternehmen.

 

Sich abgrenzen im Beruf – warum fällt es uns oftmals so schwer? Foto: jeff sheldon / unsplash

Sich abgrenzen im Beruf – warum fällt es uns oftmals so schwer? Foto: jeff sheldon / unsplash

Sich abgrenzen im Beruf – wie lernt man das?

Möchtet ihr euch besser abgrenzen im Beruf, dann ist es wichtig, dass ihr die richtige Einstellung dazu entwickelt. Wenn ihr euch wie ein Untergebener verhaltet, werdet ihr auch so behandelt. Andere werden euch womöglich ausnutzen und euch keinen besonderen Wert beimessen. Dagegen bekommt ihr mehr Achtung, wenn ihr bewusst für euch und eure Grenzen einsteht. Hier sind ein paar Tipps, wie ihr euch im Beruf besser abgrenzen könnt:
 

  • Ihr müsst eurem Gegenüber kein "Nein" vor den Latz knallen. Ihr könnt auch wertschätzend "Nein" sagen und eure Grenzen klar abstecken.
  • Wichtig ist, welche Absicht hinter eurem "Nein" steckt. Wenn ihr "Nein" sagt, weil ihr dem Kollegen eins auswischen wollt, hat dies eine ganz andere Qualität, als wenn ihr einfach gut auf euch achtet und deshalb die Bitte ausschlagt.
  • Es ist sinnvoll, gleich "Nein" zu sagen, wenn ihr wisst, dass ihr eine Bitte nicht erfüllen wollt oder könnt. Das richtige Timing erspart euch langes Grübeln und negative Gefühle. Und ihr verärgert euer Gegenüber nicht dadurch, dass ihr zuerst zusagt habt und euch dann doch nicht daran halten wollt.
     

Sich abgrenzen zu können im Beruf, hat viel damit zu tun, wie ihr euch selbst seht und welchen Wert ihr euch und euren Bedürfnissen zugesteht. Hier ist es wichtig, dass ihr lernt, euch einfach anzunehmen.

 

Fazit

Sich abgrenzen zu können im Beruf, ist gar nicht einfach. Es lohnt sich aber. Ihr habt nur begrenzte Ressourcen, um euer Leben zu bestreiten. Hier hilft es, auch eure eigenen Bedürfnisse zu kennen und diese ernst zu nehmen. Wer für sich einstehen kann, wird als stärker wahrgenommen und andere wissen es zu schätzen, wenn ihr auf euch achtet.

 

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