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So lernt ihr schneller

die Feynman-Methode!

Feynman-Methode – Lernmethode in mehreren Schritten / Foto: windows pmu6 i4iyne / unsplash
Feynman-Methode – Lernmethode in mehreren Schritten / Foto: windows pmu6 i4iyne / unsplash

Möglicherweise kennen einige von euch die Feynman-Methode aus der Serie "The Big Bang Theory". Allerdings müsst ihr diese Methode nicht den sympathischen Nerds aus der Serie überlassen. Ihr könnt auch selbst davon profitieren. Jeder kann diese Methode anwenden und dadurch schneller lernen. Die Feynman-Methode verspricht, dass ihr dadurch bis zu vier Mal schneller lernen könnt. Wer jetzt stumpfes Auswendiglernen erwartet, liegt jedoch falsch. Ihr müsst ein Thema bis ins letzte Detail verstanden haben, wenn ihr euch mit dieser Lernmethode beschäftigt. Oftmals beschäftigen wir uns zwar intensiv mit einem Thema und glauben, es längst verstanden zu haben, doch sobald es darum geht, das Wissen abzurufen und für andere verständlich darzustellen, scheitern wir. Mit der Feynman-Methode passiert euch das nicht mehr.

Feynman-Methode – Auswendiglernen ist nicht Verstehen

Wenn ihr einen Stoff auswendig lernt, könnt ihr ihn vielleicht wiedergeben, aber habt ihr auch alle Sachverhalte verstanden? Könnt ihr das Gelernte in einfachen Worten wiedergeben? Auswendiglernen führt selten zu echtem Verstehen und häufig bleiben Wissenslücken. Dass wir ein Thema nicht vollständig verstanden haben, fällt uns häufig zu spät auf. Wir sitzen in der Klausur oder der mündlichen Prüfung und geraten ins Stocken. Wie kann das sein, wo wir so fleißig gelernt haben? So etwas kann passieren, wenn wir den Stoff auswendig lernen, ihn aber nicht verstanden haben. Die Feynman-Methode schafft hier Abhilfe.

 

Feynman-Methode – Auswendiglernen ist nicht Verstehen / Foto: priscilla du preez / unsplash

Feynman-Methode – Auswendiglernen ist nicht Verstehen / Foto: priscilla du preez / unsplash

Wer war Richard Feynman eigentlich?

Feynman war ein Physiker und Allroundtalent. Er beschäftigte sich mit Themen rund um die Physik und erhielt im Jahr 1965 zusammen mit den Wissenschaftlern Tomonaga und Schwinger den Nobelpreis. Er war auch in vielen anderen Bereichen tätig und war unter anderem daran beteiligt zu erklären, warum die Challenger-Raumfähre 1986 explodierte. Ihm gelang es durch eine Reihe grafischer Elemente komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen. Zudem soll er selbst ein Notizbuch geführt haben, um Wissenslücken zu identifizieren. Wer verstehen möchte, wie die Feynman-Methode funktioniert, muss wissen, dass es verschiedene Arten von Wissen gibt. Es gibt beispielsweise das oberflächliche Wissen. Das bedeutet, dass wir die Fachbegriffe und Fremdwörter kennen, aber nicht den genauen Sachverhalt. Werden wir aufgefordert, die Thematik in einfachen Worten zu erklären, scheitern wir. Wir haben etwas gut auswendig gelernt, ohne das Thema zu durchschauen und in der Tiefe zu verstehen. Dem oberflächlichen Wissen stehen das Verständnis und das tiefgreifende Wissen gegenüber. Auf dieser Stufe haben wir den Sachverhalt durchschaut und sind zu einem tieferen Verständnis gelangt. Jetzt sind wir auch in der Lage unser Wissen zu übertragen und Transferaufgaben zu beantworten. Bei der Feynman-Methode geht es darum, genau diese tiefe Form von Verständnis zu erreichen.

Wie funktioniert die Feynman-Methode eigentlich?

Es gibt eine Legende, die besagt, dass Feynman zusammen mit anderen eine Lerngruppe gründete. Jeder Teilnehmer sollte den anderen das Thema möglichst einfach erklären. Die Regel war, dass keiner Fachbegriffe oder Fremdwörter benutzen sollte. Dass es gar nicht so einfach ist, ein Thema ohne Fremdwörter und Fachbegriffe zu erklären, merkt man spätestens dann, wenn man es selbst versucht. Trotzdem musste man es schaffen, dass alle Zuhörer das Thema verstehen. Ihr könnt euch beispielsweise ein Thema rauspicken und versuchen, es so aufzubereiten, dass es auch von einem Kindergartenkind verstanden wird. Wer ein Thema in einfachen, leicht verständlichen Worten erklären möchte, muss es bis ins letzte Detail beherrschen. Wer sich mit der Feynman-Methode auseinandersetzt, lernt genau das und kann Verstehens- und Transferaufgaben leichter lösen.

Folgende Schritte gehören zur Feynman-Methode

Die Feynman-Methode besteht aus mehreren Schritten. Die einzelnen Schritte bauen aufeinander auf und werden bei Bedarf erneut angewendet. Diese Methode ist also rekursiv. Das heißt, ihr könnt die Schritte im Kreis anwenden und von vorne beginnen, wenn ihr etwas noch nicht vollständig verstanden habt. Und so sehen die Schritte dieser Lernmethode aus:

Im ersten Schritt müsst ihr das Thema vollständig erklären. Ihr startet bei eurem Ist-Zustand. Was wisst ihr bereits über das Thema? Am besten erklärt ihr einem fiktiven oder realen Gesprächspartner was ihr bereits über das Thema wisst. Im Idealfall hat euer Gesprächspartner null Ahnung von dem Thema. Das heißt, ihr müsst ganz vorne beginnen und dürft keine Details auslassen.

  • Im nächsten Schritt notiert ihr euch, wo ihr noch Wissenslücken habt. Habt ihr den ersten Schritt abgeschlossen, dann wisst ihr jetzt, wo sich noch Wissenslücken befinden? Wann waren eure Erklärungen nicht schlüssig? Wo stockt es? Genau diese Wissenslücken müsst ihr euch notieren. Habt ihr für eure Erklärungen Fachbegriffe oder Fremdwörter benutzt? Diese müsst ihr auch noch ausmerzen. Auch ein Laie muss euren Erklärungen folgen können.
  • Im dritten Schritt schließt ihr eure Wissenslücken. Jetzt arbeitet ihr daran, die Zusammenhänge noch besser zu verstehen. Zudem solltet ihr Fachbegriffe und Fremdwörter austauschen. Diese könnt ihr nachschlagen und ersetzen oder ihr findet einfache Umschreibungen dafür. Es ist auch sinnvoll, einfache Beispiele aus dem Alltag zu finden, die den Sachverhalt verdeutlichen können.
  • Im vierten Schritt geht es darum, das Thema noch einmal zu erklären. Jetzt stellt sich heraus, ob ihr eure Wissenslücken schließen und Fachbegriffe durch einfache Wörter ersetzen konntet. Das heißt, ihr startet im Grunde wieder beim ersten Schritt nur mit neuen Erkenntnissen. Diese Schleife könnt ihr so oft ziehen, bis ihr das Thema endgültig verstanden habt. Es gibt immer noch Wissenslücken und ihr versteht noch nicht alle Zusammenhänge? Dann geht es eben mit Schritt zwei und drei weiter.

Ihr seid dann mit einem Thema durch, wenn ihr dieses in einfachen Worten ohne zu stocken erklären und dabei auf Fachbegriffe und Fremdwörter verzichten könnt.

 

Wer war Richard Feynman eigentlich? Foto: antonio-gabola- wzaeghzdqc / unsplash

Wer war Richard Feynman eigentlich? Foto: antonio-gabola- wzaeghzdqc / unsplash

Netzwerk aus Informationen schaffen

Die Feynman-Methode hilft euch nicht nur, ein bestimmtes Thema bis ins letzte Detail zu verstehen, ihr bildet dadurch Netzwerke aus Informationen. Geht ihr das nächste Thema an, habt ihr bereits Informationen gesammelt, die euch helfen können, die jeweiligen Zusammenhänge noch schneller zu verstehen. Ihr knüpft an bereits vorhandenes Wissen an. Bei dieser Methode geht es nicht darum, Inhalte stumpf auswendig zu lernen und in der Prüfung abrufen zu können, sondern um echtes Verstehen der Sachverhalte.

Fazit

Wenn ihr nicht nur auswendig lernen, sondern das Gelernte auch verstehen möchtet, ist die Feynman-Methode eine gute Wahl. Mit dieser Lernmethode deckt ihr Wissenslücken auf, schließt diese und startet die Lernschleife von vorne, wenn ihr noch nicht in der Lage seid, komplizierte Sachverhalte einfach und verständlich zu erklären. So gelangt ihr Schritt für Schritt zu einem tieferen Verständnis.

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