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Studentenverbindung

hilfreich beim Aufbau eines Netzwerks

Foto: taisiia stupak / unsplash
Foto: taisiia stupak / unsplash

Studentenverbindungen kennt man vor allem aus amerikanischen Filmen. Allerlei Legenden und Geschichten ranken sich darum. Eine Studentenverbindung ist nicht unbedingt ein mystischer Zusammenschluss voll von geheimen Absprachen und Ritualen. Es kann auch einfach ein Ort sein, an dem ihr Gleichgesinnte trefft und euer Netzwerk weiter ausbaut.

Was ist eine Studentenverbindung?

Unter dem Begriff Studentenverbindung werden studentische Korporationen zusammengefasst. In Deutschland gibt es etwa 1.000 aktive Studentenverbindungen. Nur etwa ein Prozent aller Studierenden in Deutschland sind in einer solchen Verbindung organisiert. Die Bandbreite an Verbindungen ist groß. Es gibt beispielsweise katholische Verbindungen, unpolitische Zusammenschlüsse, Turnerbünde, Damenverbindungen sowie schlagende Burschenschaften. Charakteristisch für schlagende Burschenschaften ist, dass diese Fechtkämpfe also sogenannte Mensuren ausführen.

Studentenverbindung – hilfreich beim Aufbau eines Netzwerks / Foto: sales navigator / unsplash

Studentenverbindung – hilfreich beim Aufbau eines Netzwerks / Foto: sales navigator / unsplash

Was macht eine Studentenverbindung eigentlich aus?

Bei einer Studentenverbindung geht es um Regeln, Prinzipien und Traditionen. Welche Regeln, Prinzipien und Traditionen es gibt, kann je nach Verbindung sehr unterschiedlich sein. Allerdings gibt es einige Dinge, die im Grunde alle Studentenverbindungen gemeinsam haben. Dazu gehört beispielsweise das sogenannte Conventsprinzip. Dieses Prinzip besagt, dass Studentenverbindungen basisdemokratisch geführt werden. Es werden allerdings jedes Semester mehrere Studenten aus der Verbindung zum Vorstand gewählt.

Der Vorstand trifft dann die wesentlichen Entscheidungen. In den meisten Studentenverbindungen gilt zudem das Lebensbundprinzip. Dieses besagt, dass man eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit eingeht. Wer einmal Mitglied ist, bleibt immer Mitglied. Eine weitere Tradition, die viele Studentenverbindungen gemeinsam haben, ist das sogenannte Kneipen. Hier wird nach einem vorgeschriebenen Ablauf gefeiert. Dazu können Dinge gehören wie das Halten von Reden, Gesang und das Trinken von Bier. Stattfinden kann das Kneipen beispielsweise zu Anlässen wie dem Gründungstag der Studentenverbindung sowie zu besonderen Jubiläumstagen der Hochschule. Handelt es sich um schlagende Studentenverbindungen, so eint diese auch die sogenannte Mensur. Bei der Mensur handelt es sich um eine Art des akademischen Fechters. Hier treten Mitglieder der Verbindung mit scharfen Klingen gegeneinander an. Kommt es dabei zu einer Verletzung und einer Narbe, wird diese stolz getragen und dient als Erkennungszeichen. Entsteht im Gesicht eine Narbe während einer Mensur, so wird diese im Übrigen als Schmiss bezeichnet.

Welche Vorteile bietet mir eine Studentenverbindung?

Für viele mögen Studentenverbindungen den Charme einer Pferdekutsche haben. Sie sind vielleicht nett anzuschauen, aber doch wohl ein absolut alter Hut. Es gibt jedoch nach wie vor zahlreiche Vorteile, die euch solch eine Verbindung bieten kann. Vor allem wenn ihr neu in einer Stadt seid, kann die Verbindung die erste Anlaufstelle für euch sein. Ihr lernt schnell neue Leute kennen und in einer aktiven Verbindung herrscht in aller Regel ein aktives Verbindungsleben. Das heißt, ihr findet schnell Anschluss und könnt euch ins Verbindungsleben einbringen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass ihr euch mit den Inhalten der jeweiligen Verbindung identifizieren könnt. Hinzukommt, dass euch Studentenverbindungen dabei helfen können, eure Interessen zu verfolgen. Es gibt Verbindungen mit akademischen, musischen oder sportlichen Inhalten. Bei diesen Verbindungen findet ihr zudem gleich Anschluss zu Gleichgesinnten. Das sind die Vorteile:

  • Ihr findet in einer neuen Stadt sowie an einer neuen Hochschule schnell Anschluss. Studentenverbindungen sind gute Anlaufstellen, um Gleichgesinnte zu treffen.
  • Ihr lernt innerhalb einer kurzen Zeit viele neue Leute kennen.
  • Ihr werdet Teil einer Gemeinschaft.
  • Mitglieder einer Verbindung unternehmen viel zusammen. Es werden Feste gefeiert, Ausflüge unternommen und Traditionen gelebt. Oftmals entstehen in einer solchen Verbindung Freundschaften fürs Leben.
  • Ein großer Vorteil ist, dass Mitglieder von Studentenverbindungen oftmals auf günstigen Wohnraum zurückgreifen können. Der Wohnraum für Mitglieder der Verbindung wird teilweise von älteren Mitgliedern, die bereits im Berufsleben stehen, subventioniert. So kann Wohnraum gerade in teuren Studentenstädten etwas günstiger werden.
  • Ehemalige Studenten bleiben auch nach dem Eintritt ins Berufsleben noch Mitglied der Verbindung. In diesen Ehemaligen findet ihr gute Ansprechpartner für euren beruflichen Erfolg. Auf ein großes Netzwerk an Ehemaligen zurückgreifen zu können, ist praktisch, denn eine Portion Vitamin B ist nicht ausgeschlossen.
  • Wenn ihr erst einmal testen wollt, ob eine Verbindung etwas für euch ist, dann ist die Probezeit von Vorteil. In vielen Verbindungen gibt es eine solche Probezeit. Während dieses Zeitraums könnt ihr problemlos austreten. Später ist das natürlich auch noch möglich, gilt jedoch als unehrenhaft.

Der Kontakt zu anderen Studenten oder Ehemaligen ist für viele der Hauptgrund, wenn sie einer Studentenverbindung beitreten. Durch einen Beitritt in eine Verbindung lässt sich ganz nebenbei das eigene Netzwerk vergrößern und man profitiert auch später im Beruf von diesen persönlichen Kontakten.

Was macht eine Studentenverbindung eigentlich aus? Foto: brett jordan kuemuodzepy

Was macht eine Studentenverbindung eigentlich aus? Foto: brett jordan kuemuodzepy

Hat eine Studentenverbindung auch Nachteile?

Keine Frage, wenn ihr euer Netzwerk schnell vergrößern wollt, dann ist es sinnvoll, einer Studentenverbindung beizutreten. Es gibt jedoch auch einige Nachteile, die ihr beim Beitritt beachten solltet. Das Leben in einer studentischen Verbindung wird durch zahlreiche Traditionen, Regeln und Verpflichtungen geprägt. Habt ihr keinen Bock darauf, auch andere zu unterstützen, Aufgaben an Feierlichkeiten zu übernehmen und Regeln einzuhalten, seid ihr hier falsch. Individuelle Bedürfnisse und Überzeugungen spielen hier eine untergeordnete Rolle.

In einer Studentenverbindung zeichnet sich das Zusammenleben durch viele Regeln aus. Eigene Bedürfnisse oder individuelle Überzeugungen kommen möglicherweise zu kurz. Es gibt zudem klare Hierarchien in Studentenverbindungen. Während der Probezeit (auch Fuchsenzeit genannt) habt ihr kein großes Mitspracherecht und müsst euch Mitgliedern, die in der Hierarchie höher stehen, beugen. Oftmals wird verlangt, dass ihr an Veranstaltungen und Festen teilnehmt. Ihr müsst eventuell eine Uniform tragen und eure Verbindung in der Öffentlichkeit repräsentieren. Die Interessen der Studentenverbindung haben Vorrang vor euren persönlichen Interessen. Entscheidet ihr euch zudem für eine schlagende Studentenverbindung, dann ist die Mensur Teil des Verbindungslebens. Bei der Mensur besteht die Gefahr sich zu verletzen. Ihr könntet eine Narbe davontragen, die euch ein Leben lang prägt und eure Zugehörigkeit zur jeweiligen Verbindung unterstreicht. Zu bedenken ist auch, dass ihr viel Zeit und Mühe in eure Mitgliedschaft investieren müsst. Euch bleibt möglicherweise nicht mehr viel Spielraum, um Menschen außerhalb der Verbindung kennenzulernen. Es wird von euch außerdem erwartet, dass ihr euch später finanziell für die Verbindung einsetzt. Das heißt, ihr werdet ein Leben lang Mitgliedsbeiträge zahlen. Wenn ihr selber allerdings durch diese Mitgliedsbeiträge profitiert habt und während eurer Studienzeit günstig wohnen konntet, werdet ihr diesen Dienst für zukünftige Mitglieder vermutlich ebenfalls gerne übernehmen.

Fazit

Eine Studentenverbindung ist eine gute Möglichkeit, um schnell sehr viele Kontakte zu knüpfen. Ihr findet schnell Anschluss. Es ist auch möglich, dass euch Wohnraum besonders günstig zur Verfügung gestellt wird. Als sehr wertvoll gilt der Kontakt zu Ehemaligen. Diese können euch unter Umständen mit ihren Erfahrungen und Vitamin B weiterhelfen. Ihr solltet euch jedoch bewusst machen, dass Pflichten, Traditionen, Regeln und Prinzipien zur Mitgliedschaft in Studentenverbindungen dazu gehören.

Mehr Infos findet ihr hier:

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