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So richtig die Sau rauslassen

Im Netz ist doch alles erlaubt, oder?!

Foto: becca tapert / unsplash
Foto: becca tapert / unsplash

Im Internet ist man vermeintlich anonym und kann alles sagen beziehungsweise schreiben, was einem gerade einfällt? Dem ist nicht so. Egal, ob ihr auf Twitter, Instagram, Facebook, Youtube, Whatsapp oder Snapchat unterwegs seid, das Internet ist kein rechtfreier Raum. Obwohl die Meinungsfreiheit auch im Internet gilt, müsst ihr euch an bestimmte Regeln halten.

Meinungsfreiheit im Internet – ihr dürft nicht alles sagen / Foto: cristian dina

Meinungsfreiheit im Internet – ihr dürft nicht alles sagen / Foto: cristian dina

Meinungsfreiheit im Internet – ihr dürft nicht alles sagen

Grundsätzlich herrscht Meinungsfreiheit auch im Internet. Laut Grundgesetz darf sich jeder eine eigene Meinung bilden, diese frei äußern und er hat auch das Recht diese zu verbreiten. Dabei muss es sich nicht um bloße Fakten handeln, auch Wertungen und Überzeugungen darf man äußern und verbreiten. Ihr dürft also durchaus Kritik im Internet äußern. Wenn euch beispielsweise das Essen in einem Restaurant nicht gefallen hat oder ihr auch das gebuchte Hotel ganz anders vorgestellt habt, dann dürft ihr das mitteilen. Das dürft ihr auch im Internet. Bewertungsportale leben von solchen Meinungsäußerungen. Allerdings steht der Meinungsfreiheit das Persönlichkeitsrecht gegenüber. Personen sowie auch Unternehmen und Organisationen haben das Recht auf Entfaltung und Achtung. Zum Persönlichkeitsrecht gehört beispielsweise der Schutz der Privatsphäre. Auch die Geheim- und Intimsphäre muss geachtet werden. So hat jede Person beispielsweise das Recht am eigenen Bild und ein Recht auf die persönliche Ehre. Geht es also um Meinungsfreiheit im Internet, so hat diese ihre Grenzen. Ihr könnt nicht ungestraft die Sau rauslassen und andere nach Lust und Laune beleidigen. Ihr dürft andere zwar kritisieren, aber nicht beleidigen. Ihr dürft auch keine Lügen über andere verbreiten. Verletzen eure Äußerungen die Privat- oder Intimsphäre einer Person massiv, wird dies ebenfalls nicht gern gesehen. Daneben solltet ihr im Internet nichts äußern, was zu heftig gegen die guten Sitten verstößt und Regierung, Gerichte oder Polizei zu stark kritisiert. Auch hier kann die Meinungsfreiheit eingeschränkt sein.

Geht es um die Meinungsfreiheit im Internet, dann sind die Grenzen fließend. Während manch eine Aussage gerade noch so durchgeht und keine rechtlichen Folgen nach sich zieht, können andere zu Geldbußen und Freiheitsstrafen führen. Anwälte und Gerichte beschäftigen sich häufig damit, was gerade noch geht und was rechtlich zu beanstanden ist. Vor Gericht werden die Kommunikationsfreiheit und das Persönlichkeitsrecht gegeneinander abgewogen. Laut Strafrecht gibt es verschiedene Verstöße gegen das Persönlichkeitsrecht. Hier gibt es beispielsweise die Beleidigung. Wer einen anderen beleidigt, kann eine Geldstrafe bekommen oder sogar im Gefängnis landen. Ob eine Äußerung als Beleidigung gewertet und als geringschätzend und ehrverletzend eingestuft wird, hängt allerdings vom jeweiligen Gericht ab. Auch üble Nachrede kann bestraft werden. Wenn ihr beispielsweise von eurem Boss behauptet, dass er etwas mit der minderjährigen Auszubildenden angefangen hat, kann das teuer werden. Stalking, Verleumdung, Lüge, Nötigung oder Bedrohung gehen gegen die Persönlichkeitsrechte und können vom Gesetz geahndet werden. Wenn euer Boss euch aufgrund eurer Äußerung anzeigt und ihr habt das ohne tatsächlichen Beweise einfach nur so behauptet, so ist das ein Verstoß gegen das Gesetz. Euer Chef kann euch anzeigen.

Wie euer Verstoß gewichtet wird und welche Strafe ihr erhaltet, hängt auch davon ab, wie viele Menschen die Persönlichkeitsverletzung hätten mitbekommen können. Das heißt, es ist ein Unterschied, ob ihr gegenüber einem Kollegen beim Feierabendbier die Behauptung, dass die neue Auszubildende etwas mit dem Boss hat, aufstellt, oder ob ihr das auf der öffentlichen Facebook-Seite eures Unternehmens postet. Unterhaltet ihr euch über Whatsapp mit einem Kollegen über euren Chef, wird das wahrscheinlich ebenfalls nicht als öffentliche Beleidung angesehen. Allerdings kann es bei Facebook, auch wenn es sich um einen privaten Chat mit nur wenigen Teilnehmern handelt, wieder ganz anders aussehen. Auch bei einer kleinen Chat-Gruppe könnt ihr nicht wissen, wer eure Nachrichten liest, und ob diese mit weiteren Personen geteilt werden. Auch bei Portalen wie Snapchat kann man nicht davon ausgehen, dass Inhalte nicht gespeichert und verbreitet werden können. Die Bilder verschwinden zwar nach einigen Sekunden, es gibt jedoch durchaus Möglichkeiten, diese zu speichern. Wichtig zu wissen: Je öffentlicher eine Beleidigung erfolgt und umso größer das mögliche Publikum ist, desto eher müsst ihr mit einer Strafe beziehungsweise Geldbuße rechnen. Hier können durchaus mehrere Tausend Euro verlangt werden.

Habt ihr in einer Kurzschlussreaktion ein paar sehr beleidigende Sätze verfasst, könnt ihr vor Gericht auf "Affekt" plädieren. Wer wütend ist, ist nicht unbedingt fähig, seine Kritik sachlich und fair zu formulieren. Hier habt ihr also ein Hintertürchen, wenn euch die Finger vor lauter Wut doch einmal auf der Tastatur ausgerutscht sind. Aber Achtung, Affekt heißt wirklich direkt dann, wenn die Emotionen hochkochen. Hattet ihr den Streit mit eurem Boss vor zwei Wochen, könnt ihr nicht mehr auf Affekt plädieren.
 

Meinungsfreiheit im Internet – ihr dürft nicht alles sagen Foto: oladimeji ajegbile / pexels

Meinungsfreiheit im Internet – ihr dürft nicht alles sagen Foto: oladimeji ajegbile / pexels

So tretet ihr auch virtuell niemandem auf die Füße

Es gibt einige Regeln, die ihr beachten solltet, wenn ihr eure Meinung im Netz äußern möchtet. Wenn ihr im Internet Kritik loswerden wollt, dann bemüht euch um Folgendes:

  • Berichtet nur von eigenen Erfahrungen. Ihr könnt Restaurant XY nicht niedermachen, nur weil Tante Gundula dort letzten Freitag eine versalzene Suppe serviert worden ist. Bleibt bei euren persönlichen Erfahrungen.
  • Schlagt Verbesserungen vor. Ihr müsst nicht unbedingt aufzählen, was ihr alles schlecht findet. Stattdessen schlagt ihr Verbesserungen vor. Sagt nicht: Die Dekoration im Restaurant XY ist total altbacken und muffig. Selbst meine Oma hat mehr Geschmack. Sagt lieber: Das Essen im Restaurant XY war sehr gut, die Einrichtung könnte etwas moderner sein.
  • Betont, dass es sich um eure eigene Meinung handelt. Für Tante Gundula war die Suppe vielleicht zu salzig, für jemand anderen wäre sie so vielleicht genau richtig. Macht klar, dass es sich um eure subjektive Meinung handelt. Das gelingt beispielsweise so: Für meinen Geschmack war die Suppe etwas zu salzig.
  • Ihr dürft keine Unwahrheiten verbreiten. Die Meinungsfreiheit im Internet geht nicht so weit, dass ihr lügen dürft. Ihr dürft hier keine Behauptungen aufstellen, die ihr nicht beweisen könnt.
  • Geheimnisse müsst ihr für euch behalten. Das gilt vor allem dann, wenn ihr über euren Arbeitgeber schreibt. Ihr dürft keine Interna verraten und Informationen unerlaubt weitergeben.
  • Ihr dürft nichts schreiben, was den Ruf eines anderen schädigen könnte. Dies gilt auch bei Kritiken von Arbeitgebern. Das öffentliche Ansehen oder die Kreditwürdigkeit von Personen oder Unternehmen darf nicht durch eure Aussage geschädigt werden.
  • Nennt im Internet keine Namen. Ihr solltet euch mit der Nennung von Namen im Internet zurückhalten. Hier ist nur sehr wenig erlaubt.
  • Achtet auf eure Wortwahl. Verfasst eine Kritik möglichst nicht dann, wenn ihr gerade komplett gefrustet und wütend seid. Kochen die Emotionen hoch, sind die Worte selten sachlich. Verschiebt das Schreiben eurer Kritik dann lieber auf später.
  • Betriebsgeheimnisse müsst ihr für euch behalten.

Fazit

Grundsätzlich gilt die Meinungsfreiheit auch im Internet. Ihr müsst euch nicht ins Höschen machen, wenn ihr ein Restaurant oder Hotel kritisiert. Auch bei Arbeitgeber- und Ärztebewertungen steht ihr nicht mit einem Beim im Knast. Gerechtfertigte Kritik darf auch im Internet sein und ihr müsst euch keine Sorgen machen. Wichtig ist, dass ihr eure Kritik fair, sachlich und konstruktiv vorbringt. Verbesserungsvorschläge sind beispielsweise möglich. Ihr dürft im Internet allerdings nicht die Sau rauslassen und schon gar nicht jemanden zur Sau machen. Alles was darauf ausgerichtet ist, anderen zu schaden, ist nicht erlaubt. Deshalb gilt auch: In der Wut sind schnell einmal ein paar Sätze getippt, mit denen man über das Ziel hinausschießt. Verfasst keine Bewertungen, wenn die Emotionen hochkochen, sondern lasst den Zorn verrauchen und verfasst eure Meinung sachlich.

Mehr Infos findet ihr hier:

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