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Spanien kündigt 3-tägigen Menstruationsurlaub für Frauen an

Schluss mit Unproduktivität und Bauchkrämpfen

Foto: imani bahati / unsplash
Foto: imani bahati / unsplash

Viele Frauen quälen sich trotz starker Regelschmerzen zur Arbeit. Spanien könnte bald das erste europäische Land sein, das Arbeitnehmerinnen Menstruationsurlaub anbietet. Doch wie sinnvoll ist dieser Vorschlag wirklich?

Menstruationsurlaub – was ist das?

Spanien plant, Frauen, die unter starken Regelschmerzen leiden, bis zu drei Tage Urlaub während der Menstruation zu gewähren. Also ein rechtlicher Anspruch des Sonderurlaubs wegen starker Regelschmerzen, aber natürlich nur gegen Vorlage eines ärztlichen Attests.

Spaniens Staatssekretärin für Gleichstellung, Angela Rodriguez, erklärte in einem Interview, dass einer Frau mit sehr starken Schmerzen während der Periode zustehen sollte, zu Hause zu bleiben. Liegt eine Krankheit mit derartigen Symptomen vor, unter denen die Betroffenen leiden, würde eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bescheinigt werden. Das Gleiche sollte bei starken Regelschmerzen der Fall sein, sagt Angela Rodriguez.

Rund 91 Prozent leiden während ihrer Periode unter Beschwerden wie

  • Krämpfe
  • Starke Blutungen
  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall

Viele Frauen haben außerdem Rückenschmerzen und andere Symptome während ihrer Menstruation. Ein Großteil war aufgrund der schmerzhaften Regelblutungen schon bei einem Arzt oder einer Ärztin. Professor John Guillebaud vom Institut für Frauengesundheit des University Colleges London bestätigt: bei einigen können die Krämpfe sogar so heftig werden wie die Schmerzen bei einem Herzinfarkt.

Menstruationsurlaub oder Menstrual leave?

Viele Frauen leiden unter Produktivitätseinbußen während ihrer Periode. Eine Vielzahl an Frauen kann aufgrund starker Regelschmerzen nicht zur Arbeit oder Schule gehen. Deshalb ist der Begriff Menstruationsurlaub falsch gewählt. Jeder, der sich schon einmal vor Schmerzen zusammen gekauert hat, weiß, dass Menstruationsbeschwerden definitiv nichts mit entspanntem Urlaub zu tun haben. Der irreführend gewählte Begriff vermittelt jedem, der nicht unter Menstruationsbeschwerden leidet, ein ganz falsches Bild. Ein besser gewählter Begriff wäre „Menstrual leave“.

Vorreiter des Menstruationsurlaubs

Spanien ist nicht das erste Land, das Arbeitnehmerinnen einen Menstruationsurlaub gewähren möchte. In Japan, Teilen Chinas, Südkoreas, Taiwans, Indonesien und Sambias gibt es bereits einen Menstrual leave, diese Leistung wird bereits von einer Handvoll Unternehmen des Privatsektors angeboten.

 

Spanien kündigt 3-tägigen Menstruationsurlaub an / Foto: jasmin chew / unsplash

Spanien kündigt 3-tägigen Menstruationsurlaub an / Foto: jasmin chew / unsplash

Das Problem mit dem Menstruationsurlaub

Diese Art von Maßnahmen ist jedoch nur hilfreich, wenn sich Frauen frei fühlen, einen Menstruationsurlaub in Anspruch zu nehmen. Beispielsweise berichtet eine Fokusgruppe in Taiwan, dass sie Urlaub während der Menstruation aufgrund von starken Regelschmerzen nur sehr selten nutzen. Das hat unter anderem folgende Gründe:

  • Niemand anderes beantragt Menstruationsurlaub
  • Es ist nicht klar, ob hier die gleichen oder andere Urlaubsregelungen gelten
  • Niemand übernimmt die liegen gebliebene Arbeit
  • Frauen möchten darüber nicht mit ihrem männlichen Vorgesetzten sprechen
  • Unternehmen benötigen als Nachweis eine ärztliche Bescheinigung

In Japan ist der Menstrual leave bereits seit 1947 gesetzlich verankert. Jedoch besteht das soziale Stigma fort, das mit dem Hinweis auf den Menstruationszyklus verbunden ist. Hierbei bleibt eine Aussage, die eine Japanerin 2016 gegenüber The Guardian gemacht hat, im Gedächtnis.

„If you’re trying to prove yourself in a man’s world, you’re not going to take menstrual leave in case it’s interpreted as a sign of weakness.”

Möchten sich Frauen in einer Männerwelt beweisen, kann es als schwach empfunden werden, während der Menstruation Urlaub zu nehmen. Aus diesem und weiteren Gründen nehmen viele Frauen den Menstruationsurlaub nicht oder nur selten in Anspruch. Deshalb muss zusätzlich zum Menstruationsurlaub die Entstigmatisierung der Menstruation stattfinden, sonst könnte das Stigma der Menstruation durch diese Art Maßnahmen verstärkt werden.

Die Arbeitskultur muss sich so ändern, dass die Menschen Urlaub oder Krankheitstage nehmen, wenn sie sie brauchen. Außerdem muss ein Umdenken stattfinden. Der Mythos, dass Frauen nicht funktionieren und emotional instabil sind, wenn sie ihre Menstruation haben, muss entkräftet werden.

Wenn es darum geht, Menstruationsurlaub zu nehmen, äußern viele Bedenken. Das Wohlbefinden der unter starken Regelschmerzen leidenden könnte zwar gefördert werden, aber ist es nicht ungerecht den Männern gegenüber? Und werden nicht viele diese Regel missbrauchen, um häufiger freizubekommen? Viele haben Angst, dass Männer dadurch zu attraktiveren Arbeitnehmern werden und es zur Diskriminierung kommt, wenn es um die Besetzung einer Stelle geht. Denn potenziell menstruierende Angestellte könnten häufiger fehlen als andere Mitarbeiter. Ein Großteil sieht deshalb den Menstruationsurlaub als Gefahr für die eigene Karriere.

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn es darum geht, dass Menschen, die menstruieren, sich nicht unbedingt als Frau identifizieren und der Arbeitgeber eventuell nicht weiß, dass die Person unter die Regel des Menstruationsurlaubs fällt. Hier ist die Frage, ob die betreffenden Personen Menstruationsurlaub in Anspruch nehmen wird, wenn es bedeutet sich zu outen. Das kann bei manchen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu großen Problemen führen.

Die Menstruation ist in unserer Gesellschaft auch heute noch häufig mit Scham und Ekel besetzt. Auch in der Werbung wird erst seit neuestem rote Flüssigkeit und nicht mehr blaue bei Menstruationsprodukten verwendet. Das Thema könnte durch die Einführung eines Menstruationsurlaubs weiter enttabuisiert werden.

Die Periode ist keine Krankheit, weswegen sich viele lieber zur Arbeit schleppen und Schmerztabletten nehmen, als sich krankzumelden. Das Bewusstsein muss geschärft werden, dass starke Beschwerden während der Menstruation nicht ausgehalten werden müssen.

Schluss mit Unproduktivität und Bauchkrämpfen / Foto: erol ahmed / unsplash

Schluss mit Unproduktivität und Bauchkrämpfen / Foto: erol ahmed / unsplash

Fazit

Viele Frauen leiden während ihrer Periode unter so starken Beschwerden, dass sie nicht oder nur unter starken Schmerzen arbeiten können. Musst du aufgrund deiner starken Regelschmerzen während der Menstruation Urlaub beantragen, ist das vielleicht bald auch in Spanien möglich. Die Einführung eines Menstrual leave für Menschen mit starken Menstruationsbeschwerden ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es geht vor allem um das Wohlbefinden der Arbeitnehmerinnen und dafür müssen Regelungen gefunden werden, die dies unterstützen und die Arbeitnehmerinnen dazu veranlassen, sich nicht davor zu scheuen, einen Menstrual leave in Anspruch zu nehmen. Die Aufklärung über Menstruation und die Integration eines Menstruationsurlaubs müssen gleichzeitig passieren, um die Stigmatisierung nicht zu fördern.

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